Evil von Jack Ketchum

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1989 unter dem Titel The Girl Next Door, deutsche Ausgabe erstmals 2006 bei Heyne.
Ort & Zeit der Handlung: USA, 1950 - 1969.

  • New York: Leisure Books, 1989 unter dem Titel The Girl Next Door. 370 Seiten.
  • München: Heyne, 2006. Übersetzt von Friedrich Mader. ISBN: 978-3-453-67502-5. 335 Seiten.
  • München: Heyne, 2008. Übersetzt von Friedrich Mader. ISBN: 978-3-453-72188-3. 335 Seiten.

'Evil' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

In die nur äußerlich heile Welt einer US-Kleinstadt bricht 1958 das Grauen ein, als eine psychotische Frau systematisch ihre Nichte zu misshandeln beginnt und damit einen Strudel in Gang setzt, der nach und nach sie selbst, ihr Opfer, ihre Kinder und deren Freunde in einen Abgrund niederträchtiger Gräuel zieht …Unerhört düsterer, geradezu quälender Roman, dessen Verfasser der Versuch gelingt das schwer erklärbare Phänomen menschlicher Grausamkeit als verhängnisvolle Kette sich unmerklich und unkontrollierbar aufbauender Gewalt zu beschreiben.

Das meint Krimi-Couch.de: »Das wahrhaft Böse brütet im Nachbarhaus« 95°Treffer

Krimi-Rezension von Michael Drewniok

Im Jahre 1958 ist die kleine Welt der US-amerikanischen Mittelschicht noch in Ordnung. Man fürchtet nur die gottlosen Roten drüben in Russland und lässt die Haustür ständig offen, denn den Nachbarn kann man vertrauen und ein guter Bürger und Kirchgänger hat selbst nichts zu verbergen. Kinder sind rechtlose Wesen und haben nicht nur den Eltern, sondern allen Erwachsenen zu gehorchen. Wenn sie sich einfügen, haben sie in dem kleinen Städtchen, in dem diese Geschichte spielt, ein angenehmes Leben, denn es gibt viele Freunde und natürliche Abenteuerspielplätze an der frischen Luft. In diesem Sommer wird es sogar noch interessanter, denn der zwölfjährige David erfährt, dass ins Nachbarhaus zwei neue Bewohnerinnen eingezogen sind.

Die Schwestern Meghan und Susan Loughlin haben bei einem Autounfall ihre Eltern verloren. Sie ziehen zu Ruth Chandler, ihrer Tante, die selbst drei Kinder versorgen muss – eine schwere Aufgabe, nachdem sie ihr Mann verlassen hat. Ruth ist verbittert und grämt sich ob ihrer vergeudeten Jugend. Die Kinder der Straße schätzen sie jedoch, denn sie hat immer ein offenes Ohr für ihre Sorgen.

Doch Ruth ist eine psychisch kranke Frau, die an ihrem frustrierten Zorn auf die ganze Welt schier erstickt. In ihren Nichten, vor allem in der hübschen, selbstbewussten Meg, findet sie ihr Ventil. Erst langsam, dann immer hemmungsloser beginnt sie diese zu piesacken, zu quälen, zu misshandeln. Ein verhängnisvolles »Spiel” hat seinen Anfang genommen, das bald auch die Kinder der Umgebung in seinen Bann zu ziehen beginnt. Meg wird zum Prellbock für die Nachbarschaft und muss für immer neue, krasser werdende Folterungen herhalten.

Die Erwachsenen bleiben ahnungslos, während Ruth ihr irres Schreckensregiment ausübt. Auch David kann sich dem nicht entziehen. Der krankhafte Zwang mitzutun oder wenigstens tatenlos zuzuschauen ist stärker. Für Meg ist ihr Alltag längst die Hölle auf Erden. Schläge, Demütigungen, Vergewaltigung – bald beginnt auch David zu ahnen, wie dies alles enden wird. Endlich versucht er einzugreifen, doch er befindet sich längst unter Wilden, die sich ihr «Spiel” keinesfalls verderben lassen wollen …

Vom späten deutschen Starts eines bösen Klassikers

Unterhaltungsliteratur hilft ihren Lesern sich die Zeit zu vertreiben und kann anschließend vergessen werden, »richtige” Literatur (auch Belletristik genannt) greift ernsthaft die echten Probleme des Menschseins auf und bringt die Leserschaft zum Nachdenken: Stephen King, der für «Evil” ein langes, kluges und engagiertes Vorwort verfasst hat, weist auf die Sinnlosigkeit dieser willkürlichen Unterscheidung hin. Er verdammt den Spagat zwischen den beiden literarischen Welten, die in Wirklichkeit nur eine sind, und weist darauf hin, dass die Stimme der Vernunft oder der Kritik auch in einfachen Worten erklingen kann, welche zudem eine unterhaltsame Geschichte formen.

King gibt sein Bestes, denn er hat in »Evil” ein Werk erkannt, dass es einfach nicht verdient im Ghetto der Ex-und-Hopp-Literatur begraben zu werden. Zwar liegt es wohl an seinem wohlklingenden Namen, doch vielleicht sind es auch eigene Argumente, die «Evil” ein Nachleben jetzt auch in Deutschland sicherten: Mit 16-jähriger (!) Verspätung erscheint endlich ein Roman, der Maßstäbe setzt.

»Hardcore” heißt die neue Reihe des Heyne-Verlags; der Name scheint eigens für dieses Buch ausgesucht worden zu sein. Denn dies ist keine Geschichte für die Zartbesaiteten: Über 300 Seiten müssen wir den moralischen Zerfall einer Menschengruppe verfolgen, während wie nebenbei ein junges Mädchen zu Tode gefoltert wird. Letzteres geschieht nicht zwischen den Zeilen; in der Unterhaltungsliteratur muss sich ein Autor solche Fesseln nicht anlegen lassen. Ketchum lässt seinen Lesern keine Hintertür offen und beschreibt explizit was geschieht.

Dafür werden ihn jene, die dem Bösen im Menschen lieber literarisch verbrämt und mit einigem Abstand begegnen, zweifellos einen Gewaltpornografen nennen; diesen Vorwurf hat Ketchum in seiner Karriere in vielen Variationen immer wieder gehört. Doch wer genau liest wird umgehend erkennen, dass «Evil” für Voyeure nichts zu bieten hat: Was hier geschieht und in eine einfache, klare Sprache gefasst wird, ist einfach nur fürchterlich und soll so – und nur so – wirken.

Eine Reise ins Herz der menschlichen Finsternis

Ketchum plante durchaus Großes mit seinem Werk. Er versucht nichts Geringeres als eine Erklärung für ein logisch nicht nachvollziehbares Verhalten zu finden: Wie kommt es, dass ganz normale Menschen zu Tätern, zu Mitläufern, zu tatenlosen Zuschauern degenerieren, während andere, ebenfalls normale Menschen zu Opfern degradiert werden? Welche Mechanismen kommen dabei in Gang? Wie lassen sich innere Schranken in Gestalt ethischer Grundsätze so nachhaltig aushebeln, dass alltägliche Zeitgenossen im Denken und Handeln zu Bestien werden?

Solche Fragen sind selbstverständlich nicht neu. Gerade in diesem unseren Lande werden sie in den mehr als sechs Jahrzehnten nach dem Ende des Naziterrors nachhaltig und zu Recht diskutiert. Darüber hinaus werden sie jedes Mal dann gestellt, wenn wieder ein Kind bis zum Tod und womöglich von der eigenen Familie misshandelt wurde. »Wie konnte das bloß geschehen?”, wird dann in den Medien wieder in allen Tonlagen geklagt, während kluge Köpfe darüber zerbrochen werden, ob dem Fernsehen oder den Computerspielen die Hauptschuld zuzuweisen ist.

In «Evil” übernimmt es Jack Ketchum zu antworten. Man hat es ihm nicht gedankt, denn die Schlüsse, die er zieht, sind unbequem. Einfache Erklärungen, aus denen sich Lösungen destillieren ließen, verweigert er. Er nimmt uns einfach mit auf die dunkle Seite der Menschenseele. Ob wir verstehen, was wir dort beobachten, bleibt uns überlassen – schließlich kann uns auch David, der die Geschichte erzählt, nie wirklich begreiflich machen, was wirklich und wieso im Haus der Chandlers geschehen ist.

Eine Interpretation: Das Grauen benötigt einen Meister und gewisse Regeln. Ruth übernimmt diese Rolle und ihre Aufgabe, die auf einen einfachen Nenner gebracht folgendermaßen lautet: Nimm dem Opfer seine Persönlichkeit, bis es als Mensch nicht mehr präsent ist. Um ein »Ding” zu quälen , muss man keine hohe Hemmschwelle überschreiten. Regel 2: Zieh die Schraube langsam an. Gewalt muss fast unmerklich gesteigert werden. Erst wenn ein Gräuel für den Folterknecht quasi zur Selbstverständlich geworden ist, darf sein Meister die «nächste Stufe” anordnen. Stück für Stück, womöglich ohne es selbst zu bemerken, wird der Knecht in seine Rolle gleiten.

Regel 3: Enthebe das Individuum seiner Verantwortung, indem du es in der gesichtslosen Masse verschwinden lässt. Ruth foltert, vor allem jedoch lässt sie foltern und sorgt dafür, dass jede/r an die Reihe kommt: In der Gruppe verwandelt sich der Mensch leicht in einen Mob, ein Kollektivwesen, das zu beachtlichen Grausamkeiten in der Lage ist, weil seine »Zellen” nicht wirklich erkennen, wohin sein Gesamthandeln steuert.

Was schließlich bleibt sind das Opfer auf der einen und der oder die Täter auf der anderen Seite, systematisch seiner anerzogenen oder gesetzlich verordneten Menschlichkeit beraubt und fasziniert von der Möglichkeit, pure Macht jenseits aller Grenzen über einen anderen Menschen auszuüben.

Hat Ketchum das Regelwerk des «banalen Bösen” in allen Details begriffen? Natürlich nicht, denn wieso sollte ihm gelingen, woran schon weisere Zeitgenossen scheiterten? "Evil” ist zudem ein Roman, der seinen Verfasser ernähren und deshalb Leser = Käufer finden soll. Dennoch hat Ketchum seinen Beitrag zur Diskussion eines grundsätzlichen Themas geleistet. Was ihm dabei hoch anzurechnen ist, wird andererseits erneut kritisiert: »Evil” ist Botschaft als spannende Lektüre. Fern jeglicher Didaktik greift sich Ketchum sein Publikum. Stephen King ist in mehrfacher Hinsicht eine gute Wahl als Verfasser des Vorworts. «Evil” beginnt wie ein typisches »Coming of Age«-King-Werk über den Verlust der »unschuldigen” Jugend im Angesicht der brutalen Realität. King selbst spricht dies in seiner meisterlichen Novelle «Die Leiche” an. Weitere Ähnlichkeiten gibt es im beherzten Aufgreifen schwieriger Themen. Immer wieder gelingen auch King qualvoll realistische Szenen einer Unmenschlichkeit, die keinerlei übernatürliche Verstärkung bedarf. »Der Mensch ist des Menschen Wolf”, heißt ein uraltes Sprichwort völlig zu Recht. «Evil” ist – es sei noch einmal hervorgehoben – kein »phantastischer” Roman im Sinne des Genres, d. h. hier treten keine Zombies, Vampire oder ähnliche Halloweengestalten auf. Das Grauen wird von Menschenhand angerührt. Die Wirkung ist durchschlagend.

Das Personal einer schrecklich banalen Tragödie

Dazu trägt die präzise Figurenzeichnung ihren Teil bei. Ketchum hat seine Protagonisten überaus sorgfältig charakterisiert. Sie stehen stellvertretend für das bereits skizzierte Dreieck der alltäglichen Gewalt, das aus Opfer – Täter – Mitläufer/Zuschauer besteht. (Die tatsächlichen Ahnungslosen lassen wir wie Ketchum hierbei außen vor, obwohl der Autor auch hier böse Seitenhiebe verteilt: Beispielsweise bemerken Davids Eltern vor allem deshalb nichts von dem, was im Nachbarhaus vor sich geht, weil sie in ihrer eigenen Ehehölle gefangen sind.)

Ketchums hauptsächliches Augenmerk gilt den Kindern. Sie sind im US-Amerika der 1950er Jahre aber auch generell «unfertige” Menschen, denen keine besondere Seelentiefe und vor allem keine seelischen Abgründe zugebilligt werden. Wie gänzlich falsch das ist, verdeutlicht Ketchum u. a. am Beispiel der drei Chandler-Söhne Donny, Willie und »Woofer”. «The New York Times” vermerkte in einer Rezension von »Evil” die inhaltliche Verwandtschaft zu William Goldings Klassiker «Herr der Fliegen”: In Abwesenheit der Zivilisation fällt der (junge) Mensch in die Barbarei zurück. Ketchum weist auf eine Variante dieser Entwicklung hin: Umgekehrt können Kinder i. S. von »formbaren” Menschen zur Barbarei erzogen werden. Donny, Willie und Woofer werden von ihrer Mutter zu Folterknechten ausgebildet. Wie sollten sie sich dagegen auflehnen?

Die Ambivalenz von Gut und Böse wird von Ketchum konsequent durchgehalten. Ruth Chandler steht zwar nicht im Mittelpunkt des Geschehens – diese Rolle übernimmt David, der tragische Anti-Held – aber sie bildet in gewisser Weise das Zentrum des Übels. Sie «verrät” ihre klassisch idealisierte Mutterrolle auf das Gröbste, indem sie ihre eigenen Kinder zur Brut des Bösen verkommen lässt und diese Degeneration sogar aktiv unterstützt. Andererseits ist Ruth eine kranke Frau. Zusätzlich haben sie die Enttäuschung über ein Leben, das gänzlich anders verlaufen ist als erträumt und geprägt wird von Einsamkeit und Geldsorgen, in ihrem Wahn bestärkt. (Dieser Wahn, der von Ketchum hervorgehoben wird, gibt übrigens Anlass zur einzigen echten Kritik an »Evil”: Das «banale Böse” benötigt keinen Irrsinn als Treibstoff.) Irgendwie versteht der Leser Ruth sogar – und verfängt sich prompt in einer von Ketchum geschickt aufgestellten Falle.

Denn Ketchums eigentliches Anliegen zielt außerdem in eine ganz andere Richtung: Die Wahl des David als Hauptperson verwandelt den Leser in einen Komplizen. David ist eine interessante Figur: Er foltert nicht mit aber er greift auch (zu) lange nicht ein. Statt dessen erhält er eine unvergessliche Lektion: Der Mensch ist frei in seiner Entscheidung Gutes wie Böses zu tun. David ist anders als Ruths Kinder nicht gezwungen an der Folterung Megs teilzunehmen. Mehrfach lässt ihn Ketchum betonen, dass er im Chandler-Haus ein- und ausgehen kann, von Megs Martyrium weiß – und sich davon angezogen fühlt.

Die furchtbare Wahrheit ist: David wurde ein Weg gewiesen unterdrückten Gefühlen, die kanalisiert und »zivilisiert” werden müssten, freien Lauf zu lassen. Er gibt dem nicht völlig nach, d. h. er legt nicht selbst Hand an Meg. Freilich entschuldigt ihn das in keiner Weise und das weiß er auch: David hätte eingreifen können und hat es nicht. Weniger die Tatsache, dass ihm womöglich niemand geglaubt hätte, sondern die Faszination am Leiden Megs war dabei der Beweggrund. David ist ein Mitläufer. Auch wenn er schließlich Megs Partei ergreift, hat er versagt. Die Erinnerung daran wird ihn, den Mitläufer, ein Leben lang verfolgen, wird sein Leben prägen und ihn zu einem freudlosen, von Erinnerungen verfolgten Dasein als beziehungsgestörten Mann verurteilen.

Denn die Ereignisse des Sommers 1958 werden niemals wirklich verarbeitet. Dem Gesetz geschieht zwar Genüge. Donny, Willie und Woofer landen im Waisenhaus, Ruth stirbt, Susan wird befreit, David psychotherapiert. Doch die seelischen Wunden aller Überlebenden sind zu tief. Woofer wird im späteren Leben ein sadistischer Frauenmörder, David ein unglücklicher Mensch, der niemals Ruhe finden wird – Kapitel 1 des ersten Teils beginnt nicht umsonst mit der Frage «Ihr glaubt, ihr wisst, was Schmerz ist?”. David weiß es und er bzw. Ketchum zeigen brillant die zerstörte Seele des David mehr als dreißig Jahre nach dem Geschehen, das er auf den folgenden 300 erzählen wird.

Man möchte es nicht glauben, doch Meg Laughlin ist in diesem Pandämonium nur eine Randfigur, obwohl sie als Folteropfer das allgegenwärtige »Motiv« der Handlung bildet. Ketchum gelingt das finstere Kunststück Meg auch für uns, die Leser, zu einer Unperson zu machen. In einem Hollywoodfilm würde sie irgendwann den Spieß herumdrehen und ihre Peiniger zur Strecke bringen. Dass dies nicht geschieht, machen wir ihr zum Vorwurf. Dabei interessiert nicht, dass Meg hilflos ist und gegen die Übermacht ihrer Gegner nicht ankommt. Ihre tapferen Versuche einer Gegenwehr nehmen wir nicht zur Kenntnis, denn auch wir nehmen Meg als »Opfer” an. Dass Ketchum uns in diese Lage manövriert, das nehmen wir ihm übel!

Fazit: Wer lesend durchhält, erfährt Außerordentliches

Viele Emotionen für einen kleinen, schmutzigen Psychothriller …«Evil” ist wohl doch mehr als das, vielleicht ein Meisterwerk, auf jeden Fall ein rohes Stück Literatur, das an seelischen Fundamenten rührt, die man normalerweise lieber unbeobachtet lässt. Ob absichtlich oder nicht: Für seine »Hardcore”-Reihe hat der Heyne-Verlag als zweiten Band ein echtes Juwel ausgewählt. (Schade nur, dass ein denglischer Nulltitel wie «Evil” gewählt wurde. "Das Mädchen von nebenan”, so der übersetzte Originaltitel, wird dem Werk wesentlich gerechter.) Es bleibt zu hoffen, dass Jack Ketchums weitere Werke hier ebenfalls (und ebenso gut übersetzt) veröffentlicht werden – dieser Schriftsteller hat höchst unterhaltsam noch viele unbequeme Wahrheiten zu bieten!

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krooli zu »Jack Ketchum: Evil« 15.01.2012
Ich hatte es 2011 auch gelesen.
Es war abstossend,schockiernd etc.also das volle Programm.
Es zeigt wofür die menschliche (kranke)Psyche ,fähig ist.
Für Zartbeseitete nicht zu empfehlen.
Leider ist der Schluss absehbar.
Man wünscht sich ein anderes Ende.
Das dies auch alles passiert ist,ist um so schockierender.
Für mich war es das *schlimmste *Buch
bis jetzt.
Janko zu »Jack Ketchum: Evil« 31.10.2011
Evil von Jack Ketchum

Die Einleitung zu dem 335-seitigen „Evil“ von Jack Ketchum, wies für mich enorm viele Parallelen zu „Es“ von Stephen King auf, sodass ich mir (auch aufgrund des Vorwortes, das selbiger verfasste) anfangs ziemlich sicher war, auf einen kurzweiligen Abklatsch dieses grandiosen Meisterwerks gestoßen zu sein. Hier nur einige Beispiele für diese Parallelen: Kinder; Rummelplatz; Wasserturm; Spiele am Fluss; Haystacks Calhoun; der böse Junge (Eddie), der von seinem Vater verprügelt wird; die Schlange, die nach jemanden geworfen wird…doch zunehmend entwickelte sich „Evil“ in eine völlig andere Richtung. Von einem mehr und mehr verstummenden Hilferuf einer Minderjährigen unter Spott und Hohn, hin zu dem grauenvollen Porträt einer geraubten, ja letztendlich zerstörten Jugend. Demütigung, Qual, und Schmerz, abgrundtiefer Schmerz, zugefügt von einer Runde verstörter, geisteskranker Kinder und einer ihrer Mütter, die sich von und durch ihre Eltern zu kleinen, abartigen „Monstern“ hochstilisieren, muss die Minderjährige Meg über sich ergehen lassen. Sie wird dabei auf grausamste Art und Weise gepeinigt und gefoltert. Hier wird die moralische Frage nach dem: „Was tut man als Kind in einer derartigen Situation?“ gestellt. Wie wird man mit dem Druck, den die anderen auf einen ausüben fertig? Wie mit dem eigenen, nagenden Gewissen? „Evil“ ist eine hundsgemeine, böse und kranke Geschichte, der jeglicher Lesegenuss abgeht. Dennoch ist „Evil“ auf seine unwirtliche Art und Weise grausam authentisch. Sicherlich ist das Beschriebene für einige einfach nur abartig und pervers, wiederum andere mögen dagegenhalten, dass Jack Ketchum lediglich das beschreibt, was in so vielen Familien weltweit leider immer wieder an der Tagesordnung steht und vor dem sich so viele gerne verschließen wollen (rein nach dem Motto: Irgendwer wird schon irgendwann einschreiten…nur wann?). Meine Wertung: 80°
?Os? zu »Jack Ketchum: Evil« 25.04.2011
Ich habe dieses buch for ungefähr drei tagen gelesen und fand es genial. Ketchum
besitzt ein feingefühl für die psychologie seiner charaktere so dass man förmlich mit ihnen mit leidet. Ich bin nicht der meinung das es unglaublich brutal sei . Ich bin nur fassungslos das all diese dinge wirklich passiert sind.
Aber ein absolut sehr gutes buch ich kann aber nur jedem abraten der probleme mit folterungsseqeunzen hat darauf nimmt ein jack ketchum keine rücksicht. Zurecht von mir 96grad.
klein_Nici zu »Jack Ketchum: Evil« 16.03.2011
Ich muss meiner Vorrednerin zustimmen. Das Buch ist wirklich sehr abstoßend.

Die Grausamkeit, die in dem Buch immer mehr zusimmt, ist absolut unfassbar.
Das Motiv der Tante diese Taten zu begehen bzw. zuzulassen wird nie deutlich, nicht mal ansatzweise.
Und es hat mich extrem wütend gemacht, dass keins der Kinder, die beteiligt gewesen sind bzw. Mitwisser waren, etwas unternommen hat. Wurde in den 60er Jahren seinen Kindern nicht beigebracht, dass man Menschen in Not helfen muss? Immerhin waren die Kinder alt genug zu wissen, dass das Falsch ist, was sie da tun.

Ich war mehrmals kurz davor, das Buch abzubrechen, weil es mir zu brutal wurde, aber die Neugier hat dann doch gesiegt.
Ich wollte einfach wissen ob Meg überlebt.

Leider kann man sich nicht damit 'retten', dass das Buch reine Fiktion ist, denn es beruht auf einer wahren Begebenheit.
(Hinweis: Mordfall Sylvia Likens, wenn man das Buch wirklich lesen möchte, sollte man das nach der Lektüre erst suchen, da das Buch und der Mordfall was die Folter angeht so ziemlich übereinstimmen. Sonst weiß man ja schon vorher, was mit der armen Meg passieren wird.)

Fazit: Das Buch ist auf jeden Fall nur was für Hartgesottene. Jeder, dem normale Thriller teilweise schon zu brutal sind, dem rate ich drigend von diesem Buch ab. Allein schon der Gedanke, dass das wirklich fast 1 zu 1 so passiert ist, hat bei mir beim Lesen zugesetzt.
Ich hatte es glücklicherweise relativ schnell durchgelesen, es ist flüssig geschrieben und es gibt meiner Meinung keine Längen.
HeJe zu »Jack Ketchum: Evil« 26.02.2011
Oh - mein - Gott!!

Dieses Werk ist das mit Abstand abstoßendste, schockierendste, niederträgtigste und absolut perversteste, was ich je gelesen habe. Ich kann selbst nicht sagen, ob das nun positiv für einen guten Thriller oder negativ ist. Ich habe mich beim Lesen geschüttelt, wollte abends nicht ins Bett gehen, ohne etwas banales zur Verdrängung der Bilder, die dieses Buch hervorruft, zu tun. Nach jede perversen Grausamkeit dachte ich, "Bitte, jetzt muss doch aber Schluss sein!". Denkste! Jack Ketchum weiß, wie man immer wieder noch einen drauf setzt.
Dieses Buch zu lesen, und so zu einem Mittäter bzw. stummen Beobachter zu werden, macht einen so furchtbar wütend. Am Ende des Buches war ich gefühlsmäßig so mitgerissen, ich habe auch einige Tränen vor Wut wegen dieser schrecklichen Ungerechtigkeit vergossen. Man bekommt einen regelrechten Hass auf seine Umwelt, auf den Autor (--> Wie kann er sowas nur schreiben?), auf einfach alles.
Konrad Wolfram zu »Jack Ketchum: Evil« 01.01.2011
Jack Ketchum versteht sein Handwerk und EVIL ist wohl ohne Übertreibung ein Roman der sich wie flüssige Lava in die Hirnwindungen zu brennen versteht. Ein Buch für zart beseitete Gemüter ist EVIL bestimmt nicht, zumal das gelesene den Leser noch lange beschäftigen dürfte. Zumindest ist es mir so ergangen. Dabei muß man sagen das jeder sprachlicher Schnörkel diesem Roman abträglich gewesen wäre. Mit EVIL von Jack Ketchum hat HEYNE einen Meilenstein des Schreckens veröffendlicht, der seines Gleichen sucht. Stephen King hat dies zu Recht erkannt und entsprechend in seinem Vorwort zu würdigen gewußt.
Moschi zu »Jack Ketchum: Evil« 10.12.2010
Mag ja sein: Vielleicht gibt es solche Individuen wie Ruth und ihre drei grenzdebilen Söhne. Dass sich aber "normale" Nachbarskinder an wochenlangen, sadistischen Quälorgien, auch durch passives Zuschauen, beteiligen, ist einfach nur haarsträubend.
Zudem ist das Buch in einem derart einfachen, fast schon unbeholfenem Stil geschrieben, dass ich mich nicht nur wegen der Geschichte zum Lesen regelrecht zwingen mußte.
Wieso sich der von mir - für seine früheren Werke - sehr geschätzte Stephen King für das euphorische Vorwort hergab, wird mir immer ein Rätsel bleiben.
Mein Fazit: Eines der wenigen Bücher die ich umgehend zum Altpapier gegeben habe.
Schade um die vergeudete Lesezeit.
1 von 4 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Chrisu zu »Jack Ketchum: Evil« 14.09.2010
David liegt auf einem großen Stein mitten im Fluß und will Flußkrebse fangen. Dort begegnet er Mag, die mit ihrer Schwester im Nachbar- haus eingezogen ist, da die Eltern tödlich verunglückt sind. Ruth Chandler mit ihren Söhnen Donny, Willie und Woofer sind jetzt ihre Familie. Aber ist das wirklich so? Was passiert in diesem Haus, was passiert im Keller dieser Familie?
Eine Horrorszenario erster Klasse spielt sich in dieser Sackgasse ab. Auf der einen Seite die Faszination von Macht, Gewalt, Schmerz und auf der anderen Seite Wahnsinn, der sich hier zusammenbraut.
Ketchum hat es wieder geschafft, mich in das Geschehen hineinzuziehen. Ein wahnsinnig gut geschriebenes Buch, Horror pur.
Ich konnte das Buch fast nicht aus der Hand legen.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
eigentor zu »Jack Ketchum: Evil« 17.07.2010
Ich kann mich den Vorrednern nur anschließen über den bleibenden Eindruck, den das Buch hinterläßt.

Gerade in der heutigen Zeit mit dem Trend zu "Torture Porn" Filmen ist es ein wichtiger Beitrag. Torture Porn spricht eine kranke Seite in uns an, Spass daran zu haben wie jemand anders leidet.

Damit das aber irgendwie konsumierbar bleibt, geben einem fast alle diese Filme eine Hilfe an die Hand: Sie stilisieren die Täger zu Monstren. Sie werden so abgrundtief böse dargestellt, daß wir uns keinesfalls mit ihnen identifizieren können, uns sind sozusagen "freigesprochen".

Auch gibt es in den Filmen irgendwo immer einen "Point of no Return" ab wo es alles so gewalttätig wird, daß es auch schon egal ist.

Und eben hier liegt die große Leistung von "Evil". Das Geschehen bremst zwischendurch immer wieder ab, alle Personen (vielleicht mit Ausnahme von Ruth) bleiben menschlich, die Kinder, vielleicht mit Ausnahme von Eddie, sind keine Monstren.

Mehrfach gibt es die Möglichkeit auszusteigen, die Sonne hereinzulassen, den bösen Traum zu beenden.

Aber es passiert nicht. Im Prinzip wird der Ich-Erzähler David also zum schlimmsten Täter, da er die allergrößte Möglichkeit hätte, etwas zu unternehmen.

Das einzige, was die Geschichte noch intensiver hätte machen können, wäre, auch Ruth noch menschlicher darzustellen. (wenn ich auch nicht weiß, wie das hätte gehen sollen). Dadurch wären die Kinder noch mehr zu Tätern geworden und man hätte das Buch wahrscheinlich gar nicht mehr ertragen können.

So wird Ruth doch zu sehr zum Zentrum des Bösen, was eigentlich Potential verschenkt.

Mir war nach dem Lesen zwei Tage schlecht, ich habe bittere Tränen geweint am Ende.

Wichtig, einfach nur wichtig dieses Buch. Vielleicht - hoffentlich - hilft es einigen von uns zur Zivilcourage im richtigen Moment.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
pass auf zu »Jack Ketchum: Evil« 02.07.2010
Interessant auf alle Fälle.

Fand allerdings die ganze Situation für mich persönlich schwer nachvollziehbar, sowohl aus Sicht von Ruth als auch von David(zumindest teilweise). Dadurch konnte ich mich schwer mit ihm indentifizieren, irgendwie seltsam. Dass sowas tatsächlich passiert ist natürlich um so schockierender
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