Der faule Henker von Jeffery Deaver

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2003 unter dem Titel The Vanished Man, deutsche Ausgabe erstmals 2003 bei Hodder & Stoughton.
Ort & Zeit der Handlung: USA / New York, 1990 - 2009.
Folge 5 der Lincoln-Rhyme-&-Amelia-Sachs-Serie.

  • New York: Simon & Schuster, 2003 unter dem Titel The Vanished Man.
  • London: Hodder & Stoughton, 2003. Übersetzt von 606.
  • München: Blanvalet, 2004. Übersetzt von Thomas Haufschild. ISBN: 3-7645-0179-0. 480 Seiten.
  • München: Blanvalet, 2006. Übersetzt von Thomas Haufschild. ISBN: 978-3-442-36484-8. 478 Seiten.
  • Augsburg: Weltbild, 2009. Übersetzt von Thomas Haufschild. ISBN: 978-3828995307. 606 Seiten.

'Der faule Henker' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

New York ist in Aufruhr. Ein Serienkiller treibt sein Unwesen. Wären seine Opfer Entfesselungskünstler wie der legendäre Houdini, hätten sie vielleicht eine Chance gehabt, so aber strangulieren sie sich selbst. Der gelähmte, kongeniale Ermittler Lyncoln Rhyme übernimmt den Fall zusammen mit seiner Partnerin Amelia Sachs. Die Beiden treten gegen einen Meister des Unmöglichen an, jeder seiner Schachzüge ist eine Gala der Illusion …

Das meint Krimi-Couch.de: »Deaver setzt noch einen drauf. Und noch einen...« 93°Treffer

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Krimi-Couch-Volltreffer August 2004

Nichts ist so wie es scheint bei Jeffery Deaver und seinen Protagonisten, dem gelähntem Spurensucher Lincoln Rhyme und seiner hübschen Assistentin Amelia Sachs. So erscheint es nur folgerichtig, dass als Gegenspieler des Teams diesmal ein waschechter Illusionist fungiert. Dies gibt Deaver Spielraum für noch mehr überraschende Tricks als man bisher schon von ihm gewohnt war.

Der deutsche Titel Der faule Henker ist der Name eines Zaubertricks. Der Künstler liegt auf dem Bauch und lässt sich die Arme mit Handschellen auf dem Rücken fesseln. Die Füße werden mit einem Seil verschnürt, die Knie gebeugt und das andere Ende des Seils um den Hals verknotet. Schafft es der solcherart verschnürte nicht, sich zu befreien, so stranguliert er sich selber, wenn er die Beine ausstreckt. Keine Chance hatte allerdings das erste Opfer des Täters, denn ihm wurden keinerlei Möglichkeiten zur Befreiung gegeben.

Ein ganz besonderes Locked-Room-Mystery

Der Mörder wurde noch am Tatort überrascht. Und obwohl er in einen fensterlosen Raum flüchtete, schaffte er es, daraus zu entkommen. Der Name dieses Tricks The Vanished Man ist der Originaltitel des Buches. Die Polizei konnte das Rätsel nicht lösen, und so musste Rhyme mit seinem Team an die Arbeit. Zur Unterstützung engagierte man die Illusionistin Kara, mit deren Hilfe man zumindest herausfand, wie der Täter entkommen konnte. Seine Stimme aus dem verschlossenen Raum kam aus einer selbstgebastelten Apparatur, während er selber den Raum bereits aus einem zweiten Ausgang verlassen hatte und das Geschehen als Hauswart verkleidet seelenruhig beobachtete.

Wie immer hat es Lincoln Rhyme natürlich nicht mit einem Einzelfall, sondern mit einem Serienmörder zu tun. Und der macht in schöner Regelmäßigkeit weiter mit seiner Zaubervorstellung und das Ergebnis jeder einzelnen Nummer ist eine Leiche. Das große Problem der Ermittler: Obwohl sie dem Täter immer dicht auf den Fersen sind, wissen sie nicht, nach wem sie suchen müssen, denn dieser wechselt sein Erscheinungsbild in Sekunden. Das einzig sichere Erkennungsmerkmal sind zwei verkrüppelte Finger an der linken Hand. Und ist er mal geschnappt, so ist er auch schon wieder weg.

Als Meister der Irrungen und Wendungen präsentiert sich Jeffery Deaver einmal mehr. Und glaubt man, es sei keine Steigerung mehr möglich, dann setzt er noch einen drauf. Und noch einen. Und noch einen …

Wird jemand ermordet, dann muss er noch lange nicht tot sein

Wer gehört zu den Guten und wer zu den Bösen? Scheint jemand entlarvt, dann war es nur ein Trick. Oder etwa doch nicht? Welche Hinweise sind Spuren und welche hat der Täter absichtlich hinterlassen, um seine Jäger in die Irre zu führen? Ist wie so oft wieder ein Verräter in den eigenen Reihen? Wird jemand ermordet, dann muss er noch lange nicht tot sein. Der Täter wird gefasst und alles scheint gelaufen. Doch natürlich erkennt man an der restlichen Seitenzahl des Buches, dass der Fall damit noch lange nicht gelöst ist. Zwischenepisoden aus einem völlig anderen Fall verknüpfen sich natürlich peu à peu mit der Haupthandlung.

Doch was will der Mörder überhaupt erreichen? Welche seiner Verbrechen dienen nur zur Ablenkung und was ist sein eigentliches Ziel? Hier hat der Autor natürlich im Zuge von noch mehr Spannung und noch mehr Überraschung wieder ziemlich dick aufgetragen. Doch jeder Knoten – sprich: jeder Hinweis und jeder Trick – wird auch wieder entknotet, wenn auch manches etwas unrealistisch ist. Wenn natürlich auch keine Magier-Tricks en détail verraten werden, so erhält man schon einige Informationen über die kleinen Kniffe der großen Künstler.

Keine Sekunde zum Luft holen

Action-Szenen wechseln ab mit logischen Schlüssen und Szenenwechseln zum Täter, so dass einfach keine Sekunde zum Luft holen bleibt. Ein Buch, dass für eine Verfilmung prädestiniert scheint.

Einziger winziger Kritikpunkt die im Laufe der Handlung sich wiederholenden und immer länger werdenen stichpunktartigen Hinweise, die das Ermittlerteam auf seiner Wandtafel stehen hat. Aber bei fast 500 Seiten lassen sich auch ab und an mal zwei davon überblättern.

Deaver ist auf seinem Gebiet konkurrenzlos

Deaver hat mit Der faule Henker wieder einmal zweifelsfrei bewiesen, dass er selber der Meister der Illusionen und auf seinem Gebiet konkurrenzlos ist.

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kalle zu »Jeffery Deaver: Der faule Henker« 10.10.2013
Ich hab 75 gegeben, weil ich die Lektürebis auf das letzte Viertel genossen habe. Einerseits mag ich ja so Falltür-Stories, in denen es überraschende Wendungen gibt und auf Sadismus gegenüber Frauen verzichtet wird. Entsprechend haben mich die ersten 300 oderso Seiten echt begeistert. Dann wurde der Täter gefasst und entkam. Die Flucht war vielleicht ein wenig zu spektakulär, aber gut. Danach war es einfach nur noch gähnend langweilig, total absurd und unendlich kitschig. Mich interessiert nämlich das Privatleben von Ermittlern im Allgemeinen eher wenig und dazu kam noch ein "Drei Fragezeichen und die schwarze Katze"-mäßiges Ende, bei dem im übertragenen Sinne, eine Maske unter der anderen versteckt war, und darunter noch eine und darunter noch eine..
Axel zu »Jeffery Deaver: Der faule Henker« 03.10.2013
Dieses Buch ist vor allem eines: Viel zu lang!!! Zwar ist die Rahmenhandlung super und auch das alles vor dem Hintergrund der Magie, aber trotzdem, immer setzt Deaver noch einen drauf und dann noch einen und irgendwann hofft man, das er doch nun endlich mal zum Ende kommen möge. Aber nein, selbst als der Täter längst gefasst ist, geht die Geschichte noch weiter. Wie einige "Vorschreiber" bereits richtig anmerkten, es ist eines der schwächeren Bücher, man kann es lesen, muss es aber nicht. Und man muss viel, viel Zeit haben. Von mir 60°
Julia zu »Jeffery Deaver: Der faule Henker« 23.08.2013
Ein superspannendes Buch mit vielen beeindruckenden "magischen" Momenten. Es verblüfft, unterhält, man kann es nicht aus den Fingern legen ! Wer Zauberei, Illusionisten und Magie mag ist mit diesem Buch mehr als gut bedient ! Meinen Kuchen, der im Backofen war, als ich anfing zu lesen, konnte ich wegen Verbrennungen 3. Grades in den Mülleimer werfen :-)
Samoa zu »Jeffery Deaver: Der faule Henker« 04.03.2010
Was überaus vielversprechend begann, mündete letztlich in ein platt wirkendes, hollywoodreifes Happy End.

Zu Beginn noch rasant, logisch, trickreich und überaus rätselhaft – die Jagd nach dem Hexer, einem begnadeten Illusionisten, der seine Häscher immer wieder zu täuschen und ihnen zu entwischen vermag.

Das letzte Viertel des Buches geriet jedoch zu einer überkonstruiert wirkenden Achterbahnfahrt – noch eine Wendung, die nächste Kurve und wieder eine unerwartete Erkenntnis.
Weniger wäre hier mehr gewesen. 79°
Stefan83 zu »Jeffery Deaver: Der faule Henker« 17.06.2009
Sind wir mal ehrlich: Die ersten Romane aus der Reihe um Lincoln Rhyme und Amelia Sachs haben derart hohe Erwartungen erweckt, dass diese auf Dauer nur schwer zu erfüllen sind.

Mit immer genialeren Wendungen und packender Spannung haben sie gefesselt, einen bis zur letzten Seite bei der Stange gehalten. Besonders im ersten Fall "Der Knochenjäger" hat das ungleiche Ermittlerteam aus dem querschnittsgelähmten Forensikspezialisten und der toughen Polizeibeamtin Maßstäbe für intelligente und anspruchsvolle Kriminalliteratur gesetzt. Ein Einbruch war deshalb irgendwann zu erwarten. Dennoch war ich von "Der faule Henker" am Ende etwas enttäuscht, denn die Geschichte an sich hatte durchaus das Potenzial für ein ganz großes Buch. Zuviel wurde jedoch davon verschenkt bzw. zu viel auf einmal vom Autor gewollt.

Eine Reihe bizarrer Morde hält New York in Atem. Der Täter, augenscheinlich in der Zauberkunst bewandert, stellt auf grausame Art und Weise die berühmten Vorführungen von Houdini und anderen bekannten Illusionisten nach. Sein Publikum, seine Opfer, finden dabei stets qualvoll den Tod, ohne dass zwischen ihnen irgendeine Verbindung zu bestehen scheint. Rhyme, der stets geglaubt hat jeden Trick durchschauen zu können, sieht sich überfordert, und holt die junge Nachwuchszauberkünstlerin Kara mit ins Boot. Mit ihrer Hilfe soll es gelingen den Täter einzukreisen und seinen gewieften Illusionen einen Schritt zuvorzukommen. Einfacher gesagt als getan, denn "der Hexer", wie er von Rhyme getauft wird, ist zudem ein Meister der Verkleidung und führt die Ermittler immer wieder auf die falsche Fährte. Während Sachs, die gerade ihre Prüfung zum Detective Sergeant absolviert, von Tatort zu Tatort rast, um die wenigen Beweisstücke sicherzustellen, wird der gelähmte Spurenermittler das Gefühl nicht los, dass hinter den Morden viel mehr steckt als anfangs gedacht...

Zu viele Köche verderben den Brei, heißt es ja so schön. In diesem Fall müsste man von zu vielen Ideen reden, denn Jeffery Deaver, der natürlich wieder einen spannenden und mehr als unterhaltsamen Lesestoff auf Papier gebracht hat, bemüht sich schon fast zwanghaft immer wieder neue Wendungen und falsche Fährten einzubauen, um seine Protagonisten, und damit natürlich auch seine Leser, zu verwirren. Was sonst den Glanz der Reihe ausmacht, nimmt hier schlicht überhand und geht zu Gunsten der Glaubwürdigkeit. Man bekommt den Eindruck, dass die einzelnen Morde nur dafür dienen ein Loblieb auf die Genialität des Ermittlerteams zu singen und deren Überlegenheit zu beweisen. So fehlt trotz der toll inszenierten Tricks das Element der Bedrohung. Die ständig neuen Illusionen überraschen irgendwann nicht mehr, sondern werden erwartet, womit der Plot bald berechenbar wird. Und ein vorhersehbarer Deaver macht nur halb so viel Spaß.

Hinzu kommt, dass sich auch bei den Hauptfiguren so etwas wie Routine einschleicht. Sie werden zunehmend stereotyp und haben viel an Tiefe verloren. War anfangs der Grundgedanke eines ans Bett gefesselten genialen Ermittlers, neu und spannend, wiederholen sich nun im fünften Band immer wieder die gleichen klischeehaften Handlungselemente. Wenn eine Amelia dann zum 1000mal ihr Gitternetz abläuft, wird der Drang zum weiterblättern übermächtig. Nach all dem Negativen, was gefällt am "faulen Henker"? Auch diesmal ist der Plot natürlich spannend, die Dialoge kurzweilig, hat man am Miträtseln seine Freude. Und selbst ein etwas schlechterer Deaver kann sich immer noch ohne Probleme zwischen der Konkurrenz behaupten.

Insgesamt erweckt "Der faule Henker" aber den Eindruck, dass der Reihe langsam die Luft ausgeht, weshalb eine kreative Schaffenspause wohl vonnöten wäre. Ein guter Psychothriller, der besonders gegen Ende jedoch mit Überraschungen und zu viel Beiwerk überfrachtet wird, und bei Fans des Autors etwas für Enttäuschung sorgen könnte.
17 von 24 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
freundbaer zu »Jeffery Deaver: Der faule Henker« 01.05.2009
Auch, wenn ich ein großer Fan von Deaver bin, muss ich sagen: Eines der schwächeren Bücher von ihm. (Selbst das ist noch besser als die große Masse, aber trotzdem). Hat er für dieses Buch zwar die Kunst der Zauberei und Zaubertricks als Hintergrund genommen, wird es irgendwann langweilig. Außerdem ist es nicht gerade originell, wenn man in die Irre geführt wird und das dann nur ein Taubertrick (mal wieder!!) war.
mylo zu »Jeffery Deaver: Der faule Henker« 25.11.2008
Alos das war mein erster Deaver und mit Sicherheit nicht der letzte. Ich fan es zunächst ein mal super wie man in die Materie der Magie eingeführt wird und fühlt sich am Ende des Buches schon wie ein kleiner Fachmann. Super die Spannung aufbauend ( vom Nachlauf am Ende mal abgesehen) und immer wenn man denkt die plausible Lösung liegt auf dem Tisch, das denkste, war doch ganz anders - super.
Bin auf sein nächstes Buch gespannt, diesem gebe ich 85 Punkte.
rolypoly zu »Jeffery Deaver: Der faule Henker« 22.11.2008
Ich finde das Buch zieht sich ganz schön, auch wenn ganz nette Gags enthalten sind. Das Buch ansich finde ich etwas zu lang und das Thema zu breit ausgerollt. Aber an Rhymes kommt einfach keiner ran. Seine Gedanken, als Kara, dich ich auch sehr symphatisch finde, ihn zum ersten Mal sieht, sind fantastisch dargstellt und sehr einleuchtend. Alles in allem ist das Buch etwas zu lang geworden trotz der vielen kleinen Facetten.
Tina81 zu »Jeffery Deaver: Der faule Henker« 26.07.2008
Nach "Das Gesicht des Drachen", was mir nicht so gut gefallen hat, wieder mal ein super spannendes Buch von Jeffery Deaver. Klasse geschrieben mit sympathischen Charakteren und den Deaver-typischen Wendungen! Absolut lesenswert!
bla zu »Jeffery Deaver: Der faule Henker« 15.06.2008
Ein wahnsinnig gutes Buch.
Trotz vielleicht 20 Seiten Leerlauf
gibt es immer Spannung pur!
Jeffery Deaver versteht es wie kein zweiter
den Fall so nervenzerreibend zu gestalten,
dass man kaum zu lesen aufhören kann.
Man würde auch nie darauf kommen wer nun wirklich der wahre Täter ist.

SUPER BUCH !

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