Ein kalter Ort zum Sterben von Ian Rankin

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2016 unter dem Titel Rather be the devil, deutsche Ausgabe erstmals 2017 bei Goldmann.
Ort & Zeit der Handlung: , 2010 - heute.
Folge 21 der John-Rebus-Serie.

  • London: Orion, 2016 unter dem Titel Rather be the devil. 320 Seiten.
  • München: Goldmann, 2017. Übersetzt von Conny Lösch. ISBN: 978-3-442-31461-4. 474 Seiten.
  • [Hörbuch] Köln: headroom sound production, 2017. Gesprochen von Thomas Balou Martin. ISBN: 3942175851. 2 CDs.

'Ein kalter Ort zum Sterben' ist erschienen als Hardcover HörbuchE-Book

In Kürze:

Bei einem romantischen Dinner im Caledonian Hotel erinnert sich Rebus an einen Mord, der fast vierzig Jahre zuvor dort stattgefunden hat: Eine junge lebenslustige Bankiersgattin wollte in dem Luxushotel einen Liebhaber empfangen am nächsten Morgen wurde sie tot aufgefunden. Die Verdächtigen kamen aus den besten Kreisen, der Täter wurde nie gefasst. Ein Skandal, der Rebus nicht loslässt. Während er sich in den alten Akten vergräbt, gerät das kriminelle Machtgefüge in Edinburgh gefährlich ins Wanken: Darryl Christie, einer der Hauptakteure, wird überfallen und halb totgeschlagen; eine Ermittlung wegen Geldwäsche bringt ihn zusätzlich in Bedrängnis. Es sieht so aus, als würde Ex-Gangsterboss Big Ger Cafferty im Hintergrund die Fäden ziehen. Eine Entwicklung, die Rebus gar nicht recht sein kann. Zumal die erste Leiche im tödlichen Revierkampf von Schottlands Unterwelt nicht lange auf sich warten lässt …

Das meint Krimi-Couch.de: Big Ger Cafferty will es noch mal wissen 85°Treffer

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

John Rebus weilt im Ruhestand, nur dass ihn dieser langweilt. So widmet er sich einem alten Fall. Im Oktober 1978 wurde im Caledonian Hotel die äußerst lebenslustige Bankiersgattin Maria Thurquand ermordet. Mehrere Liebhaber soll sie dort im Laufe der Zeit empfangen haben, die Liste der Verdächtigen ist lang und fängt bei ihrem gehörnten Ehemann an. Doch dieser hatte ein Alibi, andere Verdächtige ebenfalls, die Ermittlungen wurden eingestellt. Rebus studiert die alten Unterlagen und nimmt zu Robert Chatham Kontakt auf, einem pensionierten CID-Ermittler, der vor Jahren nochmals im Fall Thurand ermittelte.

»Und richte James was von mir aus.«
»Was?«
»Dass ich mehr Arschlöcher gesehen habe als ein Proktologe, und er ist ein ganz ausgezeichnetes.«

Siobhan Clarke hat derweil ein anderes Problem zu lösen, denn Daryl Christie, die vermeintliche Nummer eins der Edinburgher Unterwelt, wurde vor seiner Haustür zusammengeschlagen. Selbstredend hat niemand etwas gesehen oder gehört. Dann meldet sich plötzlich der vermeintliche Täter, doch dieser ist der Polizei bekannt; für seine Falschaussagen.

Malcolm Fox, unlängst zur Major Crime Division befördert, hat ebenfalls einen neuen Auftrag. Die Steuer- und Drogenfahndung interessiert sich für die Geschäfte von Christie, denn sie vermutet, dass dieser über Wettbüros im großen Stil illegale Geldwäsche betreibt. Es dauert nicht lange und es gibt weitere Verbrechen. Und dann gibt es erste Anzeichen, dass die Fälle miteinander zusammen hängen &

Neben dem Krimiplot rückt das Privatleben von Fox in den Vordergrund

Wer die Romane von Ian Rankin um dessen legendären Protagonisten John Rebus kennt, weiß was ihn erwartet. Der alte Haudegen kann es nicht lassen, seine Hände in alle möglichen Angelegenheiten zu stecken und dabei mit seiner kauzig-schnoddrigen Art des ständigen Besserwissers anderen ihre Grenzen aufzuzeigen. Dabei hat er neben den laufenden Ermittlungen und seinen privaten Recherchen eigentlich ganz andere Sorgen, denn auf seiner Lunge wurde ein schwarzer Schatten entdeckt. Seine legendäre Raucherkarriere meldet sich ein letztes Mal eindrucksvoll zurück.

