Bretonische Verhältnisse von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2012
bei Kiepenheuer & Witsch.
Ort & Zeit der Handlung: Frankreich / Bretagne, 2010 - heute.
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Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2012.
ISBN:
978-3-462-04406-5. 308 Seiten.
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[Hörbuch] Berlin: Der Audioverlag, 2012.
ISBN:
3862311554. 5 CDs.
'Bretonische Verhältnisse' ist erschienen als
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In Kürze:
Im malerischen Künstlerdorf Pont Aven wird an einem heißen Julimorgen der Besitzer des berühmtesten Hotels am Platz brutal erstochen aufgefunden. Kommissar Dupin, eingefleischter Pariser und zwangsversetzt ans Ende der Welt, übernimmt den Fall und stößt in der bretonischen Sommeridylle auf ungeahnte Abgründe …
Und dieser Kommissar Georges Dupin, der in der »Blauen Stadt« Concarneu residiert, ist so gar nicht erfreut, wenn er im »Admiral«, ganz am Ende der Bar, sein Frühstück einnimmt und dabei von seinem von seinem Adlatus Kadeg gestört wird. Mord zum Frühstück ist so ganz nicht nach seinem Geschmack, aber er muss nach Port Aven und das in der Hochsaison, denn der legendäre Hotelier des Central wurde im einundneunzigsten Lebensjahr Opfer eines Messerattentats.
Das Hotel Central ist eine Institution in Port Aven, haben sich hier doch scharenweise die bildnerischen Künstler der Bretagne niedergelassen und nicht selten anstatt mit Geld mit ihren Schöpfung bezahlt, von denen einige die Wände schmücken. Keiner kann sich vorstellen, wer dem alten Herrn das Lebenslicht ausgeblasen hat und alle Befragungen scheinen in die Richtung zu gehen, dass der überaus beliebte Hotelier mit Ausnahme seiner Nachkommenschaft nirgendwo angeeckt sei. Dass der Sohn und dessen Frau schon mal ein wenig von der Erbschaft genascht hätten, wird auch Dupin schnell klar, aber ein wirklich zwingendes Motiv sieht er darin nicht. Es muss noch einen anderen Grund in der Vergangenheit von Monsieur Pierre-Louis Pennec geben und der Kommissar weiß, dass er etwas übersehen hat …und nirgendwo kann man besser darüber nachdenken, als bei einem Spaziergang an den malerischen Klippen, wo auch alsbald eine weitere Leiche die Ruhe stört.
Kommissar Dupin, das ist so ein Großvatertypus, grantig, wenn er gestört wird, eigensinnig und eigenwillig in seinen Methoden und immer darauf erpicht, ein wenig um die Ecke zu denken. Dass er bei diesen Gedankenexperimenten seine Ruhe benötigt und keinesfalls gewillt ist, seine smarte Sekretärin Nolwenn und seine Helferleins Kadeg und Riwal einzuweihen, ist nur eine seiner Eigenheiten. Und was wäre das Leben im Finistère ohne hervorragendes Essen, einen kräftigen Schluck aus der Flasche und eventuell auch angenehme Damengesellschaft, die ihm bei seinen Befragungen begegnet?
Dupin, der ein Nachkomme von Kommissar Maigret sein könnte, beherrscht diesen Roman völlig. Alle anderen Personen sind nur stimmiges Beiwerk und dazu da, die nicht sonderlich originelle Handlung zu bevölkern, wobei die Spannung nur in sehr knappen Dosen an den Leser verabreicht wird. Es scheint Jean-Luc Bannalec in erster Linie darum gegangen zu sein, die Gegend touristisch so auszuschlachten, dass der Leser sofort nach der Lektüre zur Reise nach Port Aven und Umgebung aufbricht. Der Autor zaubert Bilder einer Landschaft und lässt Dupin die Highlights vorstellen, ohne allerdings dabei gänzlich zu vergessen, dass hier eigentlich ein Verbrechen aufzuklären ist.
Das macht Monsieur le Commissaire natürlich und das auf ganz althergebrachte Art durch Gespräche, Beobachtung und Nachdenken. Computer sind ein Spielzeug für die Jungen, die damit umgehen können. Dupin braucht Spaziergänge an den Hafen und die frische Luft für seine kleinen, grauen Zellen (pardon, das war wohl Hercule Poirot aus britischer Feder) . Und der Leser möchte ihn ständig begleiten, wenn der alte Kauz im nächsten Ort ins nächste Café spaziert. Denn das macht den Reiz dieses Buches aus, bei dem der Kriminalfall eher lustlos bis zur Klärung abgehandelt wird.
Monsieur Bannalec darf sich in weiteren Fällen durchaus steigern, was Spannung und Konstruktion betrifft, am Kommissar braucht er nichts zu ändern, denn den muss man einfach ins Herz schließen und da freut man sich schon auf etwas intensivere Krimikost.
Wolfgang Weninger, April 2012
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