So unselig schön von Inge Löhnig

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2011 bei Ullstein.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / München, 1990 - 2009.
Folge 3 der Konstantin-Dühnfort-Serie.

  • Berlin: Ullstein, 2011. ISBN: 978-3-548-28208-4. 432 Seiten.

'So unselig schön' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

In einer leerstehenden Brauerei im Süden Münchens wird eine enthauptete Frauenleiche gefunden. Kommissar Dühnfort wird bald klar, dass er einen Serientäter jagt, der von Bildern besessen sein muss. Die junge Fotografin Vicki hingegen, die die Leiche gefunden hat, ermittelt auf eigene Faust. Sie kommt dem Mörder schließlich gefährlich nahe …

Das meint Krimi-Couch.de: »Und es gibt ihn doch, den guten Krimi aus Deutschland.« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Die junge Vicky Senger hat ein ungewöhnliches Hobby, »urban exploring«. Sie fotografiert verlassene und dem Verfall entgegen siechende Industriebrachen, um deren mitunter morbide Schönheit für die Nachwelt festzuhalten. So steigt sie auch in ein leer stehendes Brauereigebäude in Münchens Süden ein, um einige Aufnahmen zu machen. Dabei entdeckt sie die enthauptete Leiche einer jungen Frau. Kommissar Dühnfort und sein Team nehmen die Ermittlungen auf und kommen zunächst nicht weiter. Erst als sich ein Zeuge meldet, der gesehen haben will, wie das ermordete Mädchen kurz vor Ihrem Verschwinden in einen silbernen Jaguar mit Münchener Kennzeichen einstieg, gibt es einen Anhaltspunkt, denn in der Stadt sind nur 29 dieser Fahrzeuge zugelassen. Da der Kopf des Mädchens mit großer Präzision abgetrennt wurde und das Szenario des Fundortes arrangiert wirkt, glaubt Dühnfort, es mit einem Serienmörder zu tun haben.

Die Ermittlungen ergeben, dass es vor rund sechs Jahren in Düsseldorf einen ähnlichen Fall gegeben hat, der nie aufgeklärt werden konnte. Hauptverdächtiger war damals ein Mann, der heute als Maler seinen Lebensunterhalt verdient. Unter dem Künstlernamen Carne verarbeitet er in blutrünstigen Bildern seine eigenen Kindheitstraumata. Die Spuren führen in die Kunstszene und so stoßen die Ermittler auf einen Schönheitschirurgen und den Leiter einer Wohlfahrtsstiftung. Beide fahren einen silbernen Jaguar und geben sich für die Zeit in der das Mädchen in das Auto stieg gegenseitig ein Alibi.

Kommissar Dühnfort und seinen Kollegen läuft die Zeit davon, denn ein Serienmörder schlägt bekanntlich wieder zu. Währenddessen findet Vicky auf einigen ihrer älteren Fotos aus der Brauerei einen möglichen Hinweis und spielt heimlich Detektivin. Schon bald gerät sie dabei in Schwierigkeiten…

Der dritte Roman der Kommissar-Dühnfort-Reihe So unselig schön ist ein weiterer Beweis dafür, dass es hierzulande durchaus sehr gute Kriminalromane gibt. Die Serie von Inge Löhnig zeichnet sich vor allem durch eine große Detailverliebtheit und Gradlinigkeit aus. Die einzelnen Figuren sind lebhaft dargestellt, die örtlichen Gegebenheiten werden detailliert, aber nicht langatmig beschrieben und auch der Plot selbst wird konsequent vorangetrieben.

»Die Leiche war mit Zweigen, Gräsern und Laub bedeckt. Ein Wanderer hat sie gefunden. Sein Hund ist ihm davon, er hinterher, und dann war der Tag für ihn gelaufen.«

Die Nebenfigur Vicky Senger nimmt die Leser mit. Mutter früh verstorben, Vater unbekannt, ab ins Heim und später auf die schiefe Bahn. Jetzt versucht sie nach dem plötzlichen Tod ihres Freundes die Kurve in ein geordnetes Leben zu bekommen. Dumm nur, dass ihr ein Mordfall dazwischen kommt und sie auch noch eigene Ermittlungen anstellt. Ähnlichkeiten zu Lisbeth Salander aus der Trilogie von Stieg Larsson sind nicht zu übersehen. Die inzwischen bekannte Hauptfigur, Kommissar Dühnfort, ist ebenfalls ein Charakter, der die Leser anspricht. Ein Kopfmensch, der sich gerne selber im Weg steht, vor allem in seinem Privat- sprich Liebesleben. Dies führt zu einigen Komplikationen mit seiner Kollegin Gina, welche die Ermittlungen nicht unbedingt vorantreiben, sowie mit seiner früheren Freundin Agnes.

Der Krimiplot selbst, um den es ja maßgeblich geht, überzeugt und hält die Spannungskurve lange im oberen Bereich. Erst tappen die Ermittler im Dunkeln, um dann gleich mehrere Verdächtige aufzutreiben. Man darf den Täter erraten und liest – bitte nicht !! – die kurze Inhaltsangabe auf der Buchrückseite. Lediglich die Auflösung selbst kommt ein wenig plötzlich daher und führt zu einem kleinen Punktabzug.

Wer dazu noch ein Faible für den französischen Schriftsteller Charles Baudelaire und seinen Gedichtband Les Fleurs du Mal (Die Blumen des Bösen) hat, der geht sofort in den nächsten Buchhandel. Auf den vierten Fall für Kommissar Dühnfort unter dem Titel Schuld währt ewig darf man sich bereits heute freuen.

Jörg Kijanski, Juli 2011

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Krimitante zu »Inge Löhnig: So unselig schön« 20.01.2012
ein wirklich gut gelungener, solider deutscher krimi, auch wenn er sich altbewährter stilmittel bedient(einsicht ins seelenleben des täters, unterteilung der kapitel in ermittlungstage, eingespieltes ermittlungsteam, person die auf "eigene faust" ermittelt...).
der spannungsbogen wird durch das ganze buch sehr hoch gehalten. man wird immer wieder auf irrwege geführt und kann sich lange nicht zwischen vier verdächtigen entscheiden.
die protagonisten werden sehr plastisch, glaubhaft geschildert und man will mehr über sie wissen. (obwohl mir der hauptermittler ein wenig zu oft ans essen und trinken denkt. was etwas einseitig wirkt.)
einziger kritikpunkt: manchmal ist mir die sprache, besonders bei den naturbeschreibengen, zu selbstverliebt. will sich die autorin darin mit dem, viel zitierten, baudelaire messen?
ich habe mit diesem band angefangen, werde aber sicherlich auch alle drei anderen lesen, dann aber chronologisch. ich bin immer auf der suche nach spannenden reihen und habe mit diesem buch sicherlich eine gefunden an der ich "dran bleiben" werde.
Bubu zu »Inge Löhnig: So unselig schön« 19.01.2012
Inge Löhnig. Toll. Vom dritten Band mit Kommissar Dühnfort bin ich begeistert. Ich weis nicht wie es den anderen Lesern ging, aber ich wollte den Band so schnell wie möglich am Stück lesen. Sehr schön der Übergang von Kommissar´s verflossener zu seinem „Neuen Schwarm“, bin diesbezüglich auf Band 4 gespannt. Gute Szenenwechsel. Spannend allemal. Bis auf den letzten war mir nicht ganz klar wer nun der Mörder war.

@anyways
kritisierte, ich zitiere anyways, „ Hiermit meine ich nicht unbedingt die Ausstattung mit materiellen Dingen sondern die mehrmals täglich besuchten Restaurants, Bars und Kaffeehäuser. Das passt nicht wirklich in die Welt eines Kriminalbeamten „ Dühnfort´s Lebens bzw. Essgewohnheiten. Ist doch mal gut so dass sich ein kriminaler mal gesund und exklusiver ernährt. Und ich glaube nicht das seine Lebensmittel und Restaurantbesuche kostspieliger wie bei den Fast Food Junkies die Mc Donald´s und Co. Besucher sind oder sich eine TK Pizza in den Ofen schieben.

Auch was die Bildung unsere Polizei angeht, bin ich schon der Auffassung das sie schon auf ein gewisses Niveau angesiedelt ist und Kultur haben. „Schimanski“ gibt es nur im Ruhrpott und im „Ersten“ und das ist auch gut so.

Also Inge Löhnig, schreib weiter so.

Gruß Bubu
anyways zu »Inge Löhnig: So unselig schön« 22.08.2011
Die junge Hobbyfotografin Vicki hat trotz ihrer Jugend schon ein bewegtes und traumatisches Leben hinter sich. Die Mutter starb als sie 6 Jahre alt war, großgezogen wurde sie von ihrer Großmutter, die ihr mehr als einmal versicherte das ihr eigene Mutter Vicki im Stich gelassen hat. Nach dem Kinderheim kam die Strasse, dort lernt sie Adrian kennen und lieben. Mit ihm kommt sie wieder in ein normales Leben zurück, doch der Moment des Glücks hält nur so lange bis Adrian in der Pariser Metro von einem Zug überrollt wird. Nun bleibt ihr nur noch seine Schildkröte und wieder die Strasse. Dann lernt sie Clara kennen und diese nimmt sie unter ihre Fittiche, gibt ihr einen Job im Reisecenter und unterstützt sie bei der Ausbildung. Als nächsten Schritt in ein „spießiges“ Leben wählt Vicki das fotografieren verlassener Gebäude oder sogar Ruinen als Hobby. Auf einem ihrer Streifzüge entdeckt sie die grausam verstümmelte Leiche einer Frau. Kommissar Dünfort , der die Ermittlungen mit übernimmt gibt sie aber nur die neue Speicherkarte, die volle behält sie und wenig später entdeckt sie auf den Bildern ein Detail, das sie fast zwingt Ermittlungen auf eigene Faust durchzuführen.

Damit kommt sie dem Täter aber gefährlich nah.





Alles in allem ein recht spannender Krimi, mit gut durchdachten Spannungsbögen und Nervenkitzel, wenn die Autorin sich nur nicht immer in der Wahl ihrer rhetorischen Stilmittel so hoffnungslos vergriffen hätte. Ich bemerke beim Lesen das ein oder andere Mal schon solche Fehlgriffe bei diversen Autoren (was aber oft auch an der falsch interpretierten Übersetzung liegt) aber nie so, das ich wirklich zu Zettel und Stift greifen musste um diese extra zu notieren. Hier nenne ich stellvertretend zwei Beispiele meiner Fundstücke: „Er hatte das Lächeln eines Satyrs“ (Keine Frage so ein Faun ist schon recht dämonisch anzuschauen aber ein Lächeln oder Gegenteiliges im Gesicht zu entdecken schon etwas schwierig.) und ganz fies finde ich diesen Vergleich: „obszön, üppige Pfingstrosen“. Was für eine Beschreibung einer solch schönen, duftenden Blume!

Als weiteren Makel möchte ich noch kurz die Figur des Kommissars Dünfort erwähnen. Ich finde er ist etwas zu unglaubwürdig dargestellt, hoch begabt, kultiviert mit Hang zu einem für seine Berufsgruppe doch recht verschwenderischen Lebensstil. Hiermit meine ich nicht unbedingt die Ausstattung mit materiellen Dingen sondern die mehrmals täglich besuchten Restaurants, Bars und Kaffeehäuser. Das passt nicht wirklich in die Welt eines Kriminalbeamten.
bookorpc zu »Inge Löhnig: So unselig schön« 05.08.2011
In „So unselig schön“ lässt die Autorin Inge Löhnig Kommissar Dühnfort und seinem Team einen dritten Fall in München bearbeiten. Der Titel wie auch das Covermotiv erklärt sich, wie auch in den vorherigen Büchern, während des Lesens.

