Todeszimmer von Jeffery Deaver

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2013 unter dem Titel The Kill Room (Lincoln Rhyme 10), deutsche Ausgabe erstmals 2014 bei Blanvalet.
Folge 10 der Lincoln-Rhyme-&-Amelia-Sachs-Serie.

  • New York: Grand Central, 2013 unter dem Titel The Kill Room (Lincoln Rhyme 10). 608 Seiten.
  • München: Blanvalet, 2014. Übersetzt von Thomas Haufschild. ISBN: 978-3-7645-0482-3. 608 Seiten.
  • [Hörbuch] München: Random House Audio, 2014. Gesprochen von Dietmar Wunder. ISBN: 3837126366. 6 CDs.

'Todeszimmer' ist erschienen als Hardcover HörbuchE-Book

In Kürze:

Ein Scharfschütze, ein blutiger Auftragsmord, ein übermächtiger Gegner

In einer Hotelsuite auf den Bahamas bietet sich dem Ermittler Lincoln Rhyme ein Bild des Schreckens: Der regierungskritische US-Bürger Roberto Moreno wurde von einem Scharfschützen kaltblütig erschossen, sein Bodyguard und ein Reporter sind ebenfalls tot – und laut Informationen der zuständigen Staatsanwältin geschahen die Morde im Auftrag des amerikanischen Geheimdienstes. Die ambitionierte Nance Laurel ist fest entschlossen, die für das brutale Attentat Verantwortlichen zur Strecke zu bringen, und beauftragt Lincoln Rhyme und seine Partnerin Amelia Sachs mit den Ermittlungen. Eine Hetzjagd beginnt, die die beiden selbst ins Visier des skrupellosen Killers Jacob Swann rückt …

Das meint Krimi-Couch.de: »Daumen hoch! Spannung wie in alten Tagen« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Jürgen Priester

Todeszimmer, immerhin schon der 10. Auftritt des sympathischen Gespanns Lincoln Rhyme und Amelia Sachs, kommt überzeugend frisch, dynamisch und spannend daher. Einige Kritiker und Leser befürchteten nach (bei) den vorangegangenen Folgen einen Absturz der Reihe. Bisher ist es noch keinem Krimiautoren gelungen, eine Krimi-Reihe über 10 Folgen auf gleichbleibend hohem Niveau zu halten. Abgesehen von den Reihen, die mit der Zeit zu Karikaturen ihrer selbst geworden sind, hatten (haben) auch gute Serien ihre Durchhänger. Jeffery Deaver hat mit dem hier vorliegenden Thriller wohl die Kurve gekriegt. Wir wollen hoffen, dass das Todeszimmer nicht ein »Einzel«zimmer ist. Konfrontierte Deaver sein berühmtes Ermittlerteam in Opferlämmer mit einem Attentäter und Erpresser, muss es sich diesmal mit verdeckten illegalen Operationen eines, wenn auch fiktiven US-amerikanischen Geheimdienstes befassen.

Robert(o) Moreno ist tot. Erschossen in einem Hotelzimmer auf den Bahamas. Mit ihm starben sein Leibwächter und ein Journalist. Die lokalen Ermittlungsbehörden streben eine schnelle Lösung an (oder eine solche wird ihnen von höherer Stelle angewiesen) und werten die Tat als einen Racheakt eines Drogenkartells. Moreno, US-amerikanischer Staatsbürger, verließ schon als Kind sein Heimatland und lebte mit seinen Eltern in verschiedenen mittelamerikanischen Staaten. Ein einschneidendes Ereignis in seiner Jugend machte ihn zu einem erbitterten Gegner der US-amerikanischen Außenpolitik. In Reportagen, Interviews und in seinem Internet-Blog geißelte er die Interventionen der USA in Süd- und Mittelamerika. Parallel dazu initiierte er in diesen Ländern diverse, durch Spenden finanzierte Kleinprojekte, um ganz konkret vor Ort Hilfe zu leisten. Ein so engagierter Gutmensch mit hoher Reputation gerät zwangsläufig in den Fokus der US-Geheimdienste. Den Hardlinern einer operativen Einheit ist er ein so großer Dorn im Auge, dass sie ihn auf eine Todesliste setzen. Ein Whistleblower innerhalb der Organisation übermittelt nun nach der Ermordung Morenos den konkreten Tötungsauftrag an die New Yorker Staatsanwaltschaft.

