Die Menschenleserin von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2007
unter dem Titel The Sleeping Doll,
deutsche Ausgabe erstmals 2008
bei Blanvalet.
Folge 1 der Kathryn-Dance-Serie.
- New York: Simon & Schuster, 2007 unter dem Titel The Sleeping Doll. 576 Seiten.
-
München: Blanvalet, 2008.
Übersetzt von Thomas Haufschild.
ISBN:
978-3-7645-0283-6. 576 Seiten.
-
[Hörbuch] Köln: Random House Audio, 2008.
Gesprochen von Dietmar Wunder.
ISBN:
3866047967. 6 CDs.
'Die Menschenleserin' ist erschienen als
![]()
![]()
In Kürze:
Vor acht Jahren löschte der hochintelligente Psychopath Daniel Pell auf einen Streich eine ganze Familie aus – zumindest beinahe: Allein die neunjährige Tochter überlebte diese schreckliche Nacht. Doch nun ist Pell die Flucht aus dem Hochsicherheitsgefängnis gelungen. Und nur Kathryn Dance kann jetzt noch verhindern, dass der Mörder sein Versäumnis von damals wettmacht. Doch dafür muss die geniale Verhörspezialistin und Men schenleserin ganz tief in Daniel Pells Psyche eintauchen – ein Höllentrip, von dem es vielleicht keine Wieder kehr für sie gibt …
Das meint Krimi-Couch.de: »Kathryn Dance, die Ungeliebte?«
Krimi-Rezension von Jürgen Priester überspringen
Sie hatte ihren ersten Auftritt in der Rhyme & Sachs–Folge Der gehetzte Uhrmacher, auch im aktuellen Band der Reihe Opferlämmer spielt sie eine Gastrolle. Die Rede ist von Kathryn Dance, Verhörspezialistin und Kinesik-Expertin beim CBI, dem California Bureau of Investigation. Autor Jeffery Deaver hat diese Figur als Kontrast zu seinem New Yorker Ermittlerduo konzipiert. Während Lincoln Rhyme und Amelia Sachs mit wissenschaftlicher Akribie Beweismittel untersuchen, um so auf die Spur eines Täters zu kommen, liegt Dances Schwerpunkt auf der Beobachtung und Analyse menschlichen Verhaltens – sei es bei Zeugenbefragungen oder Verhören von Tatverdächtigen und Tätern. Sämtliche Formen des Bewegungsverhaltens ihres Gegenübers während eines Gespräches geben ihr Anhaltspunkte z.B. über den Wahrheitsgehalt ihrer Aussagen.
Die dazugehörige Disziplin ist die Kinesik, auf die der Autor in der Geschichte sehr ausführlich eingeht. »Zu ausführlich« wie viele Leser kritisch bemerken. Wie Psychologen vielleicht geneigt sind, auch im Alltag ihre Mitmenschen zu analysieren, so erliegt Kathryn Dance der Versuchung, jede nonverbale Äußerung ihrer Freunde und Kollegen zu interpretieren. Das mag eine berufsbedingte Macke sein, ist aber auf die Dauer schon nervig. So hat Die Menschenleserin arg mit der Akzeptanz durch die Leser zu kämpfen. Dabei bietet gerade dieser Auftaktroman neben den berühmten Deaver´schen Versteck- und Vexierspielchen genügend rasante Action. Ein Katz- und Mausspiel durch das schöne Monterey-County.
Wer wie der Rezensent ein Faible für die kalifornische Küste hat, wird die einzigartige Atmosphäre dieses Küstenstriches im Roman sofort entdecken. Nicht, dass Jeffery Deaver jetzt ein besonderer Landschaftsmaler wäre, allein Namen wie Carmel, Monterey oder Big Sur strömen das Odeur von Freiheit und Abgeschiedenheit aus. So galt diese Region schon in 1960er Jahren als Rückzugsgebiet von Aussteigern und Sonderlingen, die friedlich ihrer Lebensphilosophie nachgehen wollten.
Ein ganz anderes Kaliber ist da Kathryn Dances Kontrahent in ihrem ersten Fall. Daniel Pell ist ein kleiner despotischer Führer, der es schon in jungen Jahren dank seiner Ausstrahlung und allerlei Psychotricks immer schaffte, eine Schar devoter Anhänger um sich zu versammeln. Vor acht Jahren war er bei einem Überfall, bei dem fast eine ganze Familie niedergemetzelt wurde, festgenommen und inhaftiert worden. Durch einen geschickten Schachzug ist ihm jetzt mit der tatkräftigen Unterstützung seiner neuen Komplizin Jenny Marsden die Flucht aus dem Gefängnis geglückt. Seltsamerweise sucht Pell nicht das Weite, sondern versteckt sich in der Umgebung von Monterey, wo er, wie die Ermittler schnell merken, noch einige Rechnungen offen zu haben scheint.
»Was wird er tun?« – das ist die große Frage, die sich Kathryn Dance als leitende Ermittlerin stellen muss und für deren Beantwortung sie alle Hebel in Bewegung setzt. Um sich ein Bild von seiner Psyche zu machen, nimmt Dance Kontakt zu allen Personen auf, die Pell früher einmal gekannt hatten. Sie lässt die drei Frauen, die früher zu Pells »Familie« gehörten, einfliegen und fahndet nach dem Mädchen, das damals das Familienmassaker überlebt hat, das jetzt unter falschem Namen lebt. Gleichzeitig läuft die direkte Suche nach Pell und Jenny auf Hochtouren. Motels in der näheren und dann immer weiteren Umgebung werden abgeklappert; Restaurants mit von Pell bevorzugten Spezialitäten überwacht; mutmaßlich gefährdete Personen gesichert – Hundertschaften sind im Einsatz und das nicht erfolglos. Doch der mit allen Wassern gewaschene Pell kann sich zunächst einem Zugriff entziehen.
Nach einem spannenden Auftakt mit guter Action (Gefängnisausbruch) geht es in ruhigeren Fahrwassern weiter. Mit wechselnden Perspektiven stellt Deaver uns seine beiden Kontrahenten Dance und Pell vor. Je näher sie sich kommen, desto mehr steigert sich das Tempo der Handlung, bis es auf den letzten 100 Seiten zu einem wahren Schlagabtausch kommt, bei dem Deaver sein ganzes Können zeigt. Ähnlich wie im bravourösen Nachtschrei, Deavers letztem Stand-Alone , kommt es zu überraschenden Wendungen, ja zum Identitätswechsel bestimmter Personen.
Auch wenn der deutsche Titel Die Menschenleserin ziemlich abgeschmackt ist und in die Kategorie »Pferdeflüsterer & Co« fällt, ist er tatsächlich treffender als der amerikanische Originaltitel Sleeping Doll. Kathryn Dance steht als neue Serienheldin ganz eindeutig im Vordergrund. Als Mensch macht sie einen sympathischen Eindruck – vielleicht so der Typ »Coole Blonde« – verwitwet, alleinerziehend, aber mit einer guten Balance von Beruf und Familie. Nur ihr Spezialgebiet, die Kinesik, so interessant sie auch sein mag, überlagert ihren ersten Auftritt wie ein zäher Brei. Hier hat Deaver wirklich zu viel des Guten getan. Dass eine den meisten Lesern eher nicht vertraute Disziplin erläutert werden muss, steht außer Frage, aber es hätte nicht so ausführlich sein müssen. Das schmälert leider den guten Gesamteindruck.
Der Nachfolgeband Allwissend ist ja längst schon erschien. Im August gibt es die preisgünstige Taschenbuch-Ausgabe. Wir werden schauen, ob Kathryn Dance kinesisch abgespeckt hat.
Jürgen Priester, Juni 2011
Ihre Meinung zu »Jeffery Deaver: Die Menschenleserin«
Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!
| stefanie zu »Jeffery Deaver: Die Menschenleserin« | 13.06.2011 |
|---|---|
| Tinu Bern zu »Jeffery Deaver: Die Menschenleserin« | 08.12.2009 |
| krimiwolf zu »Jeffery Deaver: Die Menschenleserin« | 28.03.2009 |
| koepper zu »Jeffery Deaver: Die Menschenleserin« | 12.10.2008 |
| pescheg zu »Jeffery Deaver: Die Menschenleserin« | 07.08.2008 |
| HelgaR zu »Jeffery Deaver: Die Menschenleserin« | 20.07.2008 |
| wendelin zu »Jeffery Deaver: Die Menschenleserin« | 12.07.2008 |
| Todo zu »Jeffery Deaver: Die Menschenleserin« | 19.03.2008 |
| Thomas zu »Jeffery Deaver: Die Menschenleserin« | 06.03.2008 |
| Kayleigh zu »Jeffery Deaver: Die Menschenleserin« | 03.03.2008 |
Dies sind nur die ersten 10 Kommentare von insgesamt 11.
» alle Kommentare anzeigen


