Das falsche Rot der Rose von Johler & Stahl

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2004 bei Europa. 384 Seiten. ISBN-10: 3203785765, ISBN-13: 978-3203785769.
Ort & Zeit der Handlung: USA / Washington, Zukunft.

'Das falsche Rot der Rose' ist erschienen als Hardcover

In Kürze:

Was ist passiert? Die Regierungschefs der G10-Staaten haben sich zum Gruppenfoto aufgestellt. Ein kanadischer Wachsoldat fängt an zu schießen. Das Blutbad erschüttert die Welt. Für die CIA ist der Wachsoldat der erste islamistische Selbstmordattentäter der westlichen Welt. Bis die UN-Ermittlerin Senait Darod herausfindet, dass er jahrelang im Dienst der CIA stand. Und sie kommt zu der Erkenntnis: Die CIA führt ihr verbotenes Mind Control Programm weiter. Auch CIA-Agent Hamlet Mueller verfolgt die Spur der Islamisten. Als ein Fernsehbericht das Tagebuch des Attentäters enthüllt, erkennt er: Er hat dieselben Albträume und Visionen wie der Attentäter.

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein provokantes, aber tiefgründiges Werk« 90°Treffer

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

In einer nahen Zukunft: Auf dem G-10-Gipfel in Toronto haben sich Staats- und Regierungschefs – 30 der wichtigsten Männer und Frauen der Welt – zum Gruppenfoto aufgestellt, als plötzlich einer der kanadischen Wachsoldaten mit einer Maschinenpistole in die Gruppe feuert. Der zweite Wachmann reagiert spät, und so sterben über zwanzig Politiker bei diesem schlimmsten Terroranschlag seit dem 11. September 2001, bevor der Attentäter selber getötet wird.

Für die CIA und ihre Anti-Terror-Organisation CTC steht fest, dass sie es hier mit dem ersten islamistischen Selbstmordattentäter der westlichen Welt zu tun hat. Wie man feststellt, hatte der Wachmann im Urlaub Kontakt mit dem saudischen Scheich Aziz. Das Regime von Saudi-Arabien steht bereits seit langem auf der Abschussliste der USA und so kommt der Anschlag gerade recht, um einen geplanten Angriff auf Saudi-Arabien zu rechtfertigen. Der ehemalige Agent und jetzige College-Dozent Hamlet Müller wird reaktiviert, um bei der Beweisfindung mitzuwirken.

Sind die USA mit ihren Versuchen zur Bewusstseinsmanipulation voran gekommen?

Aber noch eine zweite Anti-Terror-Organisation befasst sich mit dem Attentat: Die Ermittlerin Senait Darod führt Untersuchungen für die den Vereinten Nationen unterstehende UNANTEF aus und kommt zu völlig anderen Ergebnissen. Nach ihrer Meinung wurde der Anschlag von der CIA selber initiiert, um einen Kriegsgrund vorweisen zu können. Sie hat Informationen, dass die USA ihre Versuche zur Bewusstseinsmanipulation aus den 60er Jahren mit Hilfe der Nanotechnologie vervollkommnet hat.

Auch wenn die Autoren die Hauptschauplätze ihres Polit- und Wissenschaftsthrillers in die Vereinigten Staaten verlegt haben, unterscheidet sich »Das falsche Rot der Rose« doch grundlegend von spannenden Thrillern nach amerikanischer Machart. Johler und Stahl betreiben hier keine Schwarz-Weiß-Malerei mit stereotypen Charakteren, sondern stellen differenziert verschiedenste Standpunkte dar. Sehr subtil gehen sie auf die Schuldfrage ein und zeigen auf, dass die Thematik weitaus tiefgründiger ist als sie auf den ersten Blick erscheinen mag.

Keine amerikanische Machart – aber ein Pageturner

Trotz vieler Fakten und Theorien wird der Roman zu keiner Zeit langweilig. Ständige Schauplatz- und Perspektivwechsel sowie ein hohes Erzähltempo sorgen dafür, dass das Buch immer mehr zum Pageturner wird. Überraschende Wendungen sind wohl dosiert eingesetzt und kommen genau zum richtigen Zeitpunkt. Und mit einer nicht erwarteten Pointe haben sie auch die Klippe eines guten Abschlusses gemeistert.

Die Charaktere sind hervorragend herausgearbeitet und vielschichtig angelegt. Wissenschaftlichliche Themen werden grundlegend gut erklärt, doch sollte man sich immer vor Augen halten, dass die im Roman beschriebenen Anwendungen reine Fiktion sind und die Nanotechnologie die beschriebenen Möglichkeiten (noch?) nicht bietet. Doch auch, wenn es Fiktion ist, es könnte in ähnlicher Form durchaus realistisch sein.

Johler & Stahl beweisen hier, dass sich deutsche Hochspannungesliteratur nicht vor der Amerikanischen verstecken muss. Im Gegenteil: Sie zeigen, dass spannende Thriller nicht banal sein und auch nicht zwingend eine Liebesgeschichte beinhalten müssen, obwohl als Protagonisten ein Mann und eine Frau fungieren. Verschiedenste Themen hat das Autorenpaar sinnvoll verknüpft und ein durch den Bezug zur aktuellen Weltpolitik zwar provokantes, aber vor allem tiefgründiges Werk verfasst, mit dem sie sicherlich bei manchen anecken werden, aber vor allem zum Nachdenken anregen. Kleine Fehler und Unglaubwürdigkeiten werden wie immer gerne verziehen, wenn der Rest stimmt. Und das tut er hier allemal.

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MaMa zu »Johler & Stahl: Das falsche Rot der Rose« 24.02.2010
Mal wieder ein Buch was ich so richtig genossen habe. Ein Politthriller bester Güte. Zwischendurch wurden mir mal mit zu vielen Theorien (wahr, unwahr, Verschwörung oder was auch immer) rumexperimentiert, die sich dann auch mehrheitlich als Abstellgleise herausstellten. Ein paar Handlungsstränge wurden nicht stramm gehalten sondern schlabberten ein wenig herum, aber alles in allem: Treffer auch bei mir, 92°!
Thomas T. Tompson zu »Johler & Stahl: Das falsche Rot der Rose« 27.03.2009
Als großer Genießer des Genres "Wissenschaftsthriller" bin ich sehr froh, dass wir mit Jens Johler einen deutschen Autoren haben, der es den oft doch sehr glatten amerikanischen Freunden zeigt, wie es geht: Gut recherchieren, mit etwas Phantasie anreichern und brillant schreiben.

Die Handlungsstränge von "Rot der Rose" geraten jedoch ab und an ein wenig ins Unübersichtliche, das ist dem Genre schuldend sehr wahrscheinlich so gewollt, andererseits wohl auf das nicht ganz geglückte Experiment "Autoren-Duo" zurückzuführen.

Dennoch sind für diesen Ausnahme-Thriller 89 Grad angemessen. Spannend und empfehlenswert, grad auch aus der zunehmend größer werdenden Distanz zum 9/11.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Bio-Fan zu »Johler & Stahl: Das falsche Rot der Rose« 26.02.2009
Treffer! 90 Grad! - dem ist wenig hinzuzufügen und die Rezension von Peter Kümmel kann ich zu 90 % unterschreiben.
Ein Polit-, Wissenschaft- und Agententhriller der Spitzenklasse.

Wie unser Gehirn uns das scheinbar unveränderliche Rot einer Rose als Realität vorgaukelt, so schein es auch beim Betrachten von politischen Ereignisse zu sein. Da werden uns augenscheinlich Fakten präsentiert und aus Mangel an Informationen akzeptieren wir sie als Realität. Wenn z.B. das Wort : Terroranschlag fällt, wenden sich unsere Blicke nahe in den Osten. Nur müssen solche Attentate nicht ausschließlich von religiösen Fanatikern initiiert sein, es gibt genügend andere Gruppierungen, die Interesse an der Destabilisierung von Staatengemeinschaften haben, um ihre eigenen Ränke zu schmieden.
Johler+Stahl präsentieren uns eine (Science-) Fiktion, die durch ihre Verankerung in der Vergangenheit eine realistische Dimension erlangen könnte: Der ferngesteuerte, fremdbestimmte Mensch.
"Das falsche Rot der Rose" ist ein echter Pageturner in durchaus amerikanischer
Machart, (hier unterscheide ich mich in meiner Einschätzung von der des Rezensenten) nur daß die beiden Autoren es vermeiden, in jedes amerikanische Klischee- Näpfchen zu treten. Frei von peinlichem Patriotismus oder Waffenfetischismus, keine kongenialen Überhelden, noch nicht mal die sonst unvermeidliche Lovestory. Einfach nur Spannung pur, die begeistert mit einem faszinierenden Thema und einer abwechslungsreichen Dramaturgie.

95 Grad
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Rezensent zu »Johler & Stahl: Das falsche Rot der Rose« 22.08.2005
Der Roman bietet durchschnittliche Kost. Auffallend ist die große Zahl an Informationen und Impressionen, die Johler & Stahl nach dem Studium vielfältiger Literatur zusammen schmelzen wollen. Dies geschieht jedoch oft auf sehr hanebüchene und arg zurecht gebogene Weise. So bedient der Roman vor allem das seit 9/11 beständig wachsende Bedürfnis an noch so fern liegenden Verschwörungstheorien. Jedoch ist für den Leser oft nur schwer zu unterscheiden, ob der Roman vor allem persönliche Geschichte der alles in allem ordentlich gezeichneten Hauptfiguren, moderne Islam-Terrorismus Thematik oder Wissenschaftsthriller sein will. Hier fällt gerade der Gegensatz zwischen Handlungsgeschehen in der Gegenwart und implizierten wissentschaftlichen Errungenschaften aus ferner Zukunft auf. Trotz diesen an sich unvereinbaren Gegensätzen gelingt es Johler & Stahl an einigen Stellen einen wirklich spannenden Thriller und einige unvorhersebare Wendungen auf die Beine zu stellen, sodass man das Buch zwar nicht mit staunendem Munde ob der Offenbarungen, aber doch wegen gewisser Kurzweil befriedigt zuschlägt.
1 von 4 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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