Deine Augen hat der Tod von James Sallis

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1997 unter dem Titel Death Will Have Your Eyes, deutsche Ausgabe erstmals 1999 bei DuMont.

  • New York: St. Martin's Press, 1997 unter dem Titel Death Will Have Your Eyes. 176 Seiten.
  • Köln: DuMont, 1999. Übersetzt von 3935890567. ISBN: 3-7701-4824-X. 176 Seiten.
  • München: Liebeskind, 2008. Übersetzt von Bernd W. Holzrichter. ISBN: 978-3935890564. 191 Seiten.

'Deine Augen hat der Tod' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Die Geschichte eines Mannes, der auf der Suche nach seinem Doppelgänger ist; eine Fahrt quer durch halb Amerika, ein Road-Movie in Worten, eine episodenhaft erzählte Odyssee durch schäbige Motels, Truckstops und miese Bars voller skurriler Hinterwäldler und paranoider Kleinstadt-Sheriffs. 

Das meint Krimi-Couch.de: »On the Road again« 70°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

David Edwards ist Künstler. Als Bildhauer hat er sich in den vergangenen neun Jahren einen Ruf aufgebaut, von seinem Schaffen kann er ein zumindest sorgenfreies Leben mit seiner Freundin Gabrielle führen.

Doch in David Edwards schlummern noch ganz andere Talente. Als Geheimagent überzeugte er früher durch Instinkt und Können. Er war Teil einer Spezialeinheit, ein Killer mit bestmöglicher Ausbildung, der von seiner Behörde immer wieder zu heiklen Spezialaufträgen kommandiert wurde.

Aber das ist neun Jahre her, als David einen Anruf erhält. Der Schläfer wird reaktiviert für einen letzten Auftrag. Planchat, sein ehemaliger Kollege, ist ebenfalls wieder aktiv geworden und zieht mordend durch die Lande. Nur David kann ihn stoppen.

David zögert nicht. Er macht sich auf, hinterlässt Spuren, erweckt Aufmerksamkeit. Dadurch bringt er andere auf seine Spur. Sein Streifzug durch Amerika führt ihn nach New Orleans, wo es zum Showdown kommt.

Der liebeskind Verlag hat uns den amerikanischen Autor James Sallis mit seinem grandiosen Roman Driver als Minimalisten präsentiert. Deine Augen hat der Tod stammt im Original bereits aus dem Jahre 1997, aber auch da hatte Sallis bereits diesen reduziert-puristischen Schreibstil, mit dem er in wenigen (Ab-)Sätzen ganze Weltanschauungen vermitteln kann.

Vordergründig hat Deine Augen hat der Tod den Stoff für einen klassischen Agentenroman. Doch dadurch, dass sich David lieber finden lässt, als dass er aktiv nach Planchat sucht, hat er viel Zeit auf seiner Reise. Zeit, die er nutzt, um die Vergangenheit zu reflektieren, um über sein Leben zu philosophieren oder um einfach Amerika in sich aufzusaugen, wie es wirklich ist. Eine Verfolgung, ein Schusswechsel, ein Hinterhalt – unvermeidbares Beiwerk, wenn man so will nichts anderes als normales Berufsrisiko für einen Agenten und deshalb schnell und beiläufig erzählt.

Nein, seinen Schwerpunkt hat der Roman eindeutig auf der Verarbeitung einer verleugneten Vergangenheit. Aber auch ganz existenzialistische Fragen werden aufgeworfen. Welche Erinnerungen sind war, was ist nur Einbildung. Welchen Wert haben beiläufige Begegnungen und tiefe Freundschaften. Rückblickend scheint der Ideenreichtum des Autors dabei auf den knapp 190 Seiten schier unerschöpflich.

Deine Augen hat der Tod ist auf den ersten Blick genauso minimalistisch und kompakt wie der Driver. Auf den zweiten Blick ist es ungeheuer komplex, anspruchsvoll und vielseitig. Es hat trotzdem seine Längen, ist mitunter stark sprunghaft und auch aufgrund der zeitlichen Sprünge nicht immer schlüssig. Ein außergewöhnlicher Roman, der trotz seiner 190 Seiten langsam verdaut werden muss. Wer den plumpen Agententhriller erwartet, wird unweigerlich enttäuscht. Wer sich aber auf jedes Buch neu einlassen kann, wird die Qualitäten eines James Sallis zu schätzen und zu loben wissen.

Thomas Kürten, Oktober 2008

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Bartensen zu »James Sallis: Deine Augen hat der Tod« 14.12.2007
James Sallis erweckt in diesem Noir-Road Movie meets Agentenroman eine dichte Atmosphäre erzählt mit einer komplexen Sprache, die, wenn man sich ihr einmal hingegeben hat, einen nicht mehr losläßt. Die Geschichte mag auf den ersten Blick nur aus kurzen Episoden, geisterhaften Begegnungen oder Erinnerungsfetzen bestehen, doch gerade diese Fetzen erwecken das "On the Road" Gefühl sehr intensiv.
Spannend & fesselnd erzählt, aber nichts für das zwischendurch lesen. Für Sallis Sprache braucht man ein wenig Geduld und am Ende muss man das Buch es ersteinmal sacken lassen. 93° !
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