Interview mit Frank Glaubrecht
»Man wird Sprecher, indem man seiner Mutter im Kleinkindalter gut zuhört.«
Frank Glaubrecht, geboren 1943 in Berlin, ist vor allem bekannt als die deutsche Stimme von Pierce Brosnan (James Bond aka 007) sowie von Kevin Costner. Er liest aber auch Hörbücher vor (z.B. die Krimis von Arnaldur Indridason) – und ist seit Mai 2007 der Sprecher unseres Podcasts.
Krimi-Couch: Herr Glaubrecht, Sie sind nicht nur bekannte Synchronstimme von Hollywood-Stars sondern auch Vorleser der Hörbücher der Krimis von Arnaldur Idridason und der John-Sinclair-Romane. Wie weit identifizieren Sie sich mit den Charakteren aus dem Krimi- und Horrorbereich?
Frank Glaubrecht: Ein Schauspieler, der sich voll identifiziert, das wäre irgendwie schwierig. Manchmal muss man ja auch einen Mörder spielen, das wäre ganz grauenhaft. Nein, was wir tun, ist uns mit Phantasie, Kenntnis und Erfahrung einer Figur zu nähern und vielleicht auch die Aura der Schauspieler, die wir Synchroniseure sprechen, herüberzubringen und ins Deutsche zu retten, was natürlich mehr oder weniger gut gelingen kann.
Indridason ist ein knallharter, typisch skandinavischer Krimi-Autor, den ich sehr gerne lese. Ich habe ihn übrigens persönlich kennengelernt, wir haben eine Zeitlang eine kleine Tournee durch Deutschland gemacht und zusammen gelesen, er ein bisschen auf Isländisch und ich habe ein paar Seiten übersetzt. Er ist ein sehr, sehr sympathischer Herr.
Was John Sinclair betrifft, liegt der Spaß an der Persiflage dieses Horror-Genres, der Verballhornung des Mittelalters, von Kleinlieschen und wie man sich das so vorstellt – oder auch nicht. Wir »geben da dem Affen Zucker«, wie man in Fachkreisen sagt.
Krimi-Couch: Wie wird man eigentlich Sprecher?
Frank Glaubrecht: Man wird Sprecher, indem man seiner Mutter im Kleinkindalter gut zuhört. Und da wir alle Sprecher sind, ist die Legitimation derer, die damit Geld verdienen, durchaus befragenswert. Ich würde sagen: Ein Sprecher ist einer, der von Haus aus Schauspieler ist – so war es in meinem Fall -, und der sich dann eine Nische ausgesucht hat und zwar eine »Undercover-Nische«. Das heißt: Er ist nicht mehr zu sehen, obwohl er als Theaterschauspieler angefangen hat, sondern nur noch zu hören. Das heißt aber nicht, dass er jetzt den Beruf »Sprecher« hat, sondern er bleibt ein Leben lang – das ist seine Aura, sein Karma, da kommt er gar nicht gegen an – ein Schauspieler. Auch wenn er seine Stimme einer anderen Person leiht, so ist er immer noch Schauspieler.
Krimi-Couch: Wenn man wie Sie dafür bezahlt wird, etwas zu lesen: Wie gerne liest man dann eigentlich in der Freizeit noch?
Frank Glaubrecht: Es ist schon ein Unterschied, ob man etwas liest, was einem angedient wird und lesen soll, oder ob man sich selber seine Literatur aussucht. Meine Prioritäten liegen nicht unbedingt beim Krimi, bei Schauergeschichten, bei Ken Follett oder solchen Sachen – sondern …ja, was soll ich sagen? Ich lese gute Autoren gerne, Weltliteratur, Coetzee. Augenblicklich lese ich gerne Geschichtliches, von Peter Schneider Rebellion und Wahn über die 68er, weil ich schließlich auch einer bin oder von Gerd Koenen Das rote Jahrzehnt, was auch sehr spannend und detailliert diese zehn verrückten Jahre schildert – die nicht ganz umsonst waren, aber wie Peter Schneider ganz richtig sagte – »Wahn« beinhaltet haben. Vielleicht ist mein Lesevergnügen ein geringfügig anderes, als das, was ich sonst lesen soll, was man mir normalerweise zum lesen gibt. Ich würde ganz gerne mal Nabokov lesen, der nicht nur Lolita geschrieben hat, sondern ein ganzes Bücherregal voll wunderbarer Erzählungen und Romane. Oder, wer fällt mir noch ein? Ach, so viele. Von Shakespeare bis …Hera Lind – die würde ich natürlich nicht so gerne lesen.
Krimi-Couch: Vielen Dank fürs Gespräch!