»Spielst du Bridge?«
»Nein.«
»Ich auch nicht, aber ich kenne die Regeln. Irgendwann wird nicht mehr angesagt, dann kann man die Karten nur noch ablegen.«

Außerhalb des eigentlichen Geschehens erhält das Privatleben von Malcom Fox eine erweiterte Rolle, denn dieser bringt sich in größte Schwierigkeiten. Wenn auch unfreiwillig, denn seine spielsüchtige Schwester Jude ist hoch verschuldet. Dummerweise bei Christie, denn der erwartet von Fox eine andere Gegenleistung als die Rückzahlung der Spielschulden.

»Du lieber Gott, Malcolm – dass so ein vorsichtiger Typ wie du sich aber auch immer in so unmögliche Situationen manövrieren muss.«
»Ich bilde mir ein, dass ich in dieser Hinsicht vom Besten gelernt habe.«

Im Hintergrund wirken Joe Stark, Gangsterboss aus Glasgow, und ein »Russe« mit. Die Zeiten werden wieder rauer, es wird ungemütlich in der Unterwelt. Die einstige Nummer eins Big Ger Cafferty kann und will dies nicht tatenlos hinnehmen und mischt mehr als sonst hinter den Kulissen mit, zumal er sich noch immer von seinem einstigen Protege Christie hintergangen fühlt. So kommt es zu einem erneuten Kräftemessen zwischen Rebus und Cafferty, deren Dialoge einmal mehr einen besonderen Lesegenuss bieten. Hierbei ist vor allem interessant, was gerade nicht gesagt wird.

»Hast du Namen für mich?«
»Namen?«
»Hast es doch selber gesagt – er ist jemandem auf den Fuß getreten.«
»Das ist nicht mehr dein Job, Rebus. Hat dir das noch keiner gesagt?«
»Neugierig bin ich trotzdem.«
»Sieht so aus.«
»Jeder braucht ein Hobby. Ich will mir gar nicht überlegen, was deins sein könnte.«

Sollte Rebus seine Krebserkrankung überstehen, dürfen die Fans der Serie auf weitere spannende Auseinandersetzungen zwischen Rebus und Cafferty hoffen. Ian Rankin deutet mit »Ein kalter Ort zum Sterben« jedenfalls an, dass er noch einige Ideen auf Lager hat.

Jörg Kijanski, Oktober 2017

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Oldman zu »Ian Rankin: Ein kalter Ort zum Sterben« 26.03.2017
Das ist Krimikost erster Klasse. Rankin kann es einfach, und sein John Rebus ist eine Figur, die man schon jetzt unbedingt als Klassiker der Kriminalliteratur bezeichnen muß. Die Handlung ist verzwickt, es tauchen sehr viele Figuren auf, und man sollte sich schon etwas konzentrieren, um alle Fäden - bildlich gemeint - in der Hand zu behalten. Dem Autor jedenfalls gelingt das, die Auflösung ist im Wesentlichen stimmig. Und unserem Freund Rebus ist es wieder einmal gelungen möglich viele der auftauchenden Personen nachhaltig zu verärgern. Eigentlich ist er ja schon Rentner, das hindert ihn aber kein bißchen daran mitzumischen, wobei einige Dialoge fast schon Comedy-Character haben. Mit der Gesundheit steht es bei ihm nicht zum besten, aber ich gehe stark davon aus , dass Rankin seine tolle Figur so schnell nicht sterben lassen wird, zum Glück für uns Leser.
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