Ich töte, was du liebst von J. M. Calder

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel And hope to die, deutsche Ausgabe erstmals 2009 bei Rowohlt.
Ort & Zeit der Handlung: Australien, 1990 - 2009.

  • Camberville: Penguin, 2007 unter dem Titel And hope to die. 384 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2009. Übersetzt von Anja Schünemann. ISBN: 978-3-499-24826-9. 448 Seiten.

'Ich töte, was du liebst' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Eine Reihe von Kindesentführungen erschüttert die Stadt. Schon zwei Mütter haben sich das Leben genommen, nachdem sie vom Kidnapper ein Päckchen mit einem abgeschnittenen Körperteil ihres Kindes erhalten hatten. Jetzt ist wieder ein Mädchen verschwunden. Doch noch immer finden Lieutenant Solomon Glass und seine Kollegen kein Muster, nichts, was die Opfer verbindet …

Das meint Krimi-Couch.de: »Wohin führt die Geschichte?« 40°

Krimi-Rezension von Sabine Bongenberg

Zugegebenermaßen ist bisher meines Wissens nach kein Krimi-Autor auf diesen Plot gekommen: Ein Kind wird entführt und dessen Mutter vor die Wahl gestellt: Dein Leben oder das des Kindes. Im Klartext bietet man den verzweifelten Frauen an, im Falle ihres Suizides das Kind zu verschonen und um den Ernst dieser Nachricht zu untermauern wird der Botschaft jeweils ein abgetrenntes Körperteil des oder der Entführten beigefügt. Wäre ein Vorgehen nach diesem Muster für sich nicht schon schlimm genug, wiederholt sich die Tat jeweils zum Jahreszeitenwechsel, also jeweils zum 22. eines jeden Quartals. Lieutenant Salomon und sein Team – bestehend aus der gewitzten und mit besonderen körperlichen Vorzügen ausgestatteten Nora und dem eher tumben aber netten Malone – ermitteln hier mittlerweile in dem vierten Entführungsfall. Bei zwei Fällen setzten die Mütter das Leben ihres Kindes höher an, als ihr eigenes, woraufhin die Verschleppten wieder frei gelassen wurden. In einem weiteren Fall überlegte es sich der Entführer offensichtlich anders und ließ sein Opfer ohne Gegenleistung frei. Nun wurde die neunjährige Amy entführt und nach Öffnen des übersandten Erpresserbriefes nebst »persönlicher Note« wird klar, dass es hier um ein Rennen gegen die Zeit geht.

Obwohl diese Geschichte schon auf einem Konflikt von fast biblischem Ausmaßes beruht, ist es leider dem Autorenteam nicht gelungen, diese mit Leben zu erfüllen. Hauptsächlich widmet sich der Krimi nämlich der Person des Hauptermittlers Solomon (Solly) Glass, dessen innere Zerrissenheit und problematische Beziehungen in erster Linie beschrieben werden, wobei der eigentliche Fall zur Nebensache mutiert. So bleiben auch die handelnden Personen – neben der des charismatischen aber eigenwilligen Lieutenants – blass und konturenlos.

Damit diese persönliche Erhebung Glass’ in diesen Plot passt, stellt sich bei näherer Inaugenscheinnahme eines Erpresserbriefes mit der bereits erwähnten »persönlichen Note« heraus, dass Glass wesentlich tiefer in die Motive des Täters verstrickt zu sein scheint, als man bei einem schlichten Cop annehmen dürfte. Offensichtlich soll hier Rache für eine frühere Fehleinschätzung des Polizisten genommen werden, unter der er selbst bis zum heutigen Tage krankt. Wenn Sie das jetzt für eine doch arg konstruierte Geschichte halten, dann kommt es leider noch besser: Glass erkennt anhand eines winzigen Hinweises, wer sein Gegenspieler ist und macht sich augenblicklich auf die Jagd nach dem Täter.

Hier scheint dabei niemanden zu stören, dass nur die Tatsache, dass es sich bei dem Gesuchten um den Bruder eines Psychopathen handelt dessen Täterschaft belegt. Es beginnt eine aberwitzige Jagd, bei der der Täter den drei Hauptermittlern immer einen Schritt voraus ist und sich durch raffinierte Technik (so das komplette Verwanzen des Hauses des Entführungsopfers), geschickte Verkleidungen (die es ermöglichten fast ein Jahr als Frau aufzutreten) und das Anzapfen des Polizeicomputers und der Handys den Ermittlungen entzieht. Sie sind der Meinung, dass doch wohl an den Haaren herbeigezogen ist? Offensichtlich sehen das Millionen von Lesern anders, denn der rote Aufkleber auf dem Buch weist es als »Bestseller« aus. Neben diesen Schachzügen, die den Täter quasi als »Superverbrecher« aufweisen, irritiert, dass permanent auf Fälle aus Glass’ Vergangenheit Bezug genommen wird, die dem Leser nicht bekannt sind und auch nicht weiter erläutert werden. Andererseits steht diese Vergangenheit aber auch mehrheitlich nicht unbedingt in unmittelbarem Bezug zu dem Fall und ist daher auch für die Lösung überflüssig.

