Im Winter der Löwen von Jan Costin Wagner

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2009 bei Eichborn.
Ort & Zeit der Handlung: Skandinavien / Finnland / Turku, 1990 - 2009.
Folge 3 der Kimmo-Joentaa-Serie.

  • Frankfurt: Eichborn, 2009. 288 Seiten.
  • München: Goldmann, 2011. 283 Seiten.
  • [Hörbuch] Frankfurt am Main: Lido, 2009. Gesprochen von Matthias Brandt. gekürzt. ISBN: 3-8218-6307-2. 5 CDs.

'Im Winter der Löwen' ist erschienen als Hörbuch

In Kürze:

Einer bricht die Regeln im Spiel der Medien mit Leben und Tod Atemberaubend, verstörend, brisant: der neue Kimmo-Joentaa-Roman von Jan Costin Wagner, dem »Hohepriester der Kälte« (Die Welt) und »Meister der Spannung« (Brigitte) Wie jedes Jahr seit dem Tod seiner Frau rüstet sich Kimmo Joentaa für die Einsamkeit der finnischen Weihnachtstage mit einem Glas Milch und einer Flasche Wodka. Aber es kommt anders. Erst steht Larissa vor der Tür, eine schmale, strohblonde Prostituierte, die sich kurzerhand bei ihm einquartiert und auch sonst genau weiß, was sie will. Dann wird ein langjähriger Kollege, ein Gerichtsmediziner, erstochen aufgefunden. Als wenig später Finnlands berühmtester Talkmaster, Kai-Petteri Hämäläinen, einem Anschlag nur knapp entkommt, stoßen die Ermittler auf eine rätselhafte Verbindung: Der Gerichtsmediziner war einige Wochen vor seinem Tod Gast in Hämäläinens Show. Kimmo Joentaa beginnt, über die verschiedenen Gesichter des Todes nachzudenken. Und über die Frage, warum eine Talkshow, die für das Millionenpublikum an den Bildschirmen nichts weiter war als gute Unterhaltung, in einem Zuschauer die Wut auslöst, die ihn zum Mörder macht. Der Moderator plant unterdessen medienwirksam seine Rückkehr auf die große Bühne – und der Täter lauert auf seine zweite Chance …

Das meint Krimi-Couch.de: »Der Kommissar mit den abwegigen Ideen« 80°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: Ein deutscher Autor feiert internationale Erfolge mit Kriminalromanen, die in Finnland spielen. Marlowe-Preis, Deutscher Krimipreis, Verfilmung, Nominierung für den L.A. Times Book Prize, Übersetzung in vierzehn Sprachen. Eine stolze Liste für die bislang 3 Romane um den jungen Kommissar Kimmo Joentaa und umso beeindruckender, wenn man bedenkt dass der Autor Jahrgang 1972 ist und aussieht wie der Drummer von irgendeiner finnischen Rockband. Und wenn man dann in der Vita des Autors Jan Costin Wagner liest, dass Finnland seine Wahlheimat ist, dann erklärt sich auch, warum seine Romane dort spielen.

Kimmo Joentaa, das ist ein junger und viel zu früh verwitweter Kommissar der Polizei in Turku. Seit dem Krebstod seiner Frau Sanna irrt er einsam, traurig und ein wenig ziellos durch die Zeit, die zwischen Feierabend und Arbeitsbeginn am nächsten morgen liegt. Und er ist ein Kommissar, der sehr gerne auf sein Bauchgefühl hört und dem Ideen kommen, die keiner seiner Kollegen hätten vorbringen können.

»Warum sollten wir das machen?« – »Ich weiß es nicht.«

Am ersten Weihnachtstag wird die von Messerstichen übersäte Leiche des Gerichtsmediziners von Turku gefunden. Tatverdächtige, Motive – unklar. Am zweiten Weihnachtsfeiertag wird die ebenso zerstochene Leiche eines Puppenbauers in Helsinki gefunden. Tatverdächtige, Motive – unklar. Aber Joentaa findet eine Verbindung zwischen den beiden Toten. Knapp sechs Wochen zuvor saßen beide in der Talkshow des finnischen J.B. Kerners, einem Mann namens Kai-Petteri Hämäläinen und redeten in heiterer, aufgelockerter Umgebung über das »Gesicht des Todes«. Der Puppenbauer hatte drei von ihm gebaute menschengroße Puppen mitgebracht, die in Filmen tödlich verunglückte Menschen darstellten. Ein harmloses Interview – scheinbar.

Nur einen Tag nach Weihnachten wird auf Hämäläinen ein Anschlag ausgeübt, den der Moderator schwer verletzt überlebt. Bei der Polizei herrscht höchste Alarmstimmung, doch während Joentaa weiterhin an eine durch die damalige Talkshow motivierte Tat glaubt, gehen seine Kollegen noch anderen Spuren nach. »Der Mann hatte Schulden.« »Er war schwul – vielleicht eine Beziehungstat?« Joentaas Bauch sagt ihm etwas anderes, aber liefert ihm keine Argumente, warum seinen Ideen nachgegangen werden sollte. Kann Joentaa seine Kollegen überzeugen, dass die Zug-, Flugzeug- und Brandkatastrophen der letzten Jahren noch einmal untersucht werden müssen? Oder muss er im Alleingang die Nadel im Heuhaufen finden, um ein abermaliges Attentat auf den Fernsehmoderator zu verhindern?

Warum Finnland?

Im Winter der Löwen ist ein betont leiser Krimi mit vielen melancholischen Untertönen. In einer Nebengeschichte lernt Joentaa eine Frau kennen, die ihm den Kopf verdreht, die jedoch als Prostituierte arbeitet. Trotz der immer wieder präsenten Erinnerungen an die verstorbene Sanna, interessiert ihn diese Frau so sehr, dass er sich während der Arbeitstage immer wieder danach sehnt, nach Hause und zu dieser Frau zurück zu kommen. Und obwohl niemals ausgesprochen, fühlt der Leser in jeder Zeile die große, unüberbrückbare Barriere, die zwischen den beiden steht. Der Autor versteht es, Stoff für folgende Romane zurückzuhalten, indem er es offen lässt, ob sich Joentaa wirklich neu verliebt. Ebenso wie er zum Beispiel die Spielsucht eines anderen Polizeikollegen nicht abschließend bespricht. Wagners Charaktere bieten auch im vierten Roman noch Platz für Entdeckungen.

Was jedoch weiter ein Geheimnis bleibt, ist die Antwort auf die Frage, weshalb Wagners Krimis in Finnland spielen müssen. Außer den Zungen brechenden Namen findet sich nämlich wenig »typisch Finnisches«. Sogar das Fernsehprogramm wirkt deutsch und der Winter wärmer, als man sich einen finnischen Winter vorstellt. Wagners Romane würden genauso gut auch mit Handlungsschauplatz Deutschland funktionieren. Doch wahrscheinlich ist es seine Liebe zu dem Volk im hohen Norden, weswegen sie in Finnland spielen. Wie gesagt, auch diese Frage bleibt offen.

Thomas Kürten, Februar 2009

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manni zu »Jan Costin Wagner: Im Winter der Löwen« 16.04.2012
Wagner (und L. Reichlin) schreiben die melancholischsten Krimi(?)nalromane schlechthin. Manchmal möchte ich Joentaa
wachrütteln und von seiner Trauer befreien.
Das ist ein perfekter Trick des Autors den Leser weiterhin an die Serie zu fesseln. Diese Geschichte hier ist besonders traurig, sehr leise erzählt und ich hatte zum Ende fast Mitleid mit allen in die mysteriöse Geschichte verstrickten Personen. Auch hier lohnt sich der Einstieg in die ersten beiden Teile, ansonsten versteht man gar nicht worum es in der Gedankenwelt des Polizisten Joentaa geht. (z.B. seine verstorbene Frau) 80°!
froggy zu »Jan Costin Wagner: Im Winter der Löwen« 07.06.2009
Das Buch liest sich sehr schnell - ein gutes Zeichen für eine spannende Geschichte!

Einfach geschrieben, meist kurze Sätze. Obwohl die Story über ein paar Tage verteilt ist, fliegt die Zeit schnell davon.

Super fand ich auch wie der "Weg" zum Mörder bzw. dem Aufdecken passiert ist. Im Buch kommt zwischendurch immer eine Parallelgeschichte mit dem Mörder. Spannend war, wie sich die beiden "finden"!

Einfach ein klasse Buch! Muss mir die anderen des Autors auch noch reinziehen!
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