Ian Rankin

Der ehemalige schottische Punk verleiht dem englischsprachigen Krimi neuen Esprit

Ian Rankin

Ihre beliebtesten Krimis von Ian Rankin

Ian Rankin (geboren 1960 im schottischen Kohlerevier Fife) gilt als einer der führenden zeitgenössischen britischen Krimi-Autoren, im April 2007 wurden ihm zehn Prozent aller Buchverkäufe in Großbritannien zugerechnet1. Zu diesem enormen Publikumserfolg verhalf Ian Rankin sein Roman-Held Detective Inspector John Rebus aus Edinburgh, wo auch Rankin einen seiner Wohnsitze hat.

Rankins Einstieg in die Kriminalliteratur ist bei weitem nicht gradlinig. Zwar wollte er schon als Kind Schriftsteller werden, zeichnete Comics, sang in einer Punk-Band und schrieb die Liedtexte, arbeitete unter anderem als Schweinehirt und Alkohol-Forscher. Aber Krimi-Autor? Nie! Trotzdem interessierte er sich besonders für amerikanische Detektivegeschichten (wie "Shaft" von dem John Rebus seinen Vornamen hat), durfte sie aber nur lesen: Für die Kino-Filme war Rankin zu jung. Rankin studiert in Edinburgh Englisch mit Schwerpunkt amerikanische Literatur, schreibt zahlreiche Kurzgeschichten, einen unveröffentlichten Roman und The Flood, einen Bildungsroman, der 1986 lediglich in einem studentischen Kleinverlag erscheint.

Dann sein erster John-Rebus-Roman, Knotts & Crosses (dt. Verborgene Muster), mit gerade 800 verkauften Exemplaren2 nicht gerade ein Erfolg und basierend gleich auf zwei Missverständnissen: Bei der Recherche bei der Polizei, wie sie bei einem vermissten Mädchen vorgeht, bekommt er einen Termin bei den Polizisten – die gerade einen ähnlichen Fall verfolgen. Rankin, nach durchzechter Nacht völlig ahnungslos, wird so selbst Verdächtiger.

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Knotts & Crosses erscheint, findet sich aber in den Buchregalen wieder, wo Rankin es nie erwartet hätte: zwischen Agatha Christie und P.D. James. Er sucht erfolglos in den Feuilletons nach Kritiken, bis ihm sein Verlag mitteilt, er solle mal einen Blick in Rubrik »Krimi« werfen. Und tatsächlich, da waren sie – obwohl er gar keinen Krimi sondern eher ein Spiel mit dem Leser schreiben wollte. »Ich dachte, sie haben einen Fehler gemacht«, doch nachdem er seinen Roman in der nächsten Buchhandlung auch dort unter »Krimi« findet, stellt Rankin ernüchtert fest: »Ich mache meinen Doktor, werde Professor in Englisch …und ich habe einen ´Whodunit´ geschrieben!«3 Kurzerhand nimmt er seine Bücher aus den Regalen und sortiert sie unter »Scottish Fiction« ein …

Das war´s vorerst mit Krimis und John Rebus. Viel Beachtung erhielt Knotts & Crosses nicht. Rankin wechselt das Genre und schreibt 1990 The Watchman im Stile eines John LeCarré. Es folgt Westwind, das ihm heute dank seines damaligen Verlages überhaupt nicht mehr gefällt: »Der Lektor wollte die Story tougher, aber sie endete in einem riesigen Chaos. Mit Spionagesatelliten, Raumschiffen und jedem erdenklichen Mist.«4 Irgendwann wurde er gefragt, was denn mit aus seinem John Rebus geworden wäre. Und ein Siegeszug durch die britischen Bestseller-Listen begann.

Ian Rankin erklärt sich seinen Erfolg damit, dass er einen Anti-Helden ähnlich wie die Private-Eyes der amerikanischen Hardboiled-School geschaffen hat, der fast nichts richtig macht und seine Fehler hat. Bei seinen Lesungen in Schottland fragt ihn immer einer, ob Rebus nicht mit dem Rauchen und Trinken aufhören könnte. Dann aber stehen zehn andere auf und meinen »Nein, nein. er ist der einzige Charakter der modernen Belletristik, der mich gesund und weise fühlen lässt.«5

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Auch beinhalten Rankins Krimis – ähnlich denen des Schweden Henning Mankell – den sozialkritischen Blick auf seine Heimat, auf Edinburgh mit seiner dunklen Geschichte, seinen Verbrechen, seiner dorfähnlichen, calvinistischen Gesellschaft.

2007 erschien in Großbritannien Exit Music, nach zwanzig Jahren Fall 18 und gleichzeitig der letzte für John Rebus. Rebus hat er mitaltern lassen und jetzt sei er zu alt für den Job bei der Polizei. Eine Rückkehr schließt Rankin jedoch nicht aus, allerdings unter zwei Bedingungen: Der neue Roman müsse zum einen die bis dahin aufgebauten Figuren benötigen und zum anderen müsse er noch irgendwas über Rebus selbst zu schreiben haben. Die Chancen stehen gut: »Ich habe irgendwie das Gefühl, dass es noch einiges gibt, was ich nicht über ihn weiß.«6

Ian Rankin lebt mit seiner Frau Miranda und seinen beiden Söhnen Jack und Kit in Edinburgh. 