Als Fazit bleibt hier zu festzuhalten, dass ein Autorenteam nach dem Muster Nicci French nicht funktionieren muss. Hier überwiegt der Eindruck einer Geschichte, die nicht weiß wo sie hin will. Soll hier die Geschichte eins zerrissenen Cops erzählt werden, der langsam an seinem Beruf und seinem früheren Versagen verzweifelt? Oder lieber die eines irren Psychopathen, dem es ein Vergnügen ist, mit der Qual und dem Selbsterhaltungstrieb seiner Mitmenschen zu spielen? Aus diesen Fragen hätten sich sicherlich zwei fesselnde Bücher konstruieren lassen, wogegen die Idee, diese Themen in einem Plot zu vereinen – zumindest bei diesem Autorenteam – nur scheitern konnte.

Sabine Bongenberg, April 2009

Ihre Meinung zu »J. M. Calder: Ich töte, was du liebst«

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KrimmiJenny zu »J. M. Calder: Ich töte, was du liebst« 23.02.2014
Ich fand dieses Buch ...Joa so ganz okay.
Ich find die Geschichte die dahinter steckt, echt gut ausgedacht und die Handlung auch. Nur die Perspektive aus der dieses Buch geschrieben wird fand ich nicht gut.
Ich habe mir mehr von Milosz und den Kindern gewünscht...Wie kann Amy in den kleinen Kellerraumes bei ihm?
Es wird nur aus Glass` ,Malones und Noras Sicht geschrieben.
Das ist sehr schade...
Also gut zu lesen war es,die Geschichte an sich war auch sehr gut aber auf Grund der Perspektive kann ich es nicht weiterempfehlen...Schade!
Laura Kulmer zu »J. M. Calder: Ich töte, was du liebst« 31.12.2010
Dieses Buch hat mich gefesselt!!! Ich habe ja schon einige Krimis und Thriller gelesen, aber so berührt hat mich noch keines dieser Bücher! Respekt! J. M. Calder hat sich eine völlig neue Geschichte ausgedacht. Ein wahres Kunststück in der heutigen Zeit. Dieses Buch kann ich nur empfehlen! Es ist ein wahres Meisterwerk!!!
Maisa zu »J. M. Calder: Ich töte, was du liebst« 27.06.2010
Das Buch ist ganz okay.
Ich musste es für die Schule lesen.
Allerdings muss ich sagen, das es der erste Krimi ist, an dem ich mich immer gefreut habe, wenn ich mal wieder weiter lesen konnte.Das Buch hat mich sozusagen gefesselt. Am Anfang konnte ich dem Buch zwar nicht ganz folgen,
aber geklappt hat es trtzdem !
SchnulliiKrimi zu »J. M. Calder: Ich töte, was du liebst« 26.10.2009
Ich bin noch fast ein Mädchen und fande diese Buch wirklich sehr gut. Ich liebe Krimis wirklich und finde dass dieser sehr gut gelungen ist, da es spannend ist und nicht wie bei anderen Büchern eher fade und nichts aufregendes passiert, ist.

Diesen Krimi kann ich für Krimi&Schaurig-Liebende nur empfehlen! :D
Niko zu »J. M. Calder: Ich töte, was du liebst« 21.08.2009
Für mich, als Gelegenheitsleser, war das Buch wirklich sehr spannend.
So kann ich auch nicht das Gefühl teilen, dass Glass`s Probleme im Mittelpunkt stehen.
Eher habe ich für mich selbst die Zusammenhänge zwischen seiner Vergangenheit und dem aktuellen Fall hergestellt und beinahe schon selbst ermittelt.
Es war interessant, wie ich in Lesepausen das neu erfahrene versuchte einzuordnen.
Ein fesselndes Buch!
mimikrimi zu »J. M. Calder: Ich töte, was du liebst« 22.04.2009
Ich habe diesen Thriller als packend empfunden.Schon allein die Vorstellung Menschen zur Selbsttötung zu zwingen,ist ein Einstieg in das Geschehen,was mich neugierig machte.Qualen,die man Eltern bereiten kann,Rache als Motiv.Auch wenn der Ermittler Glass mit erheblichen Zweifeln zu kämpfen,ist für mich es ein guter Thriller.Auch andere Autoren lassen ihre Ermittler manchmal in Selbstzweifel versinken.
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