Inhalt: Vicki möchte nach einigen Schicksalsschlägen ihr Leben in geordnete Bannen lenken. Deshalb ist sie sehr froh um ihren Ausbildungsplatz in einem Reisebüro mit einer sehr toleranten Chefin. Nebenbei hat sie durch ihre große Liebe das Photographieren für sich entdeckt. Dieses Hobby ist der Grund für einen Leichenfund und dank ihre Neugierde, ermittelt sie bald auf eigene Faust.
Kommissar Dühnfort und sein Team haben es mit einer "Kopflosen Braut" zu tun, aber auch Dühnfort selbst kommt in Versuchung seinen Kopf zu verlieren mit seinem komplizierten Liebesleben.

Meine Meinung:
Am Anfang dacht ich noch, man sollte bei Serien, der Reihe nach lesen und kein Band auslassen. Aber im Laufe des Buches sind dann doch meine Fragen, die ich im Hinterkopf aus Band eins hatte beantwortet worden. Die Nebengeschichten um sein Liebesleben fand ich interessant, aber im ersten Fall war es fesselnder. Das Buch an sich, mit Vicki, die auf eigener Faust auf Informationssuche ging, war interessant zu lesen, obwohl mir der Täter zu schnell bekannt war. Der Wechsel zwischen Ermittler, Vicki und dem Täter lockerten die einzelnen Kapitel auf, die mit Datum und Tag versehen waren. Vicki ist eine sehr lebhafte Figur, die einem sympathisch ist und auch gut ausgearbeitet wurde - Unpünktlichkeit, ihr eigener Stil, leider fand ich, dass dies bei Alois und Gina bzw. die Ermittlungen des Teams etwas kurz kamen. Schade finde ich es auch, wie sich der Teamgeist in Dühnforts Einheit entwickelt. Trotzdem bin ich auf einen weiteren Fall und Informationen über das Privatleben der Ermittler gespannt.

Fazit: Wer Interresse an Dühnforts Privatleben hat, sollte dieses Buch lesen, aber sich darauf einstellen, dass noch viel offen für weitere Fälle bleibt. Da das Ermittlerteam nicht zu stark im Vordergrund steht, kann man es aber auch gut einzeln lesen, sollte sich dann aber nicht zu sehr von Anmerkungen zu Vergangenheit irritieren lassen.
Lou_Thally zu »Inge Löhnig: So unselig schön« 17.07.2011
Unbedingt lesen . am allerbesten erst die beiden anderen Titel ... und sich dann auf den 4. Band freuen

Die Kommissar Dühnfort-Reihe:
Der Sünde Sold, In weisser Stille, So unselig schön.
Noch 120 Zeichen schaffe ich nicht - die Einträge im Vorfeld reichen doch hoffentlich. Das Buch sollte man sich doch noch kaufen!
Kuschelbu zu »Inge Löhnig: So unselig schön« 02.05.2011
In Inge Löhnigs 3. Fall hat es Kommissar Dühnfort mit einem Serienmörder zu tun, der sich als Opfer Frauen mit braunen, langen Haaren aussucht. Schnell wird klar, dass es sich bei dem Mörder um einen Künstler handeln muss, der versucht seine Opfer nach einem Gedicht in Szene zu setzen und zu malen.

Mehrere Personen sind verdächtig, aber alle haben ein Alibi. Immer wieder kommt dem Leser ein Verdacht, doch sicher ist man sich bis zu den letzten Seiten nicht. Inge Löhnig versteht es, die Spannung aufrecht zu erhalten und die Gedanken des Lesers immer wieder in eine andere Richtung zu lenken.

Neben der Münchner Polizei, allen voran Kommissar Dühnfort und seine Kollegen Gina und Alois, gibt es aber auch noch Vicki Sänger. Ein 17 jähriges Mädchen, dass nach einer sehr bewegenden Kindheit und Jugend nun eine Ausbildung zur Reiseverkehrskauffrau macht. Während sie ihrem Hobby, der Fotografie, nachgeht, findet sie eine der Frauenleichen und fängt selbst an Nachforschungen zu betreiben und kommt dem Mörder immer näher...

Für mich war es das erste Buch von Inge Löhnig und es hat mir vorallem gefallen, da ich selbst in München wohne und viele Lokalitäten aus der Geschichte kenne. Außerdem fand ich die Thematik der Geschichte sehr interessant. Es geht um Kunst, vorallem das Stilleben, um Fotografie, Liebe und Freundschaft. Denn neben den Ermittlungen hat Dühnfort auch genug mit seinem Privatleben zu tun. Die Trennung von seiner Freundin Agnes, ein schwerer Bootsunfall und die Zuneigung zu seiner Kollegin Gina.
nina2401 zu »Inge Löhnig: So unselig schön« 23.04.2011
Schon der Klappentext – kurz und knapp wie ich es mag - hatte mich auf dieses Buch, dessen beide Vorgänger ich auch kenne, sehr neugierig gemacht. Und ich wurde nicht enttäuscht. Dieser Teil hat mir bisher am besten gefallen. Es gibt ein Wiedersehen mit Tino Dühnfort und seinem Team, mit seinen Essgewohnheiten und sein Seelen- und Liebesleben bleibt auch nicht verborgen. Und es gibt eine sehr intelligent konstruierte und überaus spannende Kriminalgeschichte. Inge Löhnig legt keinen Wert auf blutrünstige Details, was mir sehr gut gefällt. Die Story ist in mehrere Erzählstränge unterteilt, einer ist dem unbekannten Täter gewidmet und ich bekomme einen Eindruck von seiner kranken Seele. Dieser Strang ist sehr abstrakt gehalten und irgendwie poetisch, was ich als sehr passend empfinde, denn ein Gedicht von Baudelaire spielt eine sehr große Rolle. Ein weiterer Strang hat Vicky als Protagonistin. Die junge Frau mit einer bewegten und unschönen Vergangenheit ist ein Urban Explorer und findet bei einer ihrer Touren die enthauptete Leiche einer jungen Frau. Vicky ist eine sehr interessante Person, die ich sehr gut kennen lerne, denn sie ermittelt auf eigene Faust und verarbeitet gleichzeitig ihre Vergangenheit. Der Hauptstrang gehört natürlich Tino Dühnfort und seinem Team. Neben sehr interessanten Einblicken in seine Ermittlungsarbeit, bei der er sich wie immer auch von seinem Bauchgefühl leiten lässt, spielt auch sein Privatleben eine große Rolle und das war für mich irgendwie das Salz in der Suppe und macht diesen Ermittler sehr menschlich und greifbar und die Story sehr lebendig und realistisch.
Der Schreibstil ist flüssig und ästhetisch, der Spannungsbogen wird die ganze Zeit gehalten. Ich hätte fast Nachtschicht eingelegt, ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Ich freue mich jetzt schon auf viele weitere Teile …
Sonea84 zu »Inge Löhnig: So unselig schön« 01.04.2011
"So unselig schön" ist der dritte Band um Kommissar Dühnfort. Von den Fällen her, ist jeder Band insich abgeschlossen, aber die Privatleben der Hauptfiguren entwickeln sich von Band zu Band weiter. Der letzte Teil endete mit einem Cliffhanger, so dass man als Leser doppelt gespannt war, wie es im dritten Teil weitergeht.

Man gerät wieder mitten hinein in die Gefühlswelt von Tino Dühnfort, welche sich noch verkompliziert, als Agnes wieder auftaucht, und Tino somit irgendwie zwischen zwei Frauen und seinen eigenen Gefühlen steht.

Aber nun zur Krimigeschichte ansich. Diese ist gut erdacht und solide geschrieben. Es bleibt das ganze Buch durch spannend, ohne das "Blut trieft". Als Leser rätselt man ja selber mit, wer denn der Mörder sein könnte und wird von der Autorin geschickt immer wieder auf falsche oder verwirrende Wege geführt, was dem Ganzen eine gewisse Würze gibt.

Neben Dühnfort "ermittelt" Vicki, welche eine Leiche gefunden hatte, auf eigene Faust. Vicki ist einem gleich sympatisch und man kann sich gut in sie hineinversetzten. Man fiebert mit ihr mit und bangt um sie. Nach und nach erfährt man etwas über ihre schwere Vergangenheit, was einem Vicki noch näher ans Herz rücken lässt.



Was diese Roman, wie auch die beiden Vorgänger, so besonders macht, ist die Alltäglichkeit. Diese Dinge wiegen einen in Sicherheit. Man ist dabei, wie Dühnfort sich etwas aus den Kühlschrankzutaten zu essen macht, eine Flache Wein öffnet und sich auf seinen Balkon setzt und auf den Friedhof blickt. Um diese Morde herum geht die Welt weiter. Gegenden und Zimmer werden detailliert beschrieben, oder man sieht am Rande der Geschichte ein Liebepaar beim turteln zu. Es sind diese alltäglichen und natürlichen Dinge, die Inge Löhnig`s Dühnfort Romane zu etwas mehr als "nur" einem Krimi machen!!! Der Leser ist nicht in den Ermittlungen gefangen, sondern sieht auch die reale Welt drumherum.



Dieser Krimi ist wunderbar einfühlsam geschrieben und kurzweilig zu lesen. Er strahlt eine gewisse Ruhe und Geborgenheit trotz all der Grausamkeiten in der Welt aus!!!
Caro1893 zu »Inge Löhnig: So unselig schön« 27.02.2011
Eine enthauptete Frauenleiche, ein scheinbar unlösbarer Fall und eine unerschrockene junge Frau, die auf eigene Faust ermittelt und dem Mörder näher kommt, als ihr lieb ist.

Zum Inhalt:
"So unselig schön" erzählt die Geschichte eines bestialischen Frauenmörders und der jungen "Fotografin" Vicki. Vicki ist ein Mädchen, das es nie leicht im Leben gehabt hat. Sie ist in einem Heim aufgewachsen und vor nicht allzu langer Zeit ist ihr Freund tödlich verunglückt. Sie scheint nur Pech im Leben zu haben, bis sie eine Ausbildung in einem Reisebüro machen darf. Neben ihrer Arbeit hat sie auch noch ein besonderes Hobby. Sie dringt, meist illegal, in abbruchreife alte Gebäude ein und macht dort Fotos. Dabei entdeckt sie eines Tages eine enthauptete Frauenleiche in einer stillgelegten Brauerei. Nachdem die Polizei ihre Aussage aufgenommen hat, beginnt sie auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen, was dem Kommissar gar nicht Recht ist und Vicki in ernstliche Schwierigkeiten bringt. Währenddessen verschwinden weitere junge Frauen, die Polizei bemüht sich nach Kräften den Täter ausfindig zu machen, hat jedoch keine heiße Spur. Doch auch Vicki lässt nicht locker und entdeckt bald einen hilfreichen Hinweis. Bei ihrer eigenmächtigen Suche kommt sie dem Mörder jedoch näher als ihr lieb ist.

Meine Meinung:
"So unselig schön" hat mir wirklich sehr gut gefallen. Ich habe zunächst die Leseprobe bei Vorablesen gelesen und war noch nicht vollständig überzeugt, da es am Anfang doch ein bisschen braucht, bis die Geschichte in Fahrt kommt. Zum Glück habe ich mich aber entschlossen, mir das Buch doch zu kaufen. Es ist wirklich wahnsinnig spannend und fesselnd geschrieben und liest sich super.

Es ist allerdings nichts für schwache Nerven, da doch immer wieder eine Leiche relativ detailliert beschrieben wird. Durchgehend blutig ist er allerdings auch nicht, so dass hier vielleicht viele verschiedene Krimileser angesprochen werden.

Inge Löhnig versteht es sehr gut, den Leser immer wieder auf eine neue Fährte zu locken und das Verwirrspiel um die Identität des Mörders auf die Spitze zu treiben. Sie präsentiert immer wieder einen neuen Verdächtigen und lenkt den Verdacht mal in die eine, dann wieder in die andere Richtung. Und gerade dann, wenn man denkt, man weiß wer der Täter ist, kommt es doch wieder anders.

Schön fande ich auch das eingebaute Privatleben des Kommissars. Ich mag es, wenn man die Figuren in Büchern auch näher kennenlernt und hinter ihre Fassade blicken kann; wenn man sie in ihr Privatleben begleiten und nicht nur im Beruf erleben darf. Seine romantischen Gefühle für zwei Frauen waren gut beschrieben, hätten jedoch manchmal fast dazu geführt, dass ich mir an den Kopf lange und laut rufe "man jetzt entscheide dich halt, die armen Frauen". Da diese Geschichte hier offen bleibt, hoffe ich auf eine Fortsetzung, der "Liebelei" in Kommissar Dühnforts nächstem Fall.

Außerdem sehr gut, hat mir auch die Protagonistin Vicki gefallen. Eine wirklich eindrucksvolle und starke Persönlichkeit, die schon so viel in ihrem Leben durchstehen musste und immer wieder aufgestanden ist. Sie war am Boden und hat sich wunderbar zurückgekämpft. Inge Löhnig beschreibt sehr schön, dass die Vergangenheit zwar nicht spurlos an Vicki vorbeigegangen ist, sie sich davon jedoch nicht runterziehen und kaputtmachen lässt. Vielleicht eine Ermutigung an uns alle, denn jeder hat mal mit schweren Schlägen zu kämpfen?! Ich hoffe, dass Vicki auch noch in einem der nächsten Krimis von Inge Löhnig Platz haben wird, ich würde wirklich sehr gerne wissen, wie es mit ihr weitergeht und wie sie die ganze Geschichte mit den enthaupteten Frauen verdaut hat.

Fazit:
Ein durch und durch spannender Krimi, der zwar teilweise grausige, jedoch nicht übermäßig blutige Details hat und wirklich super zu lesen ist.
marita zu »Inge Löhnig: So unselig schön« 02.02.2011
Das Cover von Inge Löhnigs „So unselig schon“ finde ich ansprechend. Die Schrift schaut ein wenig nach Blut aus, allerdings irritiert mich der giftgrüne Vogel (auch nachdem ich das Buch gelesen habe),

Ich habe mich relativ schnell in die Kriminalgeschichte eingefunden. Vicky hat ähnlichen Charakter und Vergangenheit wie Lisbeth Salander. Na ja, intelligente Frau mit verkorkster iKindheit scheint ein beliebter Charakter zu sein. Mir war Vicky auf jeden Fall ziemlich sympathisch. Auch ihr Hobby war recht außergewöhnlich – es begeisterte mich.

Und dann taucht da die Leiche auf in der alten Brauerei – gerade als Vicky diese tollen Fotos machte. Besonders gruselig war der abgetrennte Kopf! Es folgen noch weitere Leichen – gehören sie zusammen?

Wer ist dieser verrückte Maler? Der Mörder, klar, aber wer? Mir gefallen diese ständigen Einschübe. Die Geschichte beginnt sehr spannend. Leider konnte diese Spannung nicht durchgehend gehalten werden – zwischendurch zieht es sich.

Der Bezug zu Baudelaires Gedicht konnte mich nicht wirklich überzeugen. Insgesamt bereue ich nicht den Kriminalroman gelesen zu haben – fand ihn aber auch nichts Besonderes – also Mittelmaß!

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