Kismet von Jakob Arjouni

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2001 bei Diogenes.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Frankfurt am Main, 1990 - 2009.
Folge 4 der Kemal-Kayankaya-Serie.

  • Zürich: Diogenes, 2001. ISBN: 3-257-06263-X. 264 Seiten.
  • Zürich: Diogenes, 2002. ISBN: 3-257-23336-1. 264 Seiten.
  • München: Süddeutsche Zeitung, 2006. ISBN: 978-3866152632. 186 Seiten.

'Kismet' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Mit einem Freundschaftsdienst fängt alles an. Eigentlich wollen Kayankaya und Slibulsky dem Gastwirt Romario nur helfen, zwei Schutzgelderpresser zu vertreiben. Doch dann liegen auf einmal zwei Leichen in Romarios Restaurant. Die Toten lassen Kayankaya keine Ruhe, und er macht sich auf die Suche nach ihrer Identität – bis er selbst gesucht wird. Von einer Mafia, von der niemand weiß, woher sie kommt und wer ihr Chef ist. Sicher ist nur, dass es sich um die brutalste und kompromißloseste Gangstertruppe handelt, die sich über das Frankfurter Bahnhofsviertel je hergemacht hat …

Das meint Krimi-Couch.de: »Mein Lesehunger verlangt schon nach mehr Kayankaya« 92°Treffer

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Ort der Handlung ist Frankfurt am Main. Dafür, dass ihm der brasilianische Gastwirt Romario ab und zu eine warme Mahlzeit spendiert, hilft ihm der Detektiv Kemal Kayankaya gemeinsam mit seinem Freund Ernst Slibulsky, als dieser um Schutzgeld erpresst wird. In einem Schrank versteckt warten sie auf die Erpresser, die sehr brutal vorgehen. Eigentlich wollten sie den beiden weißgepuderten schweigsamen Gestalten, die wenig später erscheinen, nur ein wenig Angst einjagen, doch alles läuft ganz anders als geplant. Die Gangster eröffnen sofort das Feuer, Kayankaya und Slibulsky schießen zurück. So bleiben die Erpresser als Leichen zurück und werden im Wald verscharrt. Romarios Restaurant fällt noch in der selben Nacht den Flammen zum Opfer.

Da Kayankaya nicht annehmen kann, dass die »Armee der Vernunft«, wie die Erpresserbande sich nennt, den Vorfall auf sich beruhen lässt, macht er sich an die Arbeit, herauszufinden, woher die beiden kamen. Das Auto der Toten führt ihn auf die Spur des Suppenfabrikanten Ahrens, wo er bei seinem ersten Besuch kräftig Prügel einstecken muß. Eine weitere Spur führt ihn nach Offenbach in ein kroatisches Restaurant. Und auch dort geht es für Kayankaya nicht ohne körperliche Schäden ab.

Mit weiteren brutalen Schlägern hat er es in einem Asylantenheim zu tun. Dort trifft er das kroatische Mädchen Leila, die ihm offiziell den Auftrag erteilt, ihre Mutter zu suchen, die ebenfalls Kontakt zu der Verbrecherorganisation hat.

Das Umschlagsfoto zeigt eine typische Perspektive von Mainhattan. Rechts ein Banken-Wolkenkratzer, konträr dazu links eine rote Leuchtreklame in Herzform, was die Gegensätze der Stadt Frankfurt sehr schön symbolisiert und einen Einblick in die Atmosphäre gibt, in der dieser Roman spielt. Mit dem Bankenviertel kommt der Held der Geschichte zwar nicht in Berührung, dafür bekommt der Leser aber einen unverblümten Einblick in die Niederungen des Frankfurter Bahnhofsviertels. Und wer Frankfurt ein wenig kennt, kann sich – auch, wenn er nichts mit dem geschilderten Milieu zu tun hat – schon recht gut in das Geschehen hineinversetzen. Zumindest besser als bei einem Kriminalroman, der in Amerika oder England angesiedelt ist.

Mit Raymond Chandler wird Jakob Arjouni verglichen, mit dessen Protagonisten Philip Marlowe sein deutsch-türkischer Detektiv Kemal Kayankaya. Und dieser Vergleich ist absolut treffend. Im besten Erzählstil früherer amerikanischer Detektivgeschichten, doch nicht imitierend, aber immer mit einem zwinkernden Auge, schildert Arjouni die Erlebnisse eines Großstadt-Detektivs, der mehr einstecken muß als er austeilt, mit seiner provokanten Art kein Fettnäpfchen auslässt, sich dabei aber immer gerade so über Wasser hält. Mit Kayankaya hat Arjouni eine Figur geschaffen, die Leben in die Handlung bringt und die Sympathien der Leser auf sich zieht. Daß er es mit dem Gesetz nicht immer ganz genau nimmt, tut dem keinen Abbruch. Doch auch dessen Freund Ernst Slibulsky, ehemaliger Kleinganove und jetziger Eiscreme-Großunternehmer, wird ebenso detailgenau charakterisiert, so daß man auch ihn nicht mehr missen möchte.

Arjounis Schreibstil ist es, der dieses Buch so faszinierend macht. In Ich-Form aus der Sicht des Protagonisten humorvoll ironisch, teils sarkastisch erzählt kann man sich kaum vom Geschehen losreißen. Es bleibt auch kaum Zeit zum Luftholen, denn der Held stürzt förmlich von einer Actionszene zur nächsten. Und in den wenigen ruhigeren Teilen des Buches muß man sich einfach nur köstlich amüsieren, wenn Arjouni ablästert über Mobiltelefone, die Stadt Offenbach, CDU-Wähler, Ausländerhasser, Mercedes-Fahrer oder andere Dinge, die vielleicht dem einen oder anderen unter den Lesern ein Dorn im Auge sind. Kleine Kostprobe gefällig?

»Und da so ein Gerät wegen möglicher wichtiger Anrufe, für die man es ja nun mal angeschafft hatte, nur selten abgeschaltet wurde, zerriß einem, ob man dranging oder nicht, etwa alle zwanzig Minuten eine Tonfolge das Trommelfell, als sei Feuer augebrochen. Vielleicht hatte es mit einer unglücklichen Quotenregel zu tun, vielleicht beschäftigten sie bei der Entwicklung neuen Telefongeklingels Gehörlose. Oder der ganze Mobiltelefonlärm war eine Art Menschheitsversuch: Können wir fast jeden Über-ein-paar-hundert-Mark-im-Monat-Verfüger, unabhängig von Herkunft, Religion, Geschlecht und Bildung, zu einem armen, sich selbst terrorisierenden Idioten machen? Soweit ich mitbekam, konnten sie.«

Noch schöner die über drei Seiten gehende Beschreibung der Stadt Offenbach als Symbol für Marilyn Monroes häßliche Schwester, sofern sie denn eine gehabt hätte, mit der alleine man jedem echten Frankfurter (nein, ich bin keiner) eine Riesenfreude machen würde. Diese Metaphern und auch seine Dialoge sind einfach klasse geschrieben. Wenn Arjouni seinen Figuren Frankfurter Dialekt in den Mund legt, sieht man die Personen lebendig vor seinem Auge. Und bei soviel Witz und Geschwindigkeit ist man dann doch enttäuscht, wenn das Buch plötzlich zu Ende ist. Das soll jetzt nicht heißen, dass das Ende enttäuschend wäre. Nein, bietet es doch noch eine recht nette Pointe. Doch so hätte es gut und gerne noch ein paar hundert Seiten weitergehen dürfen.

»Kismet« ist zwar kein sehr tiefschürfender Roman, auch kein literarisch anspruchsvoller, doch bekommt man einen gewissen Einblick in das geschilderte doch sehr finstere Milieu von organisiertem Verbrechen und erkennt den Wahnsinn von falsch verstandenem Nationalismus.

Als Warnung für manch zartbesaitete Gemüter: Es geht schon recht ordentlich zur Sache. Schießereien sind ebenso ander Tagesordnung wie abgebrannte und in die Luft gesprengte Häuser sowie Bandenkriege mit jeder Menge Leichen. Vielleicht als einziger Kritikpunkt zu bezeichnen, dass es etwas zuviel Leichen gibt, um noch realistisch zu sein.

Absoluter Lesetip für alle, die sich für humorvoll geschriebene Action-Krimis begeistern können. Mein Lesehunger verlangt schon nach mehr Kayankaya.

Das meinen andere:

»Es ist eine große Kunst, so unterhaltsam und spannend zu schreiben und dabei so pointiert, so klug und kritisch vom Leben in der Gegenwart zu erzählen. Arjouni beherscht diese Kunst perfekt.« (Norddeutscher Rundfunk)

Ihre Meinung zu »Jakob Arjouni: Kismet«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

Anfangsverdacht zu »Jakob Arjouni: Kismet« 30.11.2014
Da würde sich doch Raymond Chandler nachend im Grab auf die Schenkel klopfen wollen.
Vielleicht würde er auch denken, gute Güte ausgerechnet in Deutsch ist es da jemanden gelungen mich fortzuführen, zu erweitern und gleichzeitig auch zu ironisieren?
Sprache, Sätze als Genuß, Nachdenklichkeit und Brüller gleichzeitig.
mase zu »Jakob Arjouni: Kismet« 09.04.2010
Auf den Plot muss bei Arjouni nicht eingegangen werden. Der läuft bei der Kayankaya-Reihe immer gleich ab. Aus einem harmlosen Auftrag oder Gefallen rutscht der Privatdetektiv in ein riesengrosses, blutiges Schlamassel.

"Kismet" ist auch wieder ein grossartiger Krimi, bei dem wirklich jeder Satz sitzt und voll ins Schwarze trifft. Dialoge, Humor, Gewalt und soziale Misstände beschreibt der Autor quasi federleicht und man möchte gar nicht glauben, dass sich der Autor ernsthaft Gedanken beim Schreiben machen musste. So liest sich ein 100 Grad Krimi. Keine überflüssige Zeile, keine Langweile, viel zu lachen, was zum nachdenken und durchweg spannend.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
detno zu »Jakob Arjouni: Kismet« 18.07.2008
Klasse Schreibstil, tolle Dialoge, dufte Typen sowohl bei den Guten als auch bei den Bösen.
Einziger Kritikpunkt von mir, der aber bisher keinen anderen Bewerter gestört hat: Mir kommt das "F-Wort" zu oft vor.

Aber das muss wohl am Milieu liegen (Vater Zille würde Milljöh sagen).
Da sich an dieser Stelle schon Schüler(innen) geäußert haben, gehört diese drastische Ausdrucksweise heute scheinbar schon zum Deutsch-Unterricht.
Und Spielverderber will ich nicht sein, zumal die kroalischen Ganoven mit ihrem Berliner Dialekt alles wieder rausreißen.
Dieser Roman bietet viel kurzweiligen Spaß!
Marsab zu »Jakob Arjouni: Kismet« 20.06.2008
Hey leute!

Kismet naja das hörspiel was wir dazu machen mussten, war spannend, aber zum lesenwürde ich es nicht empfehelen. Viel zu unübersichtlich. Außerdem hat dieser Jakob Arjouni viel zu ausführlich geschrieben. Deswegen wird es nach ner Zeit stinklangweilig.

Tschaubella
0 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Schlaaaaand zu »Jakob Arjouni: Kismet« 20.06.2008
Das Buch haben wir im Deutschunterricht gelesen, unsere Klasse fand es sehr toll.
Da es nicht so lang ist, es ist kurz und knapp geschrieben, und der Autor fetzt mit seinen
coolen Sprüchen. Es hat uns erstaunt, wie er das Buch geschrieben hat. Also auf jedenfall ist das Buch zu empfehlen.
Das buch ist spannend, folgedessen ist es zu empfehlen.

mfg
Kayankaya zu »Jakob Arjouni: Kismet« 20.06.2008
der b-zweig is ganz klaa am lügen dat mus man einfach ganz klarr sehen.
aba das buch is unheimlich spannend und prickelnd. folgerichtig empfehlen wir das buch denen die handkäs lieben.
MFG

ahh
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Bzweig community zu »Jakob Arjouni: Kismet« 20.06.2008
Wir haben dieses Buch auch im Deutschunterricht gelesen und mussten am Ende ein eigenes Hörspiel von uns abgeben. Dieser Krimi ist sehr abwechslungsreich und humorvoll geschrieben und es hat wirklich Spaß gemacht als wir ein Hörspiel draus machen sollten.Für eine Schulklasse ist das Buch sehr zu empfehlen aber auch für langweilige Regentage ist das Buch ein echter Langeweilevertreiber. Probieren geht über studieren. Also ran an die Buletten. MFG DER B-ZWEIG
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Jan zu »Jakob Arjouni: Kismet« 16.02.2008
Kayankaya ist genau der richtige Gegenentwurf zu "mainstream-Ermittlern". Klasse die schnoddrige Sprache, die Schlagfertigkeit des Protagonisten und die detaillierten Milleu- und Personenschilderungen.

Nicht nur Kismet sondern alle 4 Kayankaya-Krimis sind absolut lesenswert. Mein persönlicher Favorit ist "Mein Bier" mit grandiosem Beginn (Kayankaya sitzt zu Hause und schreibt seine Fussball-Traum-Elf von Borussia Mönchengladbach auf).
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Mareike zu »Jakob Arjouni: Kismet« 04.12.2007
''Kismet'' ist das 1. Buch was ich von Jacob Arjouni gelesen habe.
Doch es gefiel mir auf anhieb.
Er hat seine eigene Art etwas zuerzählen, Spannung zuerzeugen & mit seinem Humor den Leser zuverzaubern.
Das Buch ist großartig & es wird nicht mein letztes von ihm bleiben!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Frank zu »Jakob Arjouni: Kismet« 15.11.2007
Was ist denn hier los?
Pubertätspickel tragende Teenies laufen Amok..lustig.
Ich für meinen Teil wäre froh gewesen,wenn mein verknöcherter Deutsch Lehrer mir mal so etwas vorgesetzt hätte.
Natürlich ist auch Kismet wieder ein echter "Kayankaya".Lakonisch erzählt,witzig und jederzeit die Spannung haltend.Wer die "alten" Fälle mochte,kommt auch an "Kismet" nicht vorbei.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.

Dies sind nur die ersten 10 Kommentare von insgesamt 22.
» alle Kommentare anzeigen

Ihr Kommentar zu Kismet

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: