Die Shakespeare-Morde von J. L. Carrell

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel Interred with their Bones, deutsche Ausgabe erstmals 2008 bei List.

  • New York: Dutton, 2007 unter dem Titel Interred with their Bones. 464 Seiten.
  • Berlin: List, 2008. Übersetzt von Sophie Zeitz. ISBN: 978-3-471-35001-0. 464 Seiten.
  • Berlin: Ullstein, 2009. Übersetzt von Sophie Zeitz. ISBN: 978-3-548-28122-3. 462 Seiten.

'Die Shakespeare-Morde' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Ein rätselhaftes Geschenk, eine tote Literaturprofessorin und ein Mörder, der auf ebenso grausame wie symbolhafte Weise tötet: Als die junge Theaterregisseurin Kate Shelton auf Hinweise zu einem verschollenen Shakespeare-Drama stößt, beginnt ein Wettlauf mit dem Tod.

Das meint Krimi-Couch.de: »Sein oder tot sein« 55°

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Frau Dr. phil. Jennifer Lee Carrell, die an der Harvard University in Englischer und Amerikanischer Literatur promoviert und unterrichtet hat und auch Studien Englischer Literatur in Oxford und Stanford absolvierte, schrieb im Jahr 2007 Interred With Their Bones, das in der Übersetzung von Sophie Zeitz im List Verlag als Die Shakespeare-Morde veröffentlich wurde.

Wie der Titel schon sagt, dreht sich hier alles um den alten Meister, von dem bis heute keiner zu wissen glaubt, ob es ihn wirklich gab, ob sein Name nur ein Pseudonym einer historischen Persönlichkeit oder gar einer Gruppe von Schriftstellen war, die William Shakespeare als Speerspitze ihres Schaffens benötigte.

Heldin dieses Erstlings aus der Feder der amerikanischen Autorin ist die junge Kate Shelton, ihres Zeichens Shakespeare-Expertin und Theaterregisseurin am namhaften Londoner Globe Theatre am rechten Ufer der Themse. 1613 zum ersten Mal abgebrannt, brennt es nach der Neuerrichtung 1997 im Juni 2004 erneut, just nachdem Kate während einer Probe von Hamlet von ihrer ehemaligen Tutorin Rosalind Howard besucht wurde. Ros stirbt während des Brandes, aber nicht an den Folgen des Feuers, sondern an einer tödlichen Injektion. Ros hinterlässt Kate eine Kassette mit brisantem Inhalt. Demzufolge soll es ein unbekanntes Stück von Shakespeare geben, das seinerzeit für politische Aufregung gesorgt hätte.

Sir Henry Lee, alternder Doyen des Globe Theatres, und Ben Pearl, ein von Rosalind Howard angeheuerter Sicherheitsspezialist, gehen mit Kate auf eine weltweite Jagd nach dem verschollenen Stück, hinter dem auch andere Sammler und Wissenschaftler her sind. Und keiner schreckt vor Mord zurück, um das wertvolle Manuskript zu ergattern …

Und diese wilde Jagd geht über 450 Seiten, in der die Autorin nimmermüde ein Shakespeare-Zitat an das nächste reiht. Die Geschichte ist fabelhaft ausgedacht, auch die Art und Weise, wie die Personen agieren und die Story voran getrieben wird, ist trotz komplizierter Zusammenhänge mit einer gewissen Spannung nachvollziehbar. Aber wem nicht spätestens zur Hälfte des Thrillers die permanenten Verweise (die natürlich dramaturgisch notwendig sind) zum Hals heraus hängen, der muss ein echter Shakespeare-Fanatiker sein.

Im Verlauf der Handlung schafft es Frau Carrell sämtliche Beteiligten zu mutmaßlichen Bösewichten zu machen. Misstrauen und Mord beherrschen die Szene und gipfeln in einem unterirdischen Showdown in einer Höhle in New Mexiko. Kate Shelton mutiert zu einem weiblichen Indiana Jones der britischen Literaturforschung und je länger das Buch dauert, umso unglaublicher wird der Stoff, der zwar fiktiv ist, aber in seiner Grundlagenforschung auf geschichtlichen Tatsachen aufbaut, wie man dem zehn Seiten langen Anhang entnehmen darf.

Für meinen Geschmack steckt in dem grundsätzlich hochinteressanten Thema ein wenig zu viel Shakespeare. Die Autorin lässt ihre umfangreichen Kenntnisse über den englischen Dramatiker in einer derartigen Fülle in die Geschichte einfließen, dass man im Laufe der interessanten Handlung den Faden verliert, wenn man nicht permanent auf die überall verstreuten Zitate achtet. Da wird das Lesevergnügen äußerst mühsam und der Lesefluss wird des Öfteren unterbrochen. Mit etwas weniger Fakten rund um die Schnitzeljagd nach dem Manuskript und die Codiersysteme mittelalterlicher Nachrichten hätte das Buch von mir eine deutlich bessere Wertung bekommen. Wer nicht gerade ein Literaturstudium aufweisen kann oder sich intensiv mit alten Meistern beschäftigt, wird meines Erachtens von diesem Schmöker nicht besonders begeistert sein.

Wolfgang Weninger, September 2008

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Katja zu »J. L. Carrell: Die Shakespeare-Morde« 23.12.2011
Man hat mich wieder mal eingefangen mit dem Aufkleber"Bestseller" und dem doch üblichen Lobesgeschwafel auf dem Buckdeckel.Es fängt sehr spannend an, es baut eine gute Dramatik auf und fällt genauso schnell wieder in sich zusammen, ellenlange Ausschweifungen über das Leben und die wilden Theorien über sein angeblichen Sein, was teilweise doch interessant war. es gelingt der Autorin aber nicht, ein wirklich durchgehend spannendes Buch zu verfassen, es plätschert teilweise so dahin,die Verstrickungen der Personen raubt mir den Nerv,vollgefrachtet mit Wissen und zig Personen, ist es ein durchschnittlicher Roman ,von einem guten Thriller aber dann doch weit entfernt.Weniger historische Fakten und mehr Spannung wären eine gute Kombi gewesen, hier ist es aber genau umgedreht, und das killt das Lesevergnügen.Im zweiten Drittel hat mich der Ausgang des Buches überhaupt nicht mehr interessiert, so gähnend langweilig wurde es mir persönlich.
mimikrimi zu »J. L. Carrell: Die Shakespeare-Morde« 15.07.2011
Um mal Pause von den ganzen "blutrünstigen" Thrillern zu machen und beim umräumen wiedergefunden,habe ich nochmal diesen Krimi gelesen.Fasziniert hat mich daran die hist. Tatsache,dass ja doch anscheinend nicht eindeutig bewiesen ist,wer Shakespeare war.Auch wenn manche Lesermeinungen vor mir mehr zu der Dan-Brown-Manier tendieren,finde ich es trotzdem spannend.es wird ein Theorie aufgestellt und darum eine gute Geschichte gemacht.
Es gibt ja auch massenhafte Thriller a la Macfayden,Gerritsen und co.
Ein Krimi,den ich auf jeden Fall in mein Regal stehen lassen werde.
Myriam zu »J. L. Carrell: Die Shakespeare-Morde« 06.04.2010
Hmm also ich weiß nicht was ihr habt. Mich hat das Buch anfangs nicht besonders interressiert, da ich zwar shakespeare liebe, aber eigentlich nicht der Fan solcher Krimis bin. Aber da es mir wärmstens ans Herz gelegt wurde habe ich es dnan doch gelesen. Und wurde nicht enttäuscht.Was mir besonders gefallen hat war die Tatsache, dass das Buch nicht einen einzigen Durchhänger hatte sondern durch und durch spannend war. Auch habe ich bis zu den letzten Seiten zwar gefühlte 400 Theorien gehabt wer es sein könnte doch keine hat sich wirklich durchgesetzt.Mir hat das Buch gut gefallen. und ich würde es weiter empfehlen.
Gruß.
josefine zu »J. L. Carrell: Die Shakespeare-Morde« 17.12.2009
Schade, ich bin wieder dem Hinweis " Spiegelbestseller " und dem großen Lob- wahnsinnig spannend und intelligent - zum Opfer gefallen. Da ich großer Shakesspeare-Liebhaber und Krimifan bin- nicht blutrünstig sondern auf die englische Art-stürzte ich mich auf das Buch. Es waren viele verlorene Stunden, in denen ich mich oft geärgert habe, bis ich endlich das Ende erreichte.
Stefan83 zu »J. L. Carrell: Die Shakespeare-Morde« 25.10.2009
So etwas wie männliche Intuition scheint es wohl auch zu geben, denn bereits in dem Moment als mir "Die Shakespeare-Morde" als Leseexemplar in die Hand fiel, hatte ich die arge Befürchtung, dass es sich dabei um einen weiteren Vertreter der Wir-schreiben-jetzt-mal-wie-Dan-Brown-Fraktion handeln könnte und mir deshalb nicht zusagen würde. Ganz so war es dann letztendlich nicht, aber Jennifer Lee Carrells Debütwerk scheitert, und das ist eigentlich schade, am Spagat zwischen eigenen Ansprüchen und den engen Gesetzen des Genres.

Selbst lange Zeit Dozentin für Englische und Amerikanische Literatur an der Universität in Harvard, kann man ihr ein enormes Wissen über die Person William Shakespeare nicht absprechen. Und ihre Vorlesungen mögen sogar äußerst unterhaltsam und vom Geist dieses vielleicht größten aller Schriftsteller beseelt gewesen sein. Ihr Thriller, der sich mit den Fragen befasst, ob es Shakespeare wirklich gab bzw. sein Name das Pseudonym einer anderen historischen Persönlichkeit oder gar einen ganzen Gruppe von Autoren war, ist dies leider nicht. Und dabei hätte der Plot durchaus das Potenzial gehabt für schlaflose Nächte zu sorgen. Den Anfang nimmt er im London des Jahres 2004.

Für die junge amerikanische Shakespeare-Expertin Kate Stanley (nicht Kate Shelton, wie fälschlicherweise im Klappentext angegeben), aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird, ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Sie darf das erste Mal Theaterregie führen. Und das auch noch im berühmten Globe-Theatre am Themseufer. Mit Feuereifer stürzt sie sich in die Proben zu "Hamlet", um am Abend vor der Premiere schließlich mit aller Macht aus dem siebten Himmel gerissen zu werden: Während sie vergebens auf ihre alte Mentorin Ros Howard wartet, brennt das Globe-Theatre, wie schon einmal im Jahre 1613 am selben Kalendertag, nieder. In den Trümmern wird Ros ermordet aufgefunden. Ihre Hinterlassenschaft befindet sich in einem Kästchen, das sie kurz zuvor Kate als "bedeutende Entdeckung" gegeben hatte. Als diese es öffnet, findet sie nicht nur den ersten Teil eines Shakespeare-Puzzles, das zu einem bisher unbekannten Stück des Dramatikers führen könnte, sondern wird damit auch ungewollt zum Ziel des mysteriösen Mörders. Unterstützung erfährt sie durch Sir Henry Lee und den von Ros angeheuerten Sicherheitsspezialisten Ben Pearl, mit denen sie gemeinsam das Rätsel zu lösen versucht...

Keine Frage: "Die Shakespeare-Morde" beginnt äußerst viel versprechend und hätte Carrell den Stil der ersten fünfzig Seiten beibehalten, es wäre ein Reißer geworden. Spätestens nach diesem äußerst stimmungsvollen, bedrohlichen Anfang flacht der Plot, der ohne Zweifel äußerst intelligent konzipiert worden ist, aber ab. Seite an Seite reihen sich die Shakespeare-Zitate, überschüttet uns die Autorin mit Informationen, welche dem Handlungsaufbau, der zudem noch in mehren Strängen erfolgt, nicht dienlich sind und allerhöchstens absolute Shakespeare-Fanatiker noch bei Stange halten dürfte. Man merkt hier deutlich, dass eine Expertin des Themas die Feder geführt hat und es ist diese Detailverliebtheit, welche der Geschichte das Rückrat bricht. Kompliment an jeden, der hier den Faden zwischen all den Zitaten und Rückblenden nicht verliert, von den Massen an Fakten und Personennamen nicht erschlagen wird. Selbst mit Literaturstudium in der Rückhand brach mir angesichts dieser Informationslawine bald der Schweiß aus. Wer ist jetzt noch mal wer? Wie hängen diese Figuren zusammen? Aus welchem Stück war dieses Zitat jetzt gleich?

Die Spannung ist es natürlich, welche darunter stark leidet. Carrells ausschweifende Erzählungen stoppen immer wieder den Lesefluss und verhindern den Aufbau jeglichen Lesevergnügens. Das Ende gerät schließlich Unpassenderweise äußerst amerikanisch und hätte auch von Hollywood nicht besser (oder schlechter) in Szene gesetzt werden.

Insgesamt ist "Die Shakespeare-Morde" ein bemühtes, aber überfrachtetes Erstlingswerk, das Hardcore-Fans des großen Dramaturgen noch zusagen dürfte, dem Gelegenheitsleser jedoch viel Geduld abfordert und in punkto Spannung nur am Anfang etwas bietet. Da hilft dann auch ein zehnseitiger Anhang zur nachträglichen Erklärung nicht mehr. Chance vertan. Schade eigentlich.
9 von 11 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Andrea zu »J. L. Carrell: Die Shakespeare-Morde« 10.10.2009
Ich kann den Meinungen vom 30.10 und 31.10 2008 absolut nicht zustimmen. Ich finde das Buch auch jetzt noch interessant, obwohl ich inzwischen von mindestens 5 mal gelesen habe. Es erzählt eben haupsächlich über die Geschichte und das Leben von Sakespeare und seinen Werken. Ich bleibe bei meiner Meinung zu diesem Buch. ES IST EINFACH TOTAL GENIAL UND INTERESSANT!
Nomadenseele zu »J. L. Carrell: Die Shakespeare-Morde« 18.09.2009
Langweilige Zeitverschwendung, mehr kann man zu dem Buch nicht sagen. Es hätte dringend eine Personenübersicht am Anfang gebraucht, zwar gibt es nur vier Kernpersonen, aber es eine Unmenge Nebendarsteller aus der Jetzt-Zeit und der Vergangenheit, dass man ein sehr gutes Gedächtnis braucht, wer wer ist – ich bin am Ende doch sehr ins Schleudern geraten. War aber auch nicht schade, denn was Dan Brown mit Kunstgegenständen macht, wollte die Autorin mit der Literatur bzw. Shakespeare machen – herausgekommen ist eine Abhandlung von verschiedene Theorien zu dem Dichter und ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Autorin zeigen wollte, was sie alles über Shakespeare weiß. Das mag eine ganze Menge sein, aber die Fakten erschlagen den uneingeweihten Leser.
Auch das die Protagonistin sämtliche Lebensdaten/geschichte eines jeden Adligen der elisabethanischen / jakobinischen Epoche exakt auswendig kannte, wirkte auf mich nicht sehr glaubhaft.Fazit:
Ein langweiliger, fast monotoner *Thriller* über Shakespeare – wer Spannung sucht, wird sie nicht finden.
Brengel zu »J. L. Carrell: Die Shakespeare-Morde« 29.06.2009
"Was du nicht hast, dem jagst du ewig nach,
Vergessend, was du hast."
William Shakespeare, Maß für Maß

Was ist denn das, was uns J. L. Carrell präsentiert? Shakespeare meets Indiana Jones oder Quartermain - oder eher eine B-Movie-Variante von beiden Charakteren.

Es ist leider ein Buch, das nicht stimmig ist. Die Struktur verteilt sich auf mehrere Zeitebenen (17., 19. und 21. Jahrhundert) mit personellen Bezügen zwischen den Generationen und einer Vielfalt an Figuren, was insgesamt ein gerüttelt Maß an Konzentration erfordert, um Erzählstränge und Zusammenhänge zu erfassen - andererseits ist die Story so hanebüchen zusammengezimmert, dass man sein Hirn tunlichst ausschalten sollte, will man das Werk nicht mit hysterischem Gelächter in die Ecke werfen. Kurz: Der Roman ist zu komplex für eine anspruchslose Strandkorb-Lektüre, aber hält einer ernsthaften Betrachtung nicht ansatzweise Stand.

Die Lektüre hat mich insgesamt geärgert, aber das Werk hat auch seine Stärken. Die Autorin weckt das Interesse an der Person (nicht so sehr an den Werken, die bleiben eher blass) Shakrspeares. Dort hat sie nach meinem Empfinden ihre Stärken - um auf das Eingangszitat zurückzukommen: wäre sie mal dabei geblieben.
Myriam zu »J. L. Carrell: Die Shakespeare-Morde« 28.06.2009
Hmm also ich verstehe nicht ganz was viele von euch nicht daran gefallen hat. Ich fand das Buch grandios und super spannend. Das Ende war zwar vorhersehbar, jedenfalls, ein Teil davon, aber ich fand es nicht besonders störend. Wenn man im Kopf mitdenkt und miteifert dann kann das Buch auch ohne Hintergrundwissen super sein.
Ich kann es nur weiter empfehlen.
Londra zu »J. L. Carrell: Die Shakespeare-Morde« 03.06.2009
Als großer Shakespeare-Fan hatte ich bei der Lektüre jede Menge Spaß und kein bißchen Langeweile. Natürlich muss man seine fünf Sinne beisammen halten, um nicht den Faden zu verlieren, um allen Hinweisen und der teils verwirrenden Geschichte um Shakespeare selbst folgen zu können, aber wer 08/15 Seicht-Literatur lesen möchte, hat bestimmt genügend anderweitige Auswahl. Als Leser weiß man eigentlich genau, worauf man sich einlässt, wenn man zu einem solchen Buch greift. Weniger Shakespeare hätte mich glatt enttäuscht. Das Rätsel um Shakespeares wahre Identität hat mich jedenfalls so sehr gefesselt, dass ich mir direkt weitere Bücher zu dem Thema zugelegt habe.

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