In New York nimmt sich die – aus welchen Gründen auch immer – übereifrige Staatsanwältin Nance Laurel des Falles an. Ihr geht es in erster Linie nicht nur um die Identifizierung des Auftragskillers, sondern besonders darum, die Hintermänner (Entscheidungsträger) vor eine Grand Jury zu bringen. Sie wendet sich an Lincoln Rhyme, der aufgrund seiner Sonderstellung innerhalb/außerhalb des NYPD geradezu prädestiniert ist für heikle Fälle. Mal abgesehen von dessen kombinatorischen Fähigkeiten und den Möglichkeiten seines Hightech-Labors. Rhyme und sein Außenteam um Amelia Sachs stehen vor einer schwierigen Aufgabe. Der Tatort liegt auf den Bahamas und der Informationsfluss von dort ist eher dürftig. Auch ist damit zu rechnen, dass der Tatort mittlerweile verunreinigt ist. Deshalb konzentriert sich Rhymes Team darauf, die letzten Tage des Opfers, unter anderem auch ein Aufenthalt in New York, zu rekonstruieren. Nur – plötzlich verschwinden Kontaktpersonen und potentielle Zeugen oder sie werden ermordet aufgefunden. Da scheint jemand gründlich aufzuräumen. Auch das Ermittlerteam wird von den Aktivitäten nicht verschont.

Die USA verfügen über 17 verschiedene Geheim- und/oder Nachrichtendienste, die in der Unites States Intelligence Community (wiki) zusammengefasst sind. Die bekanntesten dürften CIA, FBI, NSA oder DEA sein. Den im Roman auftauchenden »National Intelligence and Operations Service« (NIOS) hat Jeffery Deaver frei erfunden. Man weiß aber, dass deren Aufgaben, die Destabilisierung und den Sturz von unliebsamen Regierungen oder die gezielte Tötung einzelner des Terrorismus verdächtigter Personen von den realexistierenden Diensten durchgeführt wurden. So ist ein Auftragsmord, wie im Roman beschrieben, nicht das Produkt der Fantasie des Autors, sondern harte Realität. Wie umfangreich (NSA-Affäre) oder hinterfotzig (Ukraine) amerikanische Dienste operieren, zeigte sich besonders in den letzten Wochen und Monaten. Jeffery Deaver, der in seinen Romanen bisher nicht (der Rezensent kann sich irren) als Kritiker der Politik seines Landes aufgefallen war, bezieht hier eindeutig Stellung. Man will es eigentlich nicht glauben, hält es aber für wahrscheinlich, aufgrund welch dürftiger Informationen hier Todesurteile gefällt werden. Diese bedrückende Realitätsnähe macht Deavers Thriller zu einem Highlight an Spannung und Empathie.

Der Rezensent ist ein bisschen skeptisch an die Lektüre des neuen Deavers herangegangen. Doch hat der Autor ihn voll überzeugt. Die Mischung aus akribischer Detektiv-Arbeit, wohldosierter Action, nachvollziehbaren Wendungen in einem stringent erzählten Plot erinnern an die Anfangszeiten dieser fulminanten Reihe, was mittlerweile schon 17 Jahre her ist.

Meist muss man ja schreiben, dass ein Neueinstieg in eine Romanreihe bei Folge 10 wenig sinnvoll ist, aber Jeffery Deaver macht Novizen den Einstieg leicht. Die Zu- und Einordnung des Stammpersonals gelingt spielend und die Essentials aus Lincoln Rhymes bisherigen Leben sind mit wenigen Worten zusammengefasst. Es können also alle zugreifen. Es lohnt sich.

Jürgen Priester, August 2014

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Reinhard Götz zu »Jeffery Deaver: Todeszimmer« 15.10.2017
Die ganze Geschichte beginnt sehr US kritisch und beschäftigt sich mit den widerrechtlichen Mordbefehlen der US Geheimdienste. Soweit so gut dachte ich, mutiger Autor. Bis dann der Autor ein Ende konstruiert, das die Geheimdienst Machenschaften nicht nur rehabilitiert sondern auch noch gutheißt., Für mich unterste Schublade.
Janosch79 zu »Jeffery Deaver: Todeszimmer« 23.02.2016
Nachdem ich die ersten 6 Bände der Lincoln Rhyme-Reihe gelesen hatte, machte sich bei mir ein wenig Langeweile breit. Doch mit "Todeszimmer" beweist Jeffery Deaver wieder seine Klasse.


Inhalt: In einer Hotelsuite auf den Bahamas bietet sich dem Ermittler Lincoln Rhyme ein Bild des Schreckens: Der regierungskritische US-Bürger Roberto Moreno wurde von einem Scharfschützen kaltblütig erschossen – und laut Informationen der zuständigen Staatsanwältin geschahen die Morde im Auftrag des amerikanischen Geheimdienstes. Die ambitionierte Nance Laurel ist fest entschlossen, die für das brutale Attentat Verantwortlichen zur Strecke zu bringen, und beauftragt Lincoln Rhyme und seine Partnerin Amelia Sachs mit den Ermittlungen. Eine Hetzjagd beginnt, die die beiden selbst ins Visier des skrupellosen Killers rückt …


Jeffery Deaver hat sein Handwerk nicht verlernt und knüpft mit "Todeszimmer" wieder an alte starke Werke wie "Der Knochenjäger" oder "Letzter Tanz" an.
Falsche Fährten scheinen ein Markenzeichen des amerikanischen Thriller-Autors zu sein.
Denkt man noch am Anfang an einen klar strukturierten Thriller, der eine einfache Lösung präsentieren wird, so gelingt es Deaver immer wieder geschickt, neue Fährten zu legen und das Szenario komplett auf den Kopf zu stellen. Ein besonderer Reiz an diesem Buch.


Die sehr bildhafte Sprache ist ein weiterer Pluspunkt dieses Lincoln Rhyme-Thrillers.
Man kann sich dabei wieder sehr gut in die einzelnen Charaktere hineinversetzen und braucht die Vorgängerbände nicht unbedingt gelesen zu haben.
Der Plot ist so komplex aufgebaut, dass man hier eigentlich schon Material für einen Kinofilm vorliegen hat.


Insgesamt handelt es sich beim 10. Band der Lincoln Rhyme-Serie um einen intelligenten, komplexen und spannenden Thriller, der nicht nur bei Fans der Serie auf positive Resonanz stoßen wird.
rolandreis zu »Jeffery Deaver: Todeszimmer« 07.11.2014
"Todeszimmer" ist bereits Band 10 der Rhyme-Sachs-Reihe von Jeffery Deaver und immer noch gefällt mir das Ermittlerteam. Fans der Reihe bekommen wieder alles geliefert, was den Reiz der Rhyme-Romane ausmacht. Ein hohes Erzähltempo, zahlreiche Wendungen und Überraschungen, letztendlich eine spannende Story. Dieser Politthriller ist ihm gut gelungen und das Thema ist mit den Geheimdiensten ist aktueller denn je.
Supschub zu »Jeffery Deaver: Todeszimmer« 07.09.2014
Spannung - wenn auch keine Hochspannung. Teils wirkt die Handlung zu konstruiert, ein wenig an den Haaren herbei gezogen. Was mich stört sind die pseudo-kritischen Ansätze am Tun und Handeln der Vereinigten Staaten. Bzw. wäre das erträglich, wenn nicht zu guter Letzt dann auch noch die sehr versöhnliche Rechtfertigung dafür gefunden würde. Wie zuvor schon angedeutet ist der Autor hier ganz offensichtlich große Kompromisse eingegangen. Leichte Lektüre - Bestenfalls Durchschnitt. Das hohe Lob an mancher Stelle für mich absolut nicht nachvollziehbar.
Werter zu »Jeffery Deaver: Todeszimmer« 31.08.2014
Ich fühlte mich wunderbar in die "gute alte"-Deaver Zeit versetzt. Das Duo Rhyme/ Sachs ist wieder in bewährter Manier unterwegs. Spannend ist das Ganze allemal und das Finale noch einmal furios. Und Anklänge an aktuelle Themen fehlen auch nicht, so dass ich an diesem neuen Deaver nichts zu kritteln habe, es ist eines der starken Bücher der Reihe.
Ernst JB zu »Jeffery Deaver: Todeszimmer« 30.08.2014
"Todeszimmer" ist sicherlich das beste Buch Deavers aus der letzten Zeit. Es ist nicht so angefüllt mit technischen Details, die akribisch vom Autor vorgeführt werden wie in "Opferlämmer"; die natürlich auch hier wieder einsetzenden Wendungen wirken nachvollziehbar; das Ganze ist höchst spannend gestaltet, beste Unterhaltung. Wenn überhaupt was stört, dann, dass eine der Wendungen schließlich eine Versöhnung mit dem ansonsten doch einigermaßen angekratzten Patriotismus der Amerikaner bringt, vermutlich eine dringende Konzession des Autors an seine amerikanische Leserschaft.
Lupullullus zu »Jeffery Deaver: Todeszimmer« 12.08.2014
Selten habe ich ein dämlichsten Buch gelesen. Weder sind die Charaktere stimmig noch trägt die Geschichte in sich! Groß angekündigt wird, es handle sich um einen politischen Thriller. Doch worum geht es? Um einen Geisteskranken, der gern mit einem japanischen Ausbeinmesser umgeht, womit er vorzüglich Frauen foltert. Hannibal Lexter lässt grüßen! Und so tappt der Autor von Klischee zu Klischee und meint, weil es derzeit so viele Kochsendungen gibt, er müsse auch dazu noch seinen “Senf“ abgeben! Einfach unterirdisch! Note sieben! Leider gibt es die nicht
oldman zu »Jeffery Deaver: Todeszimmer« 06.08.2014
Habe wohl die meisten Bücher aus der Rhyme-Reihe gelesen, und die letzten waren bestenfalls Durchschnitt. Nun hat sich der Autor aber wieder gesteigert. Die Story ist spannend, die Figuren überwiegend stimmig, und der Killer einer der charismatischsten und bösartigsten mit erheblichem Gänsehautfeeling. Auf den letzten ca. 100 Seiten werden aber hier einige Volten geschlagen, die m.E. schon fastclown überambitioniert rüberkommen. Hier wäre etwas weniger mehr gewesen, aber das ist nur meine Einschätzung, man kann es natürlich auch positiver beurteilen. Kurzum, die Reihe wird ja weitergeführt, Deaver kann man jetzt guten Gewissens wieder empfehlen.
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