Die Nürburg-Papiere von Jacques Berndorf

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2010 bei KBV.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Eifel, 1990 - 2009.
Folge 18 der Siggi-Baumeister-Serie.

  • Hillesheim: KBV, 2010. ISBN: 978-3940077783. 363 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Fischer, 2011. ISBN: 978-3-596-19345-5. 368 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Fischer, 2012. ISBN: 978-3-596-51247-8. 368 Seiten.
  • [Hörbuch] Daun: TechniSat Digital, Radioropa Hörbuch, 2010. Gesprochen von Jacques Berndorf. ISBN: 3836805499. 10 CDs.

'Die Nürburg-Papiere' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Am Nürburgring sind mehr als 300 Millionen in gewaltigen Betongebirgen verbaut worden, die angeblich schnellste Achterbahn der Welt kostete mehr als zwölf Millionen Euro und ist nicht ein einziges Mal gefahren. Die Furcht der Eifeler Kneipenwirte, Pensionsinhaber und Hoteliers scheint berechtigt: Sie wurden von einer unbarmherzigen Clique von Managern rüde aus dem Geschäft gedrängt. Das Klima auf den Eifelhöhen ist zu Eis geworden. Niemand traut dem anderen. Eines Tages wird Claudio Bremm ermordet, der wichtigste Mann aus den Reihen der Manager, der härteste der harten Typen. Jemand, der ihn abgrundtief gehasst hat, streckt ihn brutal mit einer Maschinenpistole nieder.

Kurz darauf stirbt ein zweiter Mann. Im Dörfchen Kirsbach wird der alte Bauer Jakob Lenzen mit einem Kopfschuss hingerichtet. Warum ausgerechnet der sanfte, kluge Jakob? Zunächst kann niemand die Morde aufklären, die scheinbar nichts miteinander verbindet. Auch Siggi Baumeister, Emma und Rodenstock sind hilflos. Zu viele Spuren, zu viele Verdächtige, eine Menge glaubhafter Motive.
Schließlich wird die Leiche einer jungen Frau gefunden. Und zum ersten Mal zeigt sich so etwas wie ein roter Faden im Labyrinth der Nürburgring-Morde.

Das meint Krimi-Couch.de: »Siggi Baumeister läuft zu großer Form auf« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Manager wird mit Kalaschnikow erschossen

Es gärt mächtig, rund um den »neuen Nürburgring« in der Eifel. Große Teile der Bevölkerung sind nicht einverstanden mit dem Größenwahn der schier allmächtigen Nürburgring GmbH. Satte 300 Millionen aus Landeszuschüssen sind an der Formel 1-Rennstrecke verbaut worden. Ein riesiges Luxus-Hotel, eine Achterbahn die nicht funktioniert, ein Einkaufszentrum ohne Mieter – es ist schon gewaltig, was dort als Investitionsruine thront. Und dann fallen Schüsse in einer dunklen Winternacht. Claudio Bremm, der wichtigste Mann aus den Reihen der Manager und Berater, wird brutal mit einer Kalaschnikow niedergemäht. Der Mörder jagt das komplette Magazin der automatischen Waffe in den Körper des von vielen bewunderten, aber von ebenso vielen gehassten Mannes. Und ohne dass die Mordkommission eine verwertbare Spur findet, stirbt ein zweiter Mann. Im kleinen Dörfchen Dirsbach wird der alte Bauer Jakob Lenzen in seinem Stall erschossen – der Mord wirkt wie eine Hinrichtung. Ein Mensch, der nie jemandem etwas getan hat.

Taubenschlag im Hause Baumeister

Gleichzeitig hat Siggi Baumeister, Journalist und routinierter Hobby-Kriminologe, ganz andere Sorgen. Sein Haus füllt sich mit Heimatlosen der unterschiedlichsten Herkunft. Zuerst kommt Emma, die vor dem stets schlecht gelaunten Rodenstock flüchtet. Dann steht eine verlauste Gestalt vor seiner Haustür, die kaum noch an seinen alten Freund Werner aus den Münchener Zeiten erinnert. Dann taucht Jennifer aus Brasilien plötzlich wieder auf, wie immer in höchsten emotionalen Nöten. Und es gesellt sich noch Gabi hinzu – sie ist wieder solo, und Baumeister passt in ihr Beuteschema. Rodenstock ist das ganze Chaos völlig egal – er braucht Siggi für die Ermittlungen, zu denen ihn der zuständige Kriminalrat hinzu gezogen hat.

Ermittler graben Überraschungen aus

Die beiden Morde bleiben allerdings nicht die letzten am neuen »Ring«. Der Kreis der potenziell Verdächtigen ist groß: verzweifelte Eifeler Gastwirte und Hoteliers, die sich von den Managern rüde aus dem Geschäft gedrängt sehen. Trotz der privaten Turbulenzen stürzt sich Siggi mit Feuereifer in die Ermittlungen, obwohl sein gestörtes Verhältnis zu Rodenstock die Arbeit problematisch macht. Aber auch Werner, den Siggi ohne langes Zögern aufgenommen hat, hilft bei der Mördersuche mit seinen unkonventionellen Ideen mit. Und so entwickelt sich ein hochspannender Kriminalfall, bei dem die drei völlig unterschiedlichen Ermittler so manche Überraschung ausgraben, Beteiligungen und Verwicklungen enthüllen. Überraschend und teilweise tragisch ist dann auch das Ende des Buches.

Baumeister in großer Form

Jacques Berndorf ist ein begnadeter Erzählen. In anderen Bänden seiner Siggi-Baumeister-Reihe hat er sich zuweilen von der eigenen Fabulierlust und seiner Liebe zur schönen Eifel überwältigen lassen. Aber in seinem neuen Roman präsentiert er starke, neue Charaktere, lässt Siggi Baumeister zu großer Form auflaufen, und erzählt von der Eifel nur so viel, wie für die Geschichte nötig ist. Der Menschenschlag der Eifel – störrisch und doch stets direkt – kommt dennoch zu seinem Recht. Der Autor zählt auch viele Daten und Fakten rund um die Baumaßnahmen am Nürburgring auf, aber das ist bei dieser Geschichte unvermeidlich. Und stört nicht weiter, denn es gelingt Berndorf von Beginn an, den Leser eminent zu fesseln.

Prügel von Unterwelt-Größen

Die vielen quälenden Fragen, die sich die Ermittler in den unterschiedlichen Stadien ihrer Arbeit stellen, beschäftigen auch den Leser. Berndorf lässt ihn teilhaben an der ebenso spannenden wie unkonventionellen Arbeit von Siggi Baumeister. Der leistet sich im Zuge der Ermittlungen etliche Stolperer. So fotografiert er eine Gruppe von Unterweltgrößen, die mit ihren Prostituierten nackt auf dem Schnee vor dem Hotel am Ring herumtollen. Dabei wird er erwischt, was ihm mehr als ein Veilchen einträgt. Aber das ficht einen Siggi Baumeister nicht an, der konsequent weitere Nachforschungen anstellt.

Teilweise anrührende Geschichte

Etliche Neben-Geschichten sind geschickt in die flüssige Erzählung eingewoben. So hat Emma ihre Probleme mit dem unbeugsamen Rodenstock, Jennifer ist zwischen Europa und Südamerika hin- und hergerissen, und Gabi streckt ihre Fänge nach Siggi aus. Und immer bekommt der Autor rechtzeitig die Kurve zurück zum Kriminalfall. So bleiben viele Randereignisse das, was sie auch sein sollten – Episoden am Wegesrand. Berndorfs mit leichter Feder erzählte Geschichte ist ungemein fesselnd und doch auch anrührend. Die Ängste der Menschen rund um den Ring werden dabei intensiv geschildert und auch ernst genommen. Viele falsche Fährten und zunächst Verdächtige halten Ermittler und Leser in Atem. Anrührend ist aber vor allem das Schicksal von Werner. In seiner Münchener Zeit hat Siggi ihm viel geholfen. Und so erfährt auch der altgediente Berndorf-Fan noch einige Neuheiten über Siggi Baumeister. Insgesamt ist dem Altmeister des Eifel-Krimis mal wieder ein großer Wurf gelungen.

Andreas Kurth, September 2010

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Ammica zu »Jacques Berndorf: Die Nürburg-Papiere« 21.03.2014
Endlich weiß ich wie man Geld wäscht!

Da ich selbst aus der Nürburg-Ecke, nämlich aus Koblenz komme ist es für mich das Thema sehr interessant.

Als "Lieschen Müller" (Normal-Bürgerin) habe ich in meiner Naivität keinen blassen Dunst gehabt wie das mit dem "Gemauschel" eigentlich geht. Jetzt weiß ich endlich ein bisschen wie unser eins beschissen wird.

Für das Buch hat Herr Berdorf gut regergiert - was bestimmt nicht einfach war. Und er hat nur die Spitze des Eisbergs angekratzt.

Fazit: Durch die ausführlichen Erklärungen ist das Buch, an manchen Stellen zwar etwas langatmig - diese müssen aber sein um die gigantische Volks-Verarsche zu verstehen.
Irgendwie erinnert mich das Ganze an den Nürburg Ring ;-)
Klobelesen zu »Jacques Berndorf: Die Nürburg-Papiere« 27.04.2012
Michael Preute ist ganz gut, Jacques Berndorf nervt ein wenig in den Eifel-Krimis.
Preute, der Journalist, erzählt gute Kerngeschichten mit urigen Charakteren. Jacques Berndorf hingegen ist Hard Boild für Arme. Man nehme Dashiell Hammet, Raymond Chandler, Mickey Spillane, ein hart gekochtes Ei, eine Kuckucksuhr und etwas gelsenkirchener Barock, gebe eine Karte der Eifel hinzu, das ein oder andere Katzenfell, etwas Wetterbericht, ein Naturkundebuch, in den Mixer, brr, brr, brr, fertig ist ein Berndorf-Krimi. Baumeister und Rodenstock sind schon lange fällig wegen Amtsanmaßung. Hilfsbeamten der Staatsanwaltschaft bezieht sich auf die Dienstgrade Polizei-/Kriminalmeister bis Erster Polizei-/Kriminalhauptkommissar. Dem Rodenstock müsste ich nicht mal meinen Perso zeigen (auch als er noch im Dienst war). Und die Frauen, die vom Himmel fallen...das konnten die Autoren, wo Berndorf abgekupfert hat, besser. Wahrscheinlich hat er nur die Varianten aus Hollywood gesehen, die mit Curry`s Katzenfutter? Die Romane verlaufen anders als die Filme. Und ja, ich habe alle Berndorf gelesen und/oder gehört. Weniger Berndorf, mehr Preute, das wär`s.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Koslowski zu »Jacques Berndorf: Die Nürburg-Papiere« 27.01.2012
Ich habe die meisten seiner Eifel-Krimis gelesen und ich kann mit seinem Schreibstil sehr gut leben. Zwei, drei Tage und ich bin durch. Aber irgendwie bleibt Enttäuschung zurück, immer das selbe Strickmuster. Da wird eine Riesengeschichte aufgemacht und doch endet alles wieder im persönlichen Umfeld, wie gehabt, in anderen Werken auch schon. Die Geschichte um die Entwicklung von Rodenstock könnte auch mehr hergeben. Und die Geschichte mit Gabi geht gar nicht. Platt und hanebüchen, keine Entwicklung.
hapesu zu »Jacques Berndorf: Die Nürburg-Papiere« 04.11.2011
Dies war der 24. Roman des Autors, den ich gelesen habe. Wahrscheinlich bin ich ein dummes, ahnungsloses Schaf - aber ich gebe es offen zu: mir hat das Buch gut gefallen, so wie alle bisherigen Werke.
Was mir aber die Zornesröte ins Gesicht treibt, ist die grenzenlose, unerträgliche Arroganz eines Erstlesers namens borderbonsai, der meint, nach 100 Seiten nicht mehr weiter lesen zu können.
Aber im Grunde ist es ja gut so: er/sie hat die anderen Bücher gar nicht verdient!
Juergen zu »Jacques Berndorf: Die Nürburg-Papiere« 17.10.2011
Habe die ungekürzte Autorenlesung der Hörbuchfassung angehört.
Herr Berndorf hat wirklich eine angenehme Stimme.
Was den Inhalt angeht, so habe ich neben der zu langatmigen Erzählweise so meine Schwierigkeiten mit der etwas platten romantischen Darstellung dieses Landstrichs und insbesondere seiner Bewohner.
Ich finde, dass einige Charaktere bisweilen mit etwas zu groben Strichen gezeichnet sind.
Die guten, rechtschaffenen Eifelbauern scheinen mir in einem Heimatfilm der 50er besser aufgehoben zu sein.
Kutschen-Jakob beispielsweise, der sanfte und weise alte Bauer war mir sehr weit hergeholt.
Fienchen, die mit seherischen Fähigkeiten ausgestattete alte Dame, gab mir auch ein wenig zu denken.

Und dann der Ring... Die Eifeler lieben ihren Ring. Aber nur den guten alten Ring.

Whatever. Ich werde vermutlich auch den nächsten Eifel-Krimi lesen oder anhören.
Sunniva1 zu »Jacques Berndorf: Die Nürburg-Papiere« 18.03.2011
Ich kann mich der Meinung von Schmitz nur anschließen. Das Strickmuster dieses Krimis ist alles andere als aufregend. Filz am Ring konnte mich nicht vom Hocker reißen. Ich war enttäuscht, habe ich doch fast alle "Vorgänger" gelesen. Die Geschichte seines "gefallenen" Freundes ist vollkommen unglaubwürdig. Wenn nicht Frosch und Katze gewesen wären, hätte ich es gleich wieder weggelegt! Bitte wieder etwas Besseres Herr Berndorf!
Karl-J. Schmitz zu »Jacques Berndorf: Die Nürburg-Papiere« 25.02.2011
Ich habe bisher "alle" Romane mehr oder weniger begeistert gelesen bzw. gehört. Nicht alle waren super, aber fast alle recht gut.
Die "Nürburg-Papiere" sind schlechtweg grauenhaft (Kenne allerdings nur die Hörbuchversion). Ich habe den Eindruck, dass in dem Roman nur eine möglichst hohe Seitenzahl erreicht werden sollte. Da werden Satzpassagen unendlich wiederholt und/oder bereits vorher beschriebene "Erkenntnisse" noch einmal zitiert.
Was mich sehr betroffen gemacht hat ist,
dass ein trockener Alkoholiker seinen Protagonisten (Werner) ständig Alkohol in sich hineinschütten läßt (wegen der Schmerzen). Ich lebe seit über 20 Jahren abstinent und weis das Alkohol kein "Lösungsmittel" sein kann und darf.
Der Rückfall fängt im Kopf an !
AL zu »Jacques Berndorf: Die Nürburg-Papiere« 01.02.2011
"Da wirkte alles frischer und interessanter, vielleicht hat man dort ja des bessere Lektorat."

Da kann man dem "Vorschreiber" nur zustimmen. Hatte auch den Eindruck, dass man etwas über gutes und schlechtes Lektorat lernen konnte.
Als Hörbuch vom Autor gelesen wird das Buch außerdem sehr pathetisch und „Phrasen und Floskel“ lastig. Auf den ein oder anderen Handlungsstrang hätte man sicher verzichten können … oder ihn zu einem neuen Roman verarbeiten können. schade!!

AL
vanthomas zu »Jacques Berndorf: Die Nürburg-Papiere« 26.01.2011
Schade, schade. Wie immer mit freudiger Erwartung den neuesten Eifel-Krimi gestartet und was dann. Vom Kater Satchmo am Anfang, Baumeister wird bei irgendeinem Abenteuer verletzt, Baumeister wird im Auto von der Strasse abgedrängt, allerlei Gäste machen sein Haus zum Taubenschlag, Baumeister bekommt zu wenig Schlaf, weil es immer mitten in der Nacht was wichtiges zu recherchieren gibt... and so on. Alles schon mal gelesen. Das ist eher langweilig, von der Freude auf "alte Bekannte" bleibt nicht viel übrig, die Figuren entwickeln sich nicht weiter. Doch es gibt auch Ausnahmen, Rodenstocks Verstimmungen und die schon fast sentimentale Geschichte um Werner. Was war da jetzt mit dem Nürburg-Ring? Mehr als vorher weiss ich immer noch nicht. Insgesamt eine vertane Chance, vielleicht sollt Berndorf wieder mit seinen Eifel-Krimis zu Grafit zurückgehen. Da wirkte alles frischer und interessanter, vielleicht hat man dort ja des bessere Lektorat.
Übrigens: Auch wenn sich das alles nicht so begeistert anhört: Ich warte schon gespannt auf den nächsten Berndorf aus der Eifel!
Jo zu »Jacques Berndorf: Die Nürburg-Papiere« 30.12.2010
Jaques Berndorff hat schon bessere Krimis geschrieben. Diesmal steht weniger der Krimi im Vordergrund als die zwischenmenschlichen Beziehungen. Leider leidet das Buch etwas darunter. Der Fall selber loest sich nebenbei auf. Der Autor politisiert diesmal auch, was der Eifel sicherlich so nicht gerecht wird. Schade eigentlich.

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