Black Cherry Blues von James Lee Burke

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

deutsche Ausgabe erstmals 1989 .
Ort & Zeit der Handlung: USA / Louisiana, 1970 - 1989.

  • : Ullstein, Berlin, 1987. Übersetzt von 399. 399 Seiten.

'Black Cherry Blues' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Expolizist Dave Robicheaux führt nach dem gewaltsamen Tod seiner Frau ein zurückgezogenes Leben in den Bayous, bis plötzlich seine Vergangenheit in Gestalt des abgehalfterten Musikers Dixie Pugh wieder vor ihm steht. Gegen seinen Willen wird Robicheaux in Pughs Geschäfte mit einer undurchsichtigen Ölfirma hineingezogen und muß in Montana seine Unschuld an einem Mord beweisen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Robicheaux on the Rocks« 97°Treffer

Krimi-Rezension von Stefan Heidsiek

Er ist das Vorbild vieler heutiger Hardboiled-Autoren und der beste Beleg dafür, dass gute Literatur und Unterhaltung durchaus auf höchstem Niveau in Einklang zu bringen sind: James Lee Burke.

 Hierzulande vollkommen vom Buchmarkt verschwunden und nur noch antiquarisch zu astronomischen Preisen erhältlich, liest sich die Chronologie der Fälle um den Ex-Cop Dave Robicheaux wie eine reine Erfolgsgeschichte. Burke, der in den frühen siebziger Jahren noch Mühe hatte, seine Romane an einen Verleger zu bringen (sein Werk »The Lost Get-Back-Boogie« bekam angeblich rekordverdächtige 111 Ablehnungen in neun Jahren), schaffte schließlich Mitte der 80er Jahre einen sensationellen Durchbruch. Eben dieses so oft verschmähte Buch wurde für den Pulitzer-Preis nominiert(!), worauf dann mit »Neonregen« ein Jahr später der Auftakt der Robicheaux-Reihe folgte. Aus dieser Serie ist »Black Cherry Blues« der dritte Band. Die Story spielt wenige Monate nach dem Ende von »Mississippi Delta« und knüpft inhaltlich direkt an den Vorgänger an:

 Dave Robicheaux ist so ziemlich am Ende. Der ehemalige Ermittler der Mordkommission aus New Orleans trauert um seine Frau Annie, welche im Schrotkugelhagel zweier Drogenhändler vor einiger Zeit den Tod fand. Desillusioniert hat er sich in die Bayous nahe New Iberia zurückgezogen, wo er gemeinsam mit dem Schwarzen Batist einen laden für Angelköder führt und sich um seine Adoptivtochter Alafair kümmert. Doch wie zumeist scheint ihm keine lange Ruhezeit vergönnt zu sein, denn mit dem abgehalfterten Bluessänger Dixie Lee drängt sich schon bald die Vergangenheit erneut in sein Leben. Sein alter Freund steckt in Schwierigkeiten, und Robicheaux wird gegen seinen Willen in diese mit hineingezogen. Als das Leben Alafairs von zwei Vertretern des Mobs bedroht wird, ist es mit der beschaulichen Ruhe im sumpfigen Louisiana endgültig vorbei. Bei einer nächtlichen »Auseinandersetzung« mit den Mafiosi, kommt einer der beiden ums Leben und Robicheaux sieht sich plötzlich mit einer Mordanklage konfrontiert. Er setzt alles auf eine Karte. Auf Kaution draußen, begibt er sich gemeinsam mit Alafair Richtung Norden, zum Flathead Lake am Fuße der Rocky Mountains in Montana. Dort, im verschlafenen Nest Polson, hält sich der zweite Mafiosi im Schatten des Möchtegern-Paten Sally Dee versteckt. Mit der ungewollten Hilfe eines alten Freundes verschafft sich Robicheaux Zutritt – und sticht damit in ein äußerst gefährliches Wespennest.

 Edgar Award für den Besten Roman (1990), Grand prix de littérature policière (1992) und Prix Mystère de la critique (1992). Die Namen der Auszeichnungen für »Black Cherry Blues« sind ebenso klangvoll wie bedeutend, lassen aber nur erahnen, wie gut dieses Buch wirklich ist. Fakt ist: Viel besser als James Lee Burke kann man kaum schreiben. Wer sonst nur das Mainstream-Allerlei der Krimi-Grabbeltische gewöhnt ist, hat hier unwillkürlich das Gefühl, es mit einer völlig anderen Literaturgattung zu tun zu haben, derart vielschichtig und tiefgründig ist Burkes Schreibe.

 Während man spätestens nach dem dritten Mankell den problembehafteten dauerdepressiven Wallander in die Wüste wünscht, hat der Burke mit Dave Robicheaux eine Figur zu Papier gebracht, die trotz oder gerade wegen ihrer Fehler, stets auf’s Neue eine unheimliche Faszination entfacht. Dies liegt in erster Linie darin begründet, dass der Autor viel aus seiner eigenen Biographie mit eingearbeitet hat und von Dämonen schreibt, die er selbst aus eigener Erfahrung kennt. Die Alkoholsucht ist nur eines der Themen, die sich quer durch die Reihe ziehen, und Robicheaux Zeit seines Lebens zu verfolgen scheint. (Burke selbst bekam seinen Alkoholismus erst 1982, nach einem langen qualvollen Entwöhnungsprogramm, in den Griff.)

 Bei soviel Realitätsbezug fällt es dem Leser dementsprechend leicht, einen Zugang zu den Figuren und ihrem Leben herzustellen. Man leidet, trauert, lacht und ärgert sich zusammen mit Robicheaux, diesem im Grunde äußerst moralischen Mann, den der viel zu kurze Arm des Gesetzes immer wieder zur Selbstjustiz treibt. Und dennoch ist »Black Cherry Blues« kein actionreiches, kein unnötig gewalthaltiges Buch. Es ist diese unterschwellige Wut, die aufgeladene und knisternde Atmosphäre, aus der die Geschichte ihre Spannung bezieht. Sie wechselt sich mit ruhigeren Phasen ab, in denen sich Burke mit meisterhafter Eleganz der Landschaftsbetrachtung auf eine Art und Weise widmet, die sich selbst mit schön und poetisch nur unzureichend beschreiben lässt. Wer glaubt, dass dem Autor der Wechsel aus den schwülen Bayous des Südens in die Bergwelt Montanas Probleme bereiten würde, sieht sich hier, auch dank einer hervorragenden Übersetzung, äußerst eindrucksvoll eines Besseren belehrt. So bleibt bis zur letzten Seite das Staunen und das Gefühl, etwas Besonderes gelesen zu haben. Nach viel zu kurzen 400 Seiten klappt man das Buch ehrfürchtig zu. Voller Vorfreude auf den nächsten Band.

 Insgesamt ist »Black Cherry Blues« ein Meisterwerk des Hardboiled-Genres und ein Höhepunkt der Dave-Robicheaux-Reihe. Mit diesem Buch schreibt sich James Lee Burke endgültig und unwiderruflich ganz nach oben in meine persönliche Bestenliste. Möge irgendwann bei einem deutschen Verleger der Groschen fallen und auch die neueren Bücher aus der Serie übersetzt werden.

Stefan Heidsiek, Februar 2010

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Bio-Fan zu »James Lee Burke: Black Cherry Blues« 17.08.2009
Dieser Dave Robicheaux ist mir richtig ans Herz gewachsen. Mit seinem dritten Auftritt avanciert er zu meinem Lieblingsermittler.
Nach dem gewaltsamen Tod seiner Frau Annie kümmert sich Dave nun alleine um seine Adoptivtochter Alafair. Als deren Leben von zwei Mafiatypen bedroht wird, sieht Dave rot. Es kommt zu einem nächtlichen Handgemenge, wobei einer der Typen tot zurückbleibt. Der andere belastet Dave als Mörder seines Kumpels und flieht dann in die Berge Montanas.
Dave in Untersuchungshaft, dann auf Kaution frei, setzt alles daran, die Wahrheit über die Tat ans Tageslicht zu bringen. Also macht er sich in Begleitung Alafairs auf in den hohen Norden. Dort, in dem verschlafenen Nest Polson am Flathead Lake, hat sich die Mafia breit gemacht, die, in der Hoffnung auf zuvergebende Casino-Lizenzen, alles Land um den See herum aufkaufen will. Dave Kontrahent steht bei ihnen in Lohn und Brot, ein gefährliches Wespennest also, so dass Dave ihn nur mit der Hilfe seines ehemaligen Kumpels von der Polizei Cletus und des sehr eigenwilligen Bluessängers Dixie Lee aufspüren kann.

James Lee Burke ist ein Landschaftsmaler. Wie er uns schon die schwüle Atmosphäre des südlichen Louisianas nahe gebracht hat, beschreibt er nun die bizarre Bergwelt des nördlichen Montana. Aber natürlich stehen dem seine Charaktere in nichts nach - besonders hervorzuheben ist die Figur des Dave Robicheaux- Burkes Alter Ego.
Burkes Geschichten sind wie der Mississippi - mal gemächlich fliessend, dann aber plötzlich -von Stromschnellen forciert- aufschäümend, explosiv. 95 Grad
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