Ein finsterer Ort von James Marrison

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2016 unter dem Titel The Sleepless Ones, deutsche Ausgabe erstmals 2017 bei Bastei Lübbe.
Folge 2 der Downes-und-Graves-Serie.

  • London: Michael Joseph, 2016 unter dem Titel The Sleepless Ones. 384 Seiten.
  • Köln: Bastei Lübbe, 2017. Übersetzt von Anke Kreutzer. ISBN: 978-3-404-17475-1. 384 Seiten.

'Ein finsterer Ort' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze:

In einem kleinen Dorf in den Cotswolds wird die Leiche eines Mannes gefunden, der zu Lebzeiten für etliche brutale Verbrechen im Gefängnis saß. Als die Ermittler Downes und Graves sein Haus durchsuchen, finden sie rätselhafte Fotos mit dem immer gleichen Motiv: Jungen, die in einem sterilen Raum auf einer Metallbahre liegen. Während Graves in London ermittelt, sucht Downes in den Cotswolds nach Hinweisen auf die Identität der Jungen und findet heraus, dass sie seit zwanzig Jahren als vermisst gelten …

Das meint Krimi-Couch.de: »Alte, grausame Verbrechen verlangen nach Aufklärung« 80°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Wenige Wochen ist es her, da haben Chief Inspector Downes und sein neuer Sergeant Graves ihren ersten gemeinsamen Fall gelöst. Dabei wurden gleich mehrere, teils auch schon viele Jahre alte Fälle aufgedeckt. Doch Ruhe will in dem sonst eher beschaulichen Städtchen Moreton nicht einkehren. Als der Journalist George Finn für eine Sensationsstory den Kriminellen Lee Miller befragen möchte, der gerade erst zwölf Jahre gesessen hat, findet er in dessen Haus nur seine grausam entstellte Leiche. Ein kaum vorstellbarer Foltermord, aber zu Finns großem Pech, befinden sich die Mörder noch im Haus. Downes und Graves haben folglich einen Doppelmord zu klären als sie feststellen, dass in Millers Haus noch ein zweiter Mann lebte: Stanley. Dieser kehrt an den Tatort zurück und kann von Graves gestellt werden, allerdings in einem Kaminschacht, der prompt einstürzt. Bei dieser Gelegenheit fallen den Ermittlern einige Fotos in die Hand, die männliche Jugendliche auf einer Bahre zeigen.

Downes ermittelt in den Cotswolds, um mehr über die Jungen zu erfahren, die offenbar vor vielen Jahren verschwanden. Ihre Identitäten lassen sich daher nur teilweise feststellen. Währenddessen wandelt Graves in London auf den Spuren Finns um herauszufinden, auf was für eine Geschichte der Journalist gestoßen war. Die Spuren führen zu einem Kinderheim, das vor über zwanzig Jahren abbrannte. Schon damals gab es mehrere bis heute ungeklärte Todesfälle …

Und wieder lockt die Vergangenheit.

Wie schon beim Debütroman Das Mädchen im Fenster werden aktuelle Morde mit lange zurückliegenden Verbrechen vermengt. Im vorliegenden Fall prasseln von Beginn an etliche Handlungs- und Ermittlungsstränge sowie zahlreiche Personen auf den Leser ein. Konzentration ist gefragt, denn es werden mehrere Geschichten erzählt, die zunächst scheinbar nichts miteinander verbindet. Wohl dem, der den Überblick behält, den selbst die Ermittler lange Zeit eher nicht haben. Wer anspruchsvolle Herausforderungen sucht, der dürfte hier richtig sein.

»Wir wissen, dass er nicht aus eigenem Antrieb verschwunden ist. Er ist nicht vor etwas weggelaufen. Er ist weder abgetaucht, noch hat er sich umgebracht oder ist im Rollstuhl an irgendeinem obskuren Ort in Südamerika gelandet. Er wurde entführt. Er wurde in diesen Raum geschafft. Das sind konkrete Anhaltspunkte, die allerdings umso mehr Fragen aufwerfen.«

Da es sich um den zweiten Teil der Downes-Graves-Reihe handelt, geht selbstredend das Privatleben der Protagonisten weiter. Graves trifft sich nach einer Pause erneut mit seiner großen Liebe Amanda, die ihn allerdings ganz für sich einnehmen möchte. Dazu passt das Leben eines Polizisten ebenso wenig wie die ländliche Provinz der Cotswolds. Auch Downes hat eine schwere Zeit, denn sein langjähriger Partner Powell ist verstorben. Zu seiner Überraschung hinterlässt er ihm ein großes Geschenk, denn Powell hat Carlos, Downes Bruder, offenbar intensiv bearbeitet, damit dieser in Argentinien nach Pilar, Downes früherer Freundin, sucht. Während der Militärdiktatur wurden sowohl Pilar als auch Downes entführt. Pilars Verbleib ist bis heute ungeklärt.

Die Cotswolds spielen die landschaftliche Hauptrolle und werden angemessen präsentiert, wenngleich sie weitgehend unter Wasser stehen. Ein grandioses Unwetter hat weite Teile des Landes geflutet, was die Arbeit der Polizisten nicht gerade erleichtert. Dennoch gelingt es am Ende, ungezählt – aber geschätzt – gut zwei Dutzend Todesfälle aufzuklären. Gleichwohl bleiben noch Fragen offen, so dass die Vorfreude auf den dritten Band gegeben ist.

Jörg Kijanski, April 2017

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