Die Sterntaler-Verschwörung von Jan Seghers

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2014 bei Kindler.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland; Hessen, 2010 - heute.
Folge 5 der Robert-Marthaler-Serie.

  • Reinbek bei Hamburg: Kindler, 2014. ISBN: 978-3-463-40315-1. 496 Seiten.
  • [Hörbuch] Berlin: Argon, 2014. Gesprochen von Matthias Koeberlin. ISBN: 3839813565. 6 CDs.

'Die Sterntaler-Verschwörung' ist erschienen als Hardcover HörbuchE-Book

In Kürze:

Schwarzenfels in Osthessen, ein kleiner Ort im Morgengrauen. Süleyman, ein junger Streuner, sieht, wie ein Motorad von der Fahrbahn abkommt und in einer dunklen Senke verschwindet. Als der junge Mann die Taschen des toten Fahrers plündert, findet er einen Umschlag mit Fotos. Fotos, die es nicht geben dürfte. Süleyman wittert seine Chance, an Geld zu kommen. Bald begreift er, dass er sich damit auf Gegner eingelassen hat, die vor nichts zurückschrecken. Die Jagd beginnt; Süleyman muss fliehen. Zur selben Zeit in der Nähe des Frankfurter Zoos. In einem Hotelzimmer wird die Leiche einer Frau entdeckt. Man hat ihr mitten ins Gesicht geschossen. Kommissar Marthaler findet heraus, dass es sich bei dem Opfer um eine bekannte Journalistin handelt. Eine Journalistin, die einer Verschwörung auf der Spur war: der Sterntaler-Verschwörung. Der fünfte Fall mit Kommissar Marthaler spielt im Jahr 2008. Die Landtagswahlen in Hessen enden mit einem Patt. Der Ausbau des Frankfurter Flughafens steht auf dem Spiel – eines der größten Bauprojekte der Nachkriegszeit. Wo es um so viel Geld geht, ist das Verbrechen nicht weit …

Das meint Krimi-Couch.de: »Bullen und Politiker – eine unheilige Allianz« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Süleyman, ein Callboy mit zweifelhafter Reputation, beobachtet einen Verkehrsunfall, nimmt einen Umschlag mit pornografischen Bildern an sich – und gerät unversehens in eine verdeckte Operation von Polizeibeamten des Landeskriminalamts. Derweil wird in der hessischen Staatskanzlei die politische Lage nach der für die Christdemokraten verlorenen Wahl analysiert und über Gegenmaßnahmen vielfältiger Art nachgedacht. Kommissar Robert Marthaler wird von einer Freundin, der Journalistin Anna, gebeten, ihr bei der Suche nach einer verschwundenen Kollegin zu helfen. Herlinde Scherer war offenbar einer größeren Geschichte auf der Spur, und meldet sich nun nicht mehr. Marthaler findet ihre Leiche in einem Hotelzimmer, wird aber vom LKA-Beamten Rotteck umgehend des Feldes verwiesen. Dieses rüde Eingreifen weckt Marthalers Misstrauen, und so ermittelt er auf eigene Faust weiter. Dabei lernt er, dass es Interessengruppen gibt, die vor kaltblütigem Mord nicht zurückschrecken, wenn es um ihre wirtschaftlichen und politischen Interessen geht.

Mischung aus Polit-Thriller und klassischem Krimi

Jan Seghers – hinter dem Pseudonym verbirgt sich der Journalist Matthias Altenburg – hat hier einen rasanten Roman vorgelegt, der eine Mischung aus Polit-Thriller und klassischem Krimi ist. Dieser Mix ist dabei überaus gut gelungen, denn die Hintergründe der Geschichte sind – wie ich es von einem Journalisten-Kollegen nicht anders erwarte – glänzend recherchiert und im Roman überaus lesenswert umgesetzt. Die Akteure aus der hessischen Landespolitik bekommen hier natürlich andere Namen, aber sie sind für den Beobachter dennoch klar zu identifizieren. Die von Seghers so genannte »Sterntaler-Verschwörung« hat ihren Ursprung in der Hessischen Staatskanzlei. 2008 gab es für Roland Koch und die hessische CDU eine deftige Niederlage, sie verloren ihre Regierungsmehrheit. Im Roman heißt der Ministerpräsident Rolf-Peter Becker – die geschilderte politische Situation entspricht exakt der Wirklichkeit. SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti, die von Jan Seghers im Buch Sabine Xanthopoulos genannt wird, wollte damals ihr mehrfach wiederholtes Wahlversprechen brechen und sich mit den Stimmen der Linkspartei zur hessischen Ministerpräsidentin wählen lassen.

Der Unterschied zwischen Polizist und Bulle

Becker wird als eher hilf- und orientierungslos beschrieben, der Plan für die Rückeroberung der Macht wird daher vom Regierungssprecher Udo Klotz – in der Realität hieß der Mann Dirk Metz – geschmiedet. Involviert und führend bei der Umsetzung ist LKA-Beamter Axel Rotteck, den der Leser gleich zu Beginn des Buchs als üblen Zeitgenossen kennen lernt. Rotteck verkörpert den Unterschied zwischen Polizist und Bulle, was von Seghers differenziert beschrieben wird. Für das Mordopfer gibt es offenbar zwei Vorbilder – hier hat der Autor eine Mischung aus der Fotografin Herlinde Koelbl und der Reporterin Marie-Luise Scherer hergestellt. Die Kunst-Person Herlinde Scherer wird getötet, weil sie der Sterntaler-Verschwörung bei ihren investigativen Recherchen auf die Spur gekommen ist.

Kurzweiliges und spannendes Lesevergnügen

Um nicht zu viel zu verraten sei hier nur gesagt, dass Seghers meisterhaft etliche Handlungsfäden beginnt, und der Leser im ersten Drittel des Romans nicht wirklich gut erkennen kann, wie das alles zusammen hängt. Der Autor ist ein guter Geschichtenerzähler, sein Stil fesselnd, die Sprache angemessen, und die Dialoge ausgefeilt. Man hat es hier weder mit einem normalen Krimi, noch mit einem reinen Polit-Thriller zu tun. Vielmehr hat Jan Seghers eine Mischform geschaffen – und verpackt darin viel gesellschaftliche Analyse und auch Kritik. Die Handlung ist natürlich frei erfunden, aber die Anspielungen sind derart deutlich, dass es wirklich nicht zu übersehen ist, was der Autor hier aussagen will. Die Sterntaler-Verschwörung ist ein kurzweiliges und spannendes Lesevergnügen, dass man in aller Ruhe und möglichst ohne Unterbrechungen genießen sollte.

Andreas Kurth, Februar 2015

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Troy zu »Jan Seghers: Die Sterntaler-Verschwörung« 14.09.2016
Ein brauchbarer Reiseführer quer durch die Stadt Frankfurt mit schönen Tipps, wo man gut essen, trinken oder übernachten kann. Auch das Umland wird reichlich bedacht, sogar mit der passenden Autobahnausfahrt. Aber eigentlich wollte ich einen Krimi lesen… Schön, Jan Seghers kennt sich aus in Frankfurt. Ich nun auch. Hätte man das fast schon touristisch anmutende Lokalkolorit weggelassen, wäre ein annehmbarer Krimi übriggeblieben. So fließt die Handlung etwas zäh dahin, Hauptkommissar Marthaler dümpelt in einer Beziehungskrise und mutiert zum rumkommandierenden Misanthropen, während der Mordfall eher von seinen Kollegen, bzw. seiner Sekretärin gelöst wird. Der Anfang ist eigentlich vielversprechend, die politischen Verwicklungen auch für weniger politisch interessierte gut nachvollziehbar, man erinnert sich an die „Vorbilder“ für die Figuren, auch wenn die Personen zum Teil sehr schablonenhaft rüberkommen. Aber gegen Ende werden die Fäden, die der Autor gesponnen hat, mehr und mehr zu Drähten, die nur noch eine Kneifzange mühsam zu einer sehr konstruierten Auflösung zurechtbiegen kann. Schade, die Vorgänger haben mir deutlich besser gefallen.
Lille zu »Jan Seghers: Die Sterntaler-Verschwörung« 15.06.2015
Ich fühlte mich sehr gut unterhalten. Politische Intrigen, wirtschaftliche Interessen, sorgfältig recherchiert, eine glaubwürdige Krimihandlung, dichte Charakterbeschreibungen, Action und das alles in einer präzise, klugen Sprache... rundherum empfehlenswert.
Die Grenze von Realität und Fiktion waren für mich nicht deutlich auszuloten. Von daher wundert, dass keine einstweiligen Verfügungen
gegen das Erscheinen dieses Buches erwirkt wurden. Vielen Dank, Herr Altenburg/Seghers für Ihren Mut und Ihre Sorgfalt und für großes Lesevergnügen!
manni zu »Jan Seghers: Die Sterntaler-Verschwörung« 24.02.2015
Klasse Polit Krimi, spannend erzählt und absolut glaubwürdig. Um die Entwicklung von Seghers Hauptpersonal zu verstehen (und zu geniessen! sollte man schon die Serie in Reihenfolge gelesen haben. Jan Seghers ist für mich einer der aktuell interessantesten deutschsprachigen Krimiautoren, die Serie ein Lesevergnügen pur, ruhig erzählt, unaufgeregt, aber ich bin immer neugierig wie es denn weitergeht. Lesenswert ! 80°
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