Eifel-Rallye von Jacques Berndorf

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1997 bei Grafit.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Eifel, 1990 - 2009.
Folge 8 der Siggi-Baumeister-Serie.

  • Dortmund: Grafit, 1997. ISBN: 3-89425-201-4. 314 Seiten.
  • [Hörbuch] Daun: TechniSat Digital, Radioropa Hörbuch, 2008. Gesprochen von Jacques Berndorf. ISBN: 3836801647. 9 CDs.

'Eifel-Rallye' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Es ist noch etwas geschehen», sagt Rodenstock kühl. «Heute ist der Ring frei, freies Training für jedermann gewissermaßen. Direkt neben der B 258 auf der langen Geraden, auf die Tribünen zu, ist ein Motorradfahrer von der Bahn geblasen worden. Das kann erst eine Stunde her sein.» «Was heißt denn geblasen worden? Was meinst du damit?» «Die Polizei sagt, der ist mit einer Schrotflinte heruntergeschossen worden. Im Vorbeifahren sozusagen."- Ein Motorjournalist aus Adenau stirbt – angeblich an einem Herzinfarkt. Aber der Spezialist für Fragen rund um den Nürburgring hat etwas recherchiert, das – würde es bekannt – eine Autofirma zu einer unglaublich teuren Rückrufaktion zwingen würde. Und so taucht Pfeifenraucher und Katzenfreund Siggi Baumeister in die skurrile Welt des Nürburgrings ein.

Das meint Krimi-Couch.de: »Rasant erzählte Geschichte über den Motorsportwahn und seine Anhänger« 84°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Es hätte ein schöner Tag für den Journalisten Siggi Baumeister werden können. Er möchte sich einen Teich in seinem Garten anlegen und lässt sich vom Gemeindearbeiter eine Grube ausheben. Doch dann kommt der Anruf, der für die nächsten Tage alle seine Pläne über den Haufen werfen sollte. Petra, die Frau seines Freundes und Kollegen Harro Simoneit, teilt ihm mit, dass Harro an einem Herzinfarkt gestorben ist, gerade mal 32 Jahre alt und kerngesund. Auf einem Parkplatz vor dem Dorint-Hotel am Nürburgring, wo er jemanden treffen wollte, wurde er tot aufgefunden. Siggi und seine Freundin Dinah eilen natürlich sofort zu Petra nach Adenau, um ihr zur Seite zu stehen. Petra kann nicht akzeptieren, dass Harro an einem Herzinfarkt gestorben sein soll, sondern vermutet, dass er umgebracht wurde, weil er bei einer Geschichte, für die er recherchierte, wohl auf eine faule Sache gestossen ist.

Es geht um eine Rückrufaktion einer bekannten Automarke, vor der sich deren Manager Andreas von Schöntann wohl drücken wollte, um die Millionen, die die Sache kosten würde, einzusparen. Baumeister schaltet seinen Freund, den Kriminalrat a.D. Rodenstock ein, der eine zweite Obduktion von Harro Simoneit veranlasst. Dabei stellt sich heraus, dass der Journalist durch Zyankali getötet wurde, das ihm mittels eines Zerstäubers verabreicht wurde.

Dann erreicht Baumeister erneut die Nachricht von einem Mord. Walter Sirl, seines Zeichens Kunstschmied, Junggeselle und Motorrad-Verrückter aus Daun, wurde mit einem Schrotgewehr erschossen, als er auf dem Nürburgring seine Runden drehte. Zum Fall Harro Simoneit gibt es eine Verbindung, denn Walter kannte von Schöntann ebenfalls. Er hat ihm Privatunterricht im Motorradfahren erteilt.

Als Baumeister versucht, einen Interviewtermin mit von Schöntann zu bekommen, gerät er an dessen Privatsekretärin Jessica Born, die alle Aktionen des Managers plant und genauestens überwacht. Als er sein Anliegen und die Informationen, die ihm bekannt sind, vorbringt, versucht die attraktive Sekretärin ihn sogleich mit einem ungewöhnlich hoch dotierten Vertrag als Texter zu ködern, um somit sein Schweigen zu erkaufen und von Schöntann stockt dieses Angebot anschließend sogar noch auf. Doch Siggi Baumeister ist nicht käuflich.

Und so beginnt eine rasant erzählte Story, deren Stationen authentisch und so genau beschrieben sind, dass man sie schön auf der Landkarte oder, falls man eine gute Ortskenntnis der in diesem Buch gar nicht so stillen Eifel besitzt, auch ohne eine solche mitverfolgen kann.

Berndorf nimmt im sechsten Band seiner Eifel-Reihe vor allem den Motorsportwahn und dessen Anhänger sowie den Mythos des Nürburgrings gehörig auf die Schippe, wobei er auch gewiß kein einziges Klischee auslässt. Er verwebt dabei sehr geschickt reales Zeitgeschehen und reale Personen mit der fiktiven Handlung. Dabei geraten seine Protagonisten in das Verkehrschaos anläßlich des Großen Preises 1997, bei dem Ralf Schumacher seinen Bruder Michael in der ersten Runde von der Strecke schoß.

'Pinkeln könnte ich arrangieren.' Ich peilte den nächsten Feldweg nach rechts an und bretterte hinein. Aber ich hatte vergessen, wie clever diese Rennbesessenen sind. Natürlich glaubten alle, ich verfügte über genügend Ortskenntnis und würde ihnen einen ganz raffinierten Schleichweg zeigen. Also fuhr mein Rodenstock zum erstenmal in seinem Leben mit einer Eskorte von etwa fünfzig Pkw quer durch die Eifel zum Pinkeln.

Und weil Autofahrer Hordentiere sind, pinkelten dann in einem Wäldchen von etwa zweihundert Quadratmetern rund dreißig bis vierzig gestandene Mittelstandsbürger, und ihre Frauen sahen ihnen zu und stellten möglicherweise Vergleiche an. Die Pinkelpause endete, als ein Fahrer sich zutraute, eine eigene Entscheidung zu treffen. Er bretterte einfach den Weg weiter in die Wildnis – und alle anderen folgten ihm.

Kaum eine Atempause lässt der Autor seinen Lesern, denn er schickt Baumeister und Rodenstock von einer Spur zur nächsten und spinnt seinen Plot logisch voran, bringt dabei nach und nach immer neue Charaktere und auch neue Verdächtige in die Handlung ein. Man ist dabei so gefesselt vom Geschehen, dass kaum Zeit zum Atemholen bleibt. Schließlich gipfelt die Story zum Abschluß in einer wilden Verfolgungsjagd über Waldwege in der Eifel.

Gespickt mit humorvollen Randgeschichten lässt Berndorf die Rahmenhandlung keinen Moment aus den Augen, nimmt sich jedoch dabei alle Zeit, um seine markanten Figuren einzuführen: das Irmchen aus Quiddelbach, in deren Kneipe man sich früher mehr als nur ein Bier bestellen konnte; der geistig zurückgebliebene Peter, der mehr weiß als es scheint; Manni, ein reicher Landwirt und Waffennarr, der Lkw-Fahrer Heiner und seine Freundin Trixi sowie der eine oder andere Zuhälter oder Schläger aus Russland. Sie alle lernt man so genau kennen, dass man sie lebendig vor sich sehen kann.

Die »Eifel-Rallye« ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Rallye, denn die rasant erzählte Story lässt es weder an Spannung noch an Logik fehlen und bietet vergnüglichen Lesespaß.

Ihre Meinung zu »Jacques Berndorf: Eifel-Rallye«

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Sabsi zu »Jacques Berndorf: Eifel-Rallye« 26.09.2012
Wieder ein typischer Baumeister. Die Welt des Motorsports ist nicht die meine, aber trotzdem fand ich das Buch ganz witzig geschrieben. Den Schluß fand ich allerdings etwas seltsam. Dieser war für mich etwas unschlüssig. Trotzdem wieder einmal eine angenehme Lektüre für zwischendurch. Die Beschreibung der Eifler ist wie immer sehr gut getroffen.
Conny Kölzig zu »Jacques Berndorf: Eifel-Rallye« 29.08.2011
Mein erster Eifel-Krimi. Ich war total begeistert. Ich wohne in der nähe des Nürburgrings. Es ist schön zu lesen, wie die Dörfer und Menschen von Berndorf beschrieben werden. Habe mittlerweile schon so einiges gelesen von Berndorf.Ein Krimi soll unterhalten und leicht zu lesen sein. Das sind sie auch wenn sie manchmal nicht ganz der Wahrheit entsprechen.
WelpeMax zu »Jacques Berndorf: Eifel-Rallye« 20.07.2008
Motorsport ist wirklich gar nicht meine Welt, das Buch war keine Enttäuschung, aber ich bin wahrscheinlich weniger begeistert beim lesen gewesen wie andere, das kann ich nicht verübeln, muss aber sagen das mir die Randgeschichten gefiehlen, also die Beziehungen oder die Arbeit an seinem Garten, Tiergespräche ... nachdem er zwei Themen hatte die mich nicht so ansprachen, hoffe ich nun auf eine bessere Story ! Aber wenn ich mich in andere versetze und auch andere Kritiken lese, kann ich das Buch auch empfehlen bekommt von mir lediglich 70°
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
sonja100 zu »Jacques Berndorf: Eifel-Rallye« 13.07.2008
Das war wieder nach meinem Geschmack. Ein bisschen Einblick in die Rallye-Szene, viel Spannung und reichlich amüsante Szenen sind wieder dabei. Das Buch hat Spaß gemacht. Auf ein nächstes.
klaus dräger zu »Jacques Berndorf: Eifel-Rallye« 29.03.2008
Mein erster Eifel-Krimi, der mich gleich süchtig machte nach mehr Geschichten um die Figur Siggi Baumeister. Habe vor mir die ganze Reihe von Anfang an zu bestellen.
Einstein albert zu »Jacques Berndorf: Eifel-Rallye« 01.10.2006
Das Buch ist einfach fantastisch!
Rodenstock und seine Emma sind ein einfach süßes Paar und die fortschritte an Baumeisters Gartenteich ...
im unruhigen Teil der eifel finden so schlimme morde statt
Baumeister und sein Freund rodenstock ermitteln tapfer obwohl mit dem obligatorischen krankenhausaufenthalt zwischendurch.
alles in allem ein empfehlenswertes Buch
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Swen Piper zu »Jacques Berndorf: Eifel-Rallye« 25.04.2005
Hallo Stephan, danke für Deinen Kommentar unter Einbezug meiner Meinung. Ich hatte den Bandera-Mord für an den Haaren herbeigeholt gehalten; so kann man sich täuschen. Sei es wie es ist, das Buch Eifel-Rallye kann man guten Gewissens empfehlen.
Stephan zu »Jacques Berndorf: Eifel-Rallye« 25.04.2005
@Swen Pipers,
bin was das Lesen des Romans angeht Deiner Meinung: lässt sich leicht und flüssig lesen und man kann dem Geschehen auch jederzeit problemlos folgen, wenn man ihn einige Tage zur Seite gelegt hatte. Sicherlich bedient sich Berndorf auch dem ein oder anderen Klischee (ob's nun immer schlecht ist, sei dahin gestellt ;) aber bei der Konstruktion des Bandera Mordes muß ich ein veto einlegen! Mich hatte interessiert, ob an dieser Geschichte was dran ist. Nach ein wenig recherchieren im Netz (mithilfe von Google) stiess ich auf einige Berichte über diesen und den weitern Giftmord, von dem in Eifel-Rallye am Rande die Rede ist. Ob diese Berichte nun auch konstruiert sind, möchte ich bezweifeln.
LG Stephan
Swen Piper zu »Jacques Berndorf: Eifel-Rallye« 03.04.2005
Sehr flüssig geschriebener, kurzweiliger und leicht lesbarer Kriminalroman. Auch wenn die ein oder andere Szene des Romans sehr konstruiert (Stichwort: Bandera-Mord, völlig unglaubwürdig!) wirkt und Berndorf zu tief in die Klischee-Kiste greift, ein empfehlenswertes Buch.
Werner A. zu »Jacques Berndorf: Eifel-Rallye« 05.01.2004
Der Roman veranlasste mich vor ein paar Jahren, den Mythos "Nürburgring" live bei einigen Veranstaltungen wie "24-Stunden-Rennen, "Truck-Grand-Prix" oder "Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft" zu erleben. Beides - Buch und Ring - haben mich nicht enttäuscht !
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