Akt der Liebe von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 1980 unter dem Titel Act of Love, deutsche Ausgabe erstmals 1999 bei Maas.
- New York: Zebra, 1980 unter dem Titel Act of Love. 301 Seiten.
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Berlin: Maas, 1999.
Übersetzt von Gabriele Bärtels.
Pulp Master; Bd. 6.
ISBN:
3929010496. 244 Seiten. -
Berlin: Maas, 1999.
Übersetzt von Gabriele Bärtels.
ISBN:
392901050X. 244 Seiten. -
München: Heyne, 2010.
Übersetzt von Gabriele Bärtels.
ISBN:
978-3-453-67586-5. 287 Seiten.
'Akt der Liebe' ist erschienen als
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In Kürze:
Tod, Blut und Gewalt sind keine Unbekannten im Fifth Ward, dem Schwarzen-Ghetto von Houston, Texas. Doch die bestialische Hinrichtung einer Prostituierten scheint alles bisher dagewesene in den Schatten zu stellen. Für Detective Marvin »Gorilla« Hanson ist als Homeboy und Kenner der Szene sofort klar: die üblichen Motive kommen diesmal nicht in Frage. Vielmehr deuten die Spuren auf einen perversen Killer hin, der nachts durch die Straßen schleicht und sich gezielt weibliche Opfer aussucht, um sein Verlangen nach Leidenschaft, Wut, Haß und Rache zu befriedigen und seinen schier endlosen Durst nach Blut zu stillen. Für die Frauen beginnt ein Leben in ständiger Angst, für Hanson ein nicht enden wollender Alptraum, für den Killer, der sich selbst als Houston Hacker bezeichnet, ist es ein Akt der Liebe.
Das meint Krimi-Couch.de: »Avantgarde im Genre der Serienkiller«
Krimi-Rezension von Bernd Neumann überspringen
Was für ein lieblicher Name für so ein brutales, rohes Buch! Aber der »Akt der Liebe« läuft bei Serienkillern eben anders. »Pearl Harbor«, Teil des Ghettos von Houston, Texas, hat seinen Beinamen nicht von ungefähr. Tod, Blut und Gewalt stehen hier auf der Tagesordnung:
Es ist eine enge, schwarze Welt, vollgestopft mit Fleisch und Armut, eine Sickergrube der Verzweiflung.
Hier im Fifth Ward stecken die Bewohner tief im dunklen Morast aus Schmerz, Ignoranz und Zerstörung:
Denkt man an Selbstmord oder möchte von einem Ohr zum anderen aufgeschlitzt werden, wäre das genau die Gegend, die man spätabends, mit Geld klimpernd, erkunden sollte. Genau genommen braucht man dazu gar kein Geld. Man sagt, es gäbe dort Typen, die können nachts nicht einschlafen, bevor sie nicht jemanden umgebracht haben.
Smokey, einer der schwarzen, hoffnungslos verkommenden Säufer im Pearl Harbor stößt beim Pinkeln in einer düsteren Nebenstraße auf Reste von dem, was vor wenigen Stunden für ein paar Dollar noch eine lebende Prostituierte war. Jetzt abgeschlachtet, grausam verstümmelt, so schlimm, dass es ihn zur Polizeistation treibt, um das Verbrechen freiwillig zu melden.
Nach der Protokollierung fahren Marvin Hanson und sein weißhäutiger Detective-Partner und Kumpel Joe Clark ins rund um die Uhr geöffnete Leichenschauhaus.
Was sie da, begleitet vom Pathologen Doc Warren sehen, ist »übler, weit übler, als jeder von ihnen erwartet hatte.« Die ziemlich detailierte Beschreibung von Lansdale wird hier nicht zitiert.
Doc Warren mit all seiner pathologischen Erfahrung stellt fest:
Er tötete sie aus Ekstase. Ich meine es so, wie man die Raserei von Piranhas und Haien beschreibt. Ein nicht kontrollierbares Verlangen, eine zeitlich begrenzte geistige Verwirrtheit. In diesem Fall Freude beim Anblick von Blut und Qual, vermute ich. Der Nacken war in Stücke gehackt. Sie haben es gesehen.
Die Autopsie offenbart, dass die Prostituierte Bella abgestochen, aufgeschlitzt, übel zugerichtet und vergewaltigt wurde. Genau in dieser Abfolge.
Für Hanson beginnt die Zeit der Alpträume, für den wahnsinnigen Perversen die nahtlose Fortsetzung von seinem Akt der Liebe.
Nekrophilie nennt sich diese mit normalem Menschenverstand nicht nachvollziehbare Gräueltat. »Gorilla« Hanson weiß, dass Täter dieser Kategorie Serientäter sind. Deshalb gilt sein ganzes Bestreben, dem von der Sensationspresse zum »Houston Hacker« titulierten perversen Mörder so schnell wie möglich unschädlich zu machen.
Und der Houston Hacker schlägt weiter zu, ohne das Marvin Hanson auch nur die Spur einer Chance hat, den Gräueltaten Einhalt zu gebieten. Auffällig wird jedoch schon nach kurzer Zeit, dass hier Insiderinformationen der Ermittlungen nach Außen dringen und sich bei Hanson und Clark der Verdacht erhärtet, den nekrophilien Houston Hacker in den eigenen Polizeireihen zu haben.
Als dann Hansons Frau Rachel und seine Tochter JoAnna, sexy aussehender, pubertierender Teenager, selbst anonym bedroht werden, hat er nur noch ein Ziel: Seine Familie zu schützen und den perversen Schlächter ohne Rücksicht auf Gnade und Gesetz selbst zu töten, auch unter Preisgabe des eigenen Lebens.
Joe R. Lansdale schrieb »Akt der Liebe« weit vor seiner Krimiserie mit dem Duo Hap Collins und Leonard Pine, die ihm den internationalen Durchbruch verschaffte.
Beim Akt der Liebe, diesem so ungeheuerlich brutalen Buch über ein noch ungeheuerlicheres Tabuthema war Lansdale noch nicht einmal dreißig Jahre alt.
Mit wie wenig handelnden Personen (da bleibt das Lesen übersichtlich) man so viele mögliche Verdächtige schaffen kann, bleibt wohl ein ewiges Rätsel. Wie man mit so einer schönen Sprache diese Thematik beschreiben kann, ist beachtlich. Wie man das letzte, dritte Kapitel im stattlichen Umfang von fünfundachtzig klein bedruckten Taschenbuch-Seiten in nicht einmal vierundzwanzig Stunden am Stück schreiben kann, und zwar so, dass es »später kaum noch irgendwelcher Korrekturen bedurfte«, würde selbst Ernest Hemingway neidisch machen.
Akt der Liebe wird im Jahre 2010 sage und schreibe dreißig Jahre alt (passenderweise ist für dann eine neue Auflage angekündigt). Lansdale eröffnete damals das Genre des Serienkiller-Krimis, ein Thema, das heute so ziemlich ausgelutscht wirkt und bei dem einem immer das Gefühl beschleicht, sämtliche Autoren hätten bei Lansdale eifrig adaptiert und hemmungslos kopiert. Im Gegensatz zu manch Aktuellem hat dieses Krimiurgestein nichts, wirklich absolut nichts von seiner Brillanz verloren.
Perfekt wird der Pulp Noir durch ein schlaues und tiefgründiges Vor- und Nachwort vom Freund Andrew Vachss bzw. Lansdale höchst persönlich.
Bernd Neumann, Juli 2009
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| Schrodo zu »Joe R. Lansdale: Akt der Liebe« | 18.01.2011 |
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