Die Schwarze Dahlie von James Ellroy

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1987 unter dem Titel The Black Dahlia, deutsche Ausgabe erstmals 1988 bei Ullstein.
Ort & Zeit der Handlung: USA / Kalifornien / Los Angeles, 1930 - 1949.

  • New York: Mysterious Press, 1987 unter dem Titel The Black Dahlia. ISBN: 0892962062. 325 Seiten.
  • Frankfurt am Main; Berlin: Ullstein, 1988. Übersetzt von Jürgen Behrens. ISBN: 3-550-06165-X. 480 Seiten.
  • Frankfurt am Main; Berlin: Ullstein, 1992. Übersetzt von Jürgen Behrens. ISBN: 3-548-22834-8. 475 Seiten.
  • München: Ullstein, 2001. Übersetzt von Jürgen Behrens. ISBN: 3-548-25020-3. 475 Seiten.
  • München: Ullstein, 2003. Übersetzt von Jürgen Behrens. ISBN: 3-548-25610-4. 475 Seiten.
  • Berlin: Ullstein, 2006. Übersetzt von Jürgen Behrens. ISBN: 978-3-548-26675-6. 496 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2007. Gesprochen von Ulrich Pleitgen. 8 CDs.
  • [Hörbuch] Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2008. Gesprochen von Ulrich Pleitgen. ISBN: 3899038118. 8 CDs.

'Die Schwarze Dahlie' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Ihr Name war Elizabeth Short, genannt die Schwarze Dahlie. Sie war gerade 22 Jahre alt, als ihre bestialisch zugerichtete Leiche an einem januarmorgen des Jahres 1947 in Los Angeles gefunden wurde. Basierend auf den Fakten eines der rätselhaftesten Kriminalfälle der USA schrieb James Ellroy diesen Thriller über Liebe, Wahnsinn und Tod im Hollywood der vierziger Jahre.

Das meint Krimi-Couch.de: K»eine guten Ritter in schimmernder Rüstung – in sich zerrissene, widersprüchliche Persönlichkeiten«

Krimi-Rezension von tyrel

Am 15.01.1947 wird die grausam zerstückelte Leiche einer jungen Frau auf einem unbebauten, verunkrauteten Gelände in Los Angeles aufgefunden. Die polizeilichen Ermittlungen ergaben, dass sie vor ihrem Tod von ihrem Peiniger mehrere Tage lang gequält und gefoltert wurde. Bei der Toten handelte es sich um die 22-jährige Elisabeth Short, der aufgrund ihrer Vorliebe für schwarze Kleidung posthum der medienwirksame Name »Schwarze Dahlie« verliehen wurde. Trotz aufwendiger und personalintensiver Ermittlungen konnte der Täter nie ermittelt werden.

Soviel zum tatsächlichen Vorfall, der diesem Buch zugrunde liegt. Der Autor selbst gab zu, vom tragischen Schicksal der schönen Toten so berührt gewesen zu sein, dass es ihm ein Anliegen wurde, in diesem düsteren Kriminalroman eine mögliche Lösung dieses ungelösten Verbrechens anzubieten.

Das Buch ist jedoch sehr viel mehr als nur die in eine fiktive Geschichte eingebundene Nacherzählung eines realen Kriminalfalls.

Das Buch wird aus der Sicht eines der in dem Mordfall ermittelnden Polizeibeamten in der Ersten Person erzählt: Officer Dwight Bleichert, ein deutschstämmiger Boxer, der aufgrund seiner kalten Raffinesse im Ring den Beinamen Mr. Eis erhielt, gerät während der Ermittlungen in den unheilvollen Bann der Dahlie, die seinen weiteren Lebensweg bestimmen wird. Die Besessenheit, die Umstände zu klären, die zu Elisabeth Shorts Tod führten sowie die Affinität zum Boxen teilt er mit seinem Partner, Sergeant Lee Blanchard, der aufgrund seines gradlinigen, kraftvollen Kampfstils den Beinamen Mr. Feuer erhielt.

Mit Lee und seiner Freundin, einem ehemaligen Gangsterliebchen verbindet ihn bald ein familiärer Zusammenhalt, der nur durch seine zunehmende Zuneigung zu der Frau und Lees wachsender Paranoia, die sich in Gewalt- und Drogenexzessen äußert, belastet wird. Geprägt durch das gewaltsame Verschwinden seiner Schwester ist Mr. Feuer nicht zimperlich bei der Wahl seiner Mittel, die sich alsbald nicht mehr mit seinen polizeilichen Pflichten vereinbaren lassen.

Bleichert setzt die Ermittlungen in dem Mordfall auch nach Einstellung des Verfahrens fort. Sie führen in in die tiefsten Niederungen des Los Angeles der Nachkriegsjahre, in einen Sumpf aus Verbechen, Korruption und moralischer Verderbtheit. Sein eigenes Ehrgefühl bleibt zeitweise auf der Strecke, und sexuelle Obsessionen und zunehmende Verrohung übernehmen die Kontrolle. Das Schicksal der Dahlie zieht Tragödien nach sich, die vorher nicht absehbar waren.

Das Buch zeichnet ein erschreckendes Bild der amerikanischen Gesellschaft. Von der ersten Seite an lässt Ellroy dem Leser keine Illusionen hinsichtlich der Protagonisten. Sie sind keine guten Ritter in schimmernder Rüstung , sondern in sich zerrissene, widersprüchliche Persönlichkeiten, deren Verhalten nur allzu oft Unverständnis und Abscheu erzeugt. Die Sprache der Akteure ist manchmal brutal offen und menschenverachtend; rassistische Äußerungen keine Seltenheit. Die Gnadenlosigkeit der geschilderten Verbrechen findet sich im Leben der Personen wieder und zieht sich durch alle Schichten und Altersgruppen . Die Promiskuität und der Irrsinn sind überall. Nüchterne Intelligenz und sympathische Warmherzigkeit sind die Ausnahme.

Das Buch erschreckt mit seinem ungeschönten und bis zum Äußersten ausgereizten, wenn nicht sogar überreizten Realismus. Es verstört, dass Ellroy die Wirklichkeit abzubilden scheint, die so kaum zu ertragen wäre.

Und doch ermöglichst Ellroy das Weiterlesen durch kleine Geschenke von Herzlichkeit und Mitleid, die die Hoffnungslosigkeit des geschilderten Milieus und der Schicksale mildern. Selbst in den hartgesottensten Polizisten und abgebrühtesten Flittchen scheint der Wunsch nach Liebe, Zärtlichkeit und Frieden und die Angst und der Ekel vor dem Bösen und Schlechten zu existieren. Niemand ist nur Schwarz oder Weiß, gut oder böse. Zum Ende der Geschichte entlässt Ellroy den Leser sogar mit einem Hauch von Optimismus.

Über James Ellroy ließe sich ebensoviel berichten wie über den Inhalt des Romans. Da die Lebensgeschichte des Autors offenbar direkt mit dem Entstehen und dem Stil seiner Werke zusammenhängt, ist eine Kurzbiographie notwendig. James Ellroy, geboren 1948 in Los Angeles, wurde als 10-jähriger mit der traumatisierenden und ungeklärten Ermordung seiner inzwischen alleinerziehenden Mutter konfrontiert. Der Schock über den Vorfall warf ihn zunächst aus der Bahn. Ellroy trieb sich herum, trank zuviel Alkohol, nahm Drogen und verbüßte wegen einiger kleinerer Delikte mehrere Haftstrafen. Ende der 70-iger Jahre fing er sich wieder und begann mit den Arbeiten zu seinem ersten Roman. Mit der Schwarzen Dahlie entstand 1987 dann das Buch, dass eine vierteilige Serie über das kriminelle Los Angeles begründete.

Ich halte »Die schwarze Dahlie« für das beste Buch dieser Serie, da es trotz seiner Komplexität übersichtlich und gradlinig bleibt, während sich die Fortsetzungen in diversen Handlungssträngen verwickeln, die für den Leser immer schwieriger zu durchschauen sind. Aber auch dieser Roman erfordert die ungeteilte Aufmerksamkeit des Lesers, da jede Szene für die Handlung des Buchs von Bedeutung ist, wenn diese auch erst viele Seiten später deutlich wird.

Der Stil des Buchs ist schnörkellos und direkt, beklemmend in der Zeichnung der verlorenen Helden und schonungslosen Darstellung ihres Milieus.

Die alles beherrschende Gewalt stieß mich ab, die Sinnlosigkeit der Verbrechen machte mich wütend und die Tragik der Personen weckte Traurigkeit in mir, aber in seiner Widersprüchlichkeit und Spannung faszinierte das Buch dennoch von der ersten bis zur letzten Seite.

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Andreasse zu »James Ellroy: Die Schwarze Dahlie« 20.04.2009
Dieses Buch ist ein gewaltiger und auch gewalttätiger Versuch ein Sittenbild des urbanen Amerikas zur Zeit der McCarthy-Ära und des beginnenden Booms des Filmemachens in Hollywood und L.A.
Der Kriminal-Fall "Schwarze Dahlie" dient
als Aufhänger für die schonungslose Schilderung aüßerst brutaler Praktiken von kapitalistischer Gewinnmaximierung,
sowohl aus sozialer, politischer als auch
psychologischer Sicht.
Ein epochales, literarisches Werk, indem Ellroy seinem erklärten Ziel - den besten Krimi aller Zeiten zu schreiben- schon sehr nahe kam.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
ABaum71 zu »James Ellroy: Die Schwarze Dahlie« 13.11.2008
Ein Buch der härteren Gangart würde ich sagen, wobei es mich nicht unmittelbar vom Hocker gehauen hat. Die teilweise sehr rüde Tonart , in der sich die Protagonisten zu verständigen pflegen ist sicher gewöhnungsbedürftig, passt aber gut zum gesamten Stil der Story, die im Los Angeles der 40er Jahre spielt . Die ganze Geschichte ist auf einer wahren Begebenheit aufgebaut worden.
Was mich am Buch etwas gestört hat, ist das im Mittelteil die Ermordung der Dahlie etwas aus dem Blickpunkt des Lesers verschwindet, weil sich der Autor hier sehr stark auf die zwischenmenschlichen Beziehungen der Protagonisten untereinander konzentriert und nach etwa 100 Seiten erst wieder an Fakten anknüpft, die man schon fast vergessen hatte. Dadurch wird es schwierig , dem Handlungsstrang zu folgen, der sich wie gesagt in mehrere Teile aufteilt.
Die Charaktere find ich eigentlich relativ gut beschrieben, auch die Auswirkungen, die der Mordfall "Schwarze Dahlie", auf die einzelnen Personen hat.
Das Buch halte ich auf jeden Fall für lesenswert, man sollte es aber recht konzentriert und in einem Stück oder zumindest zusammenhängend lesen, da einem sonst zu viele Details verloren gehen. Also kein Buch für Zwischendurch oder Nebenbei.
Kallisto73 zu »James Ellroy: Die Schwarze Dahlie« 26.05.2008
Dieses Buch habe ich erst kürzlich im Urlaub gelesen. Ich hatte vorher von J. Ellroy nur American Tabloid gekannt und war entsprechend vorgewarnt was seinen teilweise verwirrend komplexen Schreibstil anlangt. Dementsprechend war, stilistisch gesehen, die schwarze Dahlie ein gutes Buch, wenn mich auch die vielen Lektoratsfehler in dieser (englischen) Ausgabe wirklich gestört haben.
Der Roman selbst konnte mich nicht so begeistern wie American Tabloid. Was sehr vielversprechend begann und mit einer guten Conclusio enden sollte, wurde leider mit immer mehr, teilweise komplett abstrusen Wendungen, in die Länge gezogen. Ellroy konnte sich wohl nicht entscheiden, wer der Schuldige sein sollte, und hat daher immer mehr Verwicklungen eingebaut, die mich dann am Schluß nicht mehr überzeugen konnten. Hier wäre weniger mehr gewesen.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Jaghe zu »James Ellroy: Die Schwarze Dahlie« 28.12.2006
Ein wirklich fesselndes Buch, das bis zum Ende ständig neues offenbart, gerade auf den letzten ca. 40 Seiten kommen plötzlich Dinge ans Licht mit denen man gar nicht mehr gerechnet hat.
Zum Ende hin packte mich angesichts der 470 Seiten ein wenig Ungeduld, habe 13 Tage für das Buch gebraucht.
Die Story ist brilliant, die Übersetzung scheint mir gelungen, mit Sicherheit einer der besten Kriminalromane die ich je gelesen habe, dazu auch noch harter Krimi und Liebesgeschichte mit Happy-End in einem (aber ohne jeden Kitsch)
Absolut 100° wert.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Dr.Sanati zu »James Ellroy: Die Schwarze Dahlie« 18.09.2006
Wie James Ellroy selbst beurteilte:das ist das dichteste, umfang- und figurenreichste Buch von mir.Dem kann man nur zustimmen. Ein hervorragender Kriminalroman hart wie Granit, gewaltig wie ein Erdbeben. Ein geniales Werk des Meisters. Absolut lesenswert.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
mm zu »James Ellroy: Die Schwarze Dahlie« 06.04.2006
Ein Buch, das den Namen "Krimi-Literatur" wirklich verdient und in jeder Hinsicht überzeugt: Spannend, klar und direkt - in Krimiform gegossener Existenzialismus. Der Leser gerät hier in einen wahren "Sog des Erzählstranges" und wird eingeladen, nein, gezwungen, in die "Realität des Geschehens", in die "Welt der Story" einzutauchen. Ob ihm dies gut tut, das ist eine andere Frage: Was bleibt, ist ein Gefühl von "Dunkelheit", von Trauer und Wut, von naiver und sich der Sinnlosigkeit dessen vollkommen selbst-bewusster Rest-Hoffnung. Ein Buch, in dem den Protagonisten jeder Glaube an das Gute abhanden gekommen ist und jeder nur mehr seine ganz eigene, sinnlose und zwanghafte Obsession lebt und diese selbst zum eigentlichen Lebenszweck, so es diesen doch geben sollte, erklärt. Die Schlechtes wollen, tun Schlechtes - die Gutes wollen ebenso. Hier gibt es keine Hintertreppe, keine Dachluke, durch die Licht hineinströmt - hier sind die Vorhänge zugezogen und die Türen verschlossen, kein Entkommen. Und doch liebt, tanzt und weint mah hier drinnen. Und man mordet. Brutal. Grausam. Sinnlos.
Genial!
3 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Rideck zu »James Ellroy: Die Schwarze Dahlie« 25.12.2004
Sehr spannend - ich kann mich in dieser Hinsicht meinen Vorrednern nur anschliessen. Doch leider sind die Charaktere zu schwach gezeichnet, und durch so manch "zufällige Verstrickung" entgleist einer der aufreibensten Kriminalfälle der USA ins kuriose, wo man genau merkt wann Fiktion die Realität ablösst. Trotzdem ist es ein solider Krimi der durch einen schnellen Erzählstiel mehr Lust auf James Ellroy macht.
0 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
NIGGE zu »James Ellroy: Die Schwarze Dahlie« 07.10.2004
Einer der besten und spannensten Kriminalromane die ich je gelesen habe.Ein absolutes Muß für jeden der für dieses Genre eine Vorliebe hat.Kurioserweise bin ich durch ein Radiohörspiel auf 1Live "auf den Geschmack" gekommen.
coffy zu »James Ellroy: Die Schwarze Dahlie« 14.06.2004
Natürlich ein Meisterwerk. Sehr viel bessere "Kriminalromane" wird man auf diesem Planeten nicht finden. 99°!
Christian Buhr zu »James Ellroy: Die Schwarze Dahlie« 19.08.2003
Ich bin 18 Jahre alt, nur vorweg. Denn mit Sicherheit wird man mir mangelndes Literaturverständnis an den Tag legen. Na ja, Meinungen wie "zäh zu lesen" oder "ein schwächerer Ellroy" kann ich auch nicht nachvollziehen. Das Buch hat mich überwältigt. Es ist der Versuch eines Mannes [Ellroy] mit seiner Vergangenheit besser zurechtzukommen, da die Dahlie einen grossen Teil seines Leben ausmacht: Er hat [für sie] einen Mörder gefunden.
Ich empfehle dieses Buch allen die Krimis der härteren "Gangart" bevorzugen.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.

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