Nice von Jen Sacks

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1998 unter dem Titel Nice, deutsche Ausgabe erstmals 2001 bei dtv.

  • New York: St. Martin’s Press, 1998 unter dem Titel Nice. ISBN: 0312193068. 197 Seiten.
  • München: dtv, 2001. Übersetzt von Thomas Bauer. ISBN: 3423205377. 213 Seiten.

'Nice' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Grace ist ein nettes Mädchen und möchte auf keinen Fall irgendjemandes Gefühle verletzen. Sie leidet schreckliche Qualen, wenn wieder mal eine Beziehung beendet werden muss – was relativ häufig vorkommt: Grace ist nämlich nicht nur nett, sondern auch sehr attraktiv und wird von männlicher Seite entsprechend belagert. Und sie kann sooo schlecht nein sagen …Dann, wenn wieder mal alles zu spät ist, findet sie beim besten Willen keine Möglichkeit, ihre unerwünschten Lover elegant und schonend loszuwerden. Was bleibt ihr anderes übrig, als sie gänzlich zu beseitigen …schmerzfrei und in der freundlichsten Absicht, versteht sich. – Dann ist da Sam, der eines Abends zufällig beobachtet, wie sie eine Leiche wegschafft. Er kennt sich aus, denn er selbst ist Profikiller und gut mit Aufträgen eingedeckt. Graces amateurhafter Auftritt geht gegen seine Berufsehre, so dass er ihr nolens volens mit Rat und Tat zur Seite springt. Und bald ist er sich sicher: Dass er Grace kennengelernt hat, muss Schicksal sein. Es wird eine ziemlich gefährliche Liebesgeschichte.

Das meint Krimi-Couch.de: »Eine schwarze Romanze« 50°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Grace hat ein Problem mit Männern, die sie dank ihres Aussehens magisch anzieht. Auch wenn sie die jeweiligen sexuellen Abenteuer mitunter genießt, so möchte sie den betreffenden Mann dann doch gern alsbald wieder loswerden und genau hier liegt ihr Problem: Sie möchte die Männer zwar loswerden, aber dabei keineswegs deren Gefühle verletzten und so beschließt sie notgedrungen sie einfach zu beseitigen …

Grace: »Während er auf mir herumturnte, dachte ich mir, mein Gott, was soll ich bloß machen? Ihn umbringen? Das schien die einzige Lösung zu sein.«

Sam ist Profikiller und will eigentlich nur die Qualität eines neuen Abhörsystems testen. Hierbei stößt er in einer Kneipe ausgerechnet auf Grace, die sich am Tresen mit einem Mann unterhält. Er wählt sie zur Testperson aus und beginnt sie heimlich zu beschatten und abzuhören. Am nächsten Morgen will er seine Aktivitäten fortsetzen und ist nicht gering überrascht, dass er den Mann vom Vorabend tot vor Grace Haus wieder findet. Nur in Boxershorts bekleidet und mit Lippenstift geschminkt, was die alarmierte Polizei letztendlich dazu bringt, den Mord dem Homosexuellenmilieu zuzuschreiben. Sams Neugierde wird durch diesen seltsamen Zwischenfall gestärkt und kurz darauf sieht er wie Grace einen neuen Liebhaber bei einem Spaziergang entlang des Ufers, völlig überraschend über ein Geländer in die Tiefe stürzt. Erneut ein perfekter Mord.

Wenige Tage später verbringt Grace mit dem Investmentbanker Ben den Abend bei sich zu Hause, doch steht sie seinen Annäherungsversuchen ablehnend gegenüber. Ben, der zu Gewalttätigkeiten neigt, versucht daraufhin Grace zu vergewaltigen und nach einem heftigen Schlagabtausch bei dem auch Grace verletzt wird, findet Ben einen gewaltsamen Tod. Sam, der die eskalierende Situation von außen verfolgt, beschließt einzuschreiten und Grace bei der Beseitigung der Leiche mit professionellem Rat und Tat zur Seite zu stehen …

Sam: »Das Leben bietet dem Tod unzählige Gelegenheiten. Die meisten Menschen weigern sich, darüber nachzudenken. Wenn sie es nicht täten, könnten sie nicht leben. Wenn ich es nicht täte, könnte ich nicht töten.«

Der ebenso kurze wie kurzweilige Roman ist eigentlich eine Liebesgeschichte mit einer ordentlichen Prise schwarzer Humor denn ein Kriminalroman, in dem Grace und Sam die Geschehnisse aus ihrer Perspektive erzählen. Umso überraschender die Aufnahme in die Auswahlliste für den Edgar Allen Poe Award. Grace kann zu Männern nur schlecht nein sagen, will sich aber andererseits nicht binden, schon gar nicht ihre Gefühle verletzen und greift daher zum äußersten Mittel. Da Sam aus seinen Beobachtungen von Grace dies weis und respektiert, in dem er beispielsweise nach dem Liebesspiel nicht die Nacht bei ihr verbringt (so dass sie ihn am nächsten Morgen auch nicht umbringen kann), finden die beiden Gleichgesindten im Geiste zueinander. Grace findet einen Partner, der sich ihr nicht aufdrängt, Sam eine Partnerin die seinen Beruf als Profikiller akzeptiert, da sie weiß, was töten bedeutet und so kommt es zum fast perfekten Happy-End.

Der schwarze Humor kommt bei der Geschichte ein wenig zu kurz, jedenfalls fehlt es an Stellen, an denen man richtig herzhaft lachen kann. Hier und da ein Schmunzeln, mehr aber nicht (»Heute schon jemanden umgebracht?«). Der Spannungsbogen ist ebenfalls gering, da sich der Plot nicht zu einem Krimi, sondern zu einer (schwarzen) Romanze entwickelt. Kann man lesen, muss man nicht. Zum Thema Beseitigung von Leichen, welches hier nur eine untergeordnete Rolle spielt, gibt es im Übrigen einen Roman mit einem weitaus gelungenerem Plot: »Nach Einbruch der Dunkelheit« von William Katz.

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elwe zu »Jen Sacks: Nice« 11.06.2008
Ein wirklich witziges Buch, abseits der Dutzendware - einfach weil das Setting so abstrus ist, aber dennoch glaubwürdig erzählt wird.
Gut geschriebene Dialoge, die lakonischen Erzählerstimmen (Sam und Grace berichten wechselseitig aus der ICH-Perspektive) und eine gute Mischung aus Spannung und Romantik machen das Buch lesenswert.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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