Die Larve von Jo Nesbø

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2011 unter dem Titel Gjenferd, deutsche Ausgabe erstmals 2011 bei Ullstein.
Ort & Zeit der Handlung: Norwegen / Oslo, 1990 - 2009.
Folge 9 der Harry-Hole-Serie.

  • Oslo: Aschehoug, 2011 unter dem Titel Gjenferd. 352 Seiten.
  • Berlin: Ullstein, 2011. Übersetzt von Günther Frauenlob. ISBN: 978-3-550-08873-5. 352 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2011. Gesprochen von Achim Buch. gekürzt. ISBN: 3899032470. 6 CDs.

'Die Larve' ist erschienen als Hardcover Hörbuch

In Kürze:

Nach drei Jahren in Hongkong kehrt Kommissar Harry Hole nach Oslo zurück. Der Prozess zu einem inzwischen abgeschlossenen Fall lässt ihn nicht los. Ein Jugendlicher wurde wegen Mordes verurteilt, es gilt als erwiesen, dass er einen gleichaltrigen Drogendealer im Streit erschossen hat. Doch Harry Hole glaubt nicht an diese einfache Geschichte und rollt den Fall gegen alle Widerstände noch einmal auf. Er besucht den angeblichen Mörder im Gefängnis – und ist schockiert, als er sieht, wen er vor sich hat.

Das meint Krimi-Couch.de: »Drogen, Morde und persönliche Tragik« 95°Treffer

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Harry Hole ist endgültig aus dem Polizeidienst ausgestiegen und lebt jetzt als Geldeintreiber in Hongkong. Drei Jahre nach seinem letzten Fall in Norwegen erreicht ihn der Anruf einer befreundeten Kollegin. Oleg, der Sohn von Harrys großer und einziger Liebe Rakel, sitzt in Untersuchungshaft. Er soll einen Freund aus dem Drogen- und Dealer-Milieu erschossen haben. Alle Indizien sprechen dafür, dass Rakels Sohn der Killer ist. Aber Harry Hole glaubt nicht an die scheinbar einfache Lösung des Falles. Er fliegt nach Oslo, um den Mörder zu finden und seiner geliebten Rakel den Sohn zurück zu geben. Vieles hat sich in den drei Jahren seiner Abwesenheit verändert, einiges ist aber auch gleich geblieben. Harry nutzt alte Kontakte und Beziehungen, und kommt so der Lösung des Falles schnell näher. Mehr als einmal muss er dabei Anschlägen auf sein Leben entgehen –  um schließlich Erkenntnisse zu gewinnen, die ihn zutiefst erschüttern.

Wie gelingt es Jo Nesbø nur immer aufs Neue, seine Leser gleich von der ersten Seite an zu fesseln? Eine sicherlich schwierig zu beantwortende Frage. Aber ein Teil des Erfolges dürfte in der Figur des Ermittlers begründet liegen. Harry Hole ist mittlerweile eine echte Kult-Figur. Vergleiche fallen mir auf den ersten Blick nur aus dem TV ein: Inspektor Columbo im Knittermantel und Theo Kojak mit dem Lolli. Das waren ähnlich knorrige, unverwechselbare Figuren. Hole ist ein vergleichbarer Typ. Legendär in seinen Methoden und Fähigkeiten, eine Reizfigur, bei Freund und Feind respektiert, gefürchtet – und manchmal sogar verhasst.

Auch in Die Larve gibt er wieder den einsamen Wolf, der gegen alle Widerstände nach der Wahrheit sucht. Dabei muss Harry mehrfach Kopf und Kragen riskieren. Aber das nimmt er alles in Kauf – und hier kommt mal wieder der weiche Kern des Helden zum Vorschein – um seiner großen Liebe Rakel zu helfen. Zärtliche Erinnerungen an vergangene Zeiten treiben ihn immer wieder vorwärts, und als er Oleg das Leben rettet, und der ihn daraufhin als »Papa« anspricht, droht dem »harten Hund« Harry Hole das Herz zu schmelzen. Der Autor präsentiert seinen Protagonisten einmal mehr als hochgradig ambivalente Persönlichkeit. Im Grunde seines Herzens ein Familienmensch, der sich nach Geborgenheit im Kreise seiner Lieben sehnt. Auf der anderen Seite der erfahrene Polizist, unbeugsam und geradezu fanatisch bei der Wahrheitsfindung. Und dabei stehen ihm nicht nur die Erinnerungen an frühere Fälle und seine Alkoholsucht im Weg, sondern auch weitere Widersprüche in seiner Persönlichkeitsstruktur.

Der Zeitsprung von drei Jahren – man könnte von einer Rückkehr des Harry Hole aus der Vergessenheit sprechen – gibt Jo Nesbø die Möglichkeit, aktuelle Veränderungen in Oslo einzuflechten. Die Drogenszene hat sich gewandelt, Holes alter Rivale Mikael Bellman hat weiter Karriere gemacht. Es gibt Korruption in der Politik und bei der Polizei. Harry nimmt die neue Situation ebenso staunend wie verärgert zur Kenntnis, hat angesichts der Dynamik der Ereignisse jedoch keine Chance, darüber nachhaltig zu reflektieren. Es wird aber mehr als deutlich, dass dem alten Haudegen viele Dinge überhaupt nicht in den Kram passen. Hole schiebt das alles zur Seite und entwickelt wieder seinen bekannten Tunnel-Blick. Und wie eine Katze scheint er mehrere Leben zu haben, mehrfach wird es ziemlich eng für ihn.

Die Larve ist gewissermaßen eines der persönlichsten Bücher aus der Harry-Hole-Reihe. Der Leser erhält tiefe Einblicke in das Seelenleben des Protagonisten. Wie weit diese Einblicke gehen, kann aus dramaturgischen Gründen nicht verraten werden. Aber der Autor hat hier einmal mehr eine echte Glanzleistung als Erzähler abgeliefert – ob dieser Roman der bisher beste von Jo Nesbø ist, muss jeder Leser auf seiner ganz persönlichen Skala einjustieren.  Die Geschichte berührt beim Lesen weitaus stärker, als man es erwarten würde. Auf jeden Fall gehört das Buch in die erste Reihe der Werke des norwegischen Schriftstellers – eine echte Granate, die man nicht mehr aus der Hand legt, wenn einen die Geschichte beim Lesen erst einmal gefesselt hat.

Andreas Kurth, Oktober 2011

 

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KleineSonne zu »Jo Nesbø: Die Larve« 26.04.2012
Zu der Handlung an sich ist hier ja schon genug geschrieben worden.

Ich bin ein großer Nesbo Fan, und habe alle Bücher der Harry-Hole-Reihe mit Begeisterung gelesen.

Ob ich von diesem Buch begeistert bin, kann ich allerdings gar nicht sagen.

Die Bücher der Reihe zeichnen sich ja nun alle nicht gerade durch ihre positive , hoffnungsvolle Stimmung aus und genau das macht ja auch ihren Reiz aus, aber "Die Larve" spielt nochmal in einer ganz anderen Liga, wie ich finde. Das Buch hat mich lange nicht mehr losgelassen in seiner Tragik.

Die Protagonisten sind einem über die Jahre ja durchaus ans Herz gewachsen, fast wie Freunde. Und hier zeigt sich , dass man sich auch in Freunden täuschen kann.

"Die Larve" ist wie alle Nesbos durchaus spannend,sogar fesselnd, aber Alles in Allem doch noch desillusionierender als die Vorgänger.

Trotzdem oder gerade deswegen eine uneingeschränkte Leseempfehlung meinerseits an alle Harry Fans..
Georg Babetzky zu »Jo Nesbø: Die Larve« 29.02.2012
Bin grade durch mit der 'Larve' (leider unpassender Titel!) und wieder mal begeistert. Seit dem 1. Fall von Harry Hole lese ich jeden Band mit wachsender Begeisterung. Jo Nesbo zieht einen so stark in seine Erzählungen herein, das schaffen außer ihm nur wenige und man verzeiht die ein oder andere (brutale) Übertreibung nur zu gern. Er lässt es wieder ordentlich krachen und zieht alle Register, selbst aus der Sicht einer Ratte, klasse! Hoffentlich geht es weiter, das Ende lässt hoffen (oder nicht)?!
heike strate zu »Jo Nesbø: Die Larve« 22.02.2012
„Das Gesicht unter dem Hut – es war wie eine alte, zerfurchte Landschaft mit einer kräftigen Nase, großen Ohren und zwei überraschend blauen, reinen, ja unschuldigen Augen. Die unschuldigen, blauen Augen eines Neugeborenen, das noch nicht der Vergebung der Sünden bedurfte.“ Wer sicher wissen will, wer am Ende des neuesten Harry-Hole-Krimis von Jo Nesbo überlebt, der sollte bei der Lektüre der 561 ausnahmslos spannenden Seiten genau aufpassen, auf wen diese Beschreibung passt. Mehr wird nicht verraten über den Ausgang einer Nesbo-typischen Jagd nach der Wahrheit über den Tod eines 17jährigen Junkies im Herzen Oslos, der angeblich von Harrys Ziehkind Oleg getötet worden sein soll. Und so ungeheuerlich wie dieser Verdacht, so unumgänglich ist das Eingreifen des ehemaligen Kripo-Ermittlers Harry Hole, der extra deswegen aus seiner neuen Heimat Hongkong einfliegt. Denn er kann seine große Liebe Rakel, Olegs Mutter, und ihren Sohn niemals vergessen. Und weil nicht sein kann, was nicht sein darf, ermittelt er, um die Unschuld von Oleg zu beweisen. In seinem neuesten Roman „Die Larve“ bedient sich Jo Nesbo verschiedener Erzählstränge, die den Leser von der ersten bis zur letzten Seite fesseln. Es ist ein vielschichtiger Roman, der nicht nur die grausame Karriere von Drogensüchtigen und Dealern brutal und beängstigend authentisch beleuchtet. Es ist auch eine große Geschichte über Liebe: Mutterliebe, Vaterliebe, Liebe zwischen Mann und Frau und der vermutlich größten Liebe überhaupt, nämlich der, die Junkies für ihr Rauschmittel empfinden. Doch trotz der Ernsthaftigkeit des Themas und der filmischen Bildhaftigkeit von Morden und Toten gibt es auch Passagen zum Schmunzeln. So agiert Harry Hole zum Beispiel wie ein Comic-Held, als der Auftragskiller ihm (fast) die Kehle durchschneidet, dieser dafür durch einen Korkenzieher stirbt, und die klaffende Wunde kurzerhand auf dem Hotelzimmer selbst genäht und mit Klebeband verbunden wird. Bei aller Heldenhaftigkeit stellt sich jedoch die Frage, ob der beliebte Ermittler auch in Zukunft seiner Fangemeinde erhalten bleibt. Denn dies ist nach 559 Seiten nicht so wirklich klar, es sei denn, er ist „Das Gesicht unter dem Hut …“.

Von Heike Strate


„Die Larve“ von Jo Nesbo, erschienen bei Ullstein, ISBN-Nr. 978-3-550-08873-5, € 21,99
Tine zu »Jo Nesbø: Die Larve« 06.02.2012
Ich habe während ich krank war mit Nesbø begonnen auf Empfehlung meiner Schwägerin. Ich habe mich dann von Band 1 bis zum Ende der Larve durchgelesen und habe richtige Entzugserscheinungen.
Nesbøs Harry Hole wächst einem richtig ans Herz, und ich kann verstehen, dass die Frauen in ihn verlieben, bin ja selbst eine. :-)

Aber was diesen Nesbø angeht, er ging mit ans Herz, machte mich melancholisch, warum, das kann ich nicht sagen, ich will ja nichts verraten.

Aber wie einige hier schon sagten, die deutschen Titelübersetzungen sind teilweise hanebüchen, warum hat man es nicht bei "Phantom" gelassen. Das ist der Titel und passt auch.
theili zu »Jo Nesbø: Die Larve« 18.01.2012
Der BESTE!
Ich bin soch seit "Der Fledermausmann" von Jo Nesbø und Harry Hole begeistert. Doch mit diesem Buch hat Nesbø die Messlatte hoch, sehr sehr hoch gelegt.
Für Nesbø und die anderen Krimi-Autoren wird es schwierig werden, "Die Larve" zu übertreffen.
Für mich der beste Krimi den ich je gelesen habe!

