Finde mich - bevor sie es tun von J. S. Monroe

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2017 unter dem Titel Find me, deutsche Ausgabe erstmals 2018 bei Blanvalet.

  • London: Head of Zeus, 2017 unter dem Titel Find me. 399 Seiten.
  • München: Blanvalet, 2018. Übersetzt von Christoph Göhler. ISBN: 978-3734105029. 444 Seiten.
  • [Hörbuch] München: Random House Audio, 2015. Gesprochen von Elmar Börger & Detlef Bierstedt Jodie Ahlborn. ISBN: 3837140601. 1 CDs.

'Finde mich - bevor sie es tun' ist erschienen als TaschenbuchHörbuchE-Book

In Kürze:

Mitten in der Nacht geht Rosa Sandhoe zum Cromer Pier. Sie blickt ins tosende Wasser und sie springt. Der Tod einer jungen Studentin, die gerade ihren Vater verloren hat. Tragisch, aber nicht unerwartet. Seither sind fünf Jahre vergangen, und Rosas Freund Jar glaubt noch immer nicht an ihren Selbstmord. Wie ein Besessener klammert er sich an die Vergangenheit. Und plötzlich bekommt er eine Nachricht von Rosa: Finde mich, Jar. Finde mich, bevor sie es tun &Was geschah wirklich in der Nacht am Cromer Pier? Ist Rosa gar nicht tot? Und wenn doch, wer spielt dann dieses grausame Spiel mit Jar?

Das meint Krimi-Couch.de: Psychopath, CIA-Agent oder doch nur ein harmloser Spinner? 80°

Krimi-Rezension von Sabine Bongenberg

Wer kennt es nicht? Wenn man einen geliebten Menschen plötzlich vermisst, dann meint man oft, ihn überall zu sehen. Rational weiß man, dass er nicht mehr da ist – dass er die Stadt verlassen hat, aber dennoch …

Es ist daher nicht überraschend, dass Jarlath Costello – seine Freunde und wir nennen ihn »Jar« – meint, seine Freundin Rosa überall zu sehen. Nur – in seinem Fall ist dieses Gefühl noch wesentlich irrationaler, denn Rosa hat sich das Leben genommen. Auch wenn ihre Leiche nie gefunden wurde. Ist Jar nun ein Spinner, der sich mit dem Tod seiner großen Liebe nicht abfinden will oder kann, oder steckt doch mehr hinter der Geschichte?

Jetzt spinnt er langsam …

J.S.Monroe spielt auf mehreren Erzählebenen geschickt mit den Erwartungen der Leser. Zum einen schildert er die Gedanken und Emotionen seines Helden Jar, der es nicht schafft, den Suizid seiner Freundin zu überwinden. Nicht nur, dass er ihr vermeintlich immer wieder begegnet, gelegentlich meint, sich mit ihr zu unterhalten, mittlerweile konstruiert er um das Verschwinden Rosas’ Verschwörungstheorien, fühlt sich beobachtet, weiß nicht wem er trauen kann. Möglicherweise also ein Mensch, dessen verwundete Seele langsam in aberwitzige Phantastereien abdriftet.

Dennoch findet Jar Spuren, die Rosa vor ihrem Selbstmord hinterlassen hat und die auf ein – zumindest anfangs – freiwilliges Verschwinden hindeuten könnten. Rosas’ Vater arbeitete offensichtlich für den Geheimdienst. Wie tief war er in dessen Aktionen verstrickt? Wurde die Tochter nach seinem plötzlichen Tod angeworben? Wollte sie wieder aussteigen und wird nun als Verräterin festgehalten?

Der lange Arm der Geheimdienste?

Gegliedert ist Monroe’s Roman in zwei Bücher. Das erste beschreibt ausführlich die Geschehnisse und Entwicklungen, die zum Verschwinden der jungen Studentin führten, und die Bewältigungsversuche ihres Freundes und ihrer Familie. Dieser Strang wirkt aufgrund seiner langsamen Entwicklung und seiner nicht immer erklärbaren Begleitumstände gelegentlich zu langatmig und diffus.
Richtiges Tempo kommt erst im zweiten Buch auf. Hier wünscht sich der Leser dann schon fast manchmal den ruhigen Fluss des ersten Teils zurück. Der Autor stellt hier sein Buch auf eine neue Ebene. Der Agententhriller wird auf die Probe gestellt. Ist es wirklich das Werk eine Geheimdienstes, das für Rosas Verschwinden verantwortlich zeichnet? Ist die menschliche Bosheit, wie sie sich in Berichten aus der Guantanamo Bay fand, das Werk einer Institution – oder entfalten sich hier auch andere Möglichkeiten? Sind Folterungen allein das »Privileg« der Staatsmacht, die sich möglicherweise selbständig machte oder phantasiert hier nur ein krankes Hirn?

Oder wird hier eine Aussteigerin tatsächlich nur drakonisch bestraft und reißt ihr Umfeld mit in den Abgrund? Diese Fragen gestalten Monroes’ Thriller zu einer spannenden Lektüre. Hier auch eine Warnung vorweg: Bei den Schilderungen einiger Tierversuche musste ich auch schlucken und fragte mich, ob diese Ausführlichkeit tatsächlich so notwendig war.

Monroe taucht die Leser mit seinen verschiedenen Erzählsträngen in ein Wechselbad der Gefühle. Treten zunächst große Zweifel auf, ob Jar in seiner Einsamkeit, seiner Trauer und nicht zuletzt in seinem wüsten Alkoholkonsum nicht einfach die Grenzen der Verzweiflung überschreitet, werden diese Zweifel doch von dem Verdacht abgelöst, dass hinter dem Verschwinden der Freundin mehr stecken könnte. Rosa selbst berichtet in ihrem Tagebuch über die Aktionen einer Institution, die offensichtlich begabte Einzelgänger an den Unis umgarnte. Fraglich ist aber auch bald, ob diesen Einträgen überhaupt zu trauen ist und nicht noch ein anderes, perfideres Spiel hinter dieser Konstruktion steckt.

Dieses Wechselbad mag Höhen und Tiefen haben, gelegentlich auch einmal Irritationen über Jar’s Rosa-Phantasien hervorrufen, dennoch hat Monroe hier insgesamt eine spannende Lektüre geschaffen, die insbesondere mit dem Tempo ihres zweiten Buches für die kleinen Hänger aus dem ersten entschädigt.

Sabine Bongenberg, März 2018

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