Helge Thielking

»Nur Deutschland ist mir zu klein«

Der Krimi-Autor Helge Thielking über seinen Debut-Roman »King of Pain«, das Thema Adoption und seine Ambitionen.

Krimi-Couch: Herr Thielking, in Ihrer Biographie schreiben Sie, Sie hätten aus Frust mit dem Schreiben angefangen. Wie ist das zu verstehen?

Helge Thielking: Ich habe zu der Zeit studiert und empfand das Studium vor allem am Anfang als ziemlich trocken. Mehrfach hatte ich überlegt abzubrechen. Mir fehlte der kreative Ausgleich. Also habe ich begonnen zu schreiben, was am Ende der Roman »King of Pain« wurde.

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Krimi-Couch: Wieso ausgerechnet ein Krimi?

Helge Thielking: Aus einem recht naheliegenden Grund: Ich lese in meiner Freizeit am liebsten Krimis und Thriller. Deshalb musste ich über das Genre meines ersten Romans nicht lange nachdenken. Es war von Anfang an klar, dass es ein Krimi werden würde.

Krimi-Couch: Wie kommt man auf das Thema Adoption für einen Kriminalroman? Gibt es da persönliche Verbindungen?

Helge Thielking: Die gibt es. Ich bin selbst adoptiert. Da hat sich das Thema quasi »aufgezwungen«.

Krimi-Couch: Kann man also sagen, dass der Nick aus dem Buch autobiographische Züge trägt?

Helge Thielking : Autobiographische »Züge« ist der richtige Ausdruck. Wir haben in etwa dieselbe Ausgangssitutation. Ich bin ebenfalls im Alter von wenigen Tagen adoptiert worden und recht behütet aufgewachsen, möchte ich sagen. Da hören die Gemeinsamkeiten aber auch schon auf. Der Rest von Nicks Biographie und Nicks Wesen ist größtenteils frei erfunden. Natürlich kenne auch ich den Drang, mehr über die eigene Vergangenheit zu erfahren. Aber mit diesem Verlangen stehen wir sicher nicht allein da.

Krimi-Couch: Sie haben also gar nicht oder noch nicht mit eigenen Nachforschungen begonnen?

Helge Thielking : Doch habe ich. Jedoch erst nachdem ich das Buch fertiggestellt hatte. Allerdings ist die Geschichte bei mir ganz anders verlaufen. Zum Glück. Wer das Buch kennt, wird mir da zustimmen.

Krimi-Couch: Also hatte das Buch neben der Tatsache, dass Sie Autor geworden sind, auch eine Art befreiende, Sie weiterentwickelnde Wirkung?

Helge Thielking: Das könnte man durchaus sagen. Ich habe mich zwar nicht erst während des Schreibens intensiv mit dem Thema befasst, es hat mir aber den nötigen Schub gegeben, endlich die eigene Geschichte aufzuarbeiten.

Krimi-Couch: Welche Konsequenzen ergaben sich aus Ihren persönlichen Nachforschungen?

Helge Thielking: Konsequenzen für mein tägliches Leben? Keine. Meine Eltern und ich haben ein hervorragendes Verhältnis zu meiner Herkunftsfamilie. Es ist nicht so, dass ich mich zwischen zwei Familien hin und hergerissen fühle. Ich habe neue Freunde hinzugewonnen. Im Grunde hat sich nicht viel verändert. Außer dass ich bezogen auf diese Thematik zu einer inneren Ruhe gefunden habe.

Krimi-Couch: Was war eigentlich zuerst da? Der Titel bzw. der Song »King of Pain« oder das Grundgerüst des Buchs?

Helge Thielking: Der Song kam erst später hinzu. Der Manuskripttitel stand dann auch recht schnell fest. Dass er letztendlich auch das Buchcover zieren würde, hatte ich eigentlich nicht erwartet.

Krimi-Couch: Herr Thielking, deutsche Autoren haben es im Vergleich mit ausländischen »Schriftsteller-Stars« wie Donna Leon oder Henning Mankell nicht einfach. Bestand Ihr Konzept hinter King of Pain darin, als Deutscher einen in den USA spielenden Thriller mit reißerischem englischen Titel zu schreiben, um sich von teutonischen Autoren abzuheben, Aufsehen zu erregen und ja nicht in die Schublade »Regional-Krimi« gesteckt zu werden?

Helge Thielking: Ich muss gestehen, dass mich die in diese Schublade gezwängten Romane nicht besonders interessieren. Mir fehlt meist der globale Bezug. Der Grund, warum ich einen Teil von »King of Pain« in den USA spielen lassen habe ist vor allem der, dass ich mich selbst dort sehr wohl fühle und ja auch für einige Zeit dort gelebt habe.

Und ja, ein wenig abheben wollte ich mich vielleicht auch. Ich würde die Idee schnell verwerfen, dürften meine Protagonisten nicht aus dem Dunstkreis von Bremen und Köln herauskommen.

Auch in meinem nächsten Roman werde ich die Hauptperson in die weite Welt schicken. Ich reise gern, ich mag ferne Länder. Nur Deutschland ist mir zu klein.

Was den englischen Titel betrifft: Wie schon erwähnt, ich habe nicht damit gerechnet, dass der Verlag einen englischen Titel akzeptieren würde. Ich fand ihn einfach naheliegend, von allen zur Wahl stehenden Titeln hatte er den engsten Bezug zur Story. Und mal ehrlich: »König der Schmerzen« klingt eher nach einem Kitschroman, oder?

Krimi-Couch: Sie sprechen den nächsten Roman gerade an: Was dürfen die Leser in Zukunft von Ihnen erwarten? Bleiben Sie in diesem Genre?

Helge Thielking: Ich spreche ungern über Dinge in der Schwebe. Ich kann aber verraten, dass es sich auch bei dem nächsten Buch um einen Thriller handeln wird. Dem Genre bleibe ich erst einmal treu.

Krimi-Couch: »Erst einmal« heißt also, dass Sie anderen Bereichen gegenüber aufgeschlossen bleiben?

Helge Thielking: Auf alle Fälle! Ich meine, hey, ich bin erst 26. Wäre schade wenn ich mich schon jetzt für immer festlegen müsste.

Krimi-Couch: Haben Sie Vorbilder oder orientieren Sie sich beim Schreiben an anderen Autoren?

Helge Thielking : Vorbilder eigentlich weniger. Ich betrachte mich eher von bestimmten Büchern beeinflusst, weniger von Autoren. Einen absoluten Lieblingsautor bzw. -autorin könnte ich jetzt gar nicht benennen. Ich mag bestimmte Romane von Patricia Highsmith, John Grisham, Leon de Winter, Philip Kerr, Michael Crichton, Stephen King. Ich habe aber von vielen dieser Autoren auch Bücher gelesen, die ich ziemlich mau fand. Also könnte ich mich da nicht eindeutig festlegen. Alles in allem beeinflussen mich beim Schreiben sicher eher anglo-amerikanische Bücher.

Krimi-Couch: Was macht ein 26-jähriger, der gerade seinen ersten Roman veröffentlicht hat (und der auch noch ins Englische und Französische übersetzt wird) den lieben langen Tag? Können Sie sich im Erfolg schon sonnen?

Helge Thielking: Oh, wie kommen Sie darauf, dass ich ins englische und französische übersetzt werde? Oder wissen Sie schon mehr als ich?

Krimi-Couch: Warum sollten Sie sonst Ihre Website in diese Sprachen übersetzen?

Helge Thielking: Na, um vielleicht einmal dorthin zu kommen. Nein im ernst, als Deutscher im englisch- oder französischsprachigen Raum verlegt zu werden, kommt ziemlich selten vor. Aber sollte doch einmal ein ausländischer Verlag in der Lizenzabteilung meines Verlags anklopfen, können sie diese Person gleich auf meine Homepage verweisen. Und wie gesagt, ich mag es gerne international. Auch deshalb die Fremdsprachen.

Um nochmal auf die eigentliche Frage zurückzukommen: Im Erfolg kann ich mich noch nicht sonnen. Der erste Roman ist ja erst seit ein paar Monaten auf dem Markt und ehe man in Deutschland von der Schriftstellerei leben kann, muss man einige Bücher veröffentlicht haben. Ich gehe noch immer einem konventionellen Beruf nach.

Krimi-Couch: Und der ist?

Helge Thielking: Zur Zeit arbeite ich als Projektmanager in einem Touristikunternehmen.

Krimi-Couch: Herr Thielking, ganz in Columbo-Manier: Können Sie den Lesern nicht doch verraten, worauf sie sich in Ihrem nächsten Krimi freuen dürfen?

Helge Thielking: Sie können sich freuen auf explosive Spannung und tropische Gefilde. Es wird nicht um das Thema Adoption gehen und Polizeiermittlungen stehen auch nicht im Mittelpunkt. Das muss reichen, mehr wird nicht verraten!

Krimi-Couch: Die Krimi-Couch wünscht Ihnen auf jeden Fall viel Erfolg für die Zukunft. Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führten pet und .lft

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