Danke Jo
antje zu »Jo Nesbø: Die Larve« 10.01.2012
Nicht so stark wie "Schneemann" oder "Leopoard", aber dennoch ein echter Nesbo! Unglaublich, was Harry Hole - der "Bruce Willis Norwegens" - alles erleiden muss und auf sich nimmt - aber so erwarten wir es ja und lesen es mit Schaudern und auch mit ein bisschen Genuss. Das Ende ist wirklich überraschend - und ich hoffe dringlich auf bestätigte Informationen, dass der Autor bereits eifrig am nächsten Harry-Hole-Band arbeitet!!
tieftag88 zu »Jo Nesbø: Die Larve« 04.01.2012
Mit Spannung erwartet.. mit großer Freude gelesen.. und am Ende mit Bedauern und hoffnungsvoller Erwartung auf eine Fortsetzung weggelegt.
Wieder einmal zeigt Jo Nebö seine außergewöhnliche Klasse in der anhaltenden Spannung und den gut gezeichneten Charaktern dieser Story.
Man trifft gute Bekannte wieder und fühlt sich beim Lesen wie "zuhause".
Mit Sjöwall/Walhöö ist Nesbö mein Favorit bei skandinavischen Krimis.
Stefan Koch zu »Jo Nesbø: Die Larve« 08.11.2011
Den vielen positiven Kommentaren kann ich nur vorbehaltlos zustimmen: eine super Psychologie, eine packende Spannung, eine klasse Story. Faszinierend wie die verschiedenen Fäden (auch aus vorherigen Bänden) zusammen geführt werden. Auch für mich der persönlich bewegendste Band der Harry-Hole-Reihe. Und keine gesellschaftlich-moralische Besserwisserei; keine ach-so-verfolgten-Gutmenschen, die von ach-so-schlimmen-Bösmenschen ach-so-gemein bedroht werden - wie in vielen anderen skandinavischen Krimis.
Gabi09 zu »Jo Nesbø: Die Larve« 07.11.2011
Hilfe!!!Das Buch ist beendet.Doch wie geht es weiter?Tolle Superspannende Story mit einem Cliffhanger vom feinsten.Warte nun wieder einmal gespannt auf die Fortsetzung. Ich habe dies Buch in 3 Tagen verschlungen.99% Absolut zu empfehlen und lesenswert.Hole ist eine Persönlichkeit und das ist auch gut so. Sicher ist es gut vorher die anderen Bücher der Reihe gelesen zu haben.
anyways zu »Jo Nesbø: Die Larve« 03.11.2011
Die Ermordung des 19 jährigen Norwegers Gusto Hanssen veranlasst Harry Hole aus seinem freiwilligen Exil in Hongkong zurück in die Heimat zu kehren.

Eine Reise in die eigene Vergangenheit und fataler Weise auch die Konfrontation mit der Vergangenheit und Gegenwart seiner Ex- Familie, denn seine Ex-Freundin Rachel und sein Ziehsohn, die nach dem „Schneemann“ nach Amsterdam flohen sind in der Zwischenzeit ebenfalls wieder nach Oslo zurückgekehrt.

Rachels Sohn Oleg ist Tatverdächtiger im Mordfall Gusto Hanssen und Harry setzt alles daran ihn zu entlasten. Einmal Bulle, immer Bulle. Von seinem ehemaligen Vorgesetzten Gunnar Hagen bekommt er grünes Licht, an diesem Fall zu ermitteln. Doch sein Wiederauftauchen in Oslo entgeht auch der Russenmafia nicht und so ist ein Auftragskiller auf Harrys Fersen.



Im Gegensatz zu den anderen Teilen der Harry-Hole- Reihe baut dieses Buch, ganz untypisch für Nesbo, nur langsam Spannung auf. Aus Sicht einer Ratte ( ein ganz ungewöhnlicher aber genialer Einfall), des im Sterben liegenden Gustos und Harrys wird die Geschichte um die fatale Beziehung zwischen den beiden jugendlichen Freunden, der Stiefschwester Gustos und Harrys Unvermögen seine Süchte auch in der Heimat zu kontrollieren und seinem unbändigen kriminalistischen Aufklärungsdrang reflektiert Die etwas schwachen Spannungsbögen am Anfang steigern sich ab der Mitte des Buches deutlich und man wird förmlich in einen Sumpf von Drogen, Gier und Prostitution gezogen, immer in der Hoffnung das sowohl Harry als auch Oleg dieses Drama einigermaßen glimpflich überstehen. Aber der Autor nimmt einem geschickt diese realitätsfernen Vorstellungen. Schlimmer noch er lässt auch den Leser völlig desillusioniert zurück.

Ein Krimi der etwas aus Nesbos üblichem Rahmen fällt, der trotzdem zu überzeugen weiß und den ich sehr empfehlen kann. Für Liebhaber der Harry-Hole-Reihe , so wie ich, ein unbedingtes Muss.

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