Für Die Sünden der Väter wurde er von den Lesern der Krimi-Couch mit dem Krimi-Blitz für den besten Krimi 2006 ausgezeichnet.

Krimis von Ian Rankin:

John-Rebus-Reihe:
Verborgene Muster Rezension
(1987)
Knotts & Crosses
Das zweite Zeichen Rezension
(1991)
Hide & Seek
Wolfsmale Rezension
(1992)
Wolfman / Tooth & Nail
Ehrensache Rezension
(1992)
Strip Jack
Verschlüsselte Wahrheit Rezension
(1993)
The Black Book
Blutschuld Rezension
(1994)
Mortal Causes
Ein eisiger Tod Rezension
(1995)
Let it Bleed
Das Souvenir des Mörders Rezension
(1997)
Black & Blue
Die Sünden der Väter Rezension (Krimi-Blitz 2006)
(1998)
The Hanging Garden
Rebus: The Early Years [Sammelband]
(1999)
Die Seelen der Toten
(1999)
Dead Souls
Der kalte Hauch der Nacht Rezension
(2000)
Set in Darkness
Puppenspiel Rezension
(2001)
The Falls
Rebus: The St. Leonard´s Years [Sammelband]
(2001)
Die Tore der Finsternis Rezension
(2002)
Resurrection Men
Die Kinder des Todes Rezension
(2003)
A Question of Blood
So soll er sterben Rezension
(2004)
Fleshmarket Close
Im Namen der Toten Rezension
(2006)
Naming of the Dead
Ein Rest von Schuld Rezension
(2007)
Exit Music
Mädchengrab
(2012)
Standing in another man’s grave
Schlafende Hunde
(2013)
Saints of the Shadow Bible
Malcolm Fox-Reihe:
Ein reines Gewissen  Rezension
(2009)
The Complaints
Die Sünden der Gerechten Rezension
(2011)
The impossible dead
Unter dem Pseudonym Jack Harvey:
Die Kassandra Verschwörung
(1993)
Witch Hunt
Bis aufs Blut
(1994)
Bleeding Hearts
Sein Blut soll fließen
(1995)
Blood Hunt
The Jack Harvey Novels
(2000)
Kurzgeschichten (auch ohne Rebus):
Eindeutig Mord Rezension
(1992)
A Good Hanging and other Stories
Death is not the End [Novelle, später ausgearbeitet zu Dead Souls]
(1998)
Der Tod ist erst der Anfang
(2002)
Beggars Banquet
The Complete Short Stories
(2005)
weitere Krimis von Ian Rankin:
Der diskrete Mr. Flint Rezension
(1988)
Watchman
Der Mackenzie Coup
(2008)
Doors open
Ein kaltes Herz
(2009)
A Cool Head
Non-Krimi:
Das dunkle Herz der Schuld
(1986)
The Flood
Herbert in Motion and Other Stories
(1994)
Westwind
(1990)
Rebus´ Scotland: A Personal Journey (Photoband)
(2005)
Dark Entries (Graphic Novel)
(2009)

»Erstklassig. Der beste Nicht-Schwede, der beste Brite seit langem. Rule Britannia!« (Die Welt)

»Ausnahmslos alle Romane aus der Rebus-Reihe sind einfach großartig!« (The Times)

»Rankin ist ein wahrer Meister seines Fachs. Er schlägt sämtliche seiner Kollegen um Längen.« (The Independent)

»Ian Rankin gehört zu den besten Krimiautoren unserer Zeit.« (Michael Connelly)

Mehr über Ian Rankin:

  1. Björnsson, Sveinn Birkir: »Dancing Pigs and Drunken Detectives. An Interview with Ian Rankin«. In: Grapevine, 30.06.2006.
  2. Gorman, Ed: »Q & A with Ian Rankin«. In: Mystery Scene, Nr. 67 (2000), S. 56.
  3. Jordan, Jon: »Interview with Ian Rankin«. In: Mystery One, 1999.
  4. Kump, Andreas: »Die dunkle Seite der Macht«. In: Die Presse, 28.05.2005.
  5. Nolan, Tom: »Ian Rankin«. In: Mystery Scene, Nr. 75 (2002), S. 58-59.
  6. Pelz, Michaela: »Exklusivinterview mit Ian Rankin«. Online in: krimi-forum.net, November 2004.
  7. Stein, Hannes: »Im Pub mit John Rebus«. In: Die Welt, 28.06.2005.
  8. Sykes, Jerry: »Ian Rankin«. In: Mystery Scene, Nr. 55, S. 46-47, 79-80.

Quellen:

  1. Sutherland, John: »Hot on the Trails of Global Sleuths«. In: The Sunday Times, 29.04.2007.
  2. Cogdill, Oline: »Ian Rankin. Inspector Rebus Turns 20«. In: Mystery Scene, Nr. 99 (2007), S. 23.
  3. Pierce, J. Kingston: »Ian Rankin: The Accidental Crime Writer«. Online in: January Magazine, Januar 2000.
  4. ebd.
  5. ebd.
  6. Kelly, Stuart: »Ian Rankin: Why Rebus could return«. In: The Telegraph, 11.09.2007.

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