Letzter Tanz von Jeffery Deaver

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1998 unter dem Titel The Coffin Dancer, deutsche Ausgabe erstmals 2000 bei Goldmann.
Ort & Zeit der Handlung: USA / New York, 1990 - 2009.

  • London: Hodder & Stoughton, 1998 unter dem Titel The Coffin Dancer. 447 Seiten.
  • New York: Simon & Schuster, 1998. 447 Seiten.
  • München: Goldmann, 2000. Übersetzt von Thomas Müller und Carmen Jakobs. ISBN: 3-442-41650-7. 447 Seiten.
  • München: Goldmann, 2002. Übersetzt von Thomas Müller und Carmen Jakobs. ISBN: 3-442-44571-X. 446 Seiten.
  • München: Goldmann, 2007. Übersetzt von Thomas Müller und Carmen Jakobs. ISBN: 978-3-442-46472-2. 446 Seiten.

'Letzter Tanz' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Das einzige Erkennungsmerkmal, das den kaltblütigen Killer ausweist, ist seine Tätowierung. Sie zeigt den Tod und ein Mädchen, tanzend auf einem Sarg. Detective Lincoln Rhyme glaubt, den Killer zu kennen. Und sollte sich sein Verdacht bestätigen, kennt Rhyme nur noch einen Gedanken: Rache – aus ganz persönlichen Gründen. Rhymes letzte Chance zu handeln kommt, als wie durch ein Wunder ein Opfer des »Totentänzers« überlebt …

Das meint Krimi-Couch.de: »Diesen Roman wird man im Gedächtnis behalten« 80°

Krimi-Rezension von Michael Drewniok

Seit Jahren schon sind die US-Bundesregierung und der Staat New York hinter Phillip Hansen her. Der millionenschwere Außenhändler verdient seine Brötchen auf höchst illegale Weise als Waffenhändler. Hansen hat bemerkt, dass ihm seine Verfolger auf den Fersen sind. Offenbar nervös geworden, hat er sich belastender Beweisstücke entledigt, indem er sie bei einem Flug über das Meer abgeworfen hat. Beim Verladen haben ihn drei Menschen beobachtet, die nun zu wichtigen Zeugen geworden sind. Doch auch dies ist Hansen bekannt, und er hat einen Killer angeheuert, der sie zum Schweigen bringen soll – den »Totentänzer«, der seinen Spitznamen einer Tätowierung auf seinem Arm verdankt: Der Tod tanzt mit seinem nächsten Opfer vor einem offenen Sarg.

Mehr ist über den fanatischen Attentäter nicht bekannt, der berühmt dafür ist, einen einmal geschlossenen »Vertrag« zu Ende zu führen, gleichgültig, ob es sich sein Auftraggeber anders überlegen sollte. So ist es kaum verwunderlich, dass der »Tänzer« sehr bald sein erstes Opfer findet. Die Maschine des Piloten Edward Carney, der mit seiner Ehefrau Percey eine kleine Firma betreibt, die Spezialfrachten auf dem Luftweg transportiert, wird von einer Bombe zerrissen.

Den Behörden ist die Tätigkeit des »Tänzers« nicht unbemerkt geblieben. Detective Lieutenant Lou Sellitto vom New York Police Department glaubt zu wissen, wer den festgefahrenen Ermittlungen neuen Schub verleihen kann: Lincoln Rhyme, der geniale Spurenleser und -deuter, der einst für das Kriminaldezernat seiner Heimatstadt arbeitete und für sein Talent und seine Fachkenntnis legendär war, bis er sich bei einem Unfall die Wirbelsäule brach. Seitdem ist Rhyme vom Hals abwärts gelähmt. Lange hat er mit seinem Schicksal gehadert, doch ganz allmählich findet er neuen Lebensmut. Er konnte sogar seine Arbeit wieder aufnehmen. Vor Ort verlässt sich Rhyme dabei auf die Fähigkeiten der jungen Polizistin Amelia Sachs, mit der ihn ausserdem eine komplizierte persönliche Beziehung verbindet.

Rhyme übernimmt die Suche nach dem Tänzer. Er legt dabei einen Eifer an den Tag, der verrät, dass ihn nicht die intellektuelle Herausforderung reizt. Vor Jahren war er dem »Tänzer« schon einmal auf der Spur, wurde aber von diesem überlistet. Der Mörder entkam und tötete dabei zwei Mitglieder von Rhymes Team. Seitdem brennt Rhyme auf eine zweite Chance, den »Tänzer« zu fassen.

Doch auch dieses Mal legt der »Tänzer« unglaubliches Geschick und Kaltblütigkeit an den Tag. Niemals hinterlässt er Spuren; er erledigt seinen »Job« und verschwindet: Der »Tänzer« ist ein Soziopath, aber kein Sadist; er hat sich stets unter Kontrolle und ist daher doppelt gefährlich. Daher entkommt er immer wieder Rhymes ausgetüftelten Fallen und schafft es sogar, einen weitere Zeugen zu töten. Nur Rhymes Hartnäckigkeit und Talent, Spuren zu finden, die niemand sonst entdeckt, verdankt es die Polizei, dass die Identität des Mörders schliesslich gelüftet werden kann: der »Tänzer« heisst Stephen Kall und entpuppt sich als gestörte, gescheiterte Existenz, die eine grausame Kindheit psychisch nachhaltig aus der Bahn geworfen hat.

Das Netz um Kall zieht sich zu, und Lincoln Rhyme stellt eine letzte Falle auf; die überlebende Zeugin dient ihm als Köder für den »Tänzer«. Doch erneut gerät die Situation völlig ausser Kontrolle, als Rhyme erkennen muss, dass Kall gar nicht der »Tänzer« ist, sondern von diesem mit teuflischer List und ohne dessen Wissen als »Strohmann« aufgebaut wurde! Hinter Kalls Rücken hat der wahre »Tänzer« sich längst unbemerkt in die unmittelbare Nähe seiner Opfer geschlichen …

Zum zweiten Mal (nach Die Assistentin) jagt das seltsam-geniale Duo Lincoln Rhyme/Amelia Sachs – der gelähmte Ermittler und das arthritiskranke Ex-Model – einen un- oder übermenschlichen Mörder. Angesichts des furiosen Debuts waren die Erwartungen an die Quasi-Fortsetzung besonders hoch gesteckt. Um es vorab zu sagen: Trotz einiger (vermutlich unvermeidlicher) Enttäuschungen ist es Autor Jeffery Deaver gelungen, den hohen Standard des Erstlings zu halten.

Abstriche müssen in erster Linie bei der Figurenzeichnung gemacht werden. Deaver hat sich selbst einem schwierigen Dilemma ausgesetzt: Der Lincoln Rhyme aus Die Assistentin war ein verzweifelter, zorniger Mann, der einen guten Teil seiner Fähigkeiten dazu einsetzte, seinem Leben ein Ende zu setzen. Zu verfolgen, wie er nach und nach (und begleitet von zahlreichen Rückschlägen) ins Leben zurück fand und sich mit seinem Schicksal auszusöhnen begann, war mindestens ebenso spannend wie die Jagd nach dem verrückten »Knochenjäger«.

Dasselbe gilt für die Figur der Amelia Sachs. Auch sie schlug sich in Die Assistentin mit enormen persönlichen Problemen herum, von denen nun seltsamerweise kaum mehr die Rede ist. Statt dessen rückt die im ersten Fall (zum Vorteil der Geschichte) noch ausgesparte persönliche Beziehung zu Lincoln Rhyme ins Zentrum. Eine in doppelter Hinsicht peinliche Liebesgeschichte entspinnt sich zwischen den beiden so unterschiedlichen Menschen – misslich für Amelia, die ihrer plötzlich entflammten Liebe zu Rhyme durch eine Quasi-Vergewaltigung Ausdruck verleihen möchte, missraten aber auch für Autor Deaver, der die sorgfältige Personenzeichnung des ersten Bandes einem vermeintlich publikumswirksamen, aber sehr unwahrscheinlichen Knalleffekt opfert.

Von solchen Schnitzern einmal abgesehen, scheint auch die Geschichte zunächst bekannten Mustern zu folgen. Die Jagd nach dem »Monster der Woche« könnte sich für die Rhyme/Sachs-Saga rasch zu einem Problem entwickeln. Wie viele Varianten verrückter Mörder verkraftet das Konzept? Auch der »Totentänzer« scheint auf den ersten Blick allzu viele Gemeinsamkeiten mit dem »Knochenjäger« aufzuweisen. Doch auf den letzten einhundert Seiten schlägt die Geschichte eine unerwarteten und höchst einfallsreichen Haken: Der Mörder, den wir so ausgiebig bei seinem blutigen Handwerk beobachten durften, ist gar nicht der titelgebende »Tänzer«! Damit war nun überhaupt nicht zu rechnen. Dabei hat Deaver durchaus nicht mit entsprechenden Hinweisen gegeizt. Seinem Talent als Schriftsteller ist es zu verdanken, dass diese zwar zur Kenntnis genommen werden; wenn Deaver dann seinen wahren Täter aus dem Hut zaubert, ist die Verblüffung dennoch groß. Jedoch: Wie oft wird ihm das noch gelingen?

