Restlicht von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2008 bei Kiepenheuer & Witsch.
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Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2008.
ISBN:
978-3-462-04029-6. 287 Seiten.
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[Hörbuch] Köln: Random House Audio, 2008.
Gesprochen von Peter Lohmeyer.
gekürzt.
ISBN:
3866049323. 4 CDs.
'Restlicht' ist erschienen als
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In Kürze:
Was einfach so verschwindet, verschwindet nie ganz. Seit 30 Jahren entspinnt der Fotograf Peter Bloom immer neue Geschichten, warum Astrid verschwunden ist, verfasst Theorien, wie es gewesen sein könnte, und lebt mit der Vorstellung, dass dieses Mädchen seine große Liebe war. Ohne ein Wort, ohne Ankündigung. Sie war einfach fort. Astrid war Peters erste Freundin, bis sie plötzlich verschwand. Nach monatelanger, vergeblicher Suche haut Peter einfach ab: raus aus der bedrückenden Kleinstadt an der deutsch-deutschen Grenze, fort von seiner spießigen Familie, weg nach Amerika. Als sein Vater im Sterben liegt, kehrt er widerwillig zurück. Aber da ist auch diese alberne Hoffnung: Ob er Astrid finden wird? In der Stadt hat sich auf den ersten Blick nicht viel getan, nur die Grenze fehlt. Genau dort wurde gerade das Skelett eines Mädchens gefunden. Todeszeitpunkt: Sommer 1975. Der letzte Sommer mit Astrid. Doch sie ist es nicht, sondern eine Norwegerin, die Peter damals flüchtig kennengelernt hatte. Und da ist dieses alte Foto mit der Norwegerin, mit Astrid und den Jungs von der Band. Die Band scheint es noch zu geben. Auch Astrids Mutter lebt noch. Peters Nachforschungen machen ihn verdächtig, zumal er nicht bereit ist, seine Vermutungen mit der Polizei zu teilen. Schritt für Schritt kommt er dem Geheimnis näher. Er ahnt, was geschehen ist, denn nicht nur Peter konnte Astrid nicht vergessen.
Restlicht, als Paperback bei Kiepenheuer & Witsch erschienen, ist kein Krimi im herkömmlichen Sinn. Es geht um Erinnerungen und um Situationen, die die Erinnerung verklärt, um ungelöste Fragen, die das Damals und das Heute betreffen. Peter Bloom, den die Midlife Crisis in Boston gerade so heftig in ihren Fängen hat, dass er seine Erzählung mit den Worten »Gott pisst auf uns« beginnt, hat sein gegenwärtiges Leben einfach satt. Da sein Vater in einem Kaff an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze gerade sein Leben aushaucht, kehrt er zurück und wird mit dem Kleinstadtmief und seiner Vergangenheit konfrontiert, die er eigentlich für immer hinter sich lassen wollte.
Damals vor dreißig Jahren verschwand seine Freundin Astrid, Tochter aus besseren Kreisen und ließ ihn mit seiner Liebe zurück. Genau dort, wo er sein Versteck hatte, in einem alten Kanalisationsrohr, wird ein weibliches Skelett gefunden, die sterblichen Überreste eines Mädchens, die hier dreißig Jahre lang vermodert sind. Peter ist überzeugt, dass es sich dabei um Astrid handelt und die Polizei erwischt ihn, während er in einem Loch im Kanal seine dort versteckten Jugendgeheimnisse abholen will und das macht ihn natürlich verdächtig. Aber Peter weiß, dass hier nur einer seiner früheren Kumpels schuld daran sein kann, dass Astrid verschwand. Aber die Knochenfunde gehören gar nicht zu Astrids Leiche …was ist also vor dreißig Jahren wirklich passiert?
Jochen Rausch erzeugt ein Psychogramm jugendlicher Trostlosigkeit, das weniger von kriminalistischen Elementen lebt, sondern von der Beschreibung einer Gruppe Jugendlicher ohne Perspektive in einem Landstrich, in dem der Aufschwung nur vereinzelt die Menschen erreicht. Die große Mehrheit fristet ihr Leben heute genauso emotionslos und frustriert, wie sie es damals getan hat, als man seine erwachenden Sehnsüchte mit Sex and Drugs and Rock’n'Roll kompensierte. Was davon übrig blieb, stimmt auf 288 Seiten traurig und zeigt ein Bild des Versagens von Träumen und Realität.
Handlung und Spannung sind in diesem Roman Nebensache. Hier geht es um die Aufarbeitung der persönlichen Vergangenheit der handelnden Personen, die samt und sonders unter geistigen und gesellschaftlichen Beeinträchtigungen leiden, die sich jedoch in unterschiedlichen Ausformungen dem Leser enthüllen. Menschen werden unterdrückt und geknechtet und wenn man die Tageszeitungen liest, dann fragt man sich unweigerlich, wie weit die Dunkelziffer bei solchen Verbrechen ist, wie sie auch dieses Buch beschreibt, aber nicht urteilt oder richtet.
Restlicht kann man schlichtweg in kein Krimischema pressen. Es ist für einen Erstling erstaunlich reif in der Charakterisierung von Personen und Situationen, lediglich die Hauptperson Peter Bloom bleibt literarisch ein wenig im Schatten, wirkt eher als stiller Beobachter, Entdecker und Zeitzeuge. Auch wenn die Verbrechen von damals aufgedeckt werden und der Leser alle Vorkommnisse schlüssig präsentiert bekommt, bleibt nach der Lektüre dieser Geschichte eine große Leere, weil das Buch zwar einen Schluss hat, aber kein Ende …
Wolfgang Weninger, Februar 2009
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