Der Bär von Jacques Berndorf

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1999 bei Gerolsteiner Brunnen.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Eifel, 1990 - 2009.
Folge 10 der Siggi-Baumeister-Serie.

  • Gerolstein: Gerolsteiner Brunnen, 1999. In: ´111 Jahre Gerolsteiner Brunnen: Chronik´. ISBN: 3000053891. 242 Seiten.
  • Hillesheim: KBV, 2007. ISBN: 978-3940077028. 210 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Fischer, 2011. ISBN: 978-3-596-19342-4. 224 Seiten.

'Der Bär' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Es ist Sommer in der Eifel, und Siggi Baumeister wird mit einem Kriminalfall der besonderen Art betraut: Die Studentin Tessa Schmitz hat sich in den Kopf gesetzt, einen Täter zu überführen, der vor nicht weniger als 111 Jahren zwischen Gerolstein und Daun einen fahrenden Händler erschlagen hat. Die alten Leute aus der Eifel erinnern sich noch erstaunlich deutlich an die Erzählungen von der mysteriösen Leiche, die damals mit zertrümmertem Schädel gefunden worden war. Die alte Betty aus Lissingen, der alte Mattä in Büscheich, sie alle wissen etwas von Tutut, dem Zigeuner. Tutut, so fügen Baumeister und seine Mitstreiter Rodenstock und Emma das Puzzle Stück für Stück zusammen, war kein Händler, sondern verrichtete Botendienste und zog mit einem leibhaftigen Bären über die Märkte der Eifel. Und dieser Bär war mit dem Tag der Untat für immer im Eifelwald verschwunden.Warum musste Tutut sterben? Was haben die Auswanderer mit seinem Schicksal zu tun, die damals zu Hunderten die arme Eifel verließen und nach Amerika fuhren? Und dann taucht in Baumeisters Haus auch noch die hübsche junge Jüdin Esther auf, ein neurotisches Modepüppchen, das in der Abgeschiedenheit des Eifeler Landlebens den verzweifelten Versuch macht, ihr verkorkstes Leben neu zu ordnen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein Revival der frühen Werke – nicht nur für Baumeister-Fans« 70°

Krimi-Rezension von Eva Bergschneider

Der Journalist Michael Preute, respektive Jacques Berndorf, hat seiner treuen Fan-Gemeinde den Hobby-Kriminologen mit autobiographischen Zügen Siggi Baumeister bereits in zahlreichen Krimis des Grafit-Verlages präsentiert. Nun gräbt der in Schauplatznähe, in der Eifel ansässige KBV-Verlag noch einmal ältere Werke mit dem streitbaren Pfeifenraucher und Jazz-Fan aus. Bei KBV sind bereits Requiem für einen Henker und Der letzte Agent erschienen.

Tod eines Geheimnisträgers

Tessa Schmitz ist fest entschlossen, ihre Historik-Doktorarbeit über den Mord an dem Roma Tutut zu schreiben und bittet Siggi Baumeister um Unterstützung. Ziel der temperamentvollen Gerolsteinerin ist die Aufklärung der Tat, die vor 111 Jahren an einer Wegkreuzung zwischen Gerolstein und Daun begangen wurde. Von diesem alten Rätsel fasziniert, macht sich Siggi mit dem pensionierten Ermittler Rodenstock und dessen Partnerin Emma an die Ermittlungsarbeit.

Hat tatsächlich der Bauer Schmitz, dessen Grundstück damals an die Wegkreuzung grenzte, den allgemein beliebten Tutut auf dem Gewissen gehabt, als er sich kurze Zeit später dem Auswandererstrom aus der Eifel in Richtung Amerika anschloss?

Eifel-Filz anno 1888?

Tutus Tod ist durchaus noch im Gedächtnis der älteren Eifel-Bewohner verhaftet, sogar detaillierter, als die 90-jährigen zeitnahen Zeugen zunächst zugeben wollen. Dagegen existieren auffällig wenig offizielle Aufzeichnungen, die sonst so akribisch dokumentierenden preußischen Behörden haben lediglich den Tod eines von einem Unbekannten erschlagenen Namenlosen zu Protokoll gegeben.

Der mysteriöse Tod des mit seinem Bären umherziehenden Vagabunden beginnt nachträglich Wellen der Empörung zu schlagen, als die Überreste des Toten ausgegraben werden und Hinweise auftauchen, die den damals zum elitären Zirkel gehörenden Steuereintreiber Wesendonker ins Spiel bringen. Sollte ein Skandal in honorigen Kreisen vertuscht werden, der auch noch über 100 Jahre später Unbehagen zu verursachen droht?

Gerolsteiner Geschichte

Vorab sei gesagt, dass man nervenzerreißende Spannung von diesem Berndorf-Krimi nicht erwarten sollte, er liest sich ein wenig wie ein heimatkundlicher Aufsatz. Dazu passt, dass der Autor den Roman bereits 1999 als Auftragsarbeit zum 111. Jubiläum der Gerolsteiner Sprudelfabrik verfasst hat.

Dennoch kommt keine Langeweile auf, denn in Der Bär decken Sigi Baumeister und seine Mitstreiter nach und nach eine komplexe Geschichte auf. Eine Kette von gut und weniger gut gemeinten Vorhaben und hinterhältigen Betrügereien führte fast zwangsläufig zum Tod des vermeintlich unbedeutenden Zigeuners.

Auch fast ohne die sonst unverzichtbaren Elemente Mord und Gewalt ist es Berndorf gelungen, einen faszinierenden Mix aus Detektiv-Geschichte und historisch anmutenden Kriminalroman zu schreiben. Der Autor integriert in seine Erzählung einige interessante Aspekte der damaligen Lebensumstände der Eifler und die gesellschaftliche Struktur Gerolsteins an der Schwelle zur Industrialisierung.

Humorvoll und eigenwillig wie immer

Auch dieser etwas andere Eifel-Krimi lässt keine der beliebten Charakteristika vermissen. Mit Humor und viel Idealismus gehen Siggi und Rodenstock ans Werk. Durch beharrliche und zugleich einfühlsame Zeugenbefragungen werden Anekdoten und Lebensgeschichten gesammelt. Alte Briefe und Aufzeichnungen komplettieren schließlich das Puzzle zu einem kleinen Stück Gerolsteiner Historie. An trockenem Wortwitz und markanten Sprüchen fehlt es dabei genauso wenig, wie an eigenwilligen Typen und an der typisch herzlich-schroffen Atmosphäre.

Ob es dem Autor gelingt, die Eigenarten der Eifler authentisch wieder zu geben, sei mal dahin gestellt, einige sind wahrscheinlich etwas klischeehaft überzeichnet worden. Der Hauptakteur kommt allerdings in Sätzen wie

»Ich hoffe, der Bär hat Deinem Mörder den halben Arsch weggerissen. Ich gebe Dir Deine Geschichte wieder, ich gebe Dir Deine Geschichte wieder. Sie haben Dich würdelos behandelt, sie haben Dich würdelos verscharrt«

gewohnt eigenwillig-sympathisch und engagiert herüber.

Dass Siggi Baumeister auch diesmal wieder auf die Mütze bekommt, verleiht der Geschichte eine etwas aufgesetzt wirkende, beängstigende Atmosphäre, die aber durchaus funktioniert und dem Roman etwas Action verleiht.
Insgesamt hat Jacques Berndorf auch in diesem Gerolsteiner-Sprudel-Jubiläumswerk eine originelle Idee zu einem facettenreichen Rätsel verarbeitet, das gewohnt schlüssig aufgelöst wird und keine Fragen offen lässt.
Der Bär ist zweifellos ein »Must Read« für Berndorf Fans, aber auch Liebhabern guter Rätsel-Krimis mit historischem Hintergrund zu empfehlen.

Eva Bergschneider, Juni 2007

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Puschder2te zu »Jacques Berndorf: Der Bär« 06.07.2015
Ich höre schon seit Jahren Hörbücher.

"Ein guter/e Specher/in ist die halbe Miete."

Aber warum ein Jaques Berndorf aufeinmal selbst liest weis ich nicht.
Dietmar Bär hat es doch sehr gut gemacht.

Der norddeutsche Slang passt nun mal nicht. Aber vor allendingen merkt man das Herrn Berndorf diesbezüglich was fehlt. Er liest monoton. Es fehlt die Sprechausbildung.

Ein Film lebt von Story und Bildern,
Hörkino von Story und guten Sprechern.
ghoef zu »Jacques Berndorf: Der Bär« 04.04.2012
hinterwald hat völlig recht. Ich verstehe überhaupt nicht, wie man dieses Buch loben kann. Wenn die Aufklärungsarbeit nur darin besteht, zufällig entdeckte Briefe zu lesen, von deren Existenz vorher kaum jemand etwas geahnt hat, dann wird das doch sehr öde. Oder der grauenhafte Schluss mit dem alten Bauern, der im Sterben liegend sein Wissen zum Besten gibt. Irgendwann muss dem Autor eingefallen sein, dass er den ja auch noch vorher mal erwähnt hat, aber die Detektive haben sich bislang nicht getraut den mal zu fragen, weil er ja so unfreundlich ist ...Unglaublich!
Alexander Stehle zu »Jacques Berndorf: Der Bär« 02.10.2007
Ich kann bzw. muss leider meinem Vorredner in vollem Umfang beipflichten. Der Eifel-Guru ist auf dem besten Weg sein eigenes literarisches Werk zu zerstören.
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
hinterwald zu »Jacques Berndorf: Der Bär« 15.09.2007
"ich muss lachen, warum schreibt ein mann so einen unsinn" (jacques berndorf in einem angeblich "wunderschönen liebesbrief")

mal ehrlich, auch das lokalkolorit - ich könnte, wenn ich das wollte und nicht zu faul dazu wäre - zu fuss nach hillesheim gehen, rettet dieses unsägliche machwerk nicht.

im wesentlichen funktionieren berndorf-krimis so: er bastelt sich eine rahmengeschichte, dann setzt sich sein "held" in den sessel, zündet eine seiner xyz-pfeifen an und - tja, dann trudeln alle denkbaren und undenkbaren informationen bei ihm und seinen katzen von ganz alleine ein. zwischendrin legt sich eine frau in sein bett, er - alter mann der er ist - macht beiläufig zwei skins platt, ohne kratzer natürlich ... wer sich allen ernstes eine art von historischem colorit erwartet: hier läßt einer seine figuren si reden, wie man heute halt so redet inklusive schwurbeliger "die frauen sind ja soooo toll" schleimereien. unsäglich.

man sollte "dem guru" selbst zuhören, es gibt das buch ja als lesung, und die gesamte schwäche dieses buchs purzelt wie ein mehlsack auf einen herunter. ein alter mann (aber leider kein dirty ol' man) hat eine marktnische entdeckt/gemacht und melkt nun die hausfrau, die seine tb's im "kaufland" im regal abgreift.

hilight: die zwei dämlichsten witze, die ich je gehört oder gelesen habe.

wenn jemand einen "eifelkrimi" hören/lesen will, dann sollte er lieber zu izquierdo greifen, den ich leider viel zu spät entdeckt habe - alleine die aberwitzigen träume sind die lektüre wert.

einen berndorf werde ich jedenfalls nicht mehr in die hand nehmen [na gut, wenn dietmar bär ihn liest mache ich eine ausnahme]

sorry, dass ich so harsch bin - arber ehrlich, es ist fast nicht auszuhalten.
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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