Das eigentliche Finale ist dann allerdings wieder mit dem heimlichen Blick auf Hollywood weniger aus dem bisher Geschilderten entwickelt als auf die Wirkung hin inszeniert worden. Der unheimliche »Tänzer« schafft es wider alle Gesetze der Wahrscheinlichkeit, die Hüter des Gesetzes hinters Licht zu führen, so dass Alles auf die grosse Schlusskonfrontation zwischen Gut und Böse hinaus läuft: Während in der Assistentin der gelähmte Rhyme höchstpersönlich den Bösewicht ausschaltet (eine der wenigen misslungenen Szenen des Erstlings), ist dieses Mal Sachs an der Reihe, den »Tänzer« in einem spektakulären Showdown ins Jenseits zu befördern.

Doch Deaver hat sein Publikum auf der Zielgeraden seiner Geschichte so fest im Griff, dass man ihm diese glatte Auflösung auch nicht mehr übel nehmen kann. Binnen weniger Absätze führt er die bisher sauber und völlig einleuchtend entwickelte Handlung ad absurdum und ordnet ihre Elemente mit ebenso bestechender Logik völlig neu zu einer ganz anderen Geschichte. Dafür wird man diesen Roman im Gedächtnis behalten und die wenigen Missklänge rasch und zu Recht vergessen!

Das meinen andere:

»Jeffery Deaver zerrt Seite für Seite an den Nerven seiner Leser. Nichts, aber wirklich nichts ist so, wie sie es erwarten. Auch nicht der Schluß, wenn man überhaupt von einem Schluß reden kann. Wer Spannung, Wissenschafts-Magie und Action liebt, dem sei dieses Buch heiß empfohlen.« (Westdeutscher Rundfunk)

Ihre Meinung zu »Jeffery Deaver: Letzter Tanz«

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wolfgang tonn zu »Jeffery Deaver: Letzter Tanz« 24.04.2014
Wie alle folgen von Lincoln/Emilia ist auch der Tänzer von der ersten bis zur letzten Seite ein wahrer Genuss und im heutigen krimi/Thriller genre einerlei eine absolute Ausnahme Lektüre.wie Lincoln als schwerstbehinderter mit seinem reinen Intellekt vom Rollstuhl aus in seiner Stadtvilla am central Park in New york,eigentlich nur als Berater des NYPD,den ganzen Fall bis zum show down abwickelt,ist genial und auch absolut realistisch und nachvollziehbar.schade eigentlich, das Hollywood so einen excellenten Stoff noch nicht als Blockbuster verfilmte.mit. Johnny Depp als Lincoln und Esther Schweins als Emilia Sachs.also absolute knüller,die rhyme/Sachs folgen.
Toyota zu »Jeffery Deaver: Letzter Tanz« 14.11.2010
Irgendwie werde ich mit Deaver nicht warm. Ich habe auch dieses Buch nach der Hälfte weggelegt. Die Sequenzen zwischen Spannung und Spurensuche/sonstige Begebenheiten sind mir zu langatmig. Ich finde keinen Bezug (liegt vielleicht auch auch nur an der Rhyme-Reihe?) zu diesem Buch und werde auch kein weiteres von ihm lesen.
klein_my zu »Jeffery Deaver: Letzter Tanz« 04.11.2010
Da ich auch mal über den Tellerrand hinausschauen wollte, habe ich mich an dieses Buch gewagt.

Leider war ich auch hier enttäuscht. Die Handlung war zwar spannend, aber für mich wurde es durch die vielen Personen,die involviert sind einfach unübersichtlich. Ausserdem hatte ich das Gefühl durch den Handlungsverlauf regelrecht zu hetzen. Denn das alles soll ja innerhalb von weniger als 5 Tagen passiert sein. Irgendwie empfand ich das schon als ein wenig übertrieben und unrealistisch bzw. war es für mich alles sehr schwer nachzuvollziehen.

Alles in allem konnte mich das Buch nicht so recht überzeugen.
Sweetie zu »Jeffery Deaver: Letzter Tanz« 07.08.2009
Tja,als ich diese Rezension hier las und die positiven, fast überschwenglichen Userkommentare dachte ich, ok, das kannste lesen.

Habe mich dann jedoch förmlich durch dieses Buch quälen müssen, ich fand es langweilig, langatmig, teil unlogisch und wenig spannend. Das Ende war ok, auch wenn man damit gerechnet hat.
sabrina13582 zu »Jeffery Deaver: Letzter Tanz« 18.06.2009
Nachdem ich vom Knochenjäger total begeister war, musste ich unbedingt den zweiten Teil der Lincoln Rhyme Reihe haben, auch wenn ich mir kaum vorstellen konnte das er an den Vorgänger von der Spannung her rankommt - aber da hatte ich mich gewaltig vertan. Ich würde nicht sagen das "Letzter Tanz" besser ist als "Der Knochenjäger" - aber er ist trotzdem sehr sehr spannend geschrieben, so dass er sich nicht hinter seinem Vorgänger verstecken muss. Die Art und Weise wie Jeffrey Deaver seine Charaktere darstellt ist einfach nur genial. Die Spannung hält sich das ganze Buch über und ich konnte es kaum aus der Hand legen. Und dann das Ende - einfach nur genial! Ein absolut empfehlenswertes Buch!
tigerlilli zu »Jeffery Deaver: Letzter Tanz« 11.06.2009
Ein brillianter Täter, der dieses Buch zu einem absoluten Highlight macht. Deaver schaffte es den Leser zu überraschen, durch seine ständigen Irreführungen und durchdachte Wendungen ist dieses Buch einfach so spannungsgeladen, daß es schwer fällt es überhaupt einmal weg zu legen. Wer nicht aufpasst, vergisst zu atmen.
Swen Piper zu »Jeffery Deaver: Letzter Tanz« 13.04.2009
Das wohl außergewöhnlichste Ermittlerduo, der schwerst körperlich behinderte Lincoln Rhyme und seine attraktive Assistentin Amelia Sacks, jagen einen Auftragskiller. Wieder einmal gelingt es Deaver durch unvorhersehbare Wandlungen den Leser zu überraschen, auch wenn die Erklärungen der Handlungsbrüche nicht immer schlüssig erscheinen. Fazit: Wer spannende Unterhaltung ohne jeden literarischen Anspruch sucht, wird hier gut bedient.
Rolf.P zu »Jeffery Deaver: Letzter Tanz« 26.05.2008
Vorsicht Hochspannung !!!
Eingebettet in einen an Spannung kaum zu überbietenden Thriller, ist die faszinierende Vorgehensweise eines genialen Spurensicherers und eines teilweise noch genialeren "bösen" Auftragkillers.
Das brillante an diesem Buch ist nicht das Ermittlerduo, sondern hier sind es eindeutig die "Bösen", die durch die Beschreibung ihres Denkens und Handelns so bestechen. Oder wissen Sie, woran Sie für den perfekten Mord alles denken müssen? Das geht so weit, dass man sogar sehr gut das Verhalten des/der Täter(innen) nachvollziehen kann und fieberhaft versucht den Fall zu lösen.
Die Handlung nimmt einige unvorhergesehene Wendungen, durch die der Leser geradezu an das Buch gefesselt wird.
Deaver schildert einen brillanten Täter, der durch seinen berechnenden und eiskalten Charakter besticht. Und denkt man, nun ist es endlich vorbei, schon hält Deaver noch eine Überraschung bereit.
Durch seinen irreführenden und äußerst spannenden Schreibstil schafft er es, den Leser, platzend vor Neugierde, wer denn nun der Täter ist, an das Buch zu fesseln.
Es ist faszinierend, welche Fachkenntnis Jeffery Deaver einbezieht und welchen detaillierten Einblick er dem Leser über die Vorgehensweise beim FBI und der Analyse von kleinsten Spuren bietet.
Hervorragend finde ich die Figur des Lincoln Rhyme, der gelähmt aus seinem Rollstuhl aus das Geschehen koordiniert und durch perfekte Kenntnisse in der Spureninterpretation den Fall zu lösen versucht.
Ein Thriller auf allerhöchstem Niveau, für alle Thriller-Fans ist dieses Buch ein muss!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Tergenna zu »Jeffery Deaver: Letzter Tanz« 19.02.2008
Spannend! Manchmal etwas zu genial für meinen Geschmack, was die Ermittlungskünste Rhymes angeht. Die Liebesgeschichte Rhyme/Sachs habe ich eher störend empfunden. Aber weglegen konnte ich das Buch nicht.
bubble70124 zu »Jeffery Deaver: Letzter Tanz« 12.11.2007
Habe schon viel von Deaver gelesen, "Letzter Tanz" war für mich das Beste bis jetzt aus der Rhyme/Sachs-Reihe was die Spannung und den Suchtfaktor betrifft. Auch seine berühmten Wendungen am Schluß eines Buches sind ihm in diesem Exemplar besonders gut gelungen! Hoffen wir, dass diese Reihe nie endet.

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