Todeskälte von Jassy Mackenzie

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2008 unter dem Titel Random Violence, deutsche Ausgabe erstmals 2009 bei Diana.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 1 der Jade-de-Jong-Serie.

  • Roggebaai: Umuzi, 2008 unter dem Titel Random Violence. 367 Seiten.
  • München: Diana, 2009. Übersetzt von Sabine Schilasky. ISBN: 978-3-453-29083-9. 367 Seiten.
  • [Hörbuch] Daun: TechniSat Digital, Radioropa Hörbuch, 2009. Gesprochen von Jürgen Holdorf. ISBN: 3836805359. 9 CDs.

'Todeskälte' ist erschienen als Hardcover Hörbuch

In Kürze:

Johannesburg bei Nacht ist gefährlich. Das weiß auch Annette Botha, die in der Dunkelheit vor ihrem Grundstück ein fremdes Auto erkennt. Doch auch ihre Hunde hinter dem Tor können das Schlimmste nicht verhindern: Wenige Augenblicke später wird sie aus nächster Nähe erschossen. Als Jade de Jong und David Patel, ihr Kollege bei der Polizei, die Ermittlungen aufnehmen zeigt sich, dass Annette Botha einen Privatdetektiv engagiert hatte. Ließ sie ihren eigenen Mörder beschatten, ohne es zu ahnen? Und gibt es eine Verbindung zu einem ähnlichen Verbrechen an einer jungen Frau, die ebenso kaltblütig vor ihrem Haus ermordet wurde? Eine atemlose Suche nach Antworten beginnt, die gefährlich weit in Jades eigene dunkle Vergangenheit zurückreicht. Und sie geschieht im Wettlauf mit der Zeit: Der Täter bereitet sein Finale vor, und diesmal gerät Jade ins Visier…

Das meint Krimi-Couch.de: »Strafe« 75°

Krimi-Rezension von Wolfgang Franßen

Nur so zum Spaß wird Farm Boy mit seinen eigenen Kleidungsstücken geknebelt, auf die Motorhaube des Trucks gebunden und durch dichtes Gestrüpp gefahren, damit die Dornen seine Haut aufreißen. Was als Strafe gedacht war, endet tödlich. Ein Ast dringt durchs Zwerchfell direkt in die Lungen ein. Und was macht man mit einer solchen Leiche? Man überlässt sie den kleineren Raubtieren und übernimmt nach der Entlassung aus der Armee die Farm der am Boden zerstörten Familie. Südafrika in den Siebzigern. Ein zufälliger Mord kann eine ausgezeichnete Investition sein.

Jassy Mackenzie entführt uns nach Johannesburg und jeder weiß nicht erst seit Kap der Finsternis von Roger Smith, in Südafrika da herrscht Mord und Totschlag an der Tagesordnung. Hier wiegt der schwere Schatten der Apartheid über einem Land, das vorgibt, längst in seine Zukunft aufgebrochen zu sein. Verdrängte Schuld wandelt sich in neues Verbrechen. Und so wird gleich am Anfang in »Todeskälte« eine Frau vor ihrem Haus erschossen. Scheinbar sinnlos.

Die in Rhodesien geborene Jassy Mackenzie entstammt einer Familie, in der die Mutter selber Shortstorys schrieb. Seit ihrem achten Lebensjahr lebt sie in Südafrika. Sie zeichnet in ihrem erster auf Deutsch erschienener Thriller Schicksale nach, indem sie wie bei einem Patchwork, ihre Geschichte allmählich zusammensetzt, in Erinnerungsfetzen verstreut, die wie durch Scheinwerferlicht kurzzeitig erhellt werden. Während die Privatdetektivin Jade de Jong dabei ist ihren Fall aufzuklären, schlägt sie nach Jahren der Abwesenheit mit den Verfehlungen ihrer eigenen Vergangenheit herum. Von Anfang an befällt den Leser dieses Whodunnit eine dunkle Ahnung, dass auch sie einen Schatten mit sich herumträgt.

Landesweites Borderline

Da gab es den Vater einen ehrenvollen Polizisten, der dabei war, einen Skandal im eigenen Lager ans Tageslicht zu zerren, und bei einem Unfall vor den Augen der Tochter ermordet wurde. Da gibt’s es Robbie, der ein unter Drogen gesetztes Mädchen rächen will und dem Jade zur Hilfe eilen muss, damit ihm einen Drogenhändler nicht in den Rücken schießt. Und da gibt es die Viljoen-Brüder, rechtsextreme Bauern, die sich nach dem Diebstahl von Geräten Luft verschaffen, indem sie einen ihrer Arbeiter den Krokodilen zum Fraß vorwerfen. Einer von ihnen wird das Gefängnis überleben. Auf dessen Freilassung wartet Jade de Jong.

In Mackenzies Südafrika ist niemand frei von Schuld. Die Frage lautet nur: Hat er sich zufällig schuldig gemacht, ist er in etwas Übles hineingerutscht oder ein verkommenes Subjekt, das gerichtet werden muss. Die Leute sind korrupt, Verbrechen werden vertuscht, der ein oder andere fühlt sich zur Selbstjustiz berufen. Ruhig, beinah unspektakulär vermischt Jassy Mackenzie das Heute mit dem Damals. Sie bietet allerdings niemandem die Gelegenheit zu behaupten: Es ist heute nur so schlimm, weil es damals noch schlimmer war.

Mackenzies Suspense entspringt den Biographien weniger einer linearen Steigerung. Ihr Thriller raubt einem nicht den Atem. Auch wenn die Grausamkeit der Menschenverachtung erschreckend ist. Ein solide gebaute Handlung, deren Reiz darin besteht, dass sich die Helden wie durch den Hintergarten der Hölle bewegen.

Verloren, in dem Glauben, ihr Schicksal in den eigenen Händen zu halten. Mit der Zuversicht ausgestattet, diesem Land seine Würde zurückzugeben, indem die Wurzeln von Hass und Verzweiflung ausgerissen werden.

Wolfgang Franßen, November 2009

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