Der Erlöser von Jo Nesbø

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2005 unter dem Titel Frelseren, deutsche Ausgabe erstmals 2007 bei Ullstein.
Ort & Zeit der Handlung: Norwegen / Oslo, 1990 - 2009.
Folge 6 der Harry-Hole-Serie.

  • Oslo: Aschehoug, 2005 unter dem Titel Frelseren. 507 Seiten.
  • Berlin: Ullstein, 2007. Übersetzt von Günther Frauenlob. ISBN: 978-3-550-08686-1. 507 Seiten.
  • Berlin: Ullstein, 2008. Übersetzt von Günther Frauenlob. ISBN: 978-3-548-26968-9. 527 Seiten.
  • Berlin: List, 2011. Übersetzt von Günther Frauenlob. ISBN: 978-3-548-61018-4. 527 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2007. Gesprochen von Heikko Deutschmann. ISBN: 3899034473. 6 CDs.

'Der Erlöser' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Oslo im Weihnachtslichterglanz, ein kaltblütiger Killer und ein Kommissar, dessen Leben aus den Fugen zu geraten droht. Harry Hole steht in seinem sechsten Fall vor einer ganz besonderen Herausforderung.

Das meint Krimi-Couch.de: »Barmherzigkeit ist nicht Holes Branche« 70°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Vorweihnachtszeit in Oslo. Junkies und Alkoholiker finden in den Asylen der Heilsarmee einen Ort zum aufwärmen. Kommissar Harry Hole, selber Alkoholiker, aber seit einiger Zeit trocken, ermittelt im Milieu, da in einem Container am Hafen ein junger Mann tot aufgefunden wird. Doch während in diesem Fall relativ schnell anhand von Indizien der Täter zu einem Geständnis bewegt werden kann, tötet ein kroatischer Killer einen Soldaten der Heilsarmee. Von vorweihnachtlicher Ruhe und Besinnlichkeit kann also keine Rede sein.

Ganz im Gegenteil, es entwickelt sich eine Jagd auf einen gesichtslosen Killer, der in seiner Heimat zu Zeiten des Balkankrieges den Spitznamen »Kleiner Erlöser« erhielt. In Norwegen ist er unter dem Namen Christo Stankic eingereist und wäre eigentlich schon längst wieder außer Landes gewesen, wenn nicht ein Schneesturm den Flughafen Oslo lahm gelegt hätte. So aber erfährt Stankic aus der Zeitung, dass er den falschen Mann umgebracht hat und bleibt. Er besorgt sich sogar wieder seine Pistole, die er auf dem Fluchtweg deponiert hatte. Doch Harry Hole und das ganze Team sind Stankic sehr schnell dicht auf den Fersen. Er kann sich keine Unterkunft mehr nehmen, kein Geld mehr abheben, nicht mehr in seine Heimat telefonieren, ohne dass die Polizei ihn orten könnte. Doch er bleibt zunächst spurlos verschwunden.

Alles neu bei der Osloer Polizei

Das Feindbild im eigenen Team tot, glücklich zusammen mit seiner neuen Liebe Rakel und deren Sohn Oleg – so haben wir uns von Harry Hole nach seinem letzten Fall verabschiedet. Nun verlässt Holes Mentor und Beschützer Bjarne Möller auf eigenen Wunsch die Truppe und an seine Stelle tritt mit Gunnar Hagen ein neuer Kotzbrocken in Person. Halvorsen, Skarre, Li und Li leiden gemeinsam mit Harry unter immer neuen Dienstanweisungen und irgendwie drängt sich der Eindruck auf, dass Hole sogar ein wenig gemobbt wird. Da wünscht man ihm wenigstens Rückhalt im Privaten. Aber nein, auch Rakel hat sich aus seinem Leben verabschiedet. Ob da ein ehemaliger Alkoholiker lange trocken bleiben kann, wenn die wichtigsten Menschen nicht mehr da sind?

Mit dem Erlöser kann Nesbö deshalb nicht so nahtlos an die Vorgänger anknüpfen. Der Bruch zieht sich durch zu viele Bereiche. Nesbö bleibt natürlich der gute Erzähler, als der er sich in den vorangegangenen Romanen einen Namen gemacht hat. Aber erst da, wo andere Romane schon vorbei sind, kommt bei Nesbös Erlöser erst Schwung in die Angelegenheit. Die ersten 300 Seiten erinnern an ein Vorgeplänkel, dass noch keine wahre Richtung aufgenommen hat. Nesbö verliert sich sogar darin, Lebensgeschichten von relativ uninteressanten Nebenpersonen über mehrere Seiten auszurollen.

Ein Meister seines Handwerks

Von Anfang an versteht es Nesbö, immer wieder einzelne Werkzeuge aus seinem Köfferchen auszupacken; Elemente, mit denen er routiniert Spannung produziert. Er unterstreicht damit, wie sehr er das Genre beherrscht und wie einfach Leser von ihm auf eine falsche Fährte gelenkt werden können. Aber wofür ist das gut? Was soll ein Stromausfall und eine Person, die genau in diesem Moment in ein bewachtes Krankenzimmer schleicht – wenn man im nächsten Kapitel erfährt, dass das der Kommissar war, um den Verletzten an einem anderen, sichereren Ort unterzubringen? Um hier nur mal ein Beispiel zu nennen.

Nesbö wagt sich zudem weit in die Strukturen der Heilsarmee vor. Die Mission der »Soldaten« kann er dem Leser vermitteln – aber nicht die Motivation. Es läppern sich bei diesem Roman für Nesbö ungewohnt viele Kritikpunkte zusammen. Gut ist ihm die Figur Christo Stankic gelungen, der sich durch eine hohe Aufmerksamkeit und eisernen Überlebenswillen auszeichnet. Im Erlöser kann uns der Norweger erst spät mit einem erlösenden Show-Down versöhnen. Bis dahin liefert er über 300 Seiten viel Handwerk, aber keine Begeisterung. Oder wie es Heilsarmeesoldatin Martine ausdrücken würde: Seine Branche ist nicht die Barmherzigkeit, sondern die Erlösung. Erst auf den letzten 150 Seiten hat dieser Nesbö wahre Klasse.

Thomas Kürten, Oktober 2007

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Dr.Dieter Rohnfelder zu »Jo Nesbø: Der Erlöser« 21.02.2010
Es stimmt schon: die 2. Hälfte ist spannender als die 1. Trotzdem fand ich das Buch keinesfalls langweilig. Die Story ist raffiniert konstruiert, die falschen Vermutungen (über den Auftraggeber des Mordes) gehören bei Jo Nesbö einfach dazu.
Die von derschlauen kritisierten Beschränkungen des Killers bei Waffen und Munition sind nachvollziehbar. Ich finde es eher völlig unglaubwürdig, dass der chamäleonhaft angepasste Killer ein rotes Halstuch trägt, das ihn leicht identifizierbar macht. Der Schluss ist genial, der Epilog eine totale Überraschung. Absolut lesenswert, 88°
Jetzt habe ich bis zum "Schneemann" alle gelesen - mit dem "Leopard" warte ich bis zum Erscheinen der Taschenbuchausgabe, denn bei aller Wertschätzung für Jo Nesbö sind mir 22 € zu teuer...
rolandreis zu »Jo Nesbø: Der Erlöser« 03.02.2010
Dies war mein zweites gelesenes Buch aus der Harry Hole Reihe und auch mein
letztes. Etliche Leser schwärmen ja für Jo Nesbo und seine Bücher, ich allerdings werde mit seinem Ermittler einfach nicht warm. Auch bei diesem Buch quälte ich mich mehr durch die Seiten, als das ich von der Geschichte gefesselt wurde.
dieschlaue zu »Jo Nesbø: Der Erlöser« 04.01.2010
je oje - da hat sich der Autor eine Geschichte zusammengestrickt,und wahrhaft nicht an Klischees gespart: die bösen Immobilienspekulanten, die grundverschiedenen Geschwister, die aufrechten Polizisten mit den dummen Vorgesetzten, der Alki-Cop, der gerne mal für einen halben Tag rückfällig wird, um Tags drauf wieder frisch ans Werk zu gehen, der kroatische Killer mit dem Vucova-Trauma, die MUTTER ...

Wohl gespart hat er aber an der Logik: da hapert es an allen Ecken und Enden: der Killer, der nur eine (1) Waffe und ein (1) Magazin hat, und keinen 2ten (2) Pass, ist nur eine (1) von vielen (100) Pannen, mehr will ich hier nicht nennen, vielleicht wills ja doch noch jemand hören. (Lieber nicht lesen!!).

Es gibt viele gute Krimis aus Skandinavien. Dieser gehört definitiv nicht dazu.
1 von 4 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Marv zu »Jo Nesbø: Der Erlöser« 28.11.2009
Jo Nesbøs ‚Der Erlöser‘ ist der 6. Band der Harry Hole - Reihe und mein 3. gelesener Band. Analog zu den beiden Vorgängern (‚Die Fährte‘, ‚Das 5. Zeichen‘) schreibt Nesbø auf einem gleichbleibend hohen Niveau. Die Texte sind flüssig zu lesen, ohne trivial zu sein, der Plot gut angelegt, ohne konstruiert zu wirken, die Geschichten sind spannend und stellen trotz der geschickt aufgebauten Story immer die Menschen, im besonderen Harry Hole, in den Mittelpunkt der Handlung.
Auch ‚Der Erlöser‘ in dem es u.a. um einen Mordfall im Umfeld der Heilsarmee und um die Verfolgung des Auftragskillers geht, folgt diesem Muster. Während die erste Hälfte des Buches eher schwächer beginnt, steigert sich die Geschichte im 2. Teil, als die sorgsam gelegten Hinweise und Fäden sich verknüpfen und zu einem starken und überraschenden Schluss kulminieren. Und im Mittelpunkt, wie immer Harry Hole. Wieder im Kampf mit sich selbst, bleibt er auch in diesem Roman einerseits ein Kämpfer für Gerechtigkeit, durchaus ausgerüstet mit einem ausgeprägten Wertesystem, anderseits aber auch ein Mann, der Grenzen überschreitet, und sich über Regeln und Recht hinwegsetzt. Eine zerrissene, ambivalente Figur, die Nesbø über mehrere Romane stetig weiterentwickelt.
Aber auch die anderen Figuren sind interessant und in der Regel mehrdimensional angelegt, sehr oft stellen sie sich im Laufe des Romans anders dar, als man zunächst annimmt.
Wie eingangs erwähnt, bewegt sich die Reihe qualitativ in der oberen Liga, wenn auch ‚Der Erlöser‘ aufgrund der ersten Hälfte des Romans eher der schwächere, der von mir gelesenen Bände ist. Empfehlenswert ist ‚Der Erlöser‘ dennoch.
mg11 zu »Jo Nesbø: Der Erlöser« 23.10.2009
Mein Lieblingbuch von Nesboe (nach der Schneemann). Ansprechende Atmosphäre rund um die Heilsarmee und der Vorweihnachtszeit. Handlung in sich stimmig, Personen gut herausgearbeitet und einer Menge überraschender Wendungen.

