The Dry von Jane Harper

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2016 unter dem Titel The Dry, deutsche Ausgabe erstmals 2016 bei Rowohlt Polaris.

  • Melbourne: Flatiron Books, 2016 unter dem Titel The Dry. 384 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Polaris, 2016. Übersetzt von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann. ISBN: 978-3-499-29026-8. 384 Seiten.
  • [Hörbuch] Berlin: Argon, 2016. Gesprochen von Götz Otto. gekürzte Ausgabe. 384 CDs.

'The Dry' ist erschienen als TaschenbuchHörbuchE-Book

In Kürze:

Die schlimmste Dürre seit Jahrzehnten lastet wie heißes Blei auf dem ländlichen Städtchen Kiewarra mitten im Nirgendwo. Das Vieh der Farmer stirbt, die Menschen fürchten um ihre Existenz.
Als Luke Hadler, seine Frau und ihr Sohn Billy erschossen aufgefunden werden, glauben alle, dass der Farmer durchgedreht ist und erweiterten Suizid begangen hat. Aber Sergeant Raco hat seine Zweifel.
Aaron Falk kehrt nach zwanzig Jahren zum ersten Mal nach Kiewarra zurück – zur Beerdigung seines Jugendfreundes Luke. Bald brechen alte Wunden wieder auf; das Misstrauen wirft seine langen Schatten auf die Kleinstadt. Und in der Hitze steigt der Druck immer mehr …

Das meint Krimi-Couch.de: »Bald kommt der Regen« 84°

Krimi-Rezension von Jürgen Priester

Irgendwo im Nirgendwo Australiens – es könnte aber auch ein anderer Erdteil sein – liegt das fiktive Städtchen Niewarra in einer klimatisch gemäßigten Region, in der die Menschen hauptsächlich in der Landwirtschaft ein bescheidenes, aber ausreichendes Auskommen finden. Existentiell für die Farmer sind ergiebige Regenfälle im Frühling und Frühsommmer, doch diese bleiben in den letzten Jahren aus. »Bald kommt der Regen« – mit diesem Mantra machen sich die Einwohner Kiewarras gegenseitig Hoffnung. Doch die Meteorologen gehen davon aus, dass der Regenmangel aufgrund der Veränderungen der Großwetterlage auf der Südhalbkugel (El Niño) ein Dauerzustand sein wird. Schon jetzt drücken die Dürre und die extremen Temperaturen den Menschen aufs Gemüt. So manch einer sieht seine Existenz, seine Zukunft bedroht. So hält sich die Verwunderung der Bevölkerung in Grenzen, als eines Tages eine Farmerfamilie erschossen aufgefunden wird. Die Indizienlage lässt auf einen erweiterten Selbstmord durch den Vater schließen, Verzweiflung als Motiv scheint allgemein naheliegend.

Aaron Falk, ein Kriminalbeamter aus Melbourne ist zur Beerdigung der Familie Hadler eingeladen. Falk hatte seine Kindheit und Jugendzeit in Kiewarra verbracht und war eng mit Luke Hadler befreundet gewesen. Vor zwanzig Jahren hatten Aaron und sein Vater den Ort verlassen (müssen) und waren nach Melbourne gezogen, nachdem beide mit dem ungeklärten Tod eines Mädchens (einer guten Freundin von Aaron und Luke) in Verbindung gebracht wurden.

Selbst jetzt nach so langer Zeit spürt Aaron auf der Trauerfeier die misstrauischen Blicke der Alteingesessenen. Er wäre am liebsten sofort nach der Beisetzung abgereist, doch Lukes Vater bittet ihn, die Umstände der Familientragödie noch einmal zu untersuchen, weil ihm die Morde und der Selbstmord seines Sohnes unerklärlich sind. Aaron wendet sich an Sergeant Raco, einem unerfahrenen, aber engagierten Beamten der örtlichen Polizei, um den mutmaßlichen Selbstmord minutiös zu rekonstruieren.

Die neuerlichen Untersuchungen stoßen auf wenig Verständnis. Die Befragten reagieren ablehnend oder gereizt und Aarons fragwürdige Vergangenheit erweist sich zunehmend als Hemmschuh. Luke und er hatten sich damals gegenseitig ein Alibi gegeben, obwohl sie jeweils allein waren, als ihre Freundin im nahegelegenen Fluss umkam. Der alte Fall wurde nie gelöst und Luke gehörte auch zu den Verdächtigen. Deshalb können die heutigen Ermittler nicht ausschließen, dass der Mord an den Hadlers ein Akt der Vergeltung war, denn eine neue Beweislage lässt auch die Täterschaft Dritter zu.

The Dry – Die Dürre ist Jane Harpers erster Kriminalroman und er ist äußerst spannend, obwohl er einem oft verwendeten Strickmuster folgt: Mann oder Frau kehrt nach Jahren wieder in die alte Heimat zurück, dort ist aktuell etwas Schreckliches passiert, was in Verbindung mit Ereignissen aus der Vergangenheit steht. Tausendmal gelesen und dennoch kann diese Konstruktion immer wieder fesseln.

Die Autorin entwickelt mit einfachen stilistischen Mitteln einen unwiderstehlichen Plot, der einerseits atmosphärisch an die großen Südstaaten-Thriller amerikanischer Machart erinnert, andrerseits im klassisch englischen Whodunit wurzelt. Jane Harper ist eine junge Autorin, die man sich merken sollte.

Jürgen Priester, November 2016

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c-bird zu »Jane Harper: The Dry« 02.01.2017
Ein sensationelles Debüt, das einen sofort mitreißt!

Australien erlebt eine Dürre wie schon lang nicht mehr. In dem kleinen Städtchen Kiewarra fürchten die Menschen um ihre Existenz, da wegen der Trockenheit das Vieh stirbt. Da werden der Farmer Luke Hadler, seine Frau Karen und ihr Sohn Billy erschossen aufgefunden. Nur das Baby der Hadlers überlebt. Eine Verzweiflungstat? Sergeant Raco, der gerade erst seinen Dienst in Kiewarra angetreten hat glaubt nicht an einen erweiterten Selbstmord, zu viele Ungereimtheiten widersprechen dieser These.
Auch Aaron Falk, Polizist bei der Steuerfahndung der Polizei in Melbourne kehrt nach 20 Jahren zur Beerdigung seines Jugendfreundes Luke zurück nach Kiewarra. Doch die Bewohner der Kleinstadt stehen ihm feindlich gegenüber. Sie sehen in ihm immer noch den Schuldigen für ein Ereignis vor 20 Jahren…

Mit „The Dry“ legt die Journalistin Jane Harper ihr Debüt vor. Und was für eins! Schon nach wenigen Seiten ist man mitten in der Geschichte drin. Und dann ist man so gefesselt von der Geschichte, dass sie einen nicht mehr loslässt. Schließlich gilt es gleich zwei Fälle aufzuklären: der mysteriöse Tod der Hadlers und das Ereignis vor 20 Jahren. Die Atmosphäre ist sehr dicht und es knistert nur so vor Spannung. Die Zahl der Figuren ist übersichtlich und die Charaktere festigen sich schnell. Hauptprotagonist ist der sympathische Aaron Falk, der auf die Bewohner wie ein Eindringling wirkt, obwohl er aus Kiewarra stammt. Er wirkt eher wie ein Außenseiter, ebenso wie der gleichfalls sympathische Sergeant Raco, der auch erst neu in der Stadt ist.

Der Erzählstil ist richtig gut und die Handlung spannend aufgebaut. Stück für Stück erfährt in kursiv gehaltenen Teilen über das Ereignis aus der Vergangenheit. Jeder der Charaktere, die übrigens sehr authentisch wirkten, hat seine Rolle in der Handlung und so fügen sich zum Schluss die einzelnen Fakten wie Puzzleteile zu einem großen Ganzen. Der Schluss ist stimmig und lässt keine Fragen offen.

Mich hat das Buch absolut überzeugt und ich hoffe auf weitere Werke von der Autorin.
Frank Buschmann zu »Jane Harper: The Dry« 08.11.2016
Ein Klasseroman, der ganz auf Atmosphäre setzt statt auf Leichenfledderei. Wohltuend anders als das meiste, was man heutzutage sonst zu lesen bekommt. Die australische Kleinstadt, die Bewohner, ihre Konflikte und dazu die heiße Dürre kommen zum Greifen nahe. Hoffentlich nicht das letzte Buch dieser Autorin!
leseratte1310 zu »Jane Harper: The Dry« 07.11.2016
Aaron Falk, ein Polizist aus Melbourne, kommt zur Beerdigung seines Jugendfreundes Luke Hadler nach zwanzig Jahren zurück nach Kiewarra. Weil die Farm seine Existenz nicht mehr sichern konnte, soll Luke erst seine Frau und seinen Sohn und dann sich selbst erschossen haben. Doch das Baby hat überlebt. Der zuständige Polizist, Sergeant Raco, glaubt aufgrund von Unstimmigkeiten nicht so recht an einen Suizid. Raco und Aaron machen sich an die Ermittlungen. Doch die Bewohner von Kiewarra haben nicht vergessen, was vor zwanzig Jahren geschah, als Aaron verdächtigt wurde, seine Freundin ermordet zu haben und deshalb mit seinem Vater den Ort verließ. Jetzt schlägt ihm Misstrauen und Hass entgegen.
Es ist heiß in Kiewarra, sehr heiß. Überall ist Dürre. Es gibt kaum noch Wasser und die Farmer wissen nicht, wie sie ihr Vieh durchbringen sollen. Die langanhaltende Dürre sorgt dafür, dass Existenzen bedroht sind. Das heizt die aufgebrachten Gemüter zusätzlich an. Der Mord an der16jährigen Ellies ist immer noch nicht aufgeklärt und es scheint, als würde der Tod von Luke und seiner Familie mit den Vorfällen der Vergangenheit zusammenhängen.
Mir hat der unaufgeregte Erzählstil gut gefallen. Die Geschichte ist spannend. Allerdings gibt es hin und wieder Passagen, die etwas langatmig sind. Immer wieder gibt es Rückblicke in die Vergangenheit, die einem die Charaktere und die Beziehungen untereinander näher bringen.
Die Anzahl der beteiligen Personen ist überschaubar, und die Charaktere sind facettenreich und authentisch dargestellt. Aaron ist sympathisch. Er wird durch die Umstände gezwungen, sich mit seiner Vergangenheit auseinander zu setzen. Auch Raco ist sympathisch. Er ist noch neu in der Stadt und unbeleckt von den Dingen der Vergangenheit und von den Vorurteilen. Zusammen bilden die beiden ein gutes Team.
Auch wenn zu vermuten war, dass Die Geschichte mit der Familie Hadler etwas zu tun hat mit dem Mord an Ellies, so konnte ich diese Zusammenhänge dennoch lange nicht erkennen. Doch am Ende klärt sich alles schlüssig auf.
Ein Thriller ist das Buch meiner Meinung nach nicht, aber die Geschichte hat mich vollends überzeugt. Die Atmosphäre in dem kleinen Ort in einer unwirklichen Gegend kam für mich sehr gut rüber.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich kann es nur empfehlen.
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