Schneemann von Jo Nesbø

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel Snømannen, deutsche Ausgabe erstmals 2008 bei Ullstein.
Ort & Zeit der Handlung: Norwegen / Oslo, 1990 - heute.
Folge 7 der Harry-Hole-Serie.

  • Oslo: Aschehoug, 2007 unter dem Titel Snømannen. 488 Seiten.
  • Berlin: Ullstein, 2008. Übersetzt von Günther Frauenlob. ISBN: 978-3-550-08757-8. 488 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2008. Gesprochen von Oliver Mommsen. ISBN: 3899036344. 6 CDs.

'Schneemann' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuchE-Book

In Kürze:

Ein Serienmörder verbreitet Angst und Schrecken, seine unschuldigen Opfer: junge Mütter. Kommissar Harry Hole irrt durch ein Labyrinth aus Verdächtigungen und falschen Fährten. Als seine Freundin Rakel ins Visier des Killers gerät, entwickelt sich ein mörderisches Duell.

Das meint Krimi-Couch.de: »Das erste Krimi-Highlight in diesem Winter« 92°Treffer

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Serienmörder haben einen gewissen Mythos. Denn während in den vergangenen Jahrzehnten die Krimiszene geradezu von Serienmördern überflutet wurde, gibt es sie im Alltag zum Glück mitnichten so häufig, wie uns die Kriminalliteratur suggerieren mag. Gerade der Typ Serienkiller, der zu einem Katz-und-Maus-Spiel mit seinem Widersacher bei der Polizei neigt, ist für Krimileser inzwischen zu Fast Food verkommen und in der Realität ein so gut wie nie zu beobachtendes Phänomen.

Doch dass aus diesem Stoff auch ein wahrer Gourmet-Krimi entstehen kann, das beweist Jo Nesbö mit seinem Schneemann. Sein Kommissar Harry Hole, ein Alkoholiker, der gerade mal wieder trocken ist und immer wieder schwere Gefechte gegen seine Sucht austragen muss, erhält einen anonymen Brief, in dem Morde angekündigt werden. Er startet auf eigene Faust Ermittlungen über die verschwundenen jungen Mütter der letzten zehn Jahre und kommt zu dem Schluss, dass deutlich zu viele nicht mehr aufgetaucht sind. Gerade am Tag des Wintereinbruchs gab es in Oslo immer wieder ungelöste Fälle. Und auch in diesem Jahr verschwinden wieder zwei junge Mütter. Da an den Tatorten ein Schneemann steht, den der Täter dort gebaut hat, hat der Serienmörder schnell seinen Namen weg.

Der »Schneemann« ist ein Mensch, der nach einem traumatischen Erlebnis in seiner Kindheit einen fortwährenden Konflikt mit seiner Mutter ausfechten muss. Stellvertretend für sie lässt er seine Aggressionen gegenüber jungen Müttern aus, die zunächst nichts miteinander zu tun zu haben scheinen. Doch Harry Hole entdeckt eine Spur, die zu einem Schönheitschirurgen führt, der sich auf dem Gebiet neurologischer Erbkrankheiten weitergebildet und um die Kinder der jungen Mütter gekümmert hat. Doch dieser Arzt will mit Rücksicht auf seine anderen Patienten aus der norwegischen Prominenz nicht über die Erkrankungen der Kinder reden. Doch da die Väter der Kinder nicht erkrankt sind, wittert Harry eine neue Spur: Die Kinder müssen einen anderen Erzeuger haben.

Wieder einmal: starke Charaktere

Eigentlich mit einfachen Mitteln baut Jo Nesbø seinen Roman auf. Er ist dabei jedoch unvergleichlich effizient und konsequent, baut kleine und große Überraschungen ein und behält durchweg sein angenehmes Erzähltempo ein. Nesbø hat viele Stärken, aber seine größte ist es wohl, wie er seinen Charakteren Leben einhaucht. Natürlich ist insbesondere Harry Hole in seinem ständigen Kampf gegen den Alkohol sein Meisterwerk. Doch auch Figuren, die mit diesem Roman neu eingeführt werden, wie die Kommissarin Katrine Bratt oder der Verleger Arve Stöp werden meisterhaft vorgestellt. Dennoch – und das soll der einzige Hauch von Kritik an diesem Roman sein – sollte man einige Figuren schon in den vorhergehenden Bänden einmal kennen gelernt haben, damit das Verständnis der vielen wechselseitigen Beziehungen leichter fällt.

Norwegen hat einen neuen Serienkiller. Für Harry Hole bewahrheiten sich damit schlimmste Befürchtungen, denn er ist der einzige Polizist in Norwegen, der es schon mal mit einem Serienkiller aufnehmen musste (Der Fledermausmann) und er sieht sich nun mit seinen schlimmsten Alpträumen konfrontiert. Die besondere Stärke des Romans Schneemann liegt darin, falsche Spuren zu legen und den Leser zu täuschen. Das ist Garant für Spannung und Überraschungseffekte. Die sehr gute Zeichnung der einzelnen Charaktere sorgt für Authentizität und Lebensnähe. Wer den Norweger Jo Nesbø tatsächlich noch nicht kennt, sollte nun nicht mehr lange zögern. Meisterhaft!

Thomas Kürten, November 2008

Ihre Meinung zu »Jo Nesbø: Schneemann«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

Torsten H. zu »Jo Nesbø: Schneemann« 06.02.2010
Sehr gut, sehr spannend und immer kurzweilig. Jeder Serienmörderkrimi kratzt zwar irgendwann an der Grenze zum Realismus, aber wen stört das schon, wenn man mit so einem Tempo durch den Plot getragen wird. Werde schon bald eines der anderen Bücher von Nesbo lesen. So ein Buch wie der Schneemann macht eben einfach Spaß.
karmesin zu »Jo Nesbø: Schneemann« 12.01.2010
An sich mag ich die Bücher von Nesbo sehr und Harry Hole ist durchaus sympathisch dargestellt; aber im "Schneemann" scheint ihn der Alkohol doch zu sehr vernebelt zu haben. Jedenfalls ist für den Leser schon recht früh ersichtlich, wer der Täter ist, während Harry Hole noch im Dunkeln tappt. Für meinen Geschmack zu viel des Bösen, vor allem auf den letzten Seiten.
21 zu »Jo Nesbø: Schneemann« 12.01.2010
Das Buch erreicht den Vorgängerroman nicht. Die Figuren aus dem Vorgänger werden zum Teil recht uninspiriert wieder aufgenommen. Bei einigen der neuen Figuren sind die aktiven Verstrickungen in den Fall relativ schnell klar. Der Spannungsbogen baut sich nicht kontinuierlich auf, sondern ist diesmal über drei Sequenzen angelegt. Nach der ersten Sequenz ist der Rest des "Films" ableitbar und der Täter ist eigenlich früh erkennbar. Wer bei Harry Hole quereinsteigen möchte, sollte den Erlöser lesen.
Dirk Hannappel zu »Jo Nesbø: Schneemann« 11.01.2010
Wahrscheinlich ist "dieschlaue" einfach zu schlau für dieses Buch und dieses Genre. Und Ihre Wertung konventionell
ist für mich bei diesem Buch positiv behaftet.
Spannend von der ersten bis zur letzten Seite. Gut zu lesen. Viele Optionen auf den Täter. Psychologisch interessant.
So soll ein Krimi sein!
95 °
dieschlaue zu »Jo Nesbø: Schneemann« 04.01.2010
Genau das sind die Bücher, die das Serienkiller-Subgenre irgendwann zu Tode reiten werden: Ein unglaubwürdiger, selbst in den Genregrenzen nicht wirklich nachvollziehbarer Plot, der nur als Fassade für krude Mordszenarien dient. Konventionell und nicht empfehlenswert.

dieschlaue vergibt 10 ° - mehr ist nicht drin
0 von 4 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Marius zu »Jo Nesbø: Schneemann« 30.12.2009
Das Krimihighlight 2009!

Da ich die Jo Nesbø Harry-Hole-Romane der Reihe nach lese, kam ich leider erst jetzt in den Genuss meines Krimihighlights 2009! Nesbø schafft das Unmögliche, die Spannung im Vergleich zu den Vorgängerbänden nochmals zu steigern und erzählt eine Geschichte, die den Leser schon im Prolog fesselt und die Spannung bis zum furiosen Showdown hält.

Harry bekommt den Fall einer verschwundenen Mutter auf den Tisch, die einfach nachts ohne Spuren aus dem Haus verschwand und ihren Sohn und Gatten zurücklässt. Einzig ein Schneemann im Garten der Familie, der den Schal der Verschwundenen trägt, zeugt von der Tat und Harry ist überzeugt, dass hinter der Tat noch viel mehr steckt, als man eingangs vermutet. Er beginnt mit den Ermittlungen und stößt schon bald auf einen merkwürdigen Zusammenhang: Vor elf Jahren begann eine Serie verschwundener Frauen, die jeweils am Tag des ersten Schneefalls von der Bildfläche verschwanden und dann fand sich ein Schneemann im Garten der Frauen. Sie alle teilten nur eine Gemeinsamkeit: Sie waren alle Mütter mit kleinen Kindern …
Der Erfolg und die Klasse dieses packenden Krimis liegt darin, dass sich Jo Nesbø nicht dazu verleiten lässt, auf Effekthascherei und übermenschliche Ermittler zu setzen, sondern dass er sich auf eine glaubhafte Figurenzeichnung, Psychologie, fabelhafte Dialoge und eine grandiose Konstruktion des Plots besinnt und er auch porträtiert, wie sich der Quartalssäufer Harry von einer falschen Gasse in die nächste falsche Spur verrennt, dennoch aber immer unverbissen weiterkämpft.
Der Norweger schafft, den Leser genau wie seinen Kommissar immer zu falschen Schlüssen zu verleiten und falsche Verdächtige zu präsentieren, ohne dabei die Glaubwürdigkeit der Geschichte aus den Augen zu verlieren. Man hat das Gefühl, dass sich eine so realistische Geschichte auch jederzeit im echten Leben so ereignen könnte, da Nesbø bei der Schilderung seiner Geschichte nicht nach dem aus unzähligen Serienkiller-Thrillern aus dem vorwiegend amerikanischen Raum stammenden hinlänglich bekannten Schema der Leichenaneinanderreihung verfährt sondern viel glaubhafter einen Serienmörder der anderen Art zeigt.
Man leidet mit den Protagonisten mit, fragt sich beständig, wer er denn nun ist, der Schneemann und verfolgt das Duell Harry Holes mit seinem Widersacher gespannt – für mich ganz klar das Thrillerhighlight des Jahres 2009: Ein Krimi – der weit über eine simple Mördersuche hinausweist!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
charlotte_30 zu »Jo Nesbø: Schneemann« 29.12.2009
Ein guter Krimi ohne wenn und aber. Der Plot des Romans ist so angelegt, dass der Leser irgendwann merkt wer der Schneemann ist, doch Nesbø täuscht uns immer wieder und so bleibt der Roman spannend bis zum Schluss. Die Figuren erhalten vom Autor ein psychologisches Profil und dadurch werden sie realistisch. Kommissar Harry Hole ist dem Schneemann auf der Spur, doch er muss auch sein eigenes Leben ordnen und seine Sucht besiegen. Der Schneemann ist eine typische skandinavische Figur, der durch ein traumatisches Ereignis in seiner Kindheit zum Täter wird. Das Motiv der Morde sind die sogenannten „Kukukskinder“, sie werden nicht bestraft, denn sie unschuldig, nur auf ihre Mütter hat es der Schneemann abgesehen.
Der Leser, welcher Oslo kennt, wird an die unverkennbaren Touristenplätze der Stadt geführt. Die Umgebung des Holmenkollen ist und bleibt spektakulär und dass dort der Schneemann festgenommen wird, ist filmreif.
Dr.Dieter Rohnfelder zu »Jo Nesbø: Schneemann« 27.12.2009
Ich bekam das Buch zum Geburtstag und hatte von Jo Nesbo noch nie was gehört, geschweige denn gelesen. Ich bin begeistert und kann die Kritik von Sebastian Haffke überhaupt nicht nachvollziehen. Wer der "Schneemann" ist, ist nicht schnell zu erkennen - höchstens, dass es ein Mann sein muss und Katrine Bratt deshalb ausscheidet. Die vielen "falschen Fährten" sind gut gelegt, der Stil ist flüssig und die Konstruktion spannend. Auch das Motiv des Serienmörders ist überzeugend. Als einzigen "Schwachpunkt" sehe ich, dass nicht erklärt wird, wie der "Schneemann" den Polizisten Rafto überwältigen konnte, obwohl der einen schussbereiten Revolver in der Manteltasche hatte. Äußerst empfehlenswert, 95 Grad. Ich werde mir die ersten 6 Harry-Hole-Krimis gleich besorgen
Sebastian Haffke zu »Jo Nesbø: Schneemann« 26.12.2009
Der Schneemann, der Klappentext versprach ein atemloses Abenteuer mit vielen Überraschungen und Wendungen. Mein erstes Buch von Jo Nesbo.

Positiv zu bemerken ist die gute Zeichnung der Figuren, wobei mir die Beschreibung von Autos und Gucci Klamotten manchmal etwas infantil daherkam und mich an Jugendkrimis erinnerte.

Nun der für mich entscheidende Kritikpunkt. Weder war die Story voller Wendungen, noch voller Überraschungen. Ich ahnte bereits bei der Vorstellung der Figur, dass er der Täter sein würde, welches sich später ca auf Seite 100 auch bestätigte. Das Muster war früh klar, auch das Motiv lag bereits auf dem Präsentierteller. Das eine, ohne Zweifel sympathische Figur wie Harry Hole, dann komplett unfähig ist und nicht kombiniert nach dem sich herausstellte, dass der falsche "Schneemann" "Selbstmord" begangen hat, macht den Roman für mich unglaubwürdig.

Ein Schnitzer bei dem mich ein bisschen wundert, dass er anderen erfahrenen Krimilesern noch nicht aufgefallen ist.

Und da war er wieder, der Verdacht ein handwerklich gut begonnenes Buch, braucht Brutalität um Spannung zu erzeugen. Leider ging es mir so. Einzig und allein die Bestätigung meines Anfangsverdachts ließ mich mein Lesetempo steigern, dadurch habe ich auch keine Lust mehr gehabt, den Show-Down auszulesen.

FAZIT:
Schriftstellerisch ordentlicher Krimi, der leider entgegen dem Klappentext kein Verwirrspiel um den Täter ist, wenn man aufmerksam liest. Ferner gefällt mir die übermäßige Brutalität nicht.
mabu zu »Jo Nesbø: Schneemann« 03.12.2009
Mit kleinen Spitzen gegen die norwegische Wirtschaft und das System merkt man dem Herrn Nesbø an, dass er Ökonom und Finanzanalytiker ist! Trotzdem hat der "Schneemann" nicht nur eine spannende Story geliefert, sondern mir auch das Land Norwegen näher gebracht. Schön!
Harry Hole ist sehr sympathisch, keine Frage. Auch wenn man diesem Typ Ermittler in letzter Zeit öfter mal begegnet. Alkoholiker, von Ex getrennt und leidend, der tägliche Kampf gegen das Leben an sich... Dennoch: Guter Aufbau der Geschichte und in der Tat starke Charaktere, die sehr eindringlich beschrieben werden, ohne viel Blabla. Der Stil hat was. Nun ärgere ich mich wie immer, mit dem letzten Teil einer Serie angefangen zu sein, aber der Handlung hat das keinen Abbruch getan. Meine Wertung: 90°

Dies sind nur die ersten 10 Kommentare von insgesamt 57.
» alle Kommentare anzeigen

Ihr Kommentar zu Schneemann

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: