Dunkle Schuld von James Sallis

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2003 unter dem Titel Cypress Grove, deutsche Ausgabe erstmals 2009 bei Heyne.
Ort & Zeit der Handlung: USA, 1990 - 2009.

  • New York: Walker & Co., 2003 unter dem Titel Cypress Grove. 255 Seiten.
  • München: Heyne, 2009. Übersetzt von Jürgen Bürger. ISBN: 978-3-453-43410-3. 301 Seiten.

'Dunkle Schuld' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze

Eigentlich hatte sich Ex-Cop Turner in das kleine Provinzkaff Cypress Grove zurückgezogen, um sein altes Leben hinter sich zu lassen. Doch als der unerfahrene Sheriff des Ortes mit einem Ritualmord konfrontiert wird, bittet er den Außenseiter um Hilfe. Ein Mann wurde gepfählt und als gekreuzigte Vogelscheuche aufgebaut. Turner nimmt die Ermittlungen auf und gewinnt nicht nur neue Freunde, sondern muss sich letztlich auch seiner Vergangenheit und damit sich selbst stellen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Die ganze Tragik des Lebens« 70°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Turner kann man wohl getrost einen Eremiten nennen. Er hat sich in eine kleine Hütte zurückgezogen und kümmert sich nur einmal im Monat um neue Lebensmittel. Das sind dann seine einzigen Kontakte zur Außenwelt. Turner war früher einmal Polizist, ein ziemlich guter sogar. Dann saß er elf Jahre lang im Knast, um währenddessen zu studieren und danach als Therapeut zu arbeiten. Er hat all das hinter sich gelassen, einfach weil er genug über die Tragik der menschlichen Existenz am eigenen Leib zu spüren bekommen hat.

Und trotzdem lässt er sich darauf ein, als ihn der Sheriff des nahen, kleinen Örtchens Cypress Grove um Hilfe bittet. Ein Landstreicher wurde ermordet, seine Leiche anschließend gepfählt zur Schau gestellt. Der unerfahrene Sheriff kann keine Hilfe von außerhalb erwarten, weshalb er Turner überredet. Und für den ist die Routine des Polizeiberufes mit vielen Erinnerungen verbunden.

Episoden, zu traurig, um wahr zu sein

Eingangs gelingt es Autor James Sallis, einem grandiosen Erzähler, eine sehr ausgewogene Mischung aus langsam anlaufenden Ermittlungen und Erinnerungen an alte und sehr tragisch verlaufende Fälle zu präsentieren. Er leuchtet die Graubereiche eines Polizistenlebens aus: die stets präsente Gefahr; Straftaten aus Leidenschaft; Verbrechen an wehrlosen Kindern; eskalierende Konflikte in der Nachbarschaft. Sallis präsentiert die traurige Bandbreite von Nichtigkeiten, die Recht und Ordnung auf den Plan rufen, manchmal banal, manchmal einfach nur traurig. Vermitteln kann er damit vor allem, wie sehr das Leben als Polizist auch eine psychische Belastung sein kann.

Irgendwann verlässt Sallis diesen Pfad und beginnt verstärkt die Tragik im Leben von Turner zu beschreiben. So schildert er die Zeit im Gefängnis und die Machtkämpfe dort, aber auch die Zeit unmittelbar nach seiner Entlassung. Erst sehr spät verrät er dem Leser, aus welchem Grund Turner überhaupt erst ins Gefängnis musste.

Suche nach einem Russ-Meyer-Verschnitt

Der Zeitpunkt, an dem sich der Autor wieder auf den kleinen Fall besinnt, den Turner hier zu lösen hat, ist bedenklich spät gesetzt. Als er aufgrund der Platzierung der Leiche erkennt, dass der vermeintliche Landstreicher ein fanatischer Verehrer eines legendären Regisseurs war und sein abgetauchtes Idol suchte, weiß Turner, dass er mit Auffinden dieses sagenumwobenen Regisseurs auch den Mörder stellen kann. Die unkonventionellen Indie-Filmchen (Russ Meyer lässt grüßen) sind letztlich der Schlüssel zur Auflösung.

Lange Zeit ist Dunkle Schuld ein zutiefst melancholischer Roman voller Tragik und Traurigkeit, beschreibt dabei jedoch eine Gratwanderung: Wenn die Figur Turner beim Leser zündet, dann ist der mittlere Teil fesselnd und ergreifend. Solange Turner aber nicht in diesem Ausmaß ankommt, mag die Lebensgeschichte des Protagonisten als unnötige Länge empfunden werden und die Warterei auf die Auflösung des aktuellen Falles nervend lang auf sich warten lassen.

Thomas Kürten, September 2009

Ihre Meinung zu »James Sallis: Dunkle Schuld«

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vifu zu »James Sallis: Dunkle Schuld« 04.05.2010
Eine schöne Neuentdeckung ist dieser Turner-Krimi. Endlich mal was schnörkellos Erzähltes, ohne bemühte Reflektion und wenn und aber. Danke auch an die Übersetzung. Trägt sicherlich sehr zu diesem trockenen Plot bei. Hoffentlich wird es die beiden weiteren Bände der Turner-Trilogie in gleicher Qualität geben!?
Ian Ternik zu »James Sallis: Dunkle Schuld« 23.09.2009
ich fand den roman sehr zäh und überraschend langweilig. ein künstlerisch gewollt knapp gehaltener text, der sich zu keiner zeit spannungsreich entfalten kann.
elegisch quält sich die minimale handlung durch elendig viele rückblenden des protagonisten - ohne ein dauerhaftes interesse am eigentlichen krimiplot beim leser aufrecht zu erhalten. der krimi baut auf ähnliche zwischenton-stimmungen und charakterbauten wie bei michael connelly; ohne allerdings jemals die selbstverständnis dabei zu erreichen. jeder satz ist ein denkgebäude, das uns immer mitteilen will, das hier ein großer, knapper krimi im amerikanischen hinterland abgerollt wird. leider spürt man, das hier ein konstrukt aufgezogen wird, das des effektes wegen auf knapp gebürstet wird.
dimiri zu »James Sallis: Dunkle Schuld« 21.08.2009
ein anspruchsvolles, interessantes buch, das der schilderung der entwicklung des protagonisten zu dem, was er und warum er es geworden ist, breiten raum lässt. trotz der ungeschminkten schilderung der verbrechen, ist dies kein hau drauf schinken, sondern im besten sinne hard boiled. die schilderung der psychischen folgen ihrer tätigkeit auf die verbrechensbekämpfer, die auswirkungen amerikanischen verstrickungen in diverse militärische abenteuer auf einen normal veranlagten menschen und die beschreibung der motivation zu dessem rückzug in die vermeindliche ruhe des ländlichen amerikas, lässt die krimihandlung fast in den hintergrund treten. das buch besticht durch einen durchgängig stimmigen handlungsablauf und nicht zuletzt durch seine, einer über weite strecken guten übersetzung zu dankenden literarischen qualität. sicher werde ich die zwei noch ausstehenden turner stories mit dem gleichen vergnügen lesen, wie diese.
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