Harry Hole ist auch diesmal wieder Held und Verlierer...man muss ihn einfach lieben.

100% Weiterempfehlung!!
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Moschi zu »Jo Nesbø: Der Erlöser« 13.10.2009
Langweilig, langatmig, spannungsarm, dialoglastig, einschläfernd. Die Geschichte schleppt sich mehr schlecht als recht dahin und man fragt sich mit jeder weiteren Zeile:
Was will mir der Autor eigentlich sagen? Wann kommt Leben, Tempo in die Handlung? Krimi? Fehlanzeige!
Ist mir ein Rätsel, woher die vielen euphorischen Kritiken der Leser kommen.
Ich habe ermüdet und enttäuscht nach 350 Seiten das Lesen eingestellt. War wohl mein erster und letzter Nesbo
1 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Taennsche zu »Jo Nesbø: Der Erlöser« 04.08.2009
ein gelungener Fortgang der Krimis um Harry Hole. Durchweg spannend (sodass man das Buch nicht weglegen möchte), überraschend, mir bei einer Situation etwas zu brutal (nur hier musste ich eine Pause einlegen) und sogar etwas fürs Herz dabei. ;-)
Insgesamt sehr zu empfehlen!
Nun wird der Nachfolger "der Schneemann" im Taschenbuch-Format heiß ersehnt :-)
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
theili zu »Jo Nesbø: Der Erlöser« 24.06.2009
Einmal mehr ein gelungener Harry Hole-Krimi. Nach dem 6. Buch ist es auch schon fast selbstverständlich, dass Harry mit seinem alten Feind (Alkohol) zu kämpfen hat.

Die Story hat mich schnell in Ihren Bann gezogen. Da scheint jemand etwas von der Heilsarmee zu wissen...
Das ist das erste Mal das man als Leser Harry in den Ermittlungen voraus ist. Eine nette Abwechslung.
Der Epilog hat mich vollkommen unvorbereitet überrascht. Wahnsinn!
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
SeeYoou zu »Jo Nesbø: Der Erlöser« 24.03.2009
Mein erster Kontakt mit Nesbo ist gleich ein Erfolg. Es gelingt ihm, die nicht gerade wenigen Seiten spannend zu füllen und den Akteuren lebendige, nachvollziehbare Persönlichkeiten zu geben. Dabei bleibt er doch ganz klar im Genre und verliert sich nicht in Sozialstudien. Die Geschichte ist komplex, nimmt unerwartete Wendungen und ist dabei doch weder verworren noch unglaubwürdig. Das macht Lust auf mehr.
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Patrick zu »Jo Nesbø: Der Erlöser« 02.12.2008
Wie nicht anders erwartet, hat mich auch dieser Roman wieder mehr als begeistert. Flüssig geschrieben, spannend und oft auch zum Nachdenken anregend - typisch Nesbø eben.

Harry bekommt einen neuen Vorgesetzten - der besonders bewandt ist in japanischen Kriegstaktiken - welcher nicht auf der gleichen Wellenlänge wie Harry steht. Trotzdem scheint sich hier eine kleine Hassliebe zu entwickeln und irgendwie ist mir Hagen am Schluss gar noch ein wenig sympathisch geworden.

Gerade die von Herrn Kürten kritisierten Passagen, die den Leser auf eine falsche Spur führen, gefallen mir besonders gut. Hier versteht es Nesbø wie kein anderer, den Leser in die Irre zu führen - auch wenn sich die Verwirrungen teilweise ein wenig wiederholen.

Die Story ist sehr gut aufgebaut und behält bis zum Ende ihre Spannung. Ich kann aber zustimmen, dass die letzten 150 Seiten bedeutend rasanter zu lesen sind als die übrigen; dies soll aber der Spannung keinen Abbruch geben. Besonders angetan haben es mir die letzten drei Seiten, denn damit hätte ich gar nie gerechnet.

Einmal mehr grosses Kino von Jo Nesbø, welcher bei meiner persönlichen "Autorenrangierung" ganz oben auf der Liste fungiert.

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