Durst von Jo Nesbø

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2017 unter dem Titel Tørst, deutsche Ausgabe erstmals 2017 bei Ullstein.
Ort & Zeit der Handlung: Norwegen, 2010 - heute.
Folge 11 der Harry-Hole-Serie.

  • Oslo: Aschhoug, 2017 unter dem Titel Tørst. 526 Seiten.
  • Berlin: Ullstein, 2017. Übersetzt von Günther Frauenlob. ISBN: 978-3-550-08172-9. 688 Seiten.

'Durst' ist erschienen als Hardcover

In Kürze:

Ein Serienkiller findet seine Opfer über die Dating-App Tinder. Die Osloer Polizei hat keine Spur. Der einzige Spezialist für Serientäter, Harry Hole, unterrichtet an der Polizeihochschule, weil er mehr Zeit für seine Frau Rakel und ihren Sohn Oleg haben möchte. Doch Holes alter Chef Mikael Bellmann kennt Olegs Vergangenheit und setzt Hole unter Druck. Der Kommissar gibt schließlich nach und arbeitet hochkonzentriert mit seinen Leuten an dem Fall. In einer Atmosphäre der Angst zögern viele Frauen, sich weiter über die App zu verabreden. Die schlimmsten Befürchtungen werden wahr, als tatsächlich eine weitere junge Frau verschwindet, ausgerechnet eine Kellnerin aus Holes Stammlokal. Und der Kommissar kann nicht länger die Augen davor verschließen, dass der Mörder für ihn kein Unbekannter ist.

Das meint Krimi-Couch.de: Dritte Zähne der ganz besonderen Art 95°Treffer

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Online-Dating ist denkbar einfach – und überaus hip. Und so nutzen auch in Oslo Männer und Frauen aus verschiedenen sozialen Schichten die Dating-App Tinder. Als nach einem Tinder-Rendevous eine junge Frau in ihrer Wohnung brutal getötet wird, steht die Polizei allerdings vor einem Rätsel. Es gibt keine Einbruchsspuren – kannte sie ihren Mörder? Die ersten Ermittlungsergebnisse verwirren die Osloer Polizisten. Offenbar war ein Eisengebiss die Tatwaffe – und dem Opfer fehlt ein halber Liter Blut. Dem neuen Polizeipräsidenten Mikael Bellman wird der Fall schnell zu heiß, er will Harry Hole als Ermittler dabei haben. Der ist nach wie vor Dozent an der Polizeihochschule, wo sich auch sein Stiefsohn Oleg auf seine Laufbahn vorbereitet. Harry will das seiner Frau Rakel gegebene Versprechen, nie mehr als Ermittler zu arbeiten, nicht brechen, aber Bellman erpresst ihn. Er droht, Olegs Drogen-Vergangenheit offen zu legen – der müsste die Hochschule sofort verlassen. Harry gibt nach, und als eine weitere Leiche mit dem gleichen Tatmuster gefunden wird, ist klar, dass es um einen Serientäter geht. Und Harry glaubt auch zu wissen, um wen es sich handelt.

Jo Nesbø macht seine Ermittler zu echten Statistik-Freaks

Jo Nesbø hat seinen Protagonisten drei Jahre Pause gegönnt. Harry Hole ist zufrieden mit seinem Job als Dozent an der Polizeihochschule, wo ihm die Studenten an den Lippen hängen – darunter sein Stiefsohn Oleg. Es bedarf also einer kleinen Erpressung durch Erzfeind Mikael Bellman, um Harry wieder ins Team zu holen. Ich halte diesen dramaturgischen Kniff für glaubwürdig, denn Harry Hole hat schon in der Vergangenheit immer wieder gezeigt, wie wichtig ihm seine kleine Familie ist. Und als er dann sicher ist, dass die Spur zu einem lange gesuchten Sexualstraftäter führt, nimmt der Roman so richtig Fahrt auf.

Der Autor macht seine Ermittler übrigens zu echten Statistik-Freaks. In früheren Romanen ist mir das entweder nicht so aufgefallen, oder es ist ein neues Element. Jedenfalls zitieren Harry und seine Kollegen unentwegt irgendwelche FBI- und sonstigen Statistiken, womit sie ihre Schlussfolgerungen untermauern oder begründen. Vermutlich gehört das zur modernen Polizeiarbeit, ebenso wie Handy-Ortung und Recherchen im Internet. Da passt es gut, hier auch die Tinder-Dating-App als Element zu verwenden, auch so ein moderner Schnick-Schnack. Aber das ist wohl der Lauf der Zeit.

Polizei holt Vampirismus-Forscher als Experten ins Team

Zusätzliche Spannung entsteht, weil der Killer seinen Modus operandi offenbar verändert hat. So sieht es jedenfalls aus. Nesbø sich ein archaisches Mordinstrument einfallen lassen. Ein Eisengebiss – da läuft es dem Leser schon mal kalt den Rücken runter, jedenfalls ist es mir so ergangen. Und um das Ganze auf die Spitze zu treiben, holt sich die Polizei einen Vampirismus-Forscher als Experten ins Team.

Im Zuge der Ermittlungen, die sich kompliziert und schwierig gestalten, kommt irgendwann die Vermutung auf, dass es zwei Täter gibt, oder der eigentliche Killer zumindest eine Art Unterstützer hat. Nesbø hat hier einen ziemlich verwickelten Plot vorgelegt, der immer wieder neue Überraschungen für Ermittler und Leser mit sich bringt.

Zwischenmenschliche Konflikte bringen mehr Würze in die Handlung

Der Autor gewährt dem Leser in diesem Roman viele Blicke in die Seelen seiner Protagonisten. Harry ist sehr selbst-reflexiv, Rakel philosophiert über das Leben, Katrine Bratt macht sich ebenfalls tiefschürfende Gedanken, und auch andere Protagonisten sind sehr nachdenklich. Neben der enormen Spannung, die aufgebaut wird, hat mir das gut gefallen. Es gibt so einige zwischenmenschliche Konflikte, die zusätzliche Würze in die Handlung bringen. Harry selbst ist und bleibt der knorrige Macho, der aber auch einen weichen Kern hat. Seine Verzweiflung über die Bösen dieser Welt und die Gefahr für seine Familie wirkt für mich nach wie vor authentisch. Und auch, wie er darüber mit seinem engeren Umfeld kommuniziert.

Nesbø thematisiert nebenbei so einige moralische Fragen und Beziehungsprobleme, aber immer im erträglichen Rahmen, ohne den Kriminalfall oder den Spannungsbogen dabei zu vernachlässigen. Harrys Begegnungen mit dem Killer und einige erfolglose Zugriffsversuche heizen das Ganze dann noch so richtig an.

Dominanz von Harry Hole macht die Glaubwürdigkeit der Reihe aus

Harry Holes Gegenspieler sind wie er selbst Typen mit Ecken und Kanten. Im Blickpunkt steht dabei immer wieder der skrupellose Karrierist Mikael Bellman. Er betrügt nach wie vor seine Ehefrau, und lässt – wenn es ihm opportun erscheint – auch gute Freunde und Weggefährten ins Messer laufen. Dazu gehört auch sein Kumpel aus Kindertagen. Truls Berntsen ist seit vielen Jahren in Ulla Bellmann verliebt – und jetzt will er Mikael für zahlreiche Kränkungen büßen lassen. Ulla versucht ihrerseits, sich gegen ihren Mann zu wehren, bringt aber letztlich nicht die Kraft dafür auf. Isabelle Skøyen, Bellmans Geliebte und wie er eine selbstsüchtige Karrieristin, spielt ebenfalls nur ihr eigenes Spiel. Katrine Bratt ist mittlerweile zur Ermittlungsleiterin der Kripo in Oslo aufgestiegen. Aber sie bleibt am Ende eine blasse Figur, von persönlichen Probleme und Befindlichkeiten gehandikapt. Harrys schöne Gemahlin Rakel Fauke wird ernsthaft krank, und es zeigt sich deutlich, dass sie der Fixpunkt in Harrys Leben ist. Insgesamt ein interessantes Personaltableau, zu dem auch noch Oleg Fauke gehört. Die Dominanz von Harry Hole mag manchen Leser stören, aber ich finde, genau das gehört zur Glaubwürdigkeit dieser Reihe dazu.

Geschickte Wendungen und Überraschungen des Meister-Erzählers

Das Warten auf den neuen Harry-Hole-Roman hat sich in meinen Augen wirklich gelohnt. Nach Koma folgten zunächst Der Sohn und die beiden Blood-on-snow-Romane. Speziell die beiden kürzeren Geschichten fanden beim Publikum ein eher geteiltes Echo, zu sehr wurden die neuen Werke mit dem guten alten Harry Hole verglichen. Vier Jahre nach Koma – im Roman sind drei Jahre seither vergangen – holt der Autor seinen Star von der Polizeiakademie zurück ins Ermittler-Leben. Und der gibt wieder Vollgas, und das unter erschwerten Bedingungen. Seine Frau wird schwer krank, Stiefsohn Oleg wendet sich zeitweise von ihm ab, und Traumata der Vergangenheit holen ihn ein – kein Wunder bei Holes Vorgeschichte.

Es ist schon bemerkenswert, wie Jo Nesbø dieser Figur immer noch neue Facetten geben kann. Aber auch das Umfeld wird weiter entwickelt. Und als Mordwaffe ein Eisengebiss – war für mich neu, gruselig und für die Geschichte gab das richtig Drive. Was mir bei Jo Nesbø immer wieder gefällt: er baut nicht lange am Setting rum, sondern es geht direkt zur Sache. Der Leser kann von Beginn an miträtseln, und nicht wenige dürften sich mit ihren Vermutungen heftig verspekulieren. Zu geschickt sind die Wendungen und Überraschungen des norwegischen Meisters. Und nach der Lektüre bleibt uns allen nur noch die mittlerweile ewig junge Frage: Wird es einen weiteren Band mit Harry Hole geben? Ich bin mir sicher, dass Jo Nesbø zu diesem exzentrischen Ermittler noch einiges einfallen wird.

Andreas Kurth, Oktober 2017

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c-bird zu »Jo Nesbø: Durst« 12.11.2017
Es beginnt mit einem Tinder-Date. Ein Serienmörder findet so seine Opfer, tötet sie und trinkt ihr Blut. Die Osloer Polizei steht vor einem Rätsel und Polizeipräsident Mikael Bellman unter Druck Kommissar Harry Hole ist mittlerweile aus dem Polizeidienst ausgestiegen und unterrichtet an der Polizeihochschule, wo er ein viel ruhigeres Leben führt. Doch der Vampiristen-Fall zwingt ihn wieder mit in die Ermittlungen einzusteigen. Denn eine junge Frau aus Harry Bekanntenkreis verschwindet und auch der Täter ist kein Unbekannter…

Es ist schon der elfte Fall mit Harry Hole. Und obwohl ich die Vorgänger einfach nur total spannend und super fand, hat Jo Nesbø es doch geschafft auch noch diese zu toppen. Meiner Meinung nach ist es schon empfehlenswert die Reihe in der chronologischen Reihenfolge zu lesen, damit man gerade das Privatleben Harrys besser verfolgen kann. Der Fall selbst ist jedoch in sich geschlossen, es ist also nicht zwingend notwendig, die Vorgängerbände zu kennen.

Harry ist ein anderer geworden und mir noch sympathischer als bisher. Er ist ruhiger und hat auch dem Alkohol abgeschworen. Mit seiner Frau Rakel und dem Unterricht an der Polizeihochschule führt er ein zufriedenes Leben. Selbst mit dem Stiefsohn Oleg kommt er gut aus.
Das Thema mit dem Tinder-Dating fand ich sehr aktuell und klug ausgewählt. Eine Dating-App ist doch das Praktischste was es geben kann, besonders wenn man eh den ganzen Tag auf sein Smartphone starrt. Oder etwa nicht?

Spannung wird wie immer in den Büchern von Jo Nesbø groß geschrieben. Schnell ist man in der Geschichte drin und wie gefesselt. Der Erzählstil ist einfach brillant und das Buch bleibt von der ersten bis zur letzten Seite hochgradig spannend. Auch die Auswahl des Titels war sehr gelungen.

Für mich war es das Lesehighlight 2017, mehr Spannung geht nicht. Ich kann das Buch einfach nur jedem weiterempfehlen.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
BELSL zu »Jo Nesbø: Durst« 03.11.2017
Über den Inhalt ist ja genug geschrieben worden, deshalb fasse ich mich kurz.
Weil ich Jo Nesbo und seinen Harry Hole sehr mag habe ich mir ganz ausnahmsweise die gebundene Ausgabe gekauft. Aber das Buch überzeugt mich nicht wirklich.
Harry ist gewissermaßen geläutert, er trinkt nicht mehr und bis auf seinen letzten Taschenspielertrick hält er sich im großen und ganzen an die Ordnung.
Aber vielleicht wirkt er gerade dadurch etwas blaß?
Nebenfiguren sind interessanter und facettenreicher beschrieben, finde ich.
Ichgebe einem der Vorschreiber hier recht: der Teil fällt gegenüber dem Teil 1 ab, ich wunderte mich über mich selber, dass ich das Buch stellenweise langweilig fand, es gibt viele Wiederholungen.

Ich bereue es nicht das Buch gekauft und gelesen zu haben, aber ich finde es auch nicht sehr originell und brillant.
anyways zu »Jo Nesbø: Durst« 30.10.2017
In der heutigen Zeit ist immer weniger Zeit für Liebe und Partnerschaft, da kommen solche Online- Dating-Portale wie „Tinder“ dem modernen Single doch ganz recht. Kann man sich doch da, scheinbar problemlos verabreden, um so die ein oder andere Nacht nicht allein verbringen zu müssen. Diese Einstellung wird der jungen Elise, Anwältin für Vergewaltigungsopfer, zum Verhängnis, denn nach so einem Treffen wird ihr in ihrer eigenen Wohnung aufgelauert. Dabei hat sie sämtliche Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Ein äußerst grausamer Tod, den die Ermittlergruppe um Katrine Bratt dort zu lösen hat. Denn das Tatwerkzeug ist ein Eisengebiss.
Kurz nach dem ersten Mordfall sucht der arrogante Polizeipräsident , Mikael Bellman, Harry Hole an der Hochschule auf. Dort ist Harry seit drei Jahren Dozent. Da dieser Fall, der intern schon als Vampiristenfall betitelt wird, Mikaels politischen Ambitionen in die Quere kommen könnte, braucht er den erfahrenen Ermittler. Harry denkt jedoch gar nicht daran zurückzukehren, denn seit drei Jahren ist er glücklich und zufrieden. Er lebt wieder mit Rakel zusammen, sie sind sogar verheiratet, dem Alkohol hat er auch abgeschworen, naja und die humaneren Dienstzeiten sind auch nicht zu verachten. Doch Mikael erpresst ihn mit Olegs Vergangenheit. Zähneknirschend gibt Harry nach, da er die Zukunft seines Stiefsohns auf keinen Fall gefährden will.

Nach dem Vorgängerband „Koma“ hatte ich die traurige Befürchtung, dass Nesbo seinen Protagonisten im selbigen lässt. Doch Harry steht wieder auf und bringt sogar sein Leben in den Griff. Wie genau da lässt mich der Autor finde ich ganz schön im Unklaren. Nur häppchenweise wird die Vergangenheit aufgearbeitet. Dafür wird der Figur des Harry Hole neues Leben eingehaucht. Er ist erwachsener und wesentlich stabiler in seinem jetzigen Leben, seiner Genialität in der Verbrechensbekämpfung hat er zum Glück nicht verloren. Diese exzessive Arbeitsweise hat ihn jedoch schon früher an den Abgrund und darüber hinaus getragen. Ist deshalb ein Absturz aus seiner „heilen“ Welt schon vorprogrammiert?
Ich bin ein riesen Fan des Autors und seiner Reihe um Harry Hole. Jedes Mal schafft es Nesbo, das ich förmlich an den Seiten klebe und das, obwohl sich die Figur des Hole doch seit dem letzten Buch stark gewandelt hat. Diesmal punktet der Autor mit außergewöhnlichen Morden, Tötungswerkzeugen und einem Täter, nach dem man als Leser lange suchen muss. Dazu die gekonnt eingesetzten Spannungsbögen, alte Bekannte, neue Widersacher und der gezielt eingesetzten Gesellschaftskritik machen auch aus dem elften Teil einen grandiosen Thriller, der etwas ruhiger als seine Vorgänger daher kommt.
Ilmo zu »Jo Nesbø: Durst« 27.10.2017
Diesen neuen Roman um den nun als Dozenten tätigen ehemaligen Ermittler Harry Hole mochte man kaum aus der Hand legen. Voller Spannung entwickelt sich der Fall um den "Vampiristen", dessen Name bald ermittelt wird. Da es sich um einen ehemaligen "Kunden" Harry Holes handelt, wird dieser zu den Ermittlungen hinzugezogen und erhält ein kleines eigenes Team.
Dass es nicht nur darum gehen wird, den schon bekannten vermeintlichen Täter zu fassen, kann man schon bald vermuten. Doch Nesbö legt so viele Fährten aus, dass ich einige Male auf der falschen landete, aber genau so soll es ja sein, das bringt für mich die eigentliche Spannung.
So hatte ich den Täter schon einmal sehr früh im Verdacht, beteiligt zu sein, kam aber dann, durch den Fortgang des Geschehens wieder von ihm ab.
Ich bin begeistert. Der Schluss lässt auf eine Fortsetzung der Reihe hoffen.
Georg Altvater zu »Jo Nesbø: Durst« 17.10.2017
Ich habe mich gefreut, dass Harry Hole zurück ist. Den ersten Teil des Buches fand ich dann auch sehr gut, gegen Ende wurde es etwas schwächer und die ganzen Verquickungen wirkten für mich ein bisserl konstruiert - vielleicht muss das aber in einem Krimi so sein.
Jetzt können wir auf den nächsten Band hoffen, in dem Harry Vater wird (wird es geheim gehalten?) und ein neues Polizisten-Duo scheint mit Wyller und Oleg im Aufbau. Ob dann der steinalte Verlobte tatsächlich alles durchmischt?
Nijura zu »Jo Nesbø: Durst« 15.10.2017
Die Jagd nach dem Vampiristen

Zum Inhalt:
In Band 11 trifft Harry Hole auf einen alten, ihm bekannten Serienmörder: Valentin. Er ist der einzige Täter in Harrys Karriere, den er nicht fassen konnte. Obwohl Harry inzwischen als Dozent an der Polizeihochschule in Oslo unterrichtet, lässt er sich von Mikael Bellmann dazu überreden, den Fall zu übernehmen: Valentin findet seine Opfer über die Dating-App Tinder und wenn er ihrer habhaft wird, trinkt er deren Blut und tötet sie. Harry und seine Kollegin Katrine Bratt setzen alles daran Valentin, der nun von allen der Vampirist genannt wird, zu fassen. Außerdem scheint Valentin einen Komplizen zu haben, der im Hintergrund agiert.
Und natürlich hören Serienkiller nicht mit dem Morden auf und so bleibt Harry und seinem Team nicht viel Zeit um den Vampiristen zu fassen.

Gleichzeitig sorgt sich Harry um seine Frau Rakel, sie wird plötzlich sehr krank und wird deshalb in ein künstliches Koma versetzt. Harry verspricht seinem Stiefsohn Oleg, bei ihr zu bleiben, bis es ihr wieder besser geht.
Als der Serienmörder wieder zuschlägt, muss Harry sich entscheiden ob er sein Versprechen hält oder dem Morden ein Ende setzen will.

Meine Meinung:
Jo Nesbø hat zu seiner alten Form zurückgefunden. Koma habe ich allerdings noch nicht gelesen (werde ich aber demnächst nachholen), aber „Die Larve“ konnte mich nicht so ganz überzeugen.

Die Jagd nach dem „Vampiristen“ ist sehr abwechslungsreich und extrem spannend, der Titel „Durst“ passt perfekt zu dem Thriller.

Als Leserin machte ich mir natürlich darüber Sorgen, was mit Rakel wird. Harry ist wie immer ein sympathisches Raubein und Oleg hat die Kurve gekriegt und ist anständig geworden. Katrine Bratt ist schwanger und gerät in den Fokus des Killers. Mikael Bellmann und Isabelle Skøyen verfolgen wie immer ihre eigenen Interessen, was sie nicht gerade sympathisch macht, Truls Berntsen fand ich bisher recht undurchsichtig, das wird in diesem Teil anders werden, mehr verrate ich nicht. Durch die vielen verschiedenen Personen, die alle sehr vielschichtig sind, bekommt der Thriller noch mehr Komplexität.

Ich war lange am Rätseln wer der zweite Killer ist, Jo Nesbø versteht es gut, falsche Fährten zu legen, so dass ich diverse Personen im Verdacht hatte.
Der Schluss war dann noch mal richtig nervenaufreibend bis zum fulminalen Ende.

Fazit: Wieder ein echter Nesbø, sehr unterhaltsam und extrem spannend! Absolute Leseempfehlung!
Alfred Ott zu »Jo Nesbø: Durst« 10.10.2017
So einen widerlichen Mist habe ich noch nie gelesen. Triviallektüre wie bei Schwedenschnulzen, gewürzt mit ekelhaften Blut- und Sexorgien und dann wieder Herzschmerz. Das konnte Jo Nesbo schon besser. Er hat es leider verpasst, Harry Hole sterben zu lassen. Ich werde den nächsten Harry Hole jedenfalls nicht mehr kaufen.
Klaraelisa zu »Jo Nesbø: Durst« 07.10.2017
Harry Hole jagt seine Nemesis
Mit "Durst" liegt nun der lang erwartete 11. Band der Harry Hole-Serie von Jo Nesbø vor. In der Schlusssequenz des 10. Bandes "Koma" nimmt Ståle Aunes Tochter Aurora nicht an Harry Holes Hochzeit teil. Sie ist bei einem zweitägigen Sportturnier in der Nadderud-Halle. Auf der Mädchentoilette sieht sie einen Schatten. "Und ein paar lange, schmale Schuhspitzen. Wie von Cowboystiefeln." (S. 615) In "Durst" ist der Mann mit den Cowboystiefeln zurück. Er sitzt in der Jealousy Bar, die Mehmet Kalak gehört. An diesem Abend treffen sich Geir und Elise in der Bar. Sie haben sich über die Dating-App Tinder kennengelernt. Das Treffen dauert nicht lange, Elise ist nicht interessiert. Als sie nach Hause kommt, liegt auf ihrem Bett ein Mann mit Cowboystiefeln. Elise Hermansen arbeitet als Anwältin für Vergewaltigungsopfer und kennt ihn von früher. Der Eindringling behauptet, es sei purer Zufall, dass er sie gefunden hat, was nicht stimmt. Er beobachtet sie mit Geir schon in der Bar und verschafft sich vor ihrer Rückkehr Zutritt zu ihrer Wohnung. Auch er ist auf der Dating-App Tinder unterwegs. Er sucht jedoch keine Frau fürs Leben, er sucht sich über die App seine Opfer aus, die er auf grausamste Weise ermordet. Das Dezernat für Gewaltverbrechen unter der Leitung der Chefermittlerin Katrine Bratt nimmt die Ermittlungen auf. Hinter Harry Hole liegen drei glückliche Jahre mit seiner Ehefrau Rakel und seinem Stiefsohn Oleg, der die Polizeihochschule besucht, an der Harry Hole unterrichtet. Hole ist seit drei Jahren nicht mehr als Spezialfahnder aktiv. Der unsympathische Polizeipräsident Mikael Bellmann braucht schnelle Erfolge bei der Aufklärung des Verbrechens an Elise Hermanson. Deshalb beauftragt er Hole, sich mit einem eigenen kleinen Team an den Ermittlungen zu beteiligen. Harry stimmt zu, auch weil er den gesuchten Mörder und Vergewaltiger Valentin Gjertsen in "Koma" nicht fangen konnte. Neu im Team ist Hallstein Smith, Psychologe und Vampirismus-Experte und Anders Wyller, Kommissar-Anwärter aus Tromsø sowie der langjährige Kriminaltechniker Bjørn Holm.
Jo Nesbøs 11. Band schließt nahtlos an die Vorgängerbände an. Es gibt wenige Autoren in der Kriminalliteratur, die ihrem Ermittler das Leben so schwer machen, ihn so viel leiden lassen. Und wieder überzeugt der Autor mit einem schlüssigen Plot. Es ist eine sehr spannende Geschichte um Verrat und Intrigen. Nichts ist einfach, alles ist komplizierter, als es scheint - bis zum überraschenden Ende, das man nicht errät. Das Personal des Romans ist übersichtlich und gut gezeichnet. Sein unkonventioneller Ermittler geht wie gewohnt seinen Weg, um einen vermeintlichen Vampir zu fangen. So lange Nesbø Harry Hole nicht für immer in die Hölle schickt, hoffe ich auf weitere Bände, und der Schluss des Romans lässt darauf hoffen, dass die Reihe fortgesetzt wird. Ein ganz hervorragendes Buch, das ich uneingeschränkt empfehlen kann.
walli007 zu »Jo Nesbø: Durst« 07.10.2017
Tender

Harry Hole ist inzwischen Dozent an der Polizeihochschule, mit Rakel ist er so glücklich wie ein Harry Hole nur sein kein. Sein Stiefsohn Oleg ist als Student an eben jener Polizeihochschule. Alles könnte schön sein, würde nicht ein Serienmörder beginnen, sein Unwesen zu treiben. Zwar ist Katrine Bratt eine gute Nachfolgerin für Harrys Position im aktiven Dienst, doch dieser perfide Täter, der seine weiblichen Opfer auf brutale und blutrünstige Weise umbringt, scheint ihre Kräfte zu überfordern. Polizeichef Bellman, der seine eigenen Ziele immer genau im Blick behält, überzeugt Harry mit seinem Wissen über Oleg, doch in die Ermittlungen einzusteigen.

Harry Hole ermittelt wieder. Bereits zum elften Mal macht er sich auf die Suche nach einem äußerst perfiden Killer. Das Umfeld ist schwierig, da Harry mit einem kleinen Team außerhalb der eigentlichen Ermittlungen weitere Nachforschungen anstellt. Er grübelt und kann doch, obwohl er lieber bei Rakel wäre, nicht von dem Fall lassen, der ihm ein ausgesprochen schlechtes Gefühl bereitet. Eine Erinnerung scheint geweckt, die jedoch nicht so richtig greifbar ist.

Verabredungen per Tinder App, ein modernes Mittel des Datens. Ein schnelles Treffen, ein schnelles gegenseitiges Abschätzen, schneller Sex und wie einige Opfer feststellen müssen auch große Gefahr. Etwas fremd mutet diese Art des Kennenlernens an. Warum verabreden Menschen sich so? Wie schnell schließlich kann Vertrauen auf gleiche Absichten missbraucht werden. In diesem neuen Fall begegnet Harry einer fremden Welt und doch einem bekannten Muster. Ausgesprochen hinterlistig und planvoll geht der Mörder vor und hinterlässt seine Opfer in einem Zustand, der an die Nieren geht. Sogar beim Lesen schleichen sich Bilder in den Kopf, die man schnellstens wieder dort entfernen möchte. Ein solcher Täter muss einfach gefasst werden. Und so bringt man schon Verständnis dafür auf, dass Harry in die Ermittlungen einsteigt, obwohl man denkt, das kann ihm gar nicht gut tun. Die progressive Art seiner Nachforschungen begeistert zum einen, bringt allerdings auch Beteiligte in Gefahr, was man nicht immer gutheißen möchte. Man hofft, der Erfolg möge im Recht geben und überlegt doch, ob das so statthaft sein kann. Und gerade wenn man meint, alles löse sich in Wohlgefallen auf, spürt man den Eiseshauch einer weiteren Wahrheit, die es unter großer Gefahr zu entdecken gilt. Nur weniges bleibt ungeklärt oder unbeachtet und schließlich deutet sich an, dass Harry auch künftig die Arbeit nicht ausgehen wird.

Ein Psycho-Thriller, der einem einen Schauer nach dem anderen über den Rücken jagt, den man einmal begonnen nicht mehr aus der Hand legen kann.
subechto zu »Jo Nesbø: Durst« 01.10.2017
20 Jahre und kein bisschen müde

Harry Hole ist zurück! „Durst“ ist bereits der 11. Fall für den kultigen norwegischen Ermittler. Die Vorgänger hatte ich mit Begeisterung verschlungen und so stand der neue Krimi schon lange auf meiner Wunschliste.
Jo Nesbø geht gleich in medias res. Wer ist dieser geheimnisvolle Mann mit dem Tattoo? Danach lernen wir Anwältin Elise kennen. Sie trifft sich mit Männern über die Dating-App Tinder und bezahlt dies mit dem Leben. Der Mörder beißt sie und trinkt ihr Blut - wie ein Vampir.
Harry ist inzwischen mit Rakel verheiratet, der Liebe seines Lebens, und arbeitet als Dozent an der Osloer Polizeihochschule. Einer seiner Studenten ist Rakels Sohn Oleg. Polizeipräsident Bellman, der Justizminister werden will, erpresst Harry mit Olegs krimineller Vergangenheit, um ihn zu einer Mitarbeit am Vampiristen-Fall zu überreden.
Über das Wiedersehen mit Harry, Katrine & Co habe ich mich sehr gefreut. Doch Harry kann sein Glück nicht genießen. Denn er kämpft noch immer mit den Dämonen der Vergangenheit, einem Killer, den er nicht fassen konnte, und dem Alkohol. Zudem erkrankt Rakel schwer.
„Durst“ hat alles was einen richtig guten Thriller ausmacht, dass einem beim Lesen der Atem stockt, dass man Gänsehaut und blutige Fingernägel hat und das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann. Kurze Kapitel und wechselnde Perspektiven sorgen für Dynamik. Falsche Fährten und überraschende Wendungen halten den Spannungsbogen hoch.
Nach einem fulminanten Showdown gelingt Jo Nesbø ein Cliffhanger der neugierig macht, wie der Autor diese geniale Reihe fortsetzen wird.

Fazit: Horror der ganz harten, vordergründigen Art, der buchstäblich die (Fleisch-) Fetzen fliegen und das Blut spritzen lässt. Hochspannung pur!

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