Das abenteuerliche Leben des Deadwood Dick von Joe R. Lansdale

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2015 unter dem Titel Paradise Sky, deutsche Ausgabe erstmals 2016 bei Tropen.
Ort & Zeit der Handlung: USA, Texas, 1870 - 1889.

  • New York: Mullholland Books, 2015 unter dem Titel Paradise Sky. 400 Seiten.
  • Stuttgart: Tropen, 2016. Übersetzt von Conny Lösch. ISBN: 978-3-608-50140-7. 480 Seiten.

'Das abenteuerliche Leben des Deadwood Dick' ist erschienen als Hardcover E-Book

In Kürze:

Nachdem Willie unverschuldet eine Einladung zum Lynchen erhält, stiehlt er ein Pferd und flieht. Er begibt sich unter den Schutz eines ehemaligen Soldaten namens Loving, der ihm Lesen und Schießen bei bringt. Als er erneut fl iehen muss, nimmt Willie den Namen Nat Love an und meldet sich im Norden freiwillig zur Armee. Er und ein anderer freigelassener Sklave sind kurz darauf die einzigen Überlebenden ihrer Einheit bei einem Apachenhinterhalt. Gemeinsam machen sie sich auf nach Deadwood, wo Nat sich in eine wunderschöne junge Frau ver liebt, das Leben von Wild Bill Hickok rettet – und auf Rache an seinen Verfolgern sinnt.

Das meint Krimi-Couch.de: »Auf der Flucht« 84°

Krimi-Rezension von Jürgen Priester

Wirft man einen Blick auf die Bibliographie des Autors, kann man anerkennend festhalten: Joe R. Lansdale ist ein fleißiger Mann. Die Krimi-Couch schreibt in Lansdales Kurzbiographie dazu: »In rasantem Tempo, mit einer unbändigen Freude am Genremix und am Auf-die-Spitze-Treiben (dem »Mojo-Storytelling«) legte er Story auf Story vor.«

Auch an Übersetzungen ins Deutsche mangelt es mittlerweile nicht mehr. Nach einem ersten Schwung an Übersetzungen Ende der 1990er Jahre, schwerpunktmäßig die Romane aus der Hap-Collins-&-Leonard-Pine-Reihe, blühte das Interesse der deutschen Verlage und Leser erst mit Beginn der zweiten Dekade diesen Jahrhunderts wieder auf. Mehrere deutsche Verlage schöpfen aktuell aus dem reichen Fundus des Schriftstellers. Das hier vorliegende Das abenteuerliche Leben des Deadwood Dick, erschienen im Tropen-Verlag (2016), übersetzt von Conny Lösch, liegt Lansdales aktueller Roman »Paradise Sky« (2015) zugrunde.

Das abenteuerliche Leben des Deadwood Dick spielt Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts in verschiedenen Bundesstaaten der USA, hauptsächlich in Texas. Der Roman ist ein Western mit (fast) allen Zutaten, die das Subgenre so bieten kann: öde Landschaften, verschneite Wälder, tiefe Schluchten, eine Goldgräberstadt, Saloons, Säufer, Huren, Revolverhelden, lebende Legenden, Marshals, US-Kavallerie, Indianerüberfall, Farmen, Siedler, Planwagen. Man muss tatsächlich schon ein Faible für diese Art von Abenteuerroman haben, der sich eher an ein amerikanisches Publikum wendet.

Der Roman erzählt aus der Ich-Perspektive die Geschichte eines schwarzen Jugendlichen, der zum Mann reift. Als Willie Jackson wurde er geboren, nannte sich selbst an einem bestimmten Punkt Nat Love, wurde dann später zu Deadwood Dick, einer Westernlegende, über die Heftromane geschrieben wurden.

Der 20-jährige Willie Jackson bewirtschaftet zusammen mit seinem Vater eine kleine abgelegene Farm. Es reicht gerade mal zum Überleben. Eines Tages auf dem Weg zum Einkaufen im Ort bleibt sein Blick zulange auf dem prallen Hinterteil einer weißen Farmersfrau haften. Der rassistische Ehemann bemerkt das, rastet völlig aus und schwört ewige Rache, die er auch sofort umzusetzen beginnt. Willie muss fliehen. Das Glück bleibt ihm aber hold. Er kommt bei einem alleinstehenden Farmer unter. Bei ihm bleibt Willie über Jahre, in denen er viel lernt. Doch der rachsüchtige Psychopath hat nicht aufgeben. Willie, der sich nun Nat Love nennt, muss erneut fliehen. Nach vielen Stationen und Abenteuern kommt er in die Goldgräberstadt Deadwood. Dort kann er sich behaupten, lernt Wild Bill Hickock und Calamity Jane kennen und findet die große Liebe. Doch der Rächer ist ihm auf den Fersen geblieben. Willie weiß, dass er dieser Rachegeschichte ein Ende bereiten muss. Mit dem Selbstbewusstsein eines Deadwood Dick der Ehrenname, der ihm wegen seiner hervorragenden Schießkünste verliehen wurde steuert er einen finalen Showdown an.

Joe R. Lansdale beschäftigt sich in seinen Romanen mit dem Zustand der amerikanischen Gesellschaft, dabei verlegt er gerne die Handlung in zurückliegende Jahrzehnte oder wie im Fall dieses Romans ins 19. Jahrhundert. Zwei herausstechende Aspekte, das liest man bei Lansdale und bei vielen seiner Kollegen, prägen die amerikanische Gesellschaft in der Vergangenheit und in der Gegenwart, das sind Rassismus und Gewaltbereitschaft. Mit beidem wird Willie Jackson, der Held des Romans, täglich konfrontiert. Dass er das relativ unbeschadet übersteht, macht ihn zu einer Ausnahme. Diese Art von Überhöhung gehört wohl zum Wesen eines Heldenepos. Muss man nicht gut finden. Es erinnert den Rezensenten ein bisschen an Karl May.

Joe R. Lansdale ist ja nicht bekannt für eine barmherzige Prosa. Es geht von Anfang an heftig zur Sache. Es werden wenig Gefangene gemacht und manches Flüsschen färbt sich rot. Die gewalterfüllte Szenerie findet ihre Entsprechung in Lansdales Sprache. Wie eingangs erwähnt ist der jugendliche Willie Jackson der Ich-Erzähler, passend dazu die Wortwahl in der Erzählung: jugendlich, naiv, schnoddrig, ängstlich, teilweise genital. Für den Leser ist das schon gewöhnungsbedürftig, aber der Duktus ändert sich im Laufe der Geschichte, wie auch der Held zu einer verantwortungsvollen Persönlichkeit heranreift.

Die abenteuerliche Geschichte des Deadwood Dick ist die Geschichte eines »Selfmademan«, nicht die des weiten Wegs vom Tellerwäscher zum Millionär, sondern die des weiten Wegs eines schwarzen Sklavenkindes zum Farmbesitzer. Die Inszenierung ist teilweise sehr eindrucksvoll und spannend, aber auch klischeehaft und das Ende zu weichgespült. Das gibt Punktabzüge in der Bewertung.

Jürgen Priester, Mai 2016

Ihre Meinung zu »Joe R. Lansdale: Das abenteuerliche Leben des Deadwood Dick«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

Ihr Kommentar zu Das abenteuerliche Leben des Deadwood Dick

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: