Des Todes dunkler Bruder von Jeff Lindsay

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2004 unter dem Titel Darkly Dreaming Dexter, deutsche Ausgabe erstmals 2005 bei Knaur.
Ort & Zeit der Handlung: USA / Florida / Miami, 1990 - 2009.

  • New York: Doubleday, 2004 unter dem Titel Darkly Dreaming Dexter. 288 Seiten.
  • München: Knaur, 2005. Übersetzt von Frauke Czwikla. ISBN: 3-426-62807-4. 349 Seiten.
  • München: Knaur, 2006. Übersetzt von Frauke Czwikla. ISBN: 978-3-426-63423-3. 349 Seiten.
  • [Hörbuch] Daun: TechniSat Digital, Radioropa Hörbuch, 2006. Gesprochen von Alexander Bandilla. ISBN: 978-3939048169. 7 CDs.

'Des Todes dunkler Bruder' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Dexter Morgan arbeitet als Spezialist für Blutanalysen bei der Polizei von Miami ? und mordet gerne. Aber seine Morde dienen einem höheren Zweck: Jedes Mal, wenn er zuschlägt, erwischt es einen ganz gewöhnlichen, brutalen Killer. Einer weniger! Doch als plötzlich ein zweiter Serienkiller auftaucht, der es ebenfalls nur auf die schlimmsten Täter abgesehen hat, gerät Dexters wohlgeordnetes Leben völlig aus den Fugen. Offensichtlich legt es der Andere darauf an, ihn herauszufordern …

Das meint Krimi-Couch.de: »Eine schwarzhumorige Glanzleistung!« 97°Treffer

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Eigentlich ist er ein Mensch, wie du und ich. Morgens geht er pünktlich zur Arbeit in sein Labor, analysiert Blutproben und treibt sich berufsbedingt an mörderischen Tatorten herum. Nur des Nachts, vor allem wenn Vollmond oder Neumond scheint, geht Dexter Morgan seiner wahren Bestimmung nach. Er tötet Killer. Killer, die es verdient haben, akribisch mit dem Skalpell zerlegt zu werden.

Dexter, das Adoptivkind einer Polizistenfamilie, musste schon früh erkennen, dass seine Neigung zu töten eine künstlerische Handlung darstellt. Gefördert von seinem Adoptivvater, der ebenfalls im Polizeidienst stand, hat er es zu wahrer handwerklicher Perfektion gebracht, was die Umsetzung seiner tödlichen Ziele betrifft.

Ein Künstler des Todes

Durch seine Schwester, die undercover bei der Sittenpolizei als Nuttenverschnitt arbeitet und doch so gerne zur Mordkommission will, gelangt er in eine Ermittlung, bei der ein Unbekannter exakt nach dem (wörtlich gemeinten) Schnittmuster arbeitet, dass auch Dexter praktiziert. Für ihn ist klar, dass er es hier mit einem Künstler des Todes zu tun hat, der ihm den Kampf angesagt hat und diesen Kampf nimmt Dexter auf.

Jeff Lindsay hat im Knaur Taschenbuch Verlag seinen Erstling »Des Todes dunkler Bruder« veröffentlicht. Der Psychothriller läuft unter der Verlagsrubrik »Thriller des Monats« und ausnahmsweise darf man diesem Attribut wirklich recht geben.

Was Jeff Lindsay hier aus der Feder geflossen ist, kann man schlichtweg als schwarzhumorige Glanzleistung bezeichnen. Bereits die Idee einen Polizeibeamten als skurrilen Serienkiller auf Ermittlung zu schicken, ist eine der makaber-witzigsten Romangrundlagen der letzten Jahre, die dazu auch noch sprachlich einwandfrei umgesetzt und von Frauke Czwikla mit dem nötigen Galgenhumor aus dem Amerikanischen übersetzt wurde.

Wunderbar karikierte Versager des mörderischen Alltags

Die Charaktere in diesem außergewöhnlichen Stoff sind schon fast überstilisiert und wunderbar karikierte Versager des mörderischen Alltags, egal ob es sich um Dexter selbst handelt, seine unglückliche Schwester oder die leitende Ermittlerin LaGuerta. Alle Personen haben ihren ganz individuell verrückten Reiz, der sich erst richtig durch Dexters gehemmten Umgang mit Weibsbildern erschließt. Köstlich witzig zu lesen, wenn Dexter sich zur Tarnung eine platonische Liebe hält, die plötzlich nicht mehr nur seinen Intellekt, sondern auch seine körperlichen Vorzüge ausprobieren möchte. Und wie der arme, dem Geschlechtlichen gar nicht zugetane, Dexter sich mit Müh und Not den Annäherungsversuchen der holden Weiblichkeit zu entziehen versucht, weil ihm der Kopf eher nach Ermittlungen im Serienmördermilieu steht, das erinnert an das Komödiantentum eines Charlie Chaplin.

Bei so viel schwarzem Humor vergisst Jeff Lindsay aber nicht auf den Fortgang der Handlung und die nötige Spannung. Obwohl der geübte Krimileser des Öfteren das Ende zu ahnen glaubt, wofür dem Erfinder des deutschen Titels von »Darkly Dreaming Dexter« eine virtuelle Schrotladung ins Gesäß gebührt, kann auch die Auflösung des Thrillers durchaus befriedigen. Wenn Publishers Weekly anmerkt: »Seit Jahren hat es kein so herausragendes Debüt gegeben wie dieses von Jeff Lindsay, der dem Serienkiller-Roman neues Leben einhaucht«, dann muss man dieser Stimme tatsächlich Recht geben.

Mit Humor und Skalpell

Für alle, die gerne ein Mal einen Krimi lesen, der aus dem üblichen Rahmen fällt, kann »Des Todes dunkler Bruder« als Lektüre wärmstens ans Herz gelegt werden. Für die unkonventionelle Idee und die sprachlich, tadellose Umsetzung mit Humor und Skalpell verdient sich Jeff Lindsay in meinen Augen eine Höchstwertung, die neugierig darauf macht, was der Autor als nächstes zu bieten hat.

Ihre Meinung zu »Jeff Lindsay: Des Todes dunkler Bruder«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

M.Reinsch zu »Jeff Lindsay: Des Todes dunkler Bruder« 22.04.2011
Puh, was für ein Buch!
Hätte nie gedacht, das ich mal sympathien für einen Serienkiller empfinden könnte!
Aber Dexter nimmt sich ja nur die "bösen Jungs" vor...
Es ist eigendlich erschreckend, mit welchem Tiefgang Lindsay das Innere seines Helden ausbreitet, manchmal habe ich mich dabei ertappt, auf meine "Innere Stimme" zu lauschen.
Thriller würde ich das Ganze nicht unbedingt nennen, da ein wirklicher Spannungsbogen erst recht spät einsetzt, aber die genauen Beschreibungen der Hauptbeteiligten (gerade mit gedanklichen Anhängen von Dexter) machen einfach Spaß zu lesen. Genau wie das eigendlich sehr ungleiche Geschwisterpaar.
Keien Frage Lindsay hat da etwas zu Papier gebracht, was man selten zu lesen bekommt. Leute mit zuvielen zarten Seiten sollten auf diesen Genuß verzichten!
85° Micha
Samoa zu »Jeff Lindsay: Des Todes dunkler Bruder« 28.12.2010
Ein psychopathischer Serienkiller, der nur die "Bösen" schlachtet. Ganz gezielt, sehr bewußt und planvoll logisch.

Das überaus Spannende hierbei ist, dass Jeff Lindsay den Leser zu jedem Zeitpunkt an den ausgiebigen und ausnehmend eigentümlichen Selbstreflexionen des Killers teilhaben läßt. Und dies in einem flapsig lakonischen Stil, mit bemerkenswertem Sprachwitz und einem stellenweise äußerst eindrucksvollen Zynismus.
Ganz wunderbar! 91°
Marv zu »Jeff Lindsay: Des Todes dunkler Bruder« 09.06.2010
Jeff Lindsays Roman ‚Des Todes dunkler Bruder‘ ist ein besonderer ‚Psychothriller‘. Neben der Tatsache, dass diesmal der Psychokiller sich bei den ‚Guten‘ befindet, habe ich selten über einen solch selbstreflexiven Killer gelesen, wie in diesem Roman. In der Ich-Form geschrieben, ergeht sich die Hauptfigur Dexter Morgan in endlosen Monologen über sein Inneleben und seine Umwelt. Beides wird empfindlich gestört, als ein weiterer Killer auf der Pirsch ist, der scheinbar ähnliche Präferenzen bei seinen Taten aufweist wie Dexter selbst.
Mit unheimlich viel Sprachwitz, Zynismus und schwarzem Humor geschrieben, dennoch nie die Handlung vergessend und mit einem Panoptikum interessanter Figuren versehen, ist ‚Des Todes dunkler Bruder‘ ein kurzweiliger Lesegenuss, der absolut zu empfehlen ist.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
green_fairy zu »Jeff Lindsay: Des Todes dunkler Bruder« 16.04.2010
Die gewählte Perspektive macht das Buch zu etwas Besonderem, der tiefschwarze Humor und seine scharfsinnigen Beobachtungen heben es über die meisten Thriller hinaus. Manche blutige Details sind ziemlich schockierend, aber ein paar Seiten später muß man schon wieder schmunzeln.
Dexter ist ein Monstrum - aber ein sympathisches. Mit dieser verwirrenden Erkenntnis wird der Leser freilich allein gelassen.

Sehr gut!
green_fairy zu »Jeff Lindsay: Des Todes dunkler Bruder« 16.04.2010
Die gewählte Perspektive macht das Buch zu etwas Besonderem, der tiefschwarze Humor und seine scharfsinnigen Beobachtungen heben es über die meisten Thriller hinaus. Manche blutige Details sind ziemlich schockierend, aber ein paar Seiten später muß man schon wieder schmunzeln.
Dexter ist ein Monstrum - aber ein sympathisches. Mit dieser verwirrenden Erkenntnis wird der Leser freilich allein gelassen.

Sehr gut!
hankhauser zu »Jeff Lindsay: Des Todes dunkler Bruder« 30.11.2009
Also ich find die Serie super. Bin auch deswegen erst auf diese Reihe gestossen und "vorgewarnt". Meine damit aber eher den Erzählstil in Monologform, ist fast besser zu sehen als zu lesen. Mit schwarzem Humor und literweise Kunstblut hab ich kein Problem. Hab allerdings das meiste schon gesehen, freu mich aber schon jetzt darauf, zu lesen wie das Original "sein Eigenleben entwickelt". Bin grad in Staffel vier, aber die Serie geht mit der Vorlage ja glaub ich nur mit dem ersten Buch konform. Also Dexter, keep on killing...aber natürlich nur bad people.
Myrla zu »Jeff Lindsay: Des Todes dunkler Bruder« 22.10.2009
Ein Blick auf die Polizeiarbeit und das Morden aus einer mal völlig neuen Sicht.

Dexter, seines Zeichen selbt für die Polizei tätig, ist ein Serienkiller der seinesgleichen jagd. Dies tut er mit sehr viel Zynismus und pechscharzem Humor. Ich liebe seine Gedanken und Sichtweisen, seine bissigen oder auch sehr lakonischen Äußerungen.

Dieser Thriller sprüht vor Sprachwitz, Situationen zum (dreckigen) Grinsen, trotz der grausamen Tode, die dort gestorben werden.

Ein Thriller der absolut anderen Art; durch die Denkart des Protagonisten, perfekt umgesetzt durch die Schreibkunst des Autors.

Begleiten sie das Raubtier auf den Pfaden seiner Gedanken und Nachforschungen, um seinesgleichen aufzuspühren. Ein wahrlich dunkles Vergnügen.
LarsLunde zu »Jeff Lindsay: Des Todes dunkler Bruder« 25.07.2009
Ich kenne nur die beiden Hörbücher - und mal davon abgesehen dass ich die Art und Weise, wie der Autor schreibt in Verbindung mit dem total positiv durchgeknallten Plot absolut geniel finde ist das Hörbuch mit einem dermaßen genialen Vorleser besetzt und umgesetzt. Fast monoton, ohne große menschliche Emotionen gelesen - das einzige Mal bisher dass ein monoton gelesener Text Spaß beim Zuhören machte. Selbst wer Hörbücher nicht gut findet, aber dieses Buch klasse fand wird daran seinen Spaß haben. Allerdings ist es nicht geeignet es im Bett zu hören - habe drei Kapitel in zwei Wochen geschafft, da ich durch die monotone Stimme tatsächlich immer nach wenigen Minuten eingeschlafen bin...
Krimi-Tina zu »Jeff Lindsay: Des Todes dunkler Bruder« 25.05.2009
An dieses Buch bin ich mit der Überzeugung herangegangen, dass ich es nicht mögen würde. Ich erwartete seitenlange weinerliche Selbstbezichtigungen und Reflexionen eines kaputten Typen.
Umso angenehmer die Überraschung. So lakonisch, sarkastisch und ungemein witzig hat sich noch nie ein Serientäter selbst präsentiert. Dexter Morgan muss man einfach mögen. Was natürlich zum Leidwesen meines SUB bedeutet, dass die anderen Bände der dunkler Dämon Serie auch noch her müssen.
Allerdings ist das Ende extrem hastig und überstürzt und lässt leider eine ganze Menge Fragen offen. Bedauerlich schwacher Schluss eines erfreulichen Buches.
Der Klappentext ist übrigens mal wieder Unfug.!
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
axelp zu »Jeff Lindsay: Des Todes dunkler Bruder« 17.03.2009
Das Buch ist leider zu 70 Prozent ein Monolog und für einen durchschnittlichen Krimileser doch schon eine harte Nuß. Ich habe mehrmals mit mir gerungen, daß ich es nicht aus der Hand lege und habe es zum Glück hinter mir gebracht. Und nicht einmal mit dem Ende wurde ich dafür belohnt.
Für einen Psychator bestimmt ein interessanter Aspekt einer zerissenen schizophrenen Gestalt, mit viel schwarzen Humor und deftigen Leichenteilen gespikt. Aber die vielen Gedankenabläufe und innere Gespräche mit sich selbst waren für mich einfach stinklangweilig.
Das konnte Herr Fitzek in seiner Therapie kürzer und interessanter fassen.
Leider habe ich auch noch den 2. Teil vorliegen.
3 von 4 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.

Dies sind nur die ersten 10 Kommentare von insgesamt 47.
» alle Kommentare anzeigen

Ihr Kommentar zu Des Todes dunkler Bruder

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: