Die Tore der Finsternis von Ian Rankin

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2001 unter dem Titel Resurrection Men, deutsche Ausgabe erstmals 2003 bei Manhattan.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 13 der John-Rebus-Serie.

  • London: Orion, 2001 unter dem Titel Resurrection Men. 544 Seiten.
  • Boston: Little, Brown, 2002. 544 Seiten.
  • München: Manhattan, 2003. Übersetzt von Claus Varrelmann & Annette von der Weppen. ISBN: 3-442-54549-8. 544 Seiten.
  • München: Goldmann, 2005. Übersetzt von Claus Varrelmann & Annette von der Weppen. 541 Seiten.

'Die Tore der Finsternis' ist erschienen als Hardcover E-Book

In Kürze:

Inspector John Rebus steckt bis zum Hals in Schwierigkeiten. Der für seinen Eigensinn bekannte Ermittler wird vom Dienst suspendiert und muss einen mehrwöchigen Kurs auf dem Scottish Police College absolvieren, um endlich Teamgeist und korrektes Verhalten zu lernen. Gemeinsam mit fünf weiteren schwarzen Schafen aus den Reihen der Polizei soll er dort aber auch einen ungelösten Fall untersuchen: den Jahre zurückliegenden Mord an Eric Lomax. Rebus weiß allerdings nur zu gut, wer Lomax damals umgebracht hat. Nun muss er befürchten, dass seine eigene tragische Verstrickung in das Verbrechen ans Tageslicht kommt. Während er die Untersuchung verschleppt, hilft er gleichzeitig seiner Kollegin Siobhan Clarke bei Ermittlungen in einem aktuellen Fall: Der Edinburgher Kunsthändler Edward Marber wurde vor seiner eigenen Haustür brutal ermordet, von Täter und Motiv fehlen jede Spur. Doch dann werden Verbindungen zwischen dem Mord an
Eric Lomax und dem an Marber sichtbar und die Spuren führen nicht nur in Edinburghs Unterwelt, sondern auch zu Rebus’ Kollegen im Police College. Eine Erkenntnis, die für ihn und Siobhan tödlich sein könnte …

Das meint Krimi-Couch.de: »Wo bitte geht’s zur Front?« 76°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Rebus ganz unten. Nicht nur, dass er sich offenkundig nicht mit seiner neuen Vorgesetzten Gill Templer arrangieren kann, auch ihre Ermittlungsmethoden im Mordfall Marber, insbesondere seinen intensiven Telefoneinsatz, scheinen ihm arg gegen den Strich zu gehen. In Rage wirft er mit einer Teetasse nach ihr und darf zur Belohnung nach Tulliallan zur Polizeiakademie. Dort wo sonst Jungpolizisten geschult werden, trifft er auf fünf Kollegen aus anderen Städten Schottlands, die ebenso wie Rebus als schwer führbar und beschränkt teamfähig gelten. Als besondere Lehrmaßnahme wird dem Sextett ein alter und ungelöster Mordfall vorgelegt, um ihnen eine Lektion in Sachen Teamarbeit zu erteilen. Wie es scheint, war aber ausgerechnet Rebus damals in den Mordfall Lomax verwickelt. Sollte er etwas vor den anderen Lehrgangsteilnehmern verbergen müssen?

Aber Rebus ist nicht umsonst auf dem Seminar. Der Teetassenwurf war inszeniert und abgesprochen, um ihm einen Grund zu geben, zum Lehrgang nachgemeldet zu werden. Sein Polizeipräsident hat ihn beauftragt, gegen drei der fünf anderen Teilnehmer zu ermitteln, die im Verdacht stehen, vor Jahren einige Millionen illegaler Gelder auf die Seite gebracht zu haben. Sein Auftrag besteht insbesondere darin, die Verbindung der drei aufzudecken und – wenn möglich – die Veruntreuung zu beweisen.

Der Sohn des Wiesels, die Agenten, der Lehrgang und das Rauschgift

Zudem wird Rebus von zwei Agenten der SDEA aus dem Lehrgang geholt, um einen Informanten, der auf den Namen Wiesel hört, zur Mitarbeit zu überreden. Durch einen Zufall ist den Agenten eine große Ladung Rauschgift in die Hände gefallen, die der Sohn des Wiesels verschachern wollte. Vorbei an den weit reichenden Fängen von Big Ger Cafferty, Erzfeind von DI John Rebus und so etwas wie der Pate von Edinburgh. Das Wiesel soll Cafferty, für den er als Fahrer arbeitet, den Agenten ans Messer liefern, um seinem Sohn zu helfen.

Der vierte Fall, in dem Rebus aktiv werden muss, ist der oben schon erwähnte Mordfall Marber. Der berühmte Galerist wurde nach einer Vernissage ermordet, ohne das irgendwelche nennenswerten Wertgegenstände entwendet worden wären. Der Fall wirft viele Rätsel auf, da Marber unzählige Feinde in der Kunstszene hatte und ein ungeordnetes Liebesleben führte. Eine Spur scheint zu einem Saunaclub zu gehören, den Marber regelmäßig besuchte. Es deutet vieles darauf hin, dass der Besitzer des Clubs Big Ger Cafferty ist. In diesem Fall arbeitet Siobhan Clarke, die junge Kollegin von John Rebus, besonders engagiert.

Vier Verbrechen in einem Buch sind ein ehrgeiziges Unterfangen

Dass sich zwei Verbrechen, die zunächst scheinbar nichts miteinander zu tun haben, miteinander verbinden lassen, haben schon etliche Kriminalautoren bewiesen. Auch die Verknüpfung dreier Verbrechen ist schon dem ein oder anderen gelungen, bei anderen geht die Übersicht verloren. Vier Verbrechen gleichzeitig in einem Buch zu klären, das ist schon ein sehr ehrgeiziges Unterfangen, da es für den Leser eigentlich unweigerlich zu Problemen mit der Übersichtlichkeit kommen muss.

Ian Rankin hat diese Herausforderung angenommen und dürfte mit dem Ergebnis zufrieden sein. Seinen Inspector Rebus beschreibt er in gewohnt lebensnaher Weise, ein Mann mit vielen Ecken und noch mehr Kanten, unzähmbar und wohl deshalb ein sehr interessanter Charakter. Jemand, der in diesem Roman jedoch auch einen scharfen Konflikt mit sich selber auszutragen hat. Er weiß selber nicht, wo er steht. Ist er Ermittler oder Verdächtiger? Wem kann er vertrauen und wer vertraut ihm noch? Soll er Fallen stellen oder werden sie ihm gestellt? Dadurch schafft es Rankin, die dem Leser stellenweisende fehlende Orientierung als das normalste auf der Welt zu verkaufen. Wie soll der Leser den Überblick bewahren, wenn es auch der Protagonist nicht vermag?

Unterhaltsam, aber gelegentlich sehr konstruiert

»Die Tore der Finsternis« ist ein durch und durch unterhaltsamer Kriminalroman, wobei Autor Rankin jedoch einige Male Situationen zu sehr konstruieren muss. Wieso wird auf dem Lehrgang ausgerechnet ein alter Fall ausgegraben, an dem Rebus seine einst Finger schmutzig machte? Und wieso stimmt der Seminarleiter ohne weiteres zu, als die Kursteilnehmer unbedingt in Edinburgh weiter ermitteln wollen, wo sie doch anfangs nur alte Akten aufarbeiten sollten? Das Seminar ist überhaupt die Schwachstelle an diesem Roman. Rebus vorgeschobener Teilnahmegrund und Auftrag, das zufällige Zusammentreffen dreier schwarzer Schafe und die Maßnahme, wie aus 6 Eigenbrötlern ein Team gebildet werden soll.

Zusammen mit seiner Kollegin und treuen Schülerin Siobhan Clarke kann Rebus am Ende das Knäuel entknoten und dem Leser eine gut begründete Erklärung für die Verbrechen und Tatmotive liefern. Rankin schafft es auch, das Spannungsniveau lange Zeit hoch zu halten. Dass der Leser dabei zwischendurch selber ab und an die Tore der Finsternis durchschreiten muss, manchmal nicht mehr weiß, in welchem Fall gerade die Ermittlungen voranschreiten und wer auf wessen Seite steht, tut komischerweise dem Lesefluss keinen Abbruch. Rankins Romane bleiben auf hohem Niveau.

Ihre Meinung zu »Ian Rankin: Die Tore der Finsternis«

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Jossele zu »Ian Rankin: Die Tore der Finsternis« 07.11.2014
Aufgrund eines Tipps habe ich mit der Lektüre von Ian Rankins Rebus Krimis begonnen und zwar chronologisch. Und so ziemlich alle haben mir sehr gut gefallen. Den bisher besten habe ich aber soeben gelesen. Rankin verwebt darin einen vor ca. 6 Jahren begangenen Mord an einem Unterschlupfbeschaffer für die Unterwelt, in den Rebus verstrickt war mit einem aktuellen Mordfall an einem Galeristen, den Siobhan Clarke und der junge Kollege Davie Hynds wegen Rebus Abwesenheit offiziell alleine lösen müssen. Denn Rebus muss zum Besserungskurs nach Tulliallan in die Polizeiakademie einrücken, angeblich weil er einen Teebecher nach seiner Chefin Gill Templer warf, in Wirklichkeit aber im Auftrag seines obersten Chefs, des Polizeipräsidenten Strathern, um andere Kursteilnehmer eines Verbrechens zu überführen. An keiner Stelle verliert die Geschichte die Spannung und an keiner, das ist mir immer besonders wichtig die Logik. Und am Ende klärt sich alles auf, logisch und folgerichtig. Selbst das Ende, ein Schwachpunkt vieler Krimis, die dann mit einem jesusmäßigen Showdown glauben aufwarten zu müssen, ist gut gemacht. 98° von mir, weil ich mir einen Rest noch aufheben will. Rebus at ist best!!
Uwe M. zu »Ian Rankin: Die Tore der Finsternis« 22.12.2012
Mein erstes Ian Rankin Buch. Ich habe es mit gemischten Gefühlen gelesen. Handlung und Darstellung sind anfangs sehr verworren, wozu m. E. auch der Übersetzer beigetragen hat, der so manche britische Besonderheit des Buches nicht aufzulösen vermag, z. B. das Spiel mit den Dienstgraden und Dienstgradbezeichnungen, das wie die Hierarchie der britischen Polizei recht undurchsichtig bleibt. Erst spät nimmt das Buch Fahrt auf. Es bezieht seinen Spannung aus dem widersprüchlich dargestellten Charakter des Protagonisten Rebus, bei dem man lange nicht weiß, wohin die Reise geht. Ein nicht unwesentlicher Teil der Lösung wird ganz am Ende und sehr unvermittelt aus der Tasche gezogen. Ich werde weitere Versuche über Rebus lesen, bin aber durchaus skeptisch, ob mein Interesse aufrechterhalten bleibt.
theili zu »Ian Rankin: Die Tore der Finsternis« 29.07.2008
Dies ist der zweite Fall von John Rebus den ich gelesen habe. Ich finde den Protagonisten und auch die anderen Charakteren echt Klasse (unglaublich was die Schotten alles trinken können).
Was mich bei diesem Buch besonders gefallen hat, ist die Ungewissheit wer von den Wild Bunch nun auf welcher Seite steht. Leider gibt es in diesem Buch aber zuviele verschiedene Handlungen, die meinens Erachtens nicht notwendig sind.
Alles in allem ein weiterer gelungener Rebus-Roman.
Chris. zu »Ian Rankin: Die Tore der Finsternis« 28.09.2007
Mein erster Roman von Ian Rankin, ich mus sagenich bin unentschlossen, ob mir sein Schreibstil gefällt oder nicht. Das Buch ist ohne Frage wriklich gut und sein Geld wert. Trotzt der vielen Namen, behält man leicht den Durchblick, es herrscht keine Verwirrung. Ich werde definitiv noch mindestens ein Buch von I. Rankin lesen.
heinrich zu »Ian Rankin: Die Tore der Finsternis« 09.08.2007
Wieder ein Spitzenbuch in der Rebus-Serie. Das man nicht immer weiß, wer auf wessen Seite steht, ist gewollt und sehe im Gegensatz zu Herrn Kürten als positives Spannungselement. Nervig empfinde ich wieder mal den deutschen Pompös-Titel und das der Verlag den verschiedenen Übersetzern keine klare Linie vorgibt: Wer Duzt oder Siezt wen?? Das ändert sich ständig, habe ich den Eindruck.
Cantona zu »Ian Rankin: Die Tore der Finsternis« 09.01.2007
Ich habe bislang alle chronologisch gelesen. Puppenspiel und auch Resurrection Men (der kalte Hauch der Nacht) sind einfach Weltklasse. Wer da von Langeweile spricht, sollte lieber Dan Brown lesen.

Bei Rankin entwickeln sich die Charaktere. Und es gibt inzw. einige, die regelmässig dabei sind (Rebus, Siobhan, Linford, