Mr. K von J. A. Konrath

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2010 unter dem Titel Shaken, deutsche Ausgabe erstmals 2012 bei AmazonCrossing.
Folge 8 der Jacqueline-"Jack"-Daniels-Serie.

  • Las Vegas: AmazonEncore, 2010 unter dem Titel Shaken. 302 Seiten.
  • Luxembourg: AmazonCrossing, 2012. Übersetzt von Robert Schekulin & Doreen Wornest. 302 Seiten.

'Mr. K' ist erschienen als

In Kürze:

Lieutenant Jacqueline »Jack« Daniels jagt seit mehr als zwei Jahrzehnten den diabolischen Serienmörder »Mr. K«. Mindestens einmal haben sich ihre Wege gekreuzt, und nun steht Daniels auf seiner To-Kill-Liste & – Der 8. Band der Jack-Daniels-Serie ist ruppig und brutal, ohne im Torture-Porn-Schlick zu versacken; spannungsstramm und auf mehreren Zeitebenen parallel hält Autor Konrath die Fäden fest in der Hand: Spannungslektüre, die ihren Titel verdient.

Das meint krimi-couch.de: Killerjagd als Lebensaufgabe 80°

Krimi-Rezension von Michael Drewniok

In den Annalen der Kriminalgeschichte genießt er einen legendären Ruf: »Mr. K«, ein Auftragskiller der Mafia, wird für mindestens 140 Morde verantwortlich gemacht, die er auf Wunsch des Auftraggebers und gegen entsprechende Bezahlung gern besonders grässlich begeht. Dabei wechselt Mr. K Methoden und Vorgehensweisen, weshalb sich kein Handlungsmuster entwerfen lässt. Als Profi hat Mr. K an allen Tatorten keinerlei Spuren hinterlassen, die zu ihm führen könnten.

Auch die Kriminalpolizei von Chicago hat bereits mehrfach mit Mr. K bzw. seinen Taten zu tun gehabt. Für Jacqueline »Jack« Daniels ist die Jagd auf K längst persönlich geworden. Schon als junge Polizistin wurde sie von dem schlauen Killer ausmanövriert. Dabei war sie ihm nicht nur auf die Schliche gekommen, sondern hatte ihn sogar verhört. Doch einer Verhaftung entzog sich K ins Ausland; er genießt seinen Ruhestand auf einer tropischen Insel, deren Regierung keinen Auslieferungsvertrag mit den USA schließen möchte.

Zwei Jahrzehnte später ist Daniels zum Lieutenant aufgestiegen. Sie gilt als eine der besten Ermittlerinnen in der Stadt, wird aber aufgrund ihres Mangels an politischer Diplomatie kaum höher aufsteigen, zumal sie privat mit einem flüchtigen Kriminellen zusammenlebt. Dass sie ihre Klinge mit K gekreuzt hat, ließ Daniels zu einer Expertin in Sachen Serienmord avancieren. In der Vergangenheit hat sie einige der brutalsten Psychopathen überhaupt zur Strecke gebracht. Das hat man ihr in kapitalkriminellen Kreisen keineswegs vergessen.

Nun ist Mr. K für einen letzten Auftrag zurück. Einer der von Daniels aus dem Verkehr gezogenen Strolche hat ihn beauftragt, die Polizistin zu fangen und zu Tode zu foltern. K freut sich darauf, das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden. Daniels erwacht gefesselt unter einem ganz besonderen Folterinstrument. Sie kann nur darauf hoffen, dass ihre Kollegen früh genug ihren Aufenthaltsort ermitteln …

Großauftrieb der grausamen Serienkiller

Die Flucht nach vorn tritt man gemeinhin in Situationen an, die ein Zurückweichen unmöglich machen, obwohl es die bessere Option wäre. In diesem Fall ist der Preis des Versagens nicht das eigene Leben, sondern die Glaubwürdigkeit einer Geschichte, die so oft erzählt wurde, dass ihr jegliche Überraschungen ausgetrieben wurden.

Gemeint ist die Geschichte vom Serienkiller, der höllisch brutal aber teuflisch schlau seine Opfer jagt und schlachtet, während er gleichzeitig jene, die ihm auf den Fersen sind, mindestens ins Leere tappen lässt. Seit Hannibal Lecter gibt es in dieser Gleichung keine Unbekannten mehr. Schneller, höher, weiter bzw. blutiger, bösartiger und perverser heißt seitdem die Devise.

Längst ist jedes Mordopfer so ausdauernd durch diverse Wölfe gedreht worden, dass Lesergrauen erst in Überdruss, dann in Heiterkeit und schließlich in Fremdschämen umgeschlagen ist. Höchstens in Film und Fernsehen fällt jemandem hin und wieder eine Scheußlichkeit ein, gegen die das Publikum noch nicht gänzlich abgestumpft ist. In der Unterhaltungsliteratur ist das deutlich schwieriger.

Wahrlich nicht jeder Autor hat begriffen, dass man dieses Problem mit einem uralten Kniff aushebeln kann: Man reiht nicht Grauen an Grauen, sondern integriert böse Taten in eine spannende Geschichte! Das ist vermutlich zu simpel oder zu aufwändig, funktioniert aber weiterhin ausgezeichnet, wie J. A. Konrath mit dem immerhin schon achten Teil einer Serie belegt, die als wahre Geisterbahn gestörter Killer präsentiert wird.

Gute Vorsätze und schnöde Realität

Auch Mr. K ist inhaltlich keine Offenbarung. Konrath versucht die Zeichnung eines Mörders ohne Modus Operandi. Normalerweise hegt ein Serienkiller bestimmte Obsessionen, die er mit jedem Mord wiederaufleben lassen will. Dabei entsteht ein Tathergangs-Muster, das ihm in der Regel zum Verderben wird, da es ihn berechenbar macht. Folgerichtig wäre in der Tat jener Killer perfekt, der das Muster durchbricht. Glücklicherweise scheint dies nicht einfach zu sein. Anderenfalls dürften einige sehr reale Ks diese Welt unsicher machen, weil ihr übles Treiben in seiner Gesamtheit nicht erkannt wird.

Konraths böser Killer spielt darüber hinaus Katz & Maus mit der ihn verfolgenden Polizei. Er räumt nicht nur nach jedem Mord sauber auf, sondern sieht so perfekt, wie dies nur in der Fiktion möglich ist, jeden Schachzug seiner Kontrahenten voraus. Mehrfach begegnen sich Jäger und Gejagte, um einander herauszufordern. Selbstverständlich kehrten sich die Rollen irgendwann um – Lieutenant Daniels sieht sich plötzlich in der Rolle des Opfers.

Dieses Erwachen leitet die eigentliche Handlung ein, die jedoch nicht chronologisch stringent abläuft, sondern immer wieder zwischen verschiedenen Zeitebenen springt, die zweieinhalb Jahrzehnte abdecken. Konrath lässt diese Stränge keineswegs voneinander isoliert ablaufen, sondern verknüpft Vergangenheit und Gegenwart höchst geschickt, d. h. spannend und sogar witzig. Immer wieder konfrontiert er die gealterte Jack Daniels oder ihre Kollegen und Freunde mit Erlebnissen und Erfahrungen, aus denen sie Lehren für zukünftige Entscheidungen treffen wollten. Wenig später kann man lesen, was daraus geworden ist; in der Regel nichts, womit »Mr. K« doch eine sehr realitätsnahe Geschichte erzählt.

Verklammert wird das Geschehen durch eine Zwei-Stunden-Frist, die Mr. K stellvertretend für Verfasser Konrath ansetzt, bevor er Daniels zu foltern beginnt. Der Countdown läuft, was als Spannungselement selten versagt. Zwischenzeitlich wird auf die verzweifelten Kollegen umgeblendet, die natürlich hoffnungslos ins Hintertreffen geraten.

Geprägt durch das Böse

Die Zeitsprünge sorgen weder für Verwirrung, noch drücken sie aufs Tempo. Konrath hält seine Leser fest an der Hand, was nötig ist, damit diese nicht auf der Strecke bleiben. Die erzählerische Kompetenz des Verfassers ist erstaunlich. Kurz und knapp ist der Stil, Konrath unterlaufen keine Durchhänger. Sein Einfallsreichtum ist erstaunlich.

Darüber hinaus gelingen dem Verfasser Figuren, die im Gedächtnis bleiben. Es dürfte kein Wunder sein, dass »Jack« Daniels seit 2004 jährlich ein neues Abenteuer erlebt: Obwohl Konrath ein Mann ist, gerinnt ihm seine weibliche Hauptfigur nicht zur grotesk feminisierten Karikatur einer 'modernen’ Frau. Daniels ist eine Person mit Ecken und Kanten, keineswegs unfehlbar – und in der Krise oft zusätzlich von der Tücke des Objekts geplagt. Ihr schier endloser, mit allen unfairen Mitteln ausgefochtener Kampf mit dem grobschlächtigen Unhold Victor Brodsky ist ein gutes Beispiel für Konraths Talent, Hochspannung mit schwarzem Humor zu kombinieren.

Im Finale tauchen nicht die wider Erwarten doch schlau gewordenen Kollegen rettend auf. Für Daniels und die Leser schüttelt Konrath eine weitere Überraschung aus dem Ärmel: Ein weiterer Serienkiller greift ein und sorgt für einen Cliffhanger, der neugierig auf die Fortsetzung macht – ein Trick, den viele Autoren versuchen, ohne ihn zu beherrschen. Darüber hinaus handelt es sich bei besagtem Unhold um Luther Kite, der dem Hirn des Schriftstellers Blake Crouch entkrochen ist, mit dem gemeinsam Konrath »Stirred« ('dt.' »Kite«), Band 9 der Jack-Daniels-Serie, 2011 geschrieben hat. Man darf gespannt sein – und ist es!

Michael Drewniok, September 2017

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