Eifel-Krieg von Jacques Berndorf

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2013 bei KBV.
Folge 21 der Siggi-Baumeister-Serie.

  • Hillesheim: KBV, 2013. ISBN: 978-3942446976. 350 Seiten.

'Eifel-Krieg' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

In der Eifel herrscht Krieg, und niemand weiß, wo die Fronten verlaufen. Die friedliche Eifelwelt gerät völlig aus den Fugen: Siggi Baumeister wird schwer verletzt, noch ehe er sich mit den Untersuchungen um einen rätselhaften Toten beschäftigen kann. Sein väterlicher Freund Rodenstock muss nach einem brutalen Überfall sicherheitshalber ins Koma gelegt werden, weil nicht klar ist, ob ihm die Ärzte überhaupt noch helfen können. Alles dreht sich anscheinend um einen großen Bauernhof, von dem jedermann behauptet, er werde von Neonazis bewohnt. Aber was ist beweisbar? Ein junger Mann wird erschossen, eine Sechzehnjährige schlägt brutal mit einem Axtstiel zu, und ein Unbekannter schießt auf Jäger im Wald. Mit Sicherheit weiß man: Ein Heckenschütze ist in der Eifel unterwegs, ein Sniper ein Alptraum für jede Mordkommission. Die Stimmung ist so aufgeheizt, dass junge Mütter ihren Kindern verbieten, draußen zu spielen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Brauner Sumpf in der Idylle« 75°

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Siggi Baumeister ist in die Jahre gekommen, gleichwohl mischt er mal wieder in einem brisanten Fall mit, der nicht ohne Folgen für sein körperliches Wohlergehen bleibt. Er sucht einen jungen Mann, der von seinen Eltern vermisst wird, und findet in erschossen in einem kleinen Tal. Der Tote hat in einer Gemeinschaft gelebt, die neonazistischer Umtriebe verdächtigt wird. Baumeister will sich auf dem Bauernhof mit angeschlossenem Gästehaus und Restauration umsehen – und wird übel zusammengeschlagen. Und in diesem Stil geht es weiter.

Auch Baumeisters alter Kumpel Rodenstock wird ins Krankenhaus geprügelt, und es gibt weitere Tote und Verletzte. Unter anderem wird auf einen Jäger geschossen. Der merkwürdige Fall fordert Baumeisters ganzes Können als Ermittler, und dabei geht es in seinem Privatleben auch noch turbulent zu. Es gibt weitere Verwicklungen, der Verfassungsschutz scheint involviert – und bis zur Lösung müssen der findige Journalist und seine Freunde einen weiten Weg gehen.

Gut getarnte Neo-Nazis

Jacques Berndorf greift in seinen Eifel-Krimis immer wieder aktuelle Themen auf, und das gilt auch für Eifel-Krieg. Es geht um einen braunen Sumpf, der sich in der beschaulichen Eifel perfekt getarnt breit gemacht hat. Ein Bauernhof, ausgebaut zum Seminarzentrum mit Restauration und Gästehaus. Mit dieser Mache sind Neo-Nazis gerne unterwegs, davon kann man auch in der norddeutschen Tiefebene ein Lied singen.

In aller Regel werden die Transaktionen zum Kauf passender Liegenschaften bereits im Vorfeld öffentlich, und es regt sich dagegen Widerstand. Es gibt aber auch immer wieder Fälle wie den hier im Roman geschilderten, wo sich solche Zentren zunächst im Geheimen entwickeln, und erst später die Behörden und Anwohner merken, was da eigentlich los ist. Insofern halte ich diesen Teil des Plots für mehr als realistisch.

Die Schnüffelnase ist kaum zu stoppen

Siggi Baumeister ist in meinen Augen eine wirklich gute Figur, die sich auch noch weiter entwickelt. Ich habe zwar längst nicht alle Baumeister-Romane gelesen, aber die jüngsten Folgen schon. Und Baumeister wird nachdenklicher, ohne seine draufgängerische Ader zu verlieren. Die neuen Nuancen in seinem Privatleben bekommen ihm gut. Der – schon aus Gründen des Realismus irgendwann notwendige – Tod des Katers Satchmo wird in aller Kürze, aber doch ergreifend abgehandelt. Baumeister ist nach wie vor eine Schnüffelnase, die kaum zu stoppen ist, und immer mal wieder kommt ihm der Zufall  zu Hilfe. Berndorf übertreibt es dabei glücklicherweise nicht, sondern findet eine ausgewogene Mischung. Etwas ärgerlich ist in diesem Roman der Unsinn, der über »angefeilte« Geschosse verbreitet wird. Ich will da nicht ins Detail gehen, aber das sind handwerkliche Fehler, die einem alten Routinier nicht mehr passieren sollten.

Lesenswerte und spannende Geschichte

Wohltuend ist bei dem aktuellen Plot, dass sowohl Siggi Baumeister als auch seine Freundin Tessa als Staatsanwältin gänzlich ohne Hysterie an das Thema Neo-Nazis herangehen. Zwar werden die Betreiber des Seminarzentrums auf dem Bauernhof unisono als Rechtsaußen bezeichnet, aber das Duo sammelt dennoch zunächst Fakten, um sich ein eigenes Urteil bilden zu können. Sie legen sich nicht frühzeitig fest, sondern ermitteln ruhig und konsequent weiter, um eine gute und gesicherte Faktenlage zu haben. Den einen oder anderen Aspekt mag man als Leser dieses Romans für unrealistisch halten, aber bis auf die geschilderten, kleineren handwerklichen Fehler ordne ich das eher der dichterischen Freiheit des Autors zu. Jacques Berndorf hat wieder einmal einer seiner lesenswerten und spannenden Geschichten zu Papier gebracht, die sich gut in die Reihe seiner Baumeister-Krimis einordnet. Und damit hat er gezeigt, dass diese sympathische Figur noch nicht am Ende ihres Weges angekommen ist.

Andreas Kurth, Februar 2014

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fridolinie zu »Jacques Berndorf: Eifel-Krieg« 06.04.2015
Ich schliesse mich Ammica an - die letzten Eifel-Krimis habe ich eigentlich eher aus Gewohnheit gelesen, nach dem Motto "oh, der neue Berndorf, na ja, wird ganz nett sein". Dieser aber hat mich mal wieder eine halbe Nacht gekostet.
Über die Unstimmigkeiten, die Hannes (Vermutlich, kenne mich da nicht aus) zu Recht bemängelt, habe ich weggelesen, war vielleicht zu bedrückt über die meiner Ansicht nach sehr lebensechte Schilderung, wie man Jugendliche indoktrinieren und zu Schlägern ausbilden kann. Der nächste Eifel-Krimi wird jedenfalls wieder ein "Muss".
boeckelt zu »Jacques Berndorf: Eifel-Krieg« 10.10.2014
Ich finde jeden Eifel-Krimi sehr gut (habe alle gelesen). Sehr zeitnahe Personen, immer ein Lehreffekt und die schönsten "Wirtschaftswege" werden dort beschrieben. Ich habe schon einige Touren von Baumeister er"fahren" dürfen. Richtig toll auch, die Cafes und Restaurants selber zu erleben. Grüße vom Niederrhein in die schöne Eifel.
Ammica zu »Jacques Berndorf: Eifel-Krieg« 21.03.2014
Nachdem ich die letzten Eifel-Krimis (ab Eifel-Kreuz) nicht besonders gut fand, geht es jetzt mit Eifel-Krieg wieder Bergauf.

Es wird, fast wie immer, ein Thema der Gesellschaft aufgegriffen, dass sonst im Allgemeinen totgeschwiegen wird.
Ich bin auch sehr froh, dass es Rodenstock wieder "besser geht". Er hat mir schon sehr gefehlt (er kann ja nicht ständig Alters-Depression haben - das geht doch nicht...)

Man sollte natürlich auch bedenken, dass es immer schwieriger wird neue Themen zu finden. Das ist ja immerhin schon der 20+ Siggi-Eifel-Krimi.

Das sollen Herrn Berndorf erst mal andere, im deutschsprachigen Raum, nachmachen... Respekt.

Fazit: Weiter so Herr Berndorf. Das wird wieder. Ich freue mich schon auf den nächsten Eifel-Krimi :-)
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Hannes zu »Jacques Berndorf: Eifel-Krieg« 28.12.2013
Ich muss zugeben, ich bin bekennender Berndorf-Fan. Habe sein Gesamtwerk gelesen - einschließlich der Preute Werke. Leider wird die Qualität rasant schlechter, insbesondere seit dem Wechsel zu KBV. Mich beschleicht das Gefühl die Lektoren sind alle in Urlaub oder haben was geraucht. Einige male blitzt im "Eifel Krieg" alte Qualität auf, reicht für mich in der Summe aber nur für 25°.
Handwerklich einfach schwach.
Was der Kriminalbeamte, der die Spuren sichert über Zielballistik und Munitionstyp verbreitet, ohne ein Projektil vor sich zu haben ist einfach hanebüchen. Eingesägte Projektilspitzen (dumdum-Geschoß), verändern die Flugeigenschaften und lassen Schüsse über 300 m nicht zu.
Bei einem lebensgefährlich verletzten Kommissar a.D., bei dem Verdacht auf einen Milzriss besteht, findet keine weitere diagnostische Abklärung statt. Dafür wird auf Kosten von Emma ein Spezialist aus Köln hinzugezogen.
Die Frage nach einem Verfassungsschutzmitarbeiter wird der Staatsanwältin vom Ich-Erzähler in fast gleichem Wortlaut im Abstand von 20 Seiten gestellt.
Zu guter Letzt nimmt der Autor, das Thema Neo-Nazis für mich zu sehr auf die leichte Schulter. Das Problem ist zu ernst, als dass es der omnipotente Siggi fast im Alleingang löst.

Um den Meister zu trösten, auch nächstes Jahr werde ich mir den neuen Berndorf untern Baum legen, um sein Weihnachtsgeld aufzubessern. Vielleicht hat er aber auch ein Einsehen und genießt den wohlverdienten Ruhestand
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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