Endstation Nippes von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2010 bei Emons.
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Köln: Emons, 2010.
ISBN:
978-3897057739. 253 Seiten.
'Endstation Nippes' ist erschienen als
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In Kürze:
Die Journalistin Katja Leichter arbeitet an einer Reportage über Pflegefamilien in Köln, als ihr zwei hilfebedürftige Kinder, ein kleiner Junge und seine Schwester, über den Weg laufen. Anstatt das Jugendamt zu informieren, besorgt ihnen Katja ein Versteck. Wenig später wird im Rhein ein totes Mädchen entdeckt, und eine Frau, die Katja vor Kurzem interviewt hat, wird ermordet aufgefunden. Katja hat einen schrecklichen Verdacht und beginnt nachzuforschen. Dabei merkt sie zu spät, dass sie selbst in Lebensgefahr ist.
Fangen wir gleich mit dem Positiven an: Endstation Nippes gehört, obwohl mit dem Markenzeichen »Köln Krimi« versehen, nicht zu jener Sorte Heimatkrimi, die man sich gerne statt eines Reiseführers zu Gemüte führt. Die Thematik – Pädophilie – wird weder sensationslüstern noch moralisch frittiert, sondern mit dem gebotenen Ernst vertieft. Das Schreibvermögen der Autorin ist zudem ausreichend genug, um als Leserin / Leser nicht schon nach wenigen Seiten schreiend die eigene Lesekompetenz verfluchen zu müssen. Ist doch schon was. Kommen wir jetzt zur Geschichte selbst – und damit auch zum Negativen.
Während den Recherchen zu einem Radiofeature über Pflegefamilien lernt die Journalistin Katja Leichter am Kölner Hauptbahnhof zwei kindliche Ausreißer kennen, die zehnjährige Chantal und ihren jüngeren Halbbruder Marco. Wie das Schicksal so spielt, interviewt sie anschließend Frau Grimme, die Pflegemutter des kleinen Jungen, eine offensichtlich leicht überforderte Frau aus gutem Hause. Das Gespräch findet in Leichters Wohnung statt, die Frau sucht die Toilette auf, verabschiedet sich dann. Kurz darauf steht Katja in ihrem Badezimmer, etwas fällt zu Boden, rollt in eine dunkle Ecke, als sie es aufheben will, entdeckt die Journalistin etwas anderes, das Tagebuch der Pflegemutter nämlich, das diese hier versteckt hat. Hm. Wieder Schicksal? Zufall? Man wäre geneigt, hier ein Auge zuzudrücken, obwohl die Geschichte schon sehr unwahrscheinlich ist. Aber dieses Tagebuch, in dem sich die Frau als Kinderschänderin outet, bringt den Fall erst ins Rollen und bis zum Ende des Romans erfahren wir keinen plausiblen Grund, warum das Tagebuch ausgerechnet in Katja Leichters Badezimmer deponiert wurde. Also kann es nur einen geben: Die Geschichte musste am Laufen gehalten werden, um jeden Preis, auch um den von Unlogik und groteskem »Zufall«.
Leider setzt sich das fort. Die Pflegemutter wird ermordet aufgefunden, Katja Leichter bringt die beiden Kinder beim Opa des Mädchens, einem von Hartz IV lebenden Einbrecher unter, sie setzt sich auf die Spur der Kinderschänder und lässt ihre Beziehungen spielen. Gut und schön. Nur dass diese Beziehungen – sie führen schließlich bis nach Kambodscha und Nepal – allzu geölt funktionieren, jeder jeden zu kennen scheint, alles auf sehr bequeme Weise miteinander zusammenhängt und, was besonders irritiert, Katja Leichter niemals zu irren scheint, sondern stets die richtigen Schlüsse zieht. Zunehmend verwirrt ist nur der Leser, dem am Ende eine Auflösung geboten wird, die man kopfschüttelnd als Krönung einer arg konstruierten Geschichte hinnehmen muss. Verdächtige lassen belastendes Material offen in ihrer Wohnung herumliegen, der Bösewicht serviert sich durch sein Verhalten selbst wie auf einem silbernen Tablett und natürlich hat Katja schon recht früh ihre Schlüsse gezogen und genau gewusst, wer da seine Finger im Spiel hat.
Das kommt alles zwar flott daher, hat aber fatale Folgen für die Spannung. Während »die Guten« (von denen es in diesem Roman viele, zu viele gibt) in ihren Persönlichkeiten und Konflikten erschöpfend beschrieben werden, bleiben »die Bösen« eben nichts weiter als böse. Von der Pflegemutter, die ihre Zöglinge missbraucht und an Männer vermietet, erfahren wir etwa lapidar, sie sei als Kind selbst von Vater und Bruder vergewaltigt worden. Dieser Umstand scheint zu genügen, um ihr späteres Verhalten plausibel zu machen. Zwischentöne, gar Irritierendes sind Strobls Sache nicht, so dass sich das Ganze zum erwarteten Kampf der Guten gegen die Bösen zuspitzt, was auch dramaturgisch ohne größere Überraschungen auskommen muss.
Insgesamt also ein Buch, das nicht vollends misslungen ist, immer wieder mit guten Szenen punkten kann, als Gesamtes jedoch nicht die Ansprüche erfüllt, die man an Kriminalliteratur stellt, die mehr sein soll als bloßes Spannungsfutter mit aktueller Thematik. Das ist, gerade bei diesem Sujet, sehr schade.
Dieter Paul Rudolph, April 2011
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