Der Täuscher von Jeffery Deaver

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2005 unter dem Titel The broken window, deutsche Ausgabe erstmals 2009 bei Blanvalet.
Ort & Zeit der Handlung: USA / New York, 1990 - 2009.
Folge 8 der Lincoln-Rhyme-&-Amelia-Sachs-Serie.

  • New York: Simon & Schuster, 2005 unter dem Titel The broken window. 544 Seiten.
  • München: Blanvalet, 2009. Übersetzt von Thomas Haufschild. ISBN: 978-3-7645-0296-6. 544 Seiten.
  • München: Blanvalet, 2010. Übersetzt von Thomas Haufschild. ISBN: 978-3-442-37214-0. 544 Seiten.
  • [Hörbuch] Köln: Random House Audio, 2009. Gesprochen von Dietmar Wunder. gekürzt. ISBN: 3866049730. 6 CDs.

'Der Täuscher' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Die Nachricht ist ein Schock: Ausgerechnet Lincoln Rhymes Cousin Arthur soll einen Mord begangen haben! Alle Beweise sprechen gegen ihn, doch ist Arthur Rhyme wirklich schuldig? Lincoln und seine Partnerin Amelia Sachs verfolgen einen der hinterhältigsten Killer, mit dem sie es je zu tun hatten. Sie jagen einen Mann, der wie besessen alles sammelt – von einfachen Abfällen über die intimsten Details seiner Opfer bis hin zur ultimativen Trophäe: dem menschlichen Leben selbst. Ihr Gegner ist ein skrupelloser Verbrecher, der mit Leidenschaft foltert und tötet, dessen schärfste Waffe jedoch sein unermesslicher Schatz an geraubten Informationen ist. Informationen, die »Der Täuscher« mit teuflischer Präzision gegen seine Opfer einzusetzen weiß – und auch gegen die, die ihn aufhalten wollen …

Das meint Krimi-Couch.de: »Das teuerste im Leben: die eigene Identität« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Lars Schafft

Als kritischer Krimi- und Thrillerleser kann man Jeffery Deavers Romane um den fast komplett gelähmten Forensiker Lincoln Rhyme und seine kongeniale Partnerin Amelia Sachs vom NYPD schnell unterschätzen: Der Autor hat einen Ausstoß von mindestens einem Buch pro Jahr, die Serie geht mit Der Täuscher bereits in ihre achte Folge. Die Verfilmung des ersten Teils, Der Knochenjäger, kann auch auf eine falsche Fährte führen, ist Rhyme dort ein attraktiver Schwarzer (gespielt von Denzel Washington), Sachs eine recht rassige Latina (dargestellt von Angelina Jolie) – in Deavers Romanen ist Rhyme freilich ein Weißer und Sachs schmückt eine rote Haarpracht. Außerdem: Deavers zahlreiche Wendungen in der Handlung (und noch eine!) drohten zur Masche zu werden. Der Täuscher widerlegt diese Vorurteile jedoch eindrucksvoll.

Im Fall acht geht es vorrangig darum, wie Unternehmen mit persönlichen Daten umgehen. Was ein Euphorismus! Datendiebstahl trifft es hier besser, Datenmanipulation noch viel mehr. Man stelle sich vor, es gebe Firmen, die zu jedem der Bürger der USA nahezu alles gespeichert haben und dies auswerten können: welche Turnschuhe er trägt, welche Musik er hört, ob er vorbestraft ist, wo er sich aufhält. Schlimm genug. Doch wenn nun diese Daten auch noch in falsche Hände geraten?

Das tun sie in Der Täuscher. Und ein Rhyme-Sachs-Roman wäre keiner ohne einen Serienmörder. Ohne einen ganz besonders ausgebufften Serienmörder. Der ist so raffiniert, dass er sich ganz harmlos an seine Opfer heranmachen kann, weil er sie in und auswendig kennt. Schnappen lässt er sich auch nicht, da er völlig unbedarften Mitmenschen New Yorks dermaßen viele Beweismittel und Indizien unterjubelt, dass eben jene hinter Gittern landen – und unser Killer (ausgestattet fraglos mit einem gehörigen Knacks) munter weiter killen kann. Hätte er sich nur als »Ersatztäter« dieses Mal nicht Lincoln Rhymes Cousin Arthur ausgesucht …

Halten wir Jeffery Deaver zum ersten zugute: Der Thrill von Der Täuscher entspringt hier nicht aus einer besonderen Kaltblütigkeit des Mörders oder einer besonderen Brutalität, mit der er vorgeht. Diese Szenen spart Deaver konsequent aus. Vielmehr sträuben sich die Nackenhaare beim Gedanken daran, wieviel andere Menschen wohl über einen selbst wissen könnten. Wenn sie das teuerste, was wir besitzen – die eigene Identität – besäßen. Ist das Szenario, dass der Autor hier entwirft, wirklich abwegig? Zu befürchten ist nach der Lektüre von Der Täuscher, dass wir es hier eben nicht mit Spinnerei zu tun haben. Sondern mit etwas, dass wir so nicht wahrhaben wollen. Aber halten wir uns nicht mit der Spannung bei Deaver-Romanen auf – dass diese mehr als ausreichend vorhanden ist, ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

Schauen wir also lieber auf die Punkte, die Der Täuscher zu einem außerordentlich guten Thriller machen. Endlich, endlich will der Leser rufen. Die Protagonisten bekommen Fleisch an die Knochen. Lincoln Rhymes Vergangenheit und seine familiären Banden nehmen einen wichtigen Teil der Handlung ein und dass es zwischen ihm und der Muttergefühle entwickelnden Amelia Sachs ordentlich funkt, gibt der Story ausreichend Menschlichkeit, um nicht nur Kaltblütern gefällig zu sein. Nebenfiguren wie die pubertierende Pam oder der Nachwuchs-Cop Ron Polaski lassen es zusätzlich menscheln.

Aufmerksamkeit verdient auch die Frage nach der Urbanität des Settings, der Widerspruch zwischen digitaler Allwissenheit und Einsamkeit, zwischen Anonymität und Metropolis. Deaver geht darauf Genre-gemäß weniger stark ein, aber ein Thema ist das alles schon. Da lebt man mit mehr als acht Millionen Menschen auf einem Fleck und kennt nicht sein Gegenüber. Dafür »kennt« dieses ein Mitarbeiter einer Datenerhebungsfirma, Menschen werden zu gläsernen Nachbarn, ohne dass sie je wahrgenommen worden sind. Schlimmer: Sie werden zu Nummern. Ist das die Brutstätte von leckgeschlagenen, emotional verarmten wie abgestumpften Individuen?

Last but not least scheint Jeffery Deaver aus seinen Thrillern »klassische« Whodunits des 21. Jahrhunderts machen zu wollen. Regelmäßig wiederholt er den Stand der Ermittlungen anhand von Indizienlisten und lässt den Leser drauflosrätseln. Wahrlich kein neues Schema, aber mit Sicherheit ein wiederentdecktes, aufpoliert mit dem Schwung zeitgenössischer Tatortarbeit.

Halten wir fest: Nicht überall, worauf Thriller oder Serienmörder prangt, muss Blut in Litermenge heraustropfen. Aber überall, wo Jeffery Deaver als Autor genannt wird, darf sich der Leser auf spannenden Nervenkitzel freuen. Auf intelligenten dazu, wohlgemerkt.

Lars Schafft, April 2009

Ihre Meinung zu »Jeffery Deaver: Der Täuscher«

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Sabsi zu »Jeffery Deaver: Der Täuscher« 02.10.2012
Wieder einmal ein sehr guter Jeffery Deaver. Lincoln Rhyme und Amelia Sachs auf der Jagd nach einem Mann der alles zu wissen scheint. Ich finde es gar nicht einmal so weit her geholt, wie gläsern unsere Privatsphären geworden sind. Die Kontrolle die dadurch eine Institution oder auch nur eine einzelne Person erhält ist erschreckend. Die Geschichte ist gut erzählt und äußerst spannend. Ein wenig enttäuscht war ich über die Auflösung des Mörders. Sie kam für mich ein wenig plötzlich und früh. Ich lag außerdem mit meiner „Verdächtigung“ richtig und war vielleicht daher über die Auflösung ein wenig enttäuscht. Ich finde man muss die Vorgängerromane nicht unbedingt gelesen haben, um dieses Buch zu lesen.
rolandreis zu »Jeffery Deaver: Der Täuscher« 28.01.2011
Ein Thriller der mit wenig Blut auskommt und doch spannend ist. Eine Geschichte die an Orwell's 1984 erinnert. Nach den Anschlägen vom 11. September kommt einem die Datenersammlerei über Personen gar nicht mehr so realitätsfern vor. Dabei kann ich mir auch sehr gut denken, das diese Daten manipulierbar sind und damit das Leben der Personen auf den Kopf stellt. Daher war diese Geschichte sehr interessant gemacht.
JaneM. zu »Jeffery Deaver: Der Täuscher« 05.01.2011
Ein ungewöhnliches Thema für einen Thriller: aber ein sehr Gutes! Ein Serienmörder weiß scheinbar alles über Menschen, die er sich wahrlos aussucht. Der Datenklau gibt nicht nur Aufschluß über ihren Aufenthalt zu bestimmten Zeiten, auch lässt sich aus den Informationen, z.B. wie oft sie welche Dinge kaufen, ein regelrechtes Persönlichkeitsprofil erstellen. Für den Mörder sind die potentiellen Opfer somit ein offenes Buch und es ist ein leichtes, sie in eine tödliche Falle zu locken. Das gleiche für die unbescholtenen Bürger, denen anhand der gleichen Methode die Morde in die Schuhe geschoben werden. Im Zentrum des "Täuschers" steht ein Konzern, der Daten sammelt und mit ihnen Geschäfte macht (mit dem bezeichenden Logo eines großen Turmes aus dessen oberem Fenster ein Scheinwerfer strahlt). In diesem Dunstkreis muss sich der Mörder bewegen. Der Chef, ein Mitarbeiter oder ein Kunde? Der Kundenstamm ist allerdings groß und auch die Polizei selbst gehört dazu.
Ein hervorragender Thriller mit futuristischem Grusel.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Laura Kulmer zu »Jeffery Deaver: Der Täuscher« 18.12.2010
Ein sehr gutes Buch! Nicht nur das es einen mit der Geschichte auf Trab hält, nein! Uns wird knallhart erzählt wie der Staat einen Menschen kontrolliert. Man bekommt ein komisches Gefühl zu erahnen, wie sehr man überhaupt überwacht wird. Jeffery Deaver hat die Geschichte sehr gut mit diesen Informationen verknüpft und es dadurch nicht nur interessant, sondern auch beängstigend gemacht.
Moschi zu »Jeffery Deaver: Der Täuscher« 14.11.2010
Ein wirklich brandaktuelles Thema, das erschreckend nah an der Realität sein dürfte. Datenklau und Identitätsverlust verpackt in eine fesselnde Geschichte, die, wenn sie nicht einige unnötige Längen hätte, noch spannender wäre. Wie dem auch sei: Beim Benutzen meiner Kredit/EC/Kunden-Karte, beim Internetsurfen und Handytelefonieren, habe ich nach dem Lesen des
"Täuschers" ein äußerst mulmiges Gefühl.deshalb von mir glatte 90°
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
koepper zu »Jeffery Deaver: Der Täuscher« 10.08.2010
"Der Täuscher" ist anders als seine Vorgänger mit dem Ermittlerduo Rhyme/Sachs. Weniger blutig, weniger Überraschendes, dafür sehr viel emotionaler als seine Vorgänger. Der Leser erfährt einiges über den gelähmten Ermittler. Der sonst so schroffe Rhyme zeigt seine persönliche Seite. Das hat mir durchaus gefallen. Allerdings leidet die Spannung des Buches durch die ausführliche Beschreibung der Vergangenheit vom Rhyme. Erst im letzten Drittel nimmt der Krimi richtig Fahrt auf.
Interessant verarbeitet Deaver das Thema Datendiebstahl und Datenmanipulation. Die "Vision" (wenn es denn eine ist) ist erschreckend und beunruhigend. Insgesamt ein gutes Deaver, wegen des spannenden Themas und der guten Charakterisierung von Rhyme/Sachs, die mehr sind als hartegesottene Ermittler, sondern auch zu emotionalen Regungen fähige Personen.
RakelHole zu »Jeffery Deaver: Der Täuscher« 26.07.2010
Spannend, wie man es von Deaver gewohnt ist. Das Szenario ist erschreckend "Big Brother is watching you". Deaver schlägt nicht ganz so viele "Haken" wie gewohnt, aber mir hat's gereicht. Es wird auf übermäßig brutale Schilderung der Morde verzichtet, auch das sehr wohltuend.
Nur Rhymes Laune könnte sich allmählich mal bessern ;-)).
85% von mir
Andreas zu »Jeffery Deaver: Der Täuscher« 23.04.2010
Ein Buch, das man so schnell nicht wieder zur Seite legt. Wer viel im Internet unterwegs ist, oder viele seiner Einkäufe mit Karten begleicht, wird sich nach diesem Buch einige Gedanken machen...
Die ganze Zeit über kommt keine Langeweile auf, ich hätte einen anderen Täter vermutet..Auf alle Fälle sollte man dieses Buch nicht auslassen
hajo114 zu »Jeffery Deaver: Der Täuscher« 20.03.2010
Das Buch hat mich von der ersten Seite an begeistert! Deaver schaft es immer wieder die Handlung so geschickt zu gestallten das man bis zum Ende nicht erahnt wer der Täter ist. So wie in diesem Buch beschrieben
sollte man Respekt vor den Möglichkeiten des Internets haben (Datensammlungen).
Weiter so!! Hab es in zwei Tagen verschlungen.Viel spaß beim lesen!
Alexander zu »Jeffery Deaver: Der Täuscher« 21.12.2009
Ich fand den achten Rhyme/Sachs Thriller auch sehr gut. Er war, wie immer bei Jeffery Deaver, gut recherchiert, hatte Tiefgang und nicht übermäßig brutal wie es bei anderen Autoren der Fall ist, beispielsweise sei hier Lee Child genannt.
Des Weiteren war er auch ziemlich spannend und das Bedrohungsszenario beängstigend realistisch und wie schon der Rezensent von der Krimicouch schrieb, die Figuren waren gut herausgearbeitet. Der Cliffhänger am Schluß des Buches machte zudem neugierig auf weitere Fälle von Rhyme und Sachs.

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