Blutrote Nacht von Jarad Henry

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2008 unter dem Titel Blood Sunset, deutsche Ausgabe erstmals 2010 bei Aufbau.

  • Crows Nest, N.S.W. : Allen & Unwin, 2008 unter dem Titel Blood Sunset. 391 Seiten.
  • Berlin: Aufbau, 2010. Übersetzt von Ursula Walther. ISBN: 978-3-7466-2572-0. 391 Seiten.

'Blutrote Nacht' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Detective Rubens McCauley kennt St. Kilda, Szene-Vorort von Melbourne, wie seine Westentasche. Als ein toter Junge neben einer Spritze gefunden wird, scheint der Fall klar – ein Drogentoter. Doch Rubens fallen Ungereimtheiten auf. Wo ist das Handy des Toten? Wo die Verpackung der Spritze? Als er Nachforschungen anstellt, begreift er, dass der Tote kein Junkie war, sondern eine Erpressung plante. Wenig später wird der nächste tote Junge gefunden.

Das meint Krimi-Couch.de: »Umständliches und stilisitisch armseliges Konstrukt aus Down Under« 20°

Krimi-Rezension von Georg Patzer

Dass ein Verlag nicht weiß, das wievielte Buch ihres Autors sie herausbringen, lässt nicht auf viel Gutes hoffen. Leider wird man nicht enttäuscht. Jarad Henrys Blutrote Nacht ist Dutzendware, in vielen Teilen leidlich gut geschrieben und eigentlich nicht weiter erwähnenswert. Weder von der Story noch von den Personen oder gar der Sprache. Schade, denn Australien hat mehr zu bieten…

 Die Story: Detective Rubens McCauley ist angeschossen worden und kehrt zum Dienst zurück. Er wird zu einem jungen Drogentoten gerufen und lässt sich von seinem Kollegen dazu überreden, ihn auch so »abzuheften«, auch wenn ihm einige Ungereimtheiten auffallen. Etwas später besinnt er sich anders und setzt sich damit gehörig in die Nesseln: Sein Kollege will es unter den Tisch kehren, sein Chef macht ihm Ärger und droht ihm mit der Aufsicht und mehr oder weniger mit dem Rauswurf. Aber wie das in Krimis immer wieder so ist, die Einzelgänger, die sich der Moral verschrieben haben, siegen am Ende.

 Henrys Geschichte führt ins Drogenmilieu, in der die Abhängigen versuchen, mit Beschaffungskriminalität zu überleben, ein guter Sozialarbeiter sorgt für sie, aber natürlich rutschen sie trotzdem meist wieder ab. Außer dem toten Junkie. Eigentlich war er längst clean, kümmerte sich um seine kleine Tochter, die er aus der Familie holen wollte. Schnell führt uns Jarad Henry weiter in die Kinderpornoszene, in die der Tote verwickelt war, schnell gibt es einen weiteren Toten, der McCauley helfen wollte.

 So munter und flott wie die Geschichte weitergeht und uns einen knorrigen, aber doch sensiblen Detective zeigen will, der natürlich auch noch Probleme mit seiner Frau Ella hat, die natürlich später auch noch vom Killer bedroht wird, so flott ist auch die Sprache, um nicht zu sagen: so platt. Es gibt kaum Nuancen, die neben den pseudo-psychologischen Plattitüden die Personen auch mal etwas feiner zeichnen, die das Innenleben des Ich-Erzählers lebendig, die Umwelt plastisch machen würde. Nein, auch sprachlich wird man leider nicht positiv enttäuscht: Da »würde man staunen, wenn man die Häuser und Familien sehen könnte, in die wir nach einem Drogenmissbrauch gerufen wurden.« (Würde man das? Wohl kaum.) Da sieht McCauley einen Junkie und denkt wie ein moralinsaurer Leitartikel: »Er war vielleicht fünfzehn oder sechzehn Jahre alt, sah jedoch wesentlich älter aus. Das bewirkt das Heroin. Es brennt die Kids aus und stiehlt ihnen die Jugend.« Da ist er hölzern und gestelzt, als er seine Frau sieht, die sich die Haare gefärbt hat: »Am liebsten hätte ich ihr gesagt, wie schön sie war, entschied mich jedoch dagegen.« In einer anderen Szene beginnt er, sich ihr zu öffnen. Aber wie er das erzählt, da versteht man, dass die Frau mit so einem Klotz nichts mehr zu tun haben wollte: »Aufrichtige Besorgnis zeichnete ihr Gesicht, und ich hatte das Gefühl, dass sie nicht vorhatte, mich zu verurteilen. Sie wollte mich verstehen. Mir wurde bewusst, dass dieser Moment für unsere Zukunft notwendig war, und ich traf eine Entscheidung. Ich würde ihr alles erzählen.«

 Es geht wohl kaum umständlicher, gefühlsärmer und stilistisch armseliger. Es gibt einige solcher Szenen, in denen Henry versucht, eine menschliche Note hineinzubringen, aber sie misslingen meist gründlich. Henry hat keine Sprache (oder einen besonders schlechten Übersetzer), mit der er irgendwas Subtiles schildern könnte. Und so gleiten auch die Horrornachrichten von Kinderpornografie und sexuellem Missbrauch in der Familie, die er erzählen will, am Leser ab.

Georg Patzer, März 2010

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