Letzter Gruß von James Patterson & Liza Marklund

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2010 unter dem Titel The Postcard Killers, deutsche Ausgabe erstmals 2010 bei Limes.
Ort & Zeit der Handlung: New York, Berlin, Stockholm, 1990 - 2009.

  • New York: Little, Brown and Co., 2010 unter dem Titel The Postcard Killers. 350 Seiten.
  • München: Limes, 2010. Übersetzt von Anne Bubenzer. ISBN: 978-3-8090-2585-6. 350 Seiten.

'Letzter Gruß' ist erschienen als Hardcover

In Kürze:

Eine Mordserie erschüttert Europa: Junge Pärchen werden getötet; dann arrangieren die Täter die Leichen kunstvoll und verschicken Postkarten an ausgewählte Journalisten.

Seit seine Tochter in den Flitterwochen brutal ermordet wurde, ist Jacob Kanon wie besessen davon, die Täter zu fassen. Unterstützt wird er dabei von Dessie Larsson, einer attraktiven Reporterin aus Stockholm, die erst kürzlich eine Postkarte mit den grausigen Details eines ähnlichen Verbrechens erhielt. Schon bald glauben Dessie und Jacob, die Täter zu kennen. Doch noch während die Zwillinge Silvia und Malcolm Rudolph verhört werden, geschehen weitere Morde nach ähnlichem Muster. Einen entscheidenden Hinweis erhält Jacob erst, als er auf ein düsteres Kapitel im Leben der Zwillinge stößt. Und gemeinsam mit Dessie dringt er in eine bizarre Welt voller Gewaltfantasien vor.

Das meint Krimi-Couch.de: »Brooklyn und Stockholm – ein gute Mischung« 86°Treffer

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Wenn zwei Bestseller-Autoren zusammen ein Buch schreiben, kommt nur Murks heraus? Ganz im Gegenteil. James Patterson und Liza Marklund haben jeweils ihre Markenzeichen – wenn auch unter anderen Namen – beigesteuert. Ein knallharter Cop aus Brooklyn, der es mit den Vorschriften nie allzu genau nimmt, aber stets den eisernen Willen hat, einen Fall auch zu lösen. Und eine ebenso charmante wie intelligente Journalistin aus Stockholm, die dazu noch über erstklassige Verbindungen verfügt. Die beiden führt eine Mordserie zusammen, die sich zuvor schon durch ganz Europa gezogen hat und den Ermittlern überall Rätsel aufgibt.

Blutige Spur durch Europa

Kunst ist mitunter, oft sogar, für den Betrachter nicht nachvollziehbar. Der Künstler denkt sich etwas bei seinem Werk, aber erst seine Erklärungen machen das Kunstwerk für den Betrachter durchschaubar. Ganz anders soll es bei der konzeptuellen Kunst ablaufen – hier wird das Ereignis zum sorgfältig inszenierten Kunstwerk. Aber bevor sich die Ermittler mit diesem Thema auseinander setzen können, oder besser gesagt müssen, zieht sich eine blutige Spur durch Europa, von der lange Zeit nicht klar ist, ob und wie die einzelnen Morde zusammen hängen. Es gibt jeweils Postkartengrüße, bevor in Rom, Paris, Berlin und schließlich Stockholm grausame Morde verübt werden. Immer wieder werden junge Paare in ihren Flitterwochen ermordet aufgefunden. Ihre Leichen sind außerordentlich kunstvoll arrangiert, und Kriminalreporter werden per Postkarte oder Polaroid-Foto von den Mördern über ihre jüngsten Taten informiert.

Der Cop und die Reporterin

Unter den ersten Opfern in Rom ist auch Kimmy, die Tochter des Polizisten Jacob Kanon. Er macht sich aus New York auf den Weg nach Europa, weil er den Europäern nicht zutraut, die Mörder seiner Tochter zu finden. Er macht es sich zur Lebensaufgabe, die Killer zu fassen. Nachdem er bereits in Berlin mit der Polizei zusammen gearbeitet hat, führen ihn seine Ermittlungen nach Stockholm. Dort gelingt es ihm, in das offizielle Polizeiteam aufgenommen zu werden, wenn auch nur als Beobachter. Dieser Status hält ihn jedoch nicht davon ab, aktiv seine eigenen Ermittlungen zu führen. In diesem Zusammenhang trifft Jacob auf die attraktive Kriminalreporterin Dessie Larsson. Sie hatte zuvor eine Postkarte mit den grausigen Details zum Mord an einem deutschen Pärchen erhalten hatte.

Mordopfer als Kunstwerke

Gemeinsam hangeln sich der aufbrausende Amerikaner und die kühle Skandinavierin durch die Ermittlungen, die durch fehlende Spuren am Tatort massiv erschwert werden. Die Mörder arrangieren ihre Opfer stets wie ein bekanntes Gemälde oder Kunstwerk, hinterlassen jedoch keine Fingerabdrücke oder andere Spuren. Dennoch zeigt sich schließlich ein Muster: Ein Pärchen erschleicht sich das Vertrauen frisch verheirateter Paare, lockt sie ins Hotel und macht sie bewusstlos. Danach schneiden sie ihren Opfern die Kehlen durch, arrangieren sie wie Kunstwerke und machen davon Polaroid-Fotos. Per Postkarte werden die Bilder an lokale Kriminalreporter verschicken, um sich der medialen Aufmerksamkeit zu versichern.

Zwillingspaar im Focus der Fahnder

Bald schon glauben Dessie, Jacob und das schwedische Ermittlungsteam, mit dem Zwillingspaar Silvia und Malcolm Rudolph die Täter gefunden zu haben. Als jedoch weitere Morde geschehen, während die Zwillinge in Untersuchungshaft sitzen, müssen Jacob und Dessie neu ansetzen. Jacob forscht in der Vergangenheit und dem kalifornischen Umfeld der Zwillinge nach und stößt dabei auf ein äußerst düsteres Kapitel – unterdessen ist Dessie nach Kopenhagen gereist, wo es neue Morde gegeben hat. Es kommt schließlich zu einem dramatischen Showdown an der schwedisch-finnischen Grenze.

Gelungenes Gemeinschaftsprodukt

So skeptisch wie manche Kollegen war ich nicht, als ich das Buch zur Hand genommen habe. Wenn man einen der Co-Autoren nicht besonders mag, ist man ja eher misstrauisch. Da ich beide sehr schätze, habe ich dem Buch eine Chance gegeben. Dass es mich so packen würde, hat mich dann doch überrascht. Letzter Gruß wurde in knapp anderthalb Tagen ausgelesen, weil die Story wirklich faszinierte. Zunächst war da die Neugierde im Hinblick auf die Motivation der Täter. Was bringt scheinbar normale junge Menschen dazu, anderen Paaren mit Inbrunst die Kehle aufzuschneiden? Die Auflösung ist dann höchst überraschend und führt zu Kopfschütteln.

Gut erzählt

Und von Beginn an haben offenbar beide Autoren ihr erzählerisches Talent eingebracht. Die Geschichte packt den Leser ziemlich schnell, dabei leisten die interessanten Figuren auch ihren Teil. Der kantige Cop aus Brooklyn und die oft verunsicherte, aber dennoch zielstrebige Journalistin aus Stockholm reiben sich zunächst heftig aneinander. Aber Dessie wird schnell die einzige Vertraute des Amerikaners. Nicht wirklich verwundert ist man als Leser, als die beiden endlich auch im gleichen Bett landen. Seit geraumer Zeit gehört es bei Kriminalromanen mit einigem Anspruch offenbar zum guten Ton, dass sich bei den Ermittlern ein Liebespaar findet. Wenn ich mal einen Roman ohne dieses Stilmittel lese, wird er Extra-Punkte bekommen. In Letzter Gruß wird immerhin geschickt der Eindruck vermittelt, dass aus den beiden eher nichts werden könnte. Der Ausbruch von Leidenschaft kommt dann schon überraschend, und das Ende verblüfft sogar ein wenig.

Krasse Geschichte

Mit fällt kein anderer Begriff dazu ein. Die Motivation der Mörder für ihre Bluttaten ist dermaßen krass, dass es den Leser wirklich umhaut. Ich will nicht zu viel verraten, aber durch die Anzahl der Täter und ihre Beziehung zueinander bekommt die Geschichte ihren entscheidenden Pfiff. Daneben überzeugen die Personen und die Dialoge, aber es gibt auch Minuspunkte. Das Finale hätte ruhig ein wenig ausführlicher und dramatischer ausfallen können. Da endet das Buch etwas zu hastig, was auch für den eher lieblosen Epilog gilt. Der müsste nicht viel länger sein, aber ein oder zwei Seiten mehr zum Ausschmücken hätten dem Buch gut getan. Vielleicht konnten sich die beiden Co-Autoren nicht recht einigen, aber das ist Spekulation. Der wirklich gute Gesamteindruck von diesem Werk wird dadurch nur geringfügig geschmälert. Spannend ist jetzt, ob sich Marklund und Patterson bei einem Erfolg des Buches zu einer Fortsetzung hinreißen lassen.

Andreas Kurth, Juni 2010

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Helga Lux zu »James Patterson & Liza Marklund: Letzter Gruß« 11.06.2017
Die Meinung des Rezensenten kann ich nicht nachvollziehen. Die der "normalen" Leser, die hier schon lange vor mir ihr Urteil abgaben, schon eher. 'Trifft sie doch genau meine Meinung. Oberflächlich, hingeschluderte kurze Kapitel, keine in die Tiefe gehenden Beschreibungen. Und das Ende absoluter Schrott. Kein Hinweis, wieso die beiden gerade zu diesem Ort in den Norden fahren und - was für ein glücklicher Zufall - auf die gesuchten Personen stoßen. Habe vor diesem Buch einige andere Patterson-Bücher gelesen und finde, dass dieser Autor total überschätzt wird. Da lobe ich mir doch meinen James Lee Burke.
Irmgard zu »James Patterson & Liza Marklund: Letzter Gruß« 09.10.2011
Selten habe ich einen so grottenschlechten Krimi wie diesen gelesen und stimme meinen Vorschreibern gern zu: lieblos dahin geschludert, völlig willkürlich in Miniaturkapitel unterteilt - das erhöht natürlich die Seitenzahl - klischeehaft gezeichnete Charaktere, Liebesszenen wie aus einem Softporno abgeschrieben...
Liza Marklund schätze ich sonst sehr; aber das hätte sie wirklich nicht nötig gehabt.
Hans zu »James Patterson & Liza Marklund: Letzter Gruß« 07.01.2011
Als ehemaliger Alex-Cross-Fan habe ich mit der Patterson-Schreibfabrik längst abgeschlossen. Dass sich Liza Marklund, die ich mit ihren Annika Bengtzon-Krimis überaus schätze, auf diesen Deal mit Patterson eingelassen hat - enttäuschend, genau wie das Buch.
Ich kann mich meinen Vorredner nur anschließen, auch was den Rezensten betrifft.
Schrodo zu »James Patterson & Liza Marklund: Letzter Gruß« 24.08.2010
Seit seine Tochter in den Flitterwochen brutal ermordet wurde, ist Jacob Kanon wie besessen davon, die Täter zu fassen. Unterstützt wird er dabei von Dessie, einer attraktiven Reporterin aus Stockholm, die erst kürzlich eine Postkarte mit den grausigen Details eines ähnlichen Verbrechens erhielt. Schon bald glauben Dessie und Jacob, die Täter zu kennen. Doch noch während die Zwillinge Silvia und Malcolm Rudolph verhört werden, geschehen weitere Morde.
Der Plot ist wie so oft beim guten James phänomenal, aber was dann nachkommt hat für meinen Geschmack viel zu viele Längen und bleibt Oberflächlich. Die Idee der Geschichte ist durchaus interessant, aber die Umsetzung erscheint mir irgendwie schnell und lieblos hingeschmiert zu sein. Viele kurze Absätze und Kapitel machen das lesen leicht. Mit jeder Seite verschwindet aber leider auch die Spannung ins nirgendwo. Erst auf den letzten Seiten kommt sie wieder etwas zurück. Das Ende kommt ebenso plötzlich wie erwartet und birgt keine Überraschungen. Wo Frau Marklund ihre Duftnoten gesetzt hat konnte ich nicht erkennen…vielleicht beim Ort der Handlung. Insgesamt im Stile der letzten Patterson Bücher, was mir deutlich zu wenig ist.
Thierrys-Liebste zu »James Patterson & Liza Marklund: Letzter Gruß« 06.08.2010
Ich kann mich hier nur anschließen, die Story ist durchschaubar und die Protagonisten lieblos, selbst die Beziehung der beiden Hauptcharaktere, erschien mir an den Haaren herbeigezogen und völlig gefühlskalt. Auch das Ende ist vollkommen unspektakulär. Keinerlei Überraschungen, sowie kein vorzeigbarer Spannungsbogen.

Wäre ich kein so großer Patterson Fan, hätte ich das Buch sicher nicht zu Ende gelesen.
elke17 zu »James Patterson & Liza Marklund: Letzter Gruß« 11.06.2010
War das der erste Krimi, den der Rezensent in seinem Leben gelesen hat? Auf diesen Gedanken könnte man fast kommen...

Die Geschichte ist platt und absolut vorhersehbar. Kein Überraschungsmoment in den lieblos hingeschluderten Kapiteln. Zumindest ich wusste nach knapp 50 Seiten wohin der Hase läuft ;))

Für mich reine Geldmacherei mit den Namen zweier bekannter Krimiautoren!
7 von 7 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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