Bretonische Verhältnisse von Jean-Luc Bannalec

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2012 bei Kiepenheuer & Witsch.
Ort & Zeit der Handlung: Frankreich / Bretagne, 2010 - heute.
Folge 1 der Georges-Dupin-Serie.

  • Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2012. ISBN: 978-3-462-04406-5. 308 Seiten.
  • [Hörbuch] Berlin: Der Audioverlag, 2012. ISBN: 3862311554. 5 CDs.

'Bretonische Verhältnisse' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Im malerischen Künstlerdorf Pont Aven wird an einem heißen Julimorgen der Besitzer des berühmtesten Hotels am Platz brutal erstochen aufgefunden. Kommissar Dupin, eingefleischter Pariser und zwangsversetzt ans Ende der Welt, übernimmt den Fall und stößt in der bretonischen Sommeridylle auf ungeahnte Abgründe …

Das meint Krimi-Couch.de: »Wein, Weib und Mord.« 65°

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Auch der Verlag Kiepenheuer & Witsch gibt einem schriftstellerischen Neuling eine Chance und lässt Jean-Luc Bannalec in Bretonische Verhältnisse den Kommissar Dupin auf über 300 Seiten ans ermittelnde Werk gehen.

Und dieser Kommissar Georges Dupin, der in der »Blauen Stadt« Concarneu residiert, ist so gar nicht erfreut, wenn er im »Admiral«, ganz am Ende der Bar, sein Frühstück einnimmt und dabei von seinem von seinem Adlatus Kadeg gestört wird. Mord zum Frühstück ist so ganz nicht nach seinem Geschmack, aber er muss nach Port Aven und das in der Hochsaison, denn der legendäre Hotelier des Central wurde im einundneunzigsten Lebensjahr Opfer eines Messerattentats.

Das Hotel Central ist eine Institution in Port Aven, haben sich hier doch scharenweise die bildnerischen Künstler der Bretagne niedergelassen und nicht selten anstatt mit Geld mit ihren Schöpfung bezahlt, von denen einige die Wände schmücken. Keiner kann sich vorstellen, wer dem alten Herrn das Lebenslicht ausgeblasen hat und alle Befragungen scheinen in die Richtung zu gehen, dass der überaus beliebte Hotelier mit Ausnahme seiner Nachkommenschaft nirgendwo angeeckt sei. Dass der Sohn und dessen Frau schon mal ein wenig von der Erbschaft genascht hätten, wird auch Dupin schnell klar, aber ein wirklich zwingendes Motiv sieht er darin nicht. Es muss noch einen anderen Grund in der Vergangenheit von Monsieur Pierre-Louis Pennec geben und der Kommissar weiß, dass er etwas übersehen hat …und nirgendwo kann man besser darüber nachdenken, als bei einem Spaziergang an den malerischen Klippen, wo auch alsbald eine weitere Leiche die Ruhe stört.

Kommissar Dupin, das ist so ein Großvatertypus, grantig, wenn er gestört wird, eigensinnig und eigenwillig in seinen Methoden und immer darauf erpicht, ein wenig um die Ecke zu denken. Dass er bei diesen Gedankenexperimenten seine Ruhe benötigt und keinesfalls gewillt ist, seine smarte Sekretärin Nolwenn und seine Helferleins Kadeg und Riwal einzuweihen, ist nur eine seiner Eigenheiten. Und was wäre das Leben im Finistère ohne hervorragendes Essen, einen kräftigen Schluck aus der Flasche und eventuell auch angenehme Damengesellschaft, die ihm bei seinen Befragungen begegnet?

Dupin, der ein Nachkomme von Kommissar Maigret sein könnte, beherrscht diesen Roman völlig. Alle anderen Personen sind nur stimmiges Beiwerk und dazu da, die nicht sonderlich originelle Handlung zu bevölkern, wobei die Spannung nur in sehr knappen Dosen an den Leser verabreicht wird. Es scheint Jean-Luc Bannalec in erster Linie darum gegangen zu sein, die Gegend touristisch so auszuschlachten, dass der Leser sofort nach der Lektüre zur Reise nach Port Aven und Umgebung aufbricht. Der Autor zaubert Bilder einer Landschaft und lässt Dupin die Highlights vorstellen, ohne allerdings dabei gänzlich zu vergessen, dass hier eigentlich ein Verbrechen aufzuklären ist.

Das macht Monsieur le Commissaire natürlich und das auf ganz althergebrachte Art durch Gespräche, Beobachtung und Nachdenken. Computer sind ein Spielzeug für die Jungen, die damit umgehen können. Dupin braucht Spaziergänge an den Hafen und die frische Luft für seine kleinen, grauen Zellen (pardon, das war wohl Hercule Poirot aus britischer Feder) . Und der Leser möchte ihn ständig begleiten, wenn der alte Kauz im nächsten Ort ins nächste Café spaziert. Denn das macht den Reiz dieses Buches aus, bei dem der Kriminalfall eher lustlos bis zur Klärung abgehandelt wird.

Monsieur Bannalec darf sich in weiteren Fällen durchaus steigern, was Spannung und Konstruktion betrifft, am Kommissar braucht er nichts zu ändern, denn den muss man einfach ins Herz schließen und da freut man sich schon auf etwas intensivere Krimikost.

Wolfgang Weninger, April 2012

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mrk zu »Jean-Luc Bannalec: Bretonische Verhältnisse« 04.08.2014
Erst dachte ich, es handle sich ganz einfach um eine lausige Übersetzung, aber dann musste ich feststellen, dass ja das Original auf Deutsch ist. Da erscheinen dann Sachen wie "Wie kommen Sie zu dieser ridikülen Annahme" oder die andauernde, irritierende Verwendung von französischen Wörtern, wo es weder notwendig noch angebracht wäre, wie im Fall von "café" (Er brauchte jetzt einen café). Die Dialoge sind hölzern und unnatürlich und tönen wie eine Niederschrift aus Columbo. Die Sprache ist allgemein holprig und der Stil ermüdend, mit der ständigen Aneinanderreihung von Hauptsätzen, die mit Kommas getrennt sind. Dazu ist die Geschichte ziemlich simpel und birgt kaum Überraschungen. (Bitte, bitte: nicht mit Hercule Poirot oder gar Maigret vergleichen; da gibt es wirklich nichts Gemeinsames!) Der einzig positive Punkt ist die Beschreibung der Örtlichkeiten; die ist dem Autor tatsächlich gelungen und macht Lust, selbst in die Bretagne zu reisen.Das ist aber leider völlig ungenügend, um so viele Vorschusslorbeeren zu rechtfertigen. Da nun ja bekannt ist, dass das Buch vom Geschäftsführer des Fischer-Verlags stammt, muss man sich schon fragen, wie weit dieses Manuskript bei seinem eigenen Verlag gekommen wäre, wenn es von einem anderen Autor eingereicht worden wäre. Persönlich bin ich überzeugt, dass es umstandslos abgewiesen worden wäre. Zudem ist anzunehmen, dass all die lobenswerten Kritiken kaum sehr objetiv sind; eine Hand wäscht die andere.
Alles in allem: recht ärgerlich; mit dem Geld könnte man ein besseres Buch kaufen.
Edith Sprunck zu »Jean-Luc Bannalec: Bretonische Verhältnisse« 29.06.2014
Diesen Krimi habe ich mir als Atempause zu den blutrünstigen, Action geladenen gegönnt und wurde diesbezüglich nicht enttäuscht.Er war ein angenehmer Spaziergang durch die französische Lebensart und herrliche bretonische Landschaft, deren Beschreibung trefflich gelungen sind. Der Kommissar, Monsieur Dupin, gleicht manch anderm in Frankreich handelnden Krimi, was m.E. aber bedingt ist durch das französische Flair, das das Buch durchweht.
Was mir missfällt, ist der Umgang des Kommissars mit seinen Untergebenen. Bei solch einem Chef hätte ich längst die Abteilung gewechselt.
Die Spannung der Handlung hielt sich für mich in bescheidenen Grenzen, was aber durch die Beschreibung des französischen savoir vivre halbwegs wett gemacht wird.
Anne Schwarm zu »Jean-Luc Bannalec: Bretonische Verhältnisse« 26.06.2014
Eigentlich mag ich geruhsame Krimis nach Art von Agatha Christie. Aber bei diesem Buch bin ich auf Seite 108 ausgestiegen, weil ich es nur langweilig fand. Bin mehrmals dabei fast eingeschlafen. Die Sprache ist sehr schlicht, oft wirkt sie hölzern. Bis auf den eher unsympathischen Kommissar werden die übrigen Charaktere kaum ausgeformt. Außer endlosen Aufzählungen, wer wann wo war und mit wem gesprochen hat, passiert eigentlich bis zu dieser Seite nichts. Die Schilderungen der Orte sind aber ganz nett zu lesen.
deginus zu »Jean-Luc Bannalec: Bretonische Verhältnisse« 10.06.2014
Dies ist wohl kaum ein Buch für den klassischen Krimi-Leser. Aber alle diejenigen, die sich nicht nur auf den mehr wie eigensinnigen Charakter des Kommissars einlassen, sondern beim lesen auch den Geruch des Meeres spüren, wird eingefangen von der Geschichte und sofort anfangen den nächsten Urlaub in die Bretter planen.
uknig zu »Jean-Luc Bannalec: Bretonische Verhältnisse« 28.05.2014
Der Kommissar ist ein ganz starker Charakter der Sorte Einzelkämpfer, dazu macht das Buch unheimlich Lust auf die Bretagne. Das sind auch die Qualitäten des Werkes, "Bretonische Verhältnisse" ist eine leichte Sommerlektüre mit einem interessanten Hauptdarsteller.
Aber die eigentliche Krimi-Geschichte hätte Bannalec doch etwas vertrackter erzählen können. Die Zahl der Verdächtigen ist sehr begrenzt, erfahrene Krimileser erkennen den Täter schnell. Aber ich fand die Geschichte nicht fad und das ist doch positiv.
CU zu »Jean-Luc Bannalec: Bretonische Verhältnisse« 09.01.2014
Auch wenn die Story keine großen Überraschungen bereit hält, dieses Buch gehört zu meinen Favoriten. Die Stimmung, die Orte und die Personen werden so intensiv beschrieben, dass ich beim Lesen häufig mit dem Kopf direkt in der Bretagne war. Das mag natürlich auch daran liegen, dass ich die Gegend gut kenne und liebe. Wer kein Verhältnis zu der Region hat, der wird dem "nackten" Krimi nicht so viel abgewinnen können.
Cervezero zu »Jean-Luc Bannalec: Bretonische Verhältnisse« 10.11.2013
Also wirklich sehr unspektakulär.spontan dachte ich an Hercule Poirot bzw. das man den Stoff sicherlich als einen Freitagsabendkrimi a la "der Alte" verfilmen könnte.Es hätte etwas mehr sein dürfen, aber so freut man sich auf den Urlaub in der Bretagne bei diesen netten Beschreibungen und kann dann dort Werke mit mehr Spannung lesen.
kjz zu »Jean-Luc Bannalec: Bretonische Verhältnisse« 07.09.2013
Mal wieder ein ganz solider klassischer Krimi, kein Thriller. Der Autor (der den Roman wahrscheinlich in deutscher Muttersprache verfasst hat (ein Übersetzer ist nirgendwo angegeben), hat die klassischen englischen Kriminalromane anscheinend genau studiert. Man könnte fast meinen, mit Commissaire Dupin käme gleich mal eben der kleine Belgier um die Ecke spaziert. Das Ganze hat der Autor dann mit sehr viel Lokalkolorit aus der Bretagne gewürzt. Die Auflösung des Falles erfolgt dann eher unspektakulär, so viele Verdächtige gab es ja auch nicht. Fazit: etwas für Leser, die die Kriminalromane von Agatha Christie lieben.
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anyways zu »Jean-Luc Bannalec: Bretonische Verhältnisse« 21.08.2013
Das kleine Dorf Pont Aven liegt in der Bretagne direkt an der südlichen Atlantikküste und lebt hauptsächlich vom Fischfang und von seiner Vergangenheit. Eine Vergangenheit die jedes Jahr Heerscharen von Touristenanlocken. Im kleinen Pont Aven hat als Erster der berühmte Maler Gauguin zeitweise gelebt und gemalt, später folgten ihm seine „Schüler“ und andere gerade aufstrebenden Impressionisten und Expressionisten.

Von dieser Geschichte lebt auch seit über hundert Jahren die Familie Pennec. Denn die Urgroßmutter beherbergte diesen später so berühmten Maler und seine Gleichgesinnten. Die Familie betreibt seit vielen Generationen ein kleines Hotel. Eines Morgens wird der derzeitige hochbetagte Enkel der Gründerin erstochen in seinem Hotelrestaurant aufgefunden. Da der zuständige Kommissar im Urlaub ist muss aus Concarneau der dortige Beamte sich zusammen mit seinen Leuten und der Polizei von Pont Aven um diesen Mordfall kümmern. Kommissar Dupin war eingefleischter Pariser bis er vor ein paar Jahren mit einigen seiner Charakterzügen den Pariser Obrigkeiten nicht mehr gefiel und in die Bretagne hochgelobt wurde. Nach anfänglichen Schwierigkeiten scheint er sich aber mit Land und Leuten ausgesöhnt zu haben. Dieser Fall ist mehr als ungewöhnlich da der Ermordete nicht nur sehr alt sondern auch sterbenskrank war. Das gibt dem sehr eigenbrötlerischem agierenden Beamten Dupin stark zu denken.

Kurz nach der Entdeckung der ersten Leiche gibt es eine zweite und Dupin gerät ziemlich unter Druck.





Meine erste Assoziation mit dem Nachnamen des Kommissar Dupins, ließ mich sofort an den Meisterdetektiv Arsen Lupin denken, nicht an Maigret. Obwohl er tritt in keine von beiden Fußstapfen. Dieser Krimi ist geprägt von Dialogen und Landschaftsbeschreibungen, wobei letztere sehr gut gelungen sind und erstere schon nach dem ersten Viertel ermüden. Es sind eine Fülle an verschiedenen Personen die wiederum mit dem Kommissar „Gespräche“ führen. Leider ähneln sich die französischen Namen derart, so dass ich leider zwischendurch immer mal den roten Faden verlor.

Die eigentliche Story ist interessant aber an der Umsetzung hapert es. Bei mir kam keine Spannung auf, eher im Gegenteil waren doch einige Dinge sehr vorhersehbar. Und zu guter Letzt muss ich auch die Figur des Ermittlers kritisieren, denn der agiert mir sehr unsympathisch. Ein Teamplayer ist er nicht eher im Gegenteil er ist nur am kritisieren seiner Kollegen und benutzt diese lediglich als Laufburschen.

Alles in allem ein solider Krimi.
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Marcel Ritzi zu »Jean-Luc Bannalec: Bretonische Verhältnisse« 16.08.2013
Ich bin riesig enttäuscht von diesem Krimi, für den eine bombastische Werbetrommel gerührt worden ist und dessen Protagonisten man mit Maigret verglichen hat. Das Buch ist einfach nur langweilig und fad und das Geld würde man lieber für eine Zwischenmahlzeit verwenden. Der Autor scheint die deutsche Sprache nicht richtig zu beherrschen. Mir erscheint der Roman wie eine schlechte Übersetzung aus dem Französischen. Ausserdem sind die Personenbeschreibungen - wo denn solche vorkommen - sehr flach. Wer nicht einschlafen kann, dem sei dieses Buch empfohlen, denn der Schlaf lässt nicht lange auf sich warten.
Ich kann nujr einges empfehlen: Finger weg von diesem ätzend langweiligen Buch.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.

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