See how they run von James Patterson

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1979 unter dem Titel The Jericho Commandment, bei Crown.
Ort & Zeit der Handlung: Russland / Moskau, 1970 - 1989.

  • New York: Crown, 1979 unter dem Titel The Jericho Commandment. 256 Seiten.
  • New York: Doubleday, 1997. ISBN: 1568654235.

'See how they run' ist erschienen als Hardcover

In Kürze:

Was, wenn sich der Anschlag auf die Olympischen Spiele 1972 in München 1980 in Moskau wiederholt hätte – aber diesmal ausgeführt von der Gegenseite? 

Das meint Krimi-Couch.de: »Schlampig recherchiert?!« 45°

Krimi-Rezension von Michael Matzer

Aus Romanen wie Frederick Forsyths Die Akte ODESSA weiß man, dass viele Nazi-Verbrecher nach dem Untergang des sog. Dritten Reiches von Hilfsorganisationen wie der »Organisation der ehemaligen SS-Angehörigen« (OdeSSA) beschützt, ins Ausland geleitet und dort unterstützt wurden. Der berühmteste unter diesen Verbrechern dürfte – nach der Hinrichtung Adolf Eichmanns in den 60er Jahren – Bormann sein, aber auch Auschwitz-Arzt Mengele und Gestapo-Chef Müller stehen ganz oben auf den Suchlisten. In Pattersons Roman bilden untergetauchte nazis die Organisation »Das Vierte Reich«.

Aber es gibt angeblich seit Kriegsende eine jüdische Gegenorganisation, DIN. Sie hat sich der Vergeltung der Verbrechen am jüdischen Volk verschrieben. Bei Patterson schreckt sie auch nicht davor zurück, abtrünnige Mitglieder zu eliminieren, um die Geheimhaltung zu wahren. Und diese Gruppe nimmt sich vor, ein Exempel zu statuieren: in Moskau, bei den olympischen Spielen. Durch Geiselnahme von unzähligen Athleten will man die Verlautbarung der ehemaligen NS-Angehörigen in aller Welt erzwingen, die inzwischen wieder ganz oben in Regierungen, Vorständen und Aufsichtsräten sitzen sollen.

Die Mutter und der Bruder von David Strauss fallen Anschlägen zum Opfer. Seine Mutter Elena gehörte der DIN an und wollte aussteigen, also wurde sie liquidiert. Sein Bruder hingegen hat im Konzentrationslager Dachau gedreht und viel gefährliches Material am Rande recherchiert. Er wurde auf der OSCAR-Verleihung von der Gegenseite liquidiert. Kein Wunder, dass David bald von der Aufgabe besessen ist, die Hintermänner dieser Morde aufzuspüren. Er nimmt Kontakt mit Nazijägern auf, wobei ihm Angehörige des FBI helfen, selbst noch in Europa: in Deutschland, dem land der Nazi-Mörder, und schließlich in Moskau. Zu seinem Entsetzen stellen sich die Nazijäger, denen er vertraut, als Angehörige der DIN heraus.

Showdown in Russland: In Moskau gelingt es ihm durch mutiges Eingreifen, das Leben zahlreicher Athleten zu retten, wohingegen die Moskauer Polizei und der KGB lediglich an der Ausschaltung der Geiselgangster interessiert sind.

Patterson setzt alle Tricks eines Thriller-Autors richtig ein, und doch wird daraus kein gutes Buch. Da enden die kapitel mit Überraschungen, mit Morden, mit neuen Figuren – dennoch will sich keine rechte Zufriedenheit oder Spannung einstellen. Es muss daran wohl liegen, dass ich erstens eine gute Qualität wie in Pattersons späteren Alex-Cross-Romanen (Zum Küssen sind sie da etc.) erwartet habe und enttäuscht wurde, und zweitens, dass ich selbst Deutscher bin.

Als Deutschem stehen mir die Haare zu Berge, wenn ich die unglaublich vielen Fehler in der Schreibweise von Ortsnamen und Bezeichnungen lese: »Sachenhausen« statt »Sachsenhausen« ist nicht nur ein ein Druckfehler, es ist ein Recherchefehler. Ein Druckfehler ist zu verzeihen, ein Recherchefehler aber nicht. Bei seinen amerikanischen Lesern konnte der Autor damit vermutlich durchkommen. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass ein deutscher Verlag, diese Fehler durchgehen ließe – von der zwiespältigen Thematik ganz zu schweigen. Deutschland ist im Buch immer noch das Land der Judenmörder.

Die für Pattersons Erzählweise typischen superkurzen Kapitel – dieser Roman hat zwar nur 320 Seiten, aber rund 90 Kapitel – tragen diesmal wenig dazu bei, ein Gesamtbild zusammenzusetzen. Kurze Kapitel sind ideal für die Lektüre in Verkehrsmitteln wie Bahn, Bus und Flugzeug, aber hier hemmen sie lediglich den Lesefluss. Ich ertappte mich häufig bei Zurückblättern, um Namen nachzuschlagen, die plötzlich, nach 20 oder 30 Seiten, wieder auftauchen. Dieses Buch hat Patterson vielleicht aufgrund seines Mitgefühls für das jüdische Trauma nach dem Holocaust geschrieben und so die Nachwehen thematisiert, aber er hat seinen Job lange nicht so gut wie Frederick Forsyth in »Die Akte OdeSSA« erledigt.

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