Interview mit Armin Gmeiner

»Themenkrimis mit Lokalkolorit«

Armin Gmeiner ist Chef des Gmeiner-Verlags, den er vor fünfundzwanzig Jahren gegründet hat. Er sprach mit Lars Schafft über seine ersten Veröffentlichungen, den momentanen Trend zu Regionalkrimis und verrät, dass der Reiz am Verlegen für ihn darin liegt, auch mal daneben zu liegen.

Krimi-Couch: Herr Gmeiner, herzlich willkommen auf der Krimi-Couch. Pendragon, der erste Kleinverlag, den wir in unserer Serie vorgestellt haben, feierte jüngst Firmenjubiläum. Wie es der Zufall will, hat auch der Gmeiner-Verlag dieses Jahr ein rundes Jubiläum. Was ist vor fünfundzwanzig Jahren passiert?

Armin Gmeiner: Es war eigentlich ein Zufall, über den ich zum Thema »Esperanto« kam. Ein Pfarrer hat mich mit dem Wunsch angesprochen, Enzykliken, also päpstliche Rundschreiben, auf Esperanto zu verlegen. Daraufhin habe ich einen Verlag gegründet.

Krimi-Couch: Eine sehr skurrile Gründungsgeschichte!

Armin Gmeiner: Ja, aber so ist es geschehen. Parallel dazu habe ich mein Studium im Verlagswirtschaftswesen absolviert, Richtung Druck und Verlag. Auf dieser Basis hat sich der Verlag über die Jahre so positiv entwickelt.

Krimi-Couch: Wenn man sich Ihr momentanes Verlagsprogramm anschaut, hat es aber nichts religiöses mehr an sich?

Armin Gmeiner: Das ist richtig. Ich habe ihn inhaltlich relativ schnell erweitert. Erst kamen regionalgeschichtliche Bücher dazu, später dann auch die Krimis. Der Verlag hat sich also Stück um Stück thematisch erweitert. Mittlerweile haben wir noch weitere Segmente im Verlag, wobei »Krimi« natürlich unser Schwerpunkt ist, und wir uns vor allem als Krimi-Verlag etabliert haben.

Krimi-Couch: Wie ist denn Ihre persönliche Einstellung zum Krimi?

Armin Gmeiner: Ich lese selbst gerne Krimis. Es ist ein spannendes Segment, das auf der einen Seite tolle Unterhaltung bietet, aber zusätzlich den Vorteil hat, dass man darüber auch Inhalte transportieren kann. Man kann Gesellschaftskritik und andere Themen mit in Krimis verarbeiten, so dass man als Leser auch etwas lernen kann. Das ist auch Ansporn für uns. Unser Motto lautet »Themenkrimis mit Lokalkolorit«. Wir verlegen Krimis, die aktuelle und besondere Themen aufgreifen. Unterhaltung und Thema lassen sich im Krimi wunderbar kombinieren.

Krimi-Couch: Auf Ihrer Website sind ja durchaus einige Mitarbeiter aufgeführt. Das hat vor fünfundzwanzig Jahren wahrscheinlich noch anders ausgesehen?

Armin Gmeiner: Ja, wir haben uns intensiv entwickelt. Eigentlich war der Verlag die meisten dieser fünfundzwanzig Jahre sehr überschaubar. Ich habe ihn zeitweise alleine, mal mit Halbtagskraft oder wenigen Angestellten geführt. Erst vor einigen Jahren hat diese intensive Entwicklung begonnen, die dazu geführt hat, dass wir mittlerweile fast zwanzig Mitarbeiter im Verlag haben.

Krimi-Couch: Kommen wir noch mal auf die Krimis zurück. Haben Sie die Bücher, die sie verlegt haben, alleine aus den Manuskripten ausgewählt, oder hatten Sie Hilfe?

Armin Gmeiner: Dabei hatte ich immer Hilfe. Wir haben früh auf dem Bereich Lektorat aufgebaut. Sehr schnell stieß unsere heutige Lektoratsleiterin Claudia Senghaas dazu, die mit weiteren Mitarbeitern das gesamte Verlagsprogramm plant, entwickelt und ausbaut.

Krimi-Couch: Wie sieht Ihr Arbeitsalltag mittlerweile aus?

Armin Gmeiner: Durch die Größe des Verlages mit rund zwanzig Mitarbeitern gehört mittlerweile viel Organisation und Koordination dazu. Trotzdem möchte ich in den einzelnen Bereichen noch präsent sein. Nach wie vor liegt mir besonders die Autorenbetreuung am Herzen. Ein guter Kontakt zu den Autoren ist mir wichtig. Ich bin jedes Jahr auf der Criminale, zusammen mit der gesamten Lektoratsmannschaft. Auch die Vertragsgestaltung mit den Autoren liegt in meinen Händen.

Krimi-Couch: Haben Sie als Chef jedes Buch gelesen, das bei Ihnen verlegt worden ist?

Armin Gmeiner: Nein, das kann man nicht sagen. Einen Großteil der Bücher, aber nicht alle.

Krimi-Couch: »Kriminalroman von Gmeiner«: Sie haben eben erwähnt, dass Lokalkolorit bei Ihnen eine wichtige Rolle spielt. Zur Zeit wird der Begriff »Regionalkrimi« ja heiß diskutiert. Was macht eigentlich einen Regionalkrimi aus? Können Sie sich mit dem Begriff anfreunden?

Armin Gmeiner: Prinzipiell habe ich mit dem Begriff kein Problem, allerdings hängt es davon ab, in welchem Kontext er benutzt wird. Eigentlich müsste jeder Krimi, ob er nun in Moskau oder in Schweden spielt, weitestgehend ein Regionalkrimi sein. Nur den deutschen Krimis stempelt man diesen Begriff auf, den ausländischen nicht. Das finde ich einfach merkwürdig, dass das nicht systematisch geschieht. Aber solange dem Regionalkrimi kein negativer Touch anhaftet, habe ich auch nichts gegen diesen Begriff.

Krimi-Couch: Sie unterstützen ihn. Wenn man sich Ihre Cover anschaut, findet man häufig »Alpenkrimi« oder ähnliche regionale Bezeichnungen.

Armin Gmeiner: Das ist ganz unterschiedlich. Wir haben viele Krimis, auf denen nur »Kriminalroman« steht. Auf einigen steht die Region, auf einigen der Name des Ermittlers mit seinem x-ten Fall. Aber ja, wir benutzen auch Regionalbezeichnungen und unterstützen die Prägung des Begriff »Regionalkrimi« damit auch. Das darf aber auch so sein und spiegelt die Breite unseres Spektrums wider: vom unabhängigen Roman bis zum stark regional geprägten Krimi. Letztere bezeichnen wir dann auch als Regionalkrimi.

Krimi-Couch: Wenn man bei dem Begriff »Regionalkrimi« aber sofort an den Gmeiner Verlag denkt, wäre das aus Ihrer Sicht also falsch und auch nicht förderlich?

Armin Gmeiner: Genau. Das wäre vereinfachend und würde uns nicht gerecht.

Krimi-Couch: Sie haben nur deutschsprachige Autoren im Programm.

Armin Gmeiner: Das ist richtig. Wir sind im gesamten deutschen Sprachraum vertreten. In Deutschland, wie auch in Österreich und der Schweiz. Darauf haben wir uns spezialisiert.

Krimi-Couch: Der Grafit-Verlag aus Dortmund, der zum Beispiel die Eifelkrimis von Jacques Berndorf verlegt, hat ein ganz ähnliches Konzept, sich aber dennoch vor einigen Jahren entschlossen, auch internationale Autoren ins Programm aufzunehmen. Ist das beim Gmeiner-Verlag auch denkbar, oder wollen sie an Ihrer deutschsprachigen Ausrichtung festhalten?

Armin Gmeiner: Derzeit ist es wirklich auf den deutschsprachigen Raum fokussiert. Es gibt auch keine Pläne, auf den ausländischen Markt zu expandieren. Wir konzentrieren uns auf unser Konzept, das auch sehr erfolgreich funktioniert. Uns ist es viel wichtiger, auch Debütautoren eine Chance zu bieten. Und das tun wir auch. Der Anteil von Neuautoren bei uns ist recht hoch.

Krimi-Couch: Und Sie haben eine riesige Backlist.

Armin Gmeiner: Ja, »riesig« ist immer ein relativer Begriff, aber wir haben mittlerweile 350 Backlist-Titel beisammen.

Krimi-Couch: Reden Sie über Auflagenstärke?

Armin Gmeiner: Grundsätzlich schon, wobei sie sehr unterschiedlich ist. Von Kleinserien bis zu Auflagen im hohen fünfstelligen Bereich ist alles vertreten und lässt sich demnach auch nicht pauschalisieren. Das ist natürlich auch der Reiz beim Verlegen. Natürlich wünscht man sich für jeden seiner Autoren und Titel Erfolg. Ob er sich aber wirklich einstellt, weiß man natürlich immer erst im Nachhinein.

Krimi-Couch: Für die Leserinnern und Leser, die mit dem Gmeiner-Verlag noch nichts verbinden: Was sind Ihre persönlichen Favoriten aus Ihrem Programm? Welche Titel haben bei Ihnen eine besondere Bedeutung?

Armin Gmeiner: Ein wichtiger Autor aus unserem Programm ist sicherlich Manfred Bomm. Er ist auf der Schwäbischen Alb angesiedelt und schreibt mit viel Lokalbezug. Dann haben wir Friederike Schmöe, die aus dem bayerischen Bereich kommt und auch sehr erfolgreich ist. Bernd Franzinger muss auch genannt werden. Ebenfalls ein besonderer Autor, der im regionalen Bereich, im Allgäu angesiedelt ist, ist Willibald Spatz. Darüber hinaus gibt es natürlich auch eine Reihe weiterer Autoren, die sich gut etabliert haben. Unsere Besonderheit ist es, dass wir eine relativ breite Autorenschaft haben, die sich gut etabliert hat. Wir haben nicht die absoluten Bestseller, die sich hunderttausendfach verkauft haben, aber eine extrem große Zahl von Autoren, die sich sehr gut verkauft.

Krimi-Couch: Was dürfen wir in Zukunft noch vom Gmeiner-Verlag erwarten?

Armin Gmeiner: Viel! Einerseits sind wir dabei unser Programmspektrum zu erweitern. Wir haben ja noch die Bereiche »Historische Romane« und »Frauenromane« sowie Kulturführer. Auf der anderen Seite arbeiten wir natürlich an der Weiterentwicklung unseres Krimibereiches. Wir wollen weiterhin ein weites Spektrum an Themen und Stilen abdecken und neue, interessante Autoren finden. Wir wollen dauerhaft ein breites Programm haben. Wir haben im Krimibereich etwa 60 Neuerscheinungen pro Jahr und wollen das in der Größenordnung weiter pflegen.

Krimi-Couch: Dabei wünschen wir Ihnen viel Erfolg, Herr Gmeiner. Vielen Dank für das Interview.

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