Der Insektensammler von Jeffery Deaver

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2000 unter dem Titel The Empty Chair, deutsche Ausgabe erstmals 2001 bei Blanvalet.
Ort & Zeit der Handlung: USA / North Carolina, 1990 - 2009.
Folge 3 der Lincoln-Rhyme-&-Amelia-Sachs-Serie.

  • London: Hodder & Stoughton, 2000 unter dem Titel The Empty Chair. 477 Seiten.
  • New York: Simon & Schuster, 2000. 477 Seiten.
  • München: Blanvalet, 2001. Übersetzt von Hans-Peter Kraft. ISBN: 3-7645-0128-6. 477 Seiten.
  • München: Goldmann, 2003. Übersetzt von Hans-Peter Kraft. ISBN: 3-442-35905-8. 376 Seiten.
  • München: Goldmann, 2004. Übersetzt von Hans-Peter Kraft. ISBN: 3-442-36206-7. 476 Seiten.
  • München: Bertelsmann, 2006. Übersetzt von Hans-Peter Kraft. ISBN: 978-3-570-06825-0. 538 Seiten.

'Der Insektensammler' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Lincoln Rhyme, der geniale Ermittler, will sich in North Carolina einer riskanten Operation unterziehen. Doch kaum angekommen, werden er und seine Assistentin Amelia Sachs in einen spektakulären Entführungsfall involviert. Verdächtigt wird ein sonderbarer junger Mann, den man nur den »Insektensammler« nennt. Als das Ermittlungsteam endlich das Versteck in den undurchdringlichen Sümpfen ausfindig macht, geschieht das Unfassbare: Amelia wechselt die Fronten – und stellt sich auf die Seite des Entführers.

Das meint Krimi-Couch.de: »Jeffery Deaver: Diesen Namen sollte man sich merken« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Michael Matzer

Dies ist in der Tat ein »komplexer psychologischer Thriller«, wie es der Klappentext verspricht: Nichts ist wirklich so, wie es auf den ersten Blick erscheint. Die unscheinbare Kleinstadt im Hinterland der amerikanischen Ostküste ist ein wahres Hornissennest. Überraschungen tauchen dann auf, wenn man sie am wenigsten erwartet oder gebrauchen kann – bis zur letzten Seite.

Amerikanische Ostküste, Bundesstaat North Carolina. Im ausgedehnten Sumpfgebiet am Paquenoke-Fluss wurde die junge Archäologin Mary Beth O´Connnell entführt. Dringend verdächtig ist der 16-jährige Darrett Hanlon, der schon einiges auf dem Kerbholz zu haben scheint und in der Gegend nur »Der Insektensammler« genannt wird. Er ist ein sonderbarer Einzelgänger, der im Sumpf lebt und sich obsessiv mit »Ungeziefer« beschäftigt. Selbst vor Hornissen hat er keine Angst, denn er setzt ihre Nester manchmal als Waffe ein.

Hornissenstiche haben einen Deputy Sheriff von Tanner´s Corner so vergiftet, dass er ins Koma fiel. Er konnte die junge schwarze Krankenschwester Lynda Johanson daher nicht mehr beschützen, als sie von dem Insektensammler entführt wurde. Merkwürdig ist es schon ein wenig, dass eine Krankenschwester sich an die Stätte eines Mordes begibt, um Blumen niederzulegen. Nun ist die Polizei unter Sheriff Jim Bell reichlich verzweifelt. Und sie greift daher zum letzten Strohhalm.

Lincoln Rhyme aus New York City und seine Assistentin Amelia Sachs sind nach North Carolina gekommen, damit er sich dort in einer Spezialklinik (wo auch Lynda Johanson arbeitet) an der Wirbelsäule operieren lassen kann. Rhyme ist seit einem Dienstunfall in New York City fast vollständig gelähmt. Seinen Spezial-Rollstuhl fährt er mit Hilfe einer »Strohhalmsteuerung«, die er mit dem Mund bedient. Nur den beredsamen Kopf und den linken Ringfinger kann er noch bewegen.

Sheriff Bell, der von seiner Anwesenheit erfahren hat, tritt an ihn heran und bittet Rhyme um Hilfe bei der Lösung des Hanlon-Falles. Rhyme sieht eine Chance, sich die Langeweile vor der Operation zu vertreiben und willigt ein, unter der Bedingung, die Untersuchung kriminalistisch leiten zu können.

Mit Rhymes´ analytischem Verstand und seiner akribischen Spurensuche gelingt es ihm schon nach kurzer Zeit, mit Amelias Suchtrupp den Jungen in den Sümpfen aufzustöbern, ihn in die Enge zu treiben und schließlich in einer dramatischen Aktion zu verhaften. Lynda Johanson wird fast unversehrt befreit. So weit so gut. Doch wo ist die Geisel des Jungen versteckt: Mary Beth McConnell? Muss sie etwa verdursten? Der Junge weigert sich im Gefängnis, dazu eine Aussage zu machen. Er sagt, er wolle Mary Beth nur beschützen. Und Amelia, die Muttergefühle in sich spürt, merkt, dass der Junge Angst hat.

Unvermittelt erhält der Fall eine unerwartete Wendung: Amelia Sachs wechselt die Seiten. Sie flieht mit dem befreiten Jungen zurück in die Sümpfe, wobei sie clever ihre Verfolger in die Irre führt (gelernt ist gelernt: Amelias Vater war Streifenpolizist). Plötzlich sieht sich Mr. Rhyme einem äußerst intelligenten Gegner gegenüber. Wird es ihm gelingen, Amelia und den Jungen zu finden und die verschwundene Mary Beth zu retten?

Doch retten muss er sie alle, wie er zu seinem Entsetzen herausfindet: Er ist von Anfang benutzt worden, um Zeugen großer Verbrechen in Tanner´s Corner zu finden, die von den Schergen eines mächtigen Hintermannes unschädlich gemacht werden sollen. Eine Wettlauf gegen die zeit beginnt, als nicht weniger als drei Trupps Jagd auf Amelia und Garrett machen. Die Menschenjagd führt zu einem bleihaltigen Showdown im Sumpf.

Das ist natürlich noch nicht das Ende, denn der Leser fragt sich ja, ob Amelia Sachs für ihre Untat in die Gaskammer geschickt wird. In den Südstaaten sollte man offenbar damit rechnen, legt der Autor nahe.

Am Anfang hatte ich meine Mühe, mit der leicht etwas überheblich wirkenden Art des Chefermittlers Lincoln Rhyme zurecht zu kommen. Doch der Junge hat wirklich was auf dem Kasten, wie das Fortschreiten der Untersuchung zeigt. Seine Kompetenz bei der Spureninterpretation wird allgemein akzeptiert, doch Amelias Verhalten zeigt auch Rhyme, dass Spuren alleine nicht ausreichen: Sie können so und so gedeutet werden. Psychologie muss hinzukommen, damit aus den Hinweisen eine Geschichte wird. Und nicht einmal das muss zunächst die ganze Wahrheit sein – die Wirklichkeit hat Falltüren, wie Rhyme erkennen muss.

Mit dem Insektensammler Garrett Hanlon hat der Autor eine interessante Figur geschaffen. Der einsam lebende Waisenjunge selbst würde einem Schnüffler wie Rhyme kein paroli bieten könne. Doch mit dem Wissen, das er sich aus Fachbüchern über Insekten angelesen und der praktischen Erfahrung, die er sich erworben hat, schafft er es, Taktiken aus dem Insektenreich in sein Verhalten zu integrieren – so entkommen er und Amelia dem Zugriff der gesammelten Verfolgertrupps. Amelia staunt, wieviel sie selbst von Garrett lernen kann, um zu überleben.

Vertrauen zwischen ihr und dem Jungen entsteht vor allem durch eine Szene. Sie fordert ihn auf, sich einen leeren Stuhl (siehe Originaltitel!) mit jemandem darin vorzustellen, dem er gerne etwas sagen möchte. Dieser Akt der Vorstellungskraft ist Teil der Gestalttherapie und dient dazu, einen »Patienten« zum Aussprechen seiner Sorgen und Anliegen zu bringen. Es funktioniert hervorragend, denn nun weiß Amelia, wer am Tod von Garretts leiblichen Eltern schuld ist. Vielleicht lebt sie lange genug, um es Rhyme sagen zu können.

Hornissennester sind nicht nur Waffen in diesem Buch, sondern auch ein Symbol. Rhyme und Amelia sehen die Mitglieder der sie umgebenden Verschwörung erst, als sie angegriffen werden – sogar noch auf dem Operationstisch! Ich finde es wenig glaubhaft, wenn Deaver eine gesamte Kleinstadt und somit die Südstaaten als amoralisch, korrupt und selbstmörderisch hinstellt. Logisch, dass dann die rettende Kavallerie aus dem Norden kommen muss. -- Tennessee Williams und John Grisham haben weiter an diesem Bild gestrickt. Und patricia Cornwell hat sogar einen neuen Roman mit dem Titel »Die Hornisse« veröffentlicht. Ihre Geschichten spielen bekanntlich in der alten Hauptstadt des Südens: nein, nicht in Atlanta, sondern in Richmond, Virginia.

Es wäre sicherlich unfair zusagen, dass die Roman Handlung im Grunde aus lediglich zwei Menschenjagden (jedesmal auf den Titelhelden) bestünde. Das hieße, die Psychologie und die Kriminalistik unter den Tisch zu kehren. Aber andererseits bezieht der Roman seine Spannung hauptsächlich aus dieser Action. Und zwar in solchem Maße, dass man die Seiten 280 bis 410 nur so durchrast, um herauszufinden, wie Amelias Flucht mit dem Jungen endet. Wie gesagt: Deaver hält danach noch einige Überraschungen bereit.

Jeffery Deaver: Diesen Namen sollte man sich merken.

Ihre Meinung zu »Jeffery Deaver: Der Insektensammler«

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Kasia zu »Jeffery Deaver: Der Insektensammler« 04.09.2015
"Der Insektensammler" stand schon einige Jahre ungelesen, als Teil der damals erschienen Stern-Krimi-Reihe, in meinem Regal.
Nach den vergangenen Deaver-Büchern bin ich absoluter Fan geworden und das wurde durch dieses Buch noch mal verstärkt.
Ich habe das Gefühl, dass an dieser Geschichte alles stimmig ist. Ich habe mich keine Sekunde gelangweilt oder das Gefühl gehabt, dass das Geschriebene unlogisch oder zu sehr konstruiert ist.
Wie bereits an einer anderen Stelle erwähnt, lernt man Einiges durch die erstklassige Recherche des Autors zu bestimmten Themen. Hier also u. a. zu Insekten.
Die Charaktere sind meistens symphatisch und sehr interessant. Als Leser möchte man wirklich wissen, wie die Geschichte weitergeht. Ich empfehle das gelesene Buch "Der insektensammler" gerne weiter!
NeoodoooM zu »Jeffery Deaver: Der Insektensammler« 12.06.2013
Ist zwar schon älter das Buch, aber da ich gerade die Rhyme Sachs Serie lese wollte ich nach den schlechten Kritiken Anderer zuvor davor bewahren, sich ein falsches einseitiges Bild zu machen. Das Buch ist sehr spannend, wie immer flüssig zu lesen und sehr gut erzählt. Es verläuft ähnlich wie bei Letzter Tanz. Und wem die ersten beiden Bücher von Deaver gefallen haben, kann hier sowieso bedenkenlos zugreifen.
Dickie_Greenleaf zu »Jeffery Deaver: Der Insektensammler« 22.11.2012
Dieses Buch ist langatmig, langweilig, ausufernd, trocken, öde, unspannend und einfach nur schlecht erzählt. Interessante Charaktere verflachen im Wust überflüssiger Nebensächlichkeiten. Ich habe mich zweihundert Seiten lang durchgequält bis ich an Jorge Luis Borges gedacht habe, der da sagt: "Für mich ist auch die Literatur eine Form der Freude. Wenn wir etwas mit Mühe lesen, so ist der Autor gescheitert."
meinaim zu »Jeffery Deaver: Der Insektensammler« 04.04.2012
...diese Story ist mal richtig schlecht, unglaubwürdig, glorifizierend, einfach schlechte Dialoge, die ausufern, obwohl die Zeit drängt und Charaktere, die einfach klischeebehafteter kaum sein können. schade schade, ich hatte mich drauf gefreut, vorangegangene sind deutlich besser, er braucht die Grossstadt...
vifu zu »Jeffery Deaver: Der Insektensammler« 01.04.2012
Ich hab soeben den Insektensammler ausgelesen, als ersten der .
Rhyme/Sachs-Serie.
Richtig ist, dass er sich sehr langsam entwickelt. Das Ermittlerduo ist schon etwas gewöhnungsbedürftig, aber sehr interessant. Gerade weil Rhyme den "Kotzbrocken" gibt!
Bin jetzt schon gespannt auf den nächsten Band, auch wenn das dann der Vorläufer ist. Deaver schreibt wirklich fulminante Showdowns! Weiter so!
fresno89 zu »Jeffery Deaver: Der Insektensammler« 22.01.2011
Tja, wenn einem der "Knochenjäger" schon nicht gefällt ( wie Toyota), dann hätte ich in der Tat davon abgesehen, mir ein weiteres Buch desselben Autors zu kaufen.
Das Buch "Der Insektensammler" ist schon etwas Besonderes und ich schließe mich voll dem Rezensenten von KC an. Der Leser braucht schon etwas Geduld, aber nach ca. einem Drittel des Buches nimmt der Plot des Buches einen rasanten Verlauf. Es lohnt sich durchzuhalten.
Das letzte Drittel der Handlung mit seinen vielen Wendungen ist schon genial zumal sich auch hier, wie im richtigen Leben, zeigt, daß die ganz großen Hintermänner meist ungeschoren davon kommen.
Unbedingt lesen!
Toyota zu »Jeffery Deaver: Der Insektensammler« 21.10.2010
Nachdem ich jetzt fast 4 Wochen an dem Buch lese, lege ich es jetzt weg. Ich muss zwar nur noch ca. 1/4 lesen, aber das Buch haut mich nicht vom Hocker. Mir gefällt dieses Buch nicht wirklich. Es gibt einige spannende Stellen, aber dann zieht sich die Story wieder sehr in die Länge, so das ich die Lust am Lesen verloren habe. Leider hab ich noch 2 oder 3 Bücher von Deaver im Schrank stehen und hoffe, das die besser sind, da mich auch der Knochenjäger nicht wirklich überzeugt hat.
Puschel zu »Jeffery Deaver: Der Insektensammler« 17.10.2010
Habe gerade die Deaver-Reihe angefangen zu lesen. Fessend spannend bis zum Ende.Zwischendurch etwas in die Länge gezogen,aber trotzdem zu empfehlen.Auch die Beziehung zwischen Sachs und Rhyme wird sehr sensibel beschrieben,nicht so klischeehaft.
Und Deaver versteht es die Fäden bis zum Schluß geschickt zusammen zuhalten,das fast bis zum Ende offen bleibt ,wer die Drahtzieher sind.
Auf jeden Fall sehr lesenswert.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Bücherwürmchen zu »Jeffery Deaver: Der Insektensammler« 25.01.2010
Ich habe "Der Insektensammler" dreimal angefangen zu lesen, im Abstand von jeweils einem halben Jahr. Dreimal bin ich so ca. auf Seite 40 gescheitert, weil ich das Buch bis dahin so unendlich langweilig und träge fand, dass ich es einfach wieder weglegen musste. Den anderen Meinungen zufolge scheint es ja ein tolles Buch zu sein, nur leider kann ich mich einfach nicht dazu durchringen, mich bis zu dem Punkt vorzuarbeiten, an dem die "spannende" Story endlich losgeht.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
marco zu »Jeffery Deaver: Der Insektensammler« 13.07.2009
ein wirklich erstklassiger roman, bei dem alles stimmte und der im wahrsten wortsinne bis zur letzten seite spannend blieb. dabei war das buch streckenweise auch sehr gefühlsbetont, vor allem dann wenn es um garret ging. auch der ort der handlung reizte: die schwülwarmen sümpfe von north carolina boten eine eindrucksvolle kulisse für diesen spannenden roman.
als urlaubslektüre unbedingt zu empfehlen (99 %).

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