Headhunter von Jo Nesbø

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2008 unter dem Titel Hodejegerne, deutsche Ausgabe erstmals 2010 bei Ullstein Taschenbuch-Verlag.

  • Oslo: Aschehoug, 2008 unter dem Titel Hodejegerne. 238 Seiten.
  • Berlin: Ullstein Taschenbuch-Verlag, 2010. ISBN: 978-3-548-28045-5. 256 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: HörbuchHamburg, 2010. Gesprochen von Johannes Steck. gekürzte Lesung. ISBN: 3869090375. 4 CDs.

'Headhunter' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Roger Brown genießt als Headhunter in Wirtschaftskreisen einen exzellenten Ruf. Was niemand weiß: Er raubt seine Klienten aus, bringt sie um ihre Kunstwerke.Auf einer Vernissage lernt Brown den Holländer Clas Greve kennen. Greve scheint ihm die perfekte Besetzung als Geschäftsführer eines GPSUnternehmens. Die Männer kommen ins Geschäft, und so erfährt Brown, dass Greve einen lange verloren geglaubten Rubens besitzt. Am nächsten Tag stiehlt Brown das wertvolle Gemälde. Doch Greve erweist sich als hartnäckiger Gegner. Eine gnadenlose Verfolgungsjagd beginnt.

Das meint Krimi-Couch.de: »Kunst, Killer und Kloake« 88°Treffer

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Die moderne Industriegesellschaft hat durch ihre hoch entwickelte Arbeitsteilung eine besondere Profession zum Leben erweckt. Kopfjäger (Headhunter) werden die Spezialisten genannt, deren Aufgabe darin besteht, die richtige Person für einen hoch bezahlten Posten in der Wirtschaft zu finden. In Norwegen gehört Roger Brown zur Elite dieser Spezies – und niemand ahnt, dass er seine Gespräche mit den Anwärtern auf diverse Manager-Jobs dazu nutzt, diese anschließend zu bestehlen. Durch seine Frau hat er gute Kenntnisse in der Kunstszene, ein Freund aus dem kriminellen Milieu sorgt für das gefahrlose Eindringen in fremde Wohnungen und hat die nötigen Kontakte, um die gestohlenen Gemälde anschließend im Ausland verkaufen zu können. Als eines Tages etwas bei einem Einbruch komplett schief läuft, gerät Brown in eine verzweifelte Lage. Seine Frau betrügt ihn offenbar, und einer seiner Job-Kandidaten entpuppt sich als gnadenloser Killer, der ihm nach dem Leben trachtet. Sein bereits aufregendes Leben gerät völlig aus der Bahn – aber Roger Brown gedenkt, sich gegen die Attacken zu wehren.

Dieser Roman ist ein ganz spezielles Buch – für Autor und Leser gleichermaßen. Jo Nesbø hat mit Headhunter ein Buch geschrieben, dessen komplette Einnahmen in eine von ihm gegründete Stiftung fließen, die sich für die Bekämpfung von Analphabetismus unter Kindern einsetzt. Ein Projekt, das dem norwegischen Bestseller-Autor nach eigener Aussage besonders wichtig ist. Für die Leser gibt es zudem ein ganz spezielles Leseerlebnis, weil sie nach den vielen Romanen mit Harry Hole einen neuen Protagonisten verkraften müssen, wenn auch nur für dieses eine Buch. Eine Fortsetzung wird es jedenfalls nicht geben, und ob die Harry-Hole-Reihe weitergeht, ist derzeit in Experten-Kreisen einen viel diskutierte Fragen. Informationen dazu gibt es jedenfalls noch nicht.

Wer Headhunter lesen will – und ich kann die Lektüre nur empfehlen – muss Harry Hole vergessen. Roger Brown ist ein völlig anderer Typ von Protagonist, eine höchst ambivalente Figur, die man akzeptieren oder auch aus guten Gründen ablehnen kann. Er ist ein arroganter Headhunter, aber auch ein dreister Dieb und später wird er sogar zum Mörder. Mit so einer vielschichtigen Hauptfigur muss man sich erst einmal auseinander setzen, aber Jo Nesbø ist halt ein hervorragender Geschichten-Erzähler, und so entwickelt er Figur und Szenario in gewohnt gekonnter Weise, und fesselt dabei seine Leser mit seinem flüssigen und spannenden Stil von Beginn an. Der Autor schwankt zwischen Tragi-Komik und blutigem Ernst, was für viele Leser gewöhnungsbedürftig sein dürfte. Aber der Erzählstil ist der ungewöhnlichen Figur des Roger Brown durchaus angepasst. Vieles bleibt zunächst rätselhaft oder erscheint sogar widersinnig, wird aber später geradezu genial aufgelöst.

Roger Brown hat in Diana zu seinem eigenen Erstaunen seine Traumfrau gefunden. Sie unterhält eine angesehene  Galerie, in die er viel Geld stecken muss. Seine clever geplanten und ausgeführten Kunst-Raube halten ihn über Wasser, bis er den Ehebetrug seiner Frau entdeckt. Der niederländische Manager Greve schien eben noch ein Top-Kandidat für einen begehrten Posten – und ist im nächsten Moment eine mehr als ernst zu nehmende Bedrohung für Rogers Leib und Leben.

Im  ersten Drittel des Buches hat man sich als Leser noch gefragt, ob das der gleiche Autor ist, den man von den Harry-Hole-Büchern kennt. Doch dann gibt  Jo Nesbø richtig Gas, und in  gewohnter Weise reiht er Winkelzüge und überraschende Wendungen aneinander, die zu einer geradezu atemberaubenden Spannung führen. Dabei greift er wieder einmal tief in die Kiste seiner Erzählkunst, es wird deftig und brutal.

Am Ende des Buches freut man sich nach dem unglaublichen Finale auf die Verfilmung, die im März 2012 in die deutschen Kinos kommen wird. Manche Dinge mögen dem Leser in diesem Buch unrealistisch erscheinen, aber  es ist schließlich ein Roman und kein Sachbuch. Und außerdem bin ich der Meinung, dass Jo Nesbø  hier nur die willkommene Gelegenheit genutzt hat, und bei diesem Buch gnadenlos seiner Erzähl-Lust gefrönt hat. Headhunter dürfte die Rezensenten ebenso spalten wie die Fan-Gemeinde das Autors. Aber das war schon bei den letzten zwei Bände aus der Harry-Hole-Reihe so. Am Ende hilft nur eines – selber lesen und eine eigene Meinung bilden. Es lohnt sich.

 

Andreas Kurth, Februar 2012

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M.Hayn zu »Jo Nesbø: Headhunter« 22.01.2012
schönes buch. kurzweilig und spannend und hervorragend zu lesen. verwirrend fand ich es gar nicht. vielleicht etwas nachlässig recherchiert. vielleichtgibt es bessere, ich fand aber das buch sehr unterhaltsam.
nun ist die hole-reihe dran...
wer langatmige, überladenen und zähe krimis lesen möchte, kann sich doch an martha grimes halten!
retnueg zu »Jo Nesbø: Headhunter« 08.01.2012
verstehe nicht, wieso es menschen gibt, die so ein wirklich hervorragendes buch verreissen bzw. enttäuschend finden; für mich hat es wirklich alles, was ein gutes buch braucht und ausserdem ist die story wirklich erstens sehr gut recherchiert und zweitens einfach super!!!
hier hat der autor einmal ein spannendes sehr gutes buch geschrieben, das storymässig in eine ganz andere richtung geht als seine h.hole-krimis!
alexis zu »Jo Nesbø: Headhunter« 13.11.2011
Ich kann mich meier13 nur anschließen! Zum Glück habe ich das Buch auch nur als Mängelexemplar gekauft und selbst das war zuviel Geld. Hab selten ein so schlechtes Buch gelesen, langweilig verworren ohne Spannung und Tempo, zum Glück hatte es nur 300 Seiten. Es war mein Erster Nesbo, ich habe noch ein paar zu Hause die ich noch nicht gelesen habe und hoffe daß die nicht genauso schlecht sind.
meier13 zu »Jo Nesbø: Headhunter« 30.10.2011
Da Nebo bisher nicht in meinem Lese-Focus stand, "Headhunter" irgendwann in einer Fernsehsendung hoch gelobt wurde und nahezu alle Welt sich nur lobend über den Autor äußert, habe ich schließlich auch zugegriffen. Nahezu Sinnbildhaft passierte dies beim Einkaufbummel, als ich in einem Regal vor dem Buchladen unter den Mängelexemplaren "Headhunter" sah und zum halben Preis kaufte. Wenn Sie bis jetzt die Zeit geopfert habe, diese Rezension zu lesen und sich frage, wann kommt der endlich zum Punkt - mir erging es beim Lesen genauso. Spannung - Fehlanzeige, Tempo - Fehlanzeige, bis zur Mitte des Buches stand ich dreimal davor, es wegzulegen. Schließlich habe ich mich durchgerungen und das Buch zu Ende gelesen. Im Nachhinein vertane Zeit; ok, ich kann nun mitreden, aber über die Story? Schwach, spannungsarm, teilweise verworren (mein einziges Zugeständnis eine vielleicht schlecht Übersetzung), nichts, was haften bleibt, außer Headhunter = Mängelexemplar. Danke, dass sie es bis hierhin augehalten haben. :)
Christian Fuchs zu »Jo Nesbø: Headhunter« 06.08.2011
Klasse Krimi, am Anfang etwas verwirrend, aber dann lässt es einen nicht mehr los.
Ab der Hälfte des Buches glaubt man den Bösewicht zu kennen und entlarvt zu haben. Ich dachte schon "Oh man, was für ein durchschaubarer Krimi".
Man liest aber weiter, weil es wieder Spannend wird.
Am Schluss wird man eines Besseren belehrt.


Der Autor zählt nun zu meinen Favoriten.
TheMamba zu »Jo Nesbø: Headhunter« 25.07.2011
Es ist schon erstaunlich, wie peinlich kleinlich hier manche Leser sind. Um sich von der falschen Gleichung am Beginn des Buches den ganzen Lesespaß nehmen zu lassen, muss man mindestens genauso große Minderwertigkeitskomplexe haben wie der Protagonist.
Mir ist das überhaupt nicht aufgefallen, wahrscheinlich bin ich jetzt jung und ungebildet, aber vielleicht achte ich auch einfach auf die Sachen, die für die Story wichtig sind.
Milva_CH zu »Jo Nesbø: Headhunter« 05.07.2011
Ich möchte hier meine Meinung vom 28.2.2011 über das Buch revidieren.

Obschon das Buch in weitem nicht an die Harry Hole-Reihe rankommt, ist es doch ein abwechslungsreiches und vor allem unterhaltsames Buch. Ich war am Anfang nur verwirrt, da es so gar nicht Nesbo-typisch geschrieben ist und die Hauptfigur echt unsympatisch rüberkommt. Am Schluss habe ich dann selber über mich geschmunzelt, dass mich der Autor doch so an der Nase rumführen konnte betr. der ganzen Story. Ich denke, genau deswegen hat der Autor die Hauptfigur auch so unsympathisch wirken lassen, da der eigentliche Charakter erst durch die ganzen Wendungen und Handlungen des Buches zum Vorschein kommt.

Das Buch hat ein "Klasse Thriller"-Siegel verdient!
s.h. zu »Jo Nesbø: Headhunter« 30.06.2011
Beste Buch seit langem. Habe Hunger auf andere Buecher von Jo Nesboe. So als Leseraupe Nimmersatt.
Ich fand das Buch gerade in der Mitte sehr erfrischend und lebendig geschrieben kann ich nur weiterempfehlen.
Bis jetzt nicht langweilig das wird glaube ich mein neuer Lieblingsautor. Also her mit den anderem Buechern. Gerade noch Kakerlake gekauft. Bin gespannt.
Heinrich Katz zu »Jo Nesbø: Headhunter« 18.04.2011
Leider sehr schlecht recherchiert und sehr schlechtes Lektorat: Schon in der dritten Zeile: Kraft mal Zeit = Masse mal Geschwindigkeitsänderung. Physikalisch ist das nicht haltbar. Die Zeit hat auf der Kraftseite nichts zu suchen. Es muss lauten F = m x a, also Kraft = Masse mal -Beschleunigung. Leider später auch noch mal so geschrieben. Also bitte lieber Ullstein Verlag etwas sorgfältiger lesen vor dem Druck! Mit diesem eklatanten Fehler ist mir damit das ganze Buch verleidet.
Milva_CH zu »Jo Nesbø: Headhunter« 28.02.2011
Schon nach den ersten 60 Seiten enttäuscht. Weiss nicht, ob ich es zu Ende lesen soll.

In Ich-Person geschrieben, aber die idendifierzung mit der Hauptperson erscheint mir schwierig, da der kotzbrockige, allen möchte gern überlegene Roger Brown sich dermassen arrogant aufführt und seinen Minderwertigkeitskomplex wegen seiner fehlenden Grösse über seine ach so wunderbare Frau auszugleichen versucht.

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