Das Teufelsspiel von Jeffery Deaver

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2005 unter dem Titel The Twelfth Card, deutsche Ausgabe erstmals 2006 bei Blanvalet.
Ort & Zeit der Handlung: USA / New York, 1990 - 2009.
Folge 6 der Lincoln-Rhyme-&-Amelia-Sachs-Serie.

  • London: Hodder & Stoughton, 2005 unter dem Titel The Twelfth Card. 480 Seiten.
  • New York: Simon & Schuster, 2005. 480 Seiten.
  • München: Blanvalet, 2006. Übersetzt von Thomas Haufschild. ISBN: 978-3-7645-0201-0. 480 Seiten.
  • München: Blanvalet, 2007. Übersetzt von Thomas Haufschild. ISBN: 978-3-442-36829-7. 536 Seiten.

'Das Teufelsspiel' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Bei Nachforschungen über ihren Vorfahren, den befreiten Sklaven Charles Singleton, stößt die junge Geneva Settle auf Beweise, dass dieser vor rund 140 Jahren Opfer eines wahren Teufelsspiels wurde. Beinahe zu spät bemerkt sie, dass ihr ein Killer auf den Fersen ist. Ein fehlgeschlagener Anschlag ruft den gelähmten Ermittler Lyncoln Rhyme und dessen Partnerin Amelia Sachs auf den Plan, die den Auftraggeber des Killers suchen. Eine Spur führt sie zur Sanford Bank – sollten Einzelheiten über das vor 140 Jahren begangene Unrecht ans Licht kommen, könnte dies den Ruin der Bank bedeuten – Genevas Leben ist in höchster Gefahr …

Das meint Krimi-Couch.de: »Der unfreiwillige König der ´Armchair-Detectives´ kehrt zurück« 80°

Krimi-Rezension von Michael Drewniok

Thompson Boyd, ein erfolgreicher Profikiller, attackiert im Museum für Afroamerikanische Geschichte von New York die sechzehnjährige Schülerin Geneva Settle. Sie kann ihm entkommen, doch Boyd bleibt ihr unerbittlich auf den Fersen. Menschen sterben oder werden schwer verletzt – dem gefühlskalten, äußerst methodisch vorgehenden Mörder ist es gleichgültig

Boyd muss unbedingt außer Gefecht gesetzt werden. Die Polizei wendet sich Hilfe suchend an Lincoln Rhyme. Der geniale Ermittler ist nach einem Unfall zwar vom Hals abwärts gelähmt, doch er hat mit Hilfe modernster Technik zu seinem Beruf zurückgefunden. Rhyme zur Seite stehen seine Lebensgefährtin, die Polizistin Amelia Sachs, und ein Team entschlossener Fahndungsspezialisten.

Doch Boyd erweist sich lange als Phantom. Er hinterlässt keine Spuren, seine Biografie hat er systematisch gelöscht. Auf der anderen Seite erweist sich Geneva, seine Zielperson, als schwieriger Schützling für die Polizei. Sie will nicht untertauchen, sondern ihr normales Leben fortsetzen. Die Hartnäckigkeit, welche sie dabei an den Tag legt, hat ihren Grund. Geneva verbirgt gleich zwei Familiengeheimnisse, wobei das eine erhebliche politische Brisanz aufweist: Offenbar ist ihr Vorfahre, der Ex-Sklave und Bürgerkriegsveteran Charles Singleton, in eine Verschwörung geraten, deren Gelingen noch 140 Jahre später für viele Bürger der Vereinigten Staaten eine erhebliche Aushöhlung ihrer bürgerlichen Rechte zur Folge hätte. Die Kenntnis dieser historischen Vorgänge ist so brisant, dass die wenigen Menschen, die darüber informiert sind, keine Mitwisser dulden.

Da Geneva ihre Situation nicht richtig einzuschätzen weiß, sind Zwischenfälle quasi vorprogrammiert. Mit teuflischem Geschick stellt Boyd seinem Opfer immer wieder Todesfallen. Auf der anderen Seite kommt ihm Rhyme indes langsam aber sicher auf die Spur. Der Wettlauf muss rasch entschieden werden, bevor die Zahl der Opfer weiter steigt – und weil sich herausstellt, dass die Ursache für die Hetzjagd auf Geneva auch eine ganz andere sein könnte …

Falsche Spuren, die niemanden mehr überraschen

Die meisten Verfasser eines Thrillers stehen vor dem Problem eine möglichst verwickelte Handlung in ein gleichermaßen spannendes wie logisches Finale einmünden zu lassen. Jeffery Deaver kämpft diesbezüglich in einer ganz anderen Klasse: Er lässt seine Geschichte mindestens zwei, besser aber mehr Haken schlagen. Dieses Mal sind es übrigens vier.

Kann das klappen? Der erfahrene Leser von Thrillern ist skeptisch – und das mit gutem Grund. Vier Auflösungen vervierfachen nicht zwangsläufig den Lektürespaß, sie steigern auch die Möglichkeit sich zu verzetteln. Soll heißen: Die endgültige Lösung des Rätsels muss schon verflucht gut sein, damit die mehrfache nachträgliche Neuinterpretation des Geschehens nicht zum Selbstzweck verkommt.

Jeffery Deaver kann leider – und dies nicht zum ersten Mal – kaum für sich beanspruchen, dieses Problem gemeistert zu haben. Ganz groß ist er wieder im Aufbau von Spannung. Die ersten 400 Seiten von Das Teufelsspiel lesen sich blendend. Der Verfasser versteht es ausgezeichnet den uralten »Whodunit?« mit dem modernen Thriller zu verknüpfen. Lincoln Rhyme ist der ultimative »Armchair-Detective«. Er bleibt an den Rollstuhl gefesselt und kann buchstäblich kein Glied rühren.

Action mit CSI-Touch: Deavers Stärke

Trotzdem beherrscht er das Geschehen, denn er ist der Magier der Hightech-Ermittlungsarbeit. Rhyme gab es schon vor dem Siegeszug der Gerichtsmediziner und sonstigen Laborforscher mit Waffenschein, der in gleich drei CSI-Fernsehserien seinen aktuellen Höhepunkt gefunden hat. Er profitiert von der Faszination, welche die Verbrecherjagd per Mikroskop, Klebedampf und Spektralanalyse ausstrahlt. Zudem bemüht sich Deaver redlich die reale Supertechnik durch Science Fiction-Elemente noch interessanter zu gestalten. Die langweilige Laborrealität mit ihren öden Routinen bleibt außen vor; Genie und Zufall treiben das Geschehen immer wieder voran. Ohnehin prägen Dynamik und Geschwindigkeit die typische Deaver-Story. Zwar ist die Hauptfigur bewegungsunfähig, doch Rhymes Gefährten im Kampf gegen das Verbrechen gleichen das mehr als aus. Verfolgungsjagden gehören ebenso zum Repertoire wie spektakuläre Schießereien.

Einen begehrlichen Seitenblick wirft Deaver – sicher ist sicher – darüber hinaus auf die Dan-Brown-Fraktion seiner potenziellen Leser. Historische Mysterien, die ihre Schatten bis in die Gegenwart werfen, sind gerade »in«. Wenigstens jagen Rhyme & Co. zur angenehmen Abwechslung keiner vom Vatikan unterdrückten Alternativbibel hinterher. Er hat ein deutlich aktuelleres Rätsel konstruiert, das zumindest diejenigen Leser überzeugt, die mit der politischen Geschichte der Vereinigten Staaten nicht wirklich vertraut sind und vor allem überzeugend klingt.

Figuren ohne Tiefe: Deavers Schwäche

Deaver und seine Figuren – seit jeher für die Leser ein Wechselbad unterschiedlicher Gefühle. Gut fährt der Verfasser stets, wenn er seiner Figuren handeln lässt. Mit der Darstellung von Gefühlen hat er dagegen Schwierigkeiten. In Das Teufelsspiel stellt Deaver die persönlichen Probleme seiner beiden Hauptfiguren nicht mehr so deutlich in den Vordergrund wie sonst – eine kluge Entscheidung, denn in einem Punkt hat sich der Verfasser sicherlich in eine Sackgasse manövriert: Lincoln Rhyme wird trotz Wunderrollstuhl niemals aktiv ins Geschehen eingreifen können. In den beiden Auftaktbänden konnte Deaver noch abseits der kriminalistischen Handlung sehr anschaulich die selbstmörderische Verzweiflung thematisieren, die Rhyme angesichts seiner Behinderung spürte. Doch darauf konnte er nicht ewig herumreiten. Rhyme hat sich arrangieren müssen und können. Was macht ihn weiterhin interessant?

Zum einen setzt Deaver auf medizinische Zwischenfälle oder Rückschläge. Mal wird Rhyme ernsthaft krank, dann wieder erlebt er einen kleinen Durchbruch. In Das Teufelsspiel gelingt ihm die »Wiederbelebung« einer Hand. Das wird ausgiebig – im Film würde dramatische Musik eingespielt – und in Anwesenheit seiner Lebensgefährtin Amelia Sachs inszeniert. Über den Realismus einer Beziehung zwischen einem Kopfmenschen und einer bildhübschen Rennfahrerpolizistin sei an dieser Stelle nicht weiter philosophiert; Deaver hat es nun einmal so eingefädelt. Sachs ersetzt Rhyme am Tatort Augen und Beine. Damit sie nicht gar zu perfekt gerät, lässt der Verfasser es arthritisch in ihren Gelenken krachen.

Die richtig großen Gefühlsaufwallungen überlässt Deaver dieses Mal Sachs’ Polizeikollegen Lon Sellitto, dem brummigen Cop mit dem Herzen aus Gold. Der erlebt während einer Schießerei einen Nervenzusammenbruch, wobei schwer nachvollziehbar bleibt, wieso es ihn gerade jetzt trifft; der gute Mann hat schon ganz andere Kalamitäten durchstehen müssen und das nur mit zynischen Polizistensprüchen kommentiert. Als Figur bleibt Sellitto zudem zu sehr Klischee, so dass sich der Leser um ihn im Grunde keine Sorgen machen möchte.

Deavers Schwierig- bzw. Unfähigkeit in der Schilderung überzeugender Gefühle wird noch deutlicher in der Person der Geneva Settle. Den meisten Autoren misslingt die literarische Schöpfung eines jugendlichen Menschen. Aufgesetztes »unkonventionelles« Verhalten und stets peinlich missratender Jungsprech sind das Ergebnis. Geneva ist zudem weniger ein Mensch als ein Bündel wandelnder politischer Korrektheiten. Sie ist schwarz, geradezu manisch fleißig in der Schule, jeglichem Sex vor dem Abschluss abhold und birst vor menschenrechtlicher Empörung. Deaver bemüht sich zu verdeutlichen, wieso Geneva so (geworden) ist. Doch lesen wir ihre emotionsgeschwängerten Diskussionen mit dem lange verlorenen Vater – Passagen, die tunlichst übersprungen werden sollten und auch können, da sie für die Handlung absolut irrerelevant sind -, wünschen wir uns doch insgeheim, dass Thompson Boyd ein wenig erfolgreicher wäre …

Der Mörder genießt als literarische Gestalt einen gewissen Popularitätsvorteil. Vor allem im Vergleich mit der schrecklich nüchternen Geneva ist Boyd eindeutig die interessantere Figur. Deaver bemüht sich auch hier – und dieses Mal mit mehr Erfolg – um ein »dreidimensionales« Charakterbild. Boyd arbeitet als Killer effektiv wie eine Maschine, ist aber keine, sondern ein seelisch kranker Mensch, der sich selbst nach Heilung sehnt. Dass er gleichzeitig seinem Job nachgeht, lässt ihn erfrischend ambivalent wirken: In diesem Punkt macht Deaver keine politisch korrekten Zugeständnisse. Diese Konsequenz ist sehr hilfreich wenn es gilt, die letzten 100, 150 Seiten von Das Teufelsspiel hinter sich zu bringen und sich nicht gar zu sehr über die zunehmende Holprigkeit des Geschehens zu ärgern.

Ihre Meinung zu »Jeffery Deaver: Das Teufelsspiel«

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Christiane, die gerne liest. zu »Jeffery Deaver: Das Teufelsspiel« 17.08.2014
Der Buchtitel und die Idee vom Buch fand ich gut, hat mich deswegen auch zum Kauf des Buches animiert, leider hat das Buch zu viele Personen, Tatorte und Täter , die zu ausführlich und manchmal auch langweilig beschrieben werden. Auch sind manche Stellen unglaubwürdig. Deswegen nicht mein Lieblingsbuch.!
Sarah_Ch zu »Jeffery Deaver: Das Teufelsspiel« 25.11.2012
Was mich immer sehr stört an den Büchern von Jeffery Deaver sind diese unendlichen langen Profile über Täter und Tatort. An sich eigentlich eine gute Idee, aber nicht wenn man das gefühlte fünfzig mal liest. Einmal ist in Ordnung und dann die Ergänzungen dazu, aber dann muss auch mal gut sein.

Ziemlich viel hin und her, viele Tatorte, viele Täter, viele Motive. Das hat das ganze spannend gemacht - obwohl es teilweise schon ein bisschen zu viel war.

Das Thema an sich hat mir gut gefallen. Die Geschichten von damals über Charles, so etwas finde ich interessanat.
Das Ende hat mir auch gefallen, ich bin gespannt auf das nächste Deaver Buch.
Homicide187 zu »Jeffery Deaver: Das Teufelsspiel« 23.03.2011
Also mir hat das Buch richtig gut gefallen. es war toll geschrieben und man konnte es super lesen ohne das es schnell langweilig wird. Besonders toll fand ich die mehreren Storys die erzählt wurden, bzw. die verschiedenen Sichten und wie alles zusammenläuft. Das Ende ist besonders toll! Ich habe immer wieder gedacht hm was soll jetzt noch auf den ganzen Seiten passieren, aber es wurde immer besser und war wirklich toll. Auch die gesamte Geschichte und das drum herum. Also ich werde auf jeden Fall mehr von J. Deaver lesen.
Mistie zu »Jeffery Deaver: Das Teufelsspiel« 05.09.2010
Habe das Buch gebraucht gekauft - und das war gut so. Vielleicht hätte ich mir ja sonst noch über mich selbst geärgert ...

Ich werde irgendwie nicht warm mit den amerikanischen Ermittlern (zu intelligent, zu schön, zu perfekt) und den Ermittlungen die à la CSI geführt werden - für mich ziemlich unrealistisch. Und dass ein 16jähriges Mädchen, das gerade einem Mordanschlag entgangen ist, dabei zuschauen darf, ist - und wenn Geneva dabei noch so "cool" ist - ziemlich unglaubwürdig.

Der Serienmörder, ein Pedant mit Komplexen, kann einem schon fast leid tun; da tüftelt er "perfekte" Fallen aus (wie die Bösewichter aus den James Bond-Filmen) und dann geht er, genau wie im besagten Film, kläglich unter...

Fazit: ich weiss nicht ob und wann ich noch einmal ein Buch von Herrn Deaver lesen werde ... es gibt nämlich zuviel Bessere - 68°
Stefan83 zu »Jeffery Deaver: Das Teufelsspiel« 02.12.2009
Es deutete sich schon in den letzten beiden Bänden der Lincoln-Rhyme/Amelia-Sachs-Reihe an und trat diesmal besonders zutage: Jeffery Deaver hat sehr stark nachgelassen.

Waren die ersten Titel mit dem gelähmten Spurenermittler und seiner Assistentin noch allerbeste, spannendste Unterhaltung, kopiert sich der Autor so langsam nur noch selbst. Sein Konzept, immer wieder mit überraschenden Wendungen den Leser ans Buch zu fesseln, scheint endgültig ausgereizt, und auch die Figuren, mit deren Zeichnung Deaver schon seit jeher seine Probleme hatte, sind in "Das Teufelsspiel" lediglich ein Schatten ihrer selbst. Ist dieser fünfte Band damit also der Abgesang eines großen Thriller-Autors? Eine wohl etwas vorschnelle Aussage, da man auch diesmal sieht, dass er plotten kann. Die Story orientiert sich stark an der politischen Lage in den USA nach dem 11. September und fängt ausgesprochen viel versprechend an:

Schauplatz ist ein abgelegener Raum in einem New Yorker Museum. Bereits frühmorgens sitzt hier die sechzehnjährige Schülerin Geneva Settle über Büchern zur afroamerikanischen Geschichte und liest dabei auch einen Brief ihres Vorfahren Charles Singleton. Ein Schwarzer, ehemaliger Sklave und Bürgerkriegsveteran, der vor gut 140 Jahren wegen Diebstahles ins Gefängnis gewandert ist. Völlig in ihre Lektüre vertieft, bemerkt sie dabei fast zu spät das Herannahen eines unheimlichen Fremden, der offenbar auf eine Vergewaltigung aus ist. Dank einer geschickten List kann sie fliehen, doch von diesem Zeitpunkt an bleibt ihr der Mann unerbittlich auf den Fersen. Als Lincoln Rhyme, der geniale Ermittler, welcher nach einem Unfall vom Hals abwärts gelähmt ist, hinzugezogen wird und feststellt, dass es sich bei dem Unbekannten um einen eiskalten Profikiller handelt, entwickelt sich ein tödliches Spiel zwischen Verfolgern und Gejagten. Und die ganze Zeit steht die Frage nach dem Motiv des Mörders im Raum...

Jeffery Deaver, der sich selbst zum Ziel gesetzt hat, mit möglichst vielen Haken und Wendungen innerhalb der Handlung den Leser aufs Glatteis zu führen, ist in "Das Teufelsspiel" an seinen eigenen Ansprüchen gescheitert. Die stets neuen Auflösungen aus denen möglichst viel Spannung resultieren soll, bremsen diesmal eher den Lesespaß und führen nur dazu, dass sich die gesamte Geschichte, die nun schon knapp 540 Seiten umfasst, unnötig in die Länge zieht. Deaver baut Erwartungen auf, welche die endgültige Lösung des Rätsels nicht erfüllen können. Die mehrfach nachträgliche Neuinterpretation des Geschehens verkommt schließlich zum Selbstweck, welcher dem Autor in seiner Kreativität sehr enge Grenzen setzt. Hat man sich bei den ersten Bänden der Reihe noch durchgängig vor Spannung die Fingernägel abgekaut, perlt hier der Plot irgendwie am Leser ab. Die Ermittler scheinen stets Herren des Geschehens zu sein und bedrohliche Situationen, die mit einem Cliffhanger am Ende eines Kapitels den Puls nach oben treiben sollen, verpuffen im Nichts, da man eine gelungene Intervention der "Guten" auf der nächsten Seite bereits erwartet.

Besonders Amelia Sachs, anfangs noch eine unerfahrene Assistentin mit Fehlern, ist von Deaver zum schießwütigen Laufburschen Rhymes degradiert worden, der zwar noch das Gitternetz am Tatort abläuft, darüber hinaus aber lieber mit ihrem Sportwagen New York in wenigen Sekunden durchquert, Mörder mit einer ungeladenen Pistole entwaffnet und nebenbei noch gönnerhaft jungen Polizisten ein paar gute Tipps mit auf den Weg gibt. Für mich ist sie der neue Unsympath der Reihe, während Rhyme selbst viel seiner unnahbaren und arroganten Art verloren hat. Diese Veränderungen wären zu verschmerzen gewesen, hätte der Autor nicht noch Geneva Settle eingebaut. Ein schwarze Lisa Simpson, die auch nach dem Tode mehrerer Menschen und im Visier eines Killers noch ihre Hausaufgaben macht, für Klausuren lernt und von Sex nichts und von ihrer Heimat Harlem noch weniger wissen will. Hier ist eine ganze Menge Glaubwürdigkeit auf der Strecke geblieben, die auch nicht mit der Überfrachtung von CSI-Elementen zurück gewonnen werden kann. Und nicht selten wünscht man sich, dass der Killer doch in der Ausführung seines Jobs ein wenig erfolgreicher wäre. Das Ende beantwortet schließlich wie immer logisch alle zuvor offenen Fragen, hat mich aber auch völlig unbeeindruckt zurückgelassen.

Insgesamt ist "Das Teufelsspiel" der bisher mit Abstand schwächste Teil einer Reihe, der langsam die Luft auszugehen scheint. Viele gute Ansätze, die im Nichts versickern und ein überfrachteter Plot mit nicht konsequent verfolgten Handlungssträngen sorgen dafür, dass man sich besonders im letzten Drittel das Ende herbeisehnt. Allein die Hoffnung auf Besserung im nächsten Band bleibt.
13 von 19 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
steffiwe zu »Jeffery Deaver: Das Teufelsspiel« 10.07.2009
Ich stimme Herrn Drewniok in den Punkten zu, dass die Wendungen sehr unglaubwürdig und nicht besonders überraschend sind und dass die "Figuren ohne Tiefe" sind - es gibt niemanden in diesem Buch, den ich symphatisch finde. Ich liebe Figuren wie Barbarotti von Hakan Nesser, Wallander von Henning Mankell oder Lynley von Elizabeth George. Menschen, die irgendwie interessant und vielschichtig sind und die einem während des Lesens ans Herz wachsen, wenn man mit ihnen durch Höhen und Tiefen geht. Figuren an deren Leben man weiterhin teilhaben möchte, weshalb man dann die nächsten Teile auch lesen muss.
Was mich am Teufelsspiel am meisten genervt hat ist, dass ich mich (trotz wenig Ahnung vom Polizeidienst in den USA an sich) gefragt habe, wie um alles in der Welt diese Leute massenweise Analysen, durchwälzte Aktenberge und Telefonate mit Behörden, Ausgrabungen, Obduktionen usw. in nur zwei Tagen geschafft haben sollen. Schon allein für das Durchforsten der Akten zu der komischen Kneipe hätte Frau Sachs doch in der Realität mindestens einen halben Tag benötigt. Und Geneva schreibt an dem ersten Tag noch zwei Prüfungen nachdem so viel passiert ist, dass die Schule längst geschlossen haben müsste, weil doch Prüfungen meist in den ersten Unterrichtsstunden stattfinden? Da sind mir Kommissare lieber, die wochenlang an einem Fall zu knacken haben, elendige Wartezeiten auf Untersuchungsergebnisse überstehen müssen usw. Da hat man dan wenigstens Zeit, die Persönlichkeit der Figuren kennenzulernen. Blödes Buch!
Rosa zu »Jeffery Deaver: Das Teufelsspiel« 17.03.2009
ich hab mir das buch als hörbuch "reingezwungen". nach ungefähr der hälfte verging mir nämlich gehörig die lust, aber da hatte ich schon soviel zeit hineininvestiert, dass ich dann auch wissen wollte wies ausgeht. hat sich aber wirklich nicht gelohnt. die handlung wirkt unheimlich konstruiert und ich hab mich ständig gefragt, warum diese und jene wendung jetzt noch notwendig war...nach so einem kracher wie dem "insektensammler" war ich hier richtig enttäuscht und auch echt genervt.
cupcake zu »Jeffery Deaver: Das Teufelsspiel« 03.03.2009
die entscheidung "das teufelsspiel" zu lesen habe ich aufgrund der beschreibung auf dem buchrücken gefällt, doch leider muss ich sagen, dass ich alles in allem sehr enttäuscht war. anhand der beschreibung hatte ich angenommen mich würde ein tiefgründiger kriminalroman erwarten, doch sowohl bei den einzelnen charakteren als auch bei der handlung hat es mir persönlich an tiefgang und spannung gefehlt, was auch durch die vielen "falschen fährten", auf denen sich die ermittler befanden so blieb.
vielleicht wäre es hier hilfreich gewesen die handlung, sowie die auflösung auf wenigen charakteren basieren zu lassen, anstatt einige hinzuzuziehn die sich im laufe der handlung als eher unwichtiger bastandteil erwiesen (beispielsweise die schulpsychologin oder der angebliche attentäter). auch lies die komplexität der charaktere zu wünschen übrig und das ende ist in meinen augen etwas zu einfach und schnulzig.
alles in allem leider eine langweilige zeitverschwendung.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
antoenchen123 zu »Jeffery Deaver: Das Teufelsspiel« 28.09.2008
Was ích an diesem Buch nicht wirklich toll fand, waren die Ultragenauen Beschreibungen des Tatorts und die ewig langen Listen, die sich im dem Buch mehrmals wiederholt, bzw. ergänzt werden. Erst die letzten 150 Seiten des Buches haben mich richtig in Spannung versetzt. Ich denke das Buch wäre auch mit 350 Seiten ausgekommen, dann wäre es meines Erachtens ausreichend gewesen und die Spannung wäre dagewesen. Trotzdem fand ich das Thema sehr spannend und würde es nochmal lesen, wenn ich vor der Entscheidung stehen würde.
Lillain zu »Jeffery Deaver: Das Teufelsspiel« 27.07.2008
Das Teufelsspiel ist das erste Buch das ich von Deaver gelesen habe und kann an alle Liebhaber der "leichten Kost" empfohlen werden. Leider wirken die Wendungen des Falls hin und wieder zu gekünstelt (was nicht heißt, das sie so im Leben nicht vorkommen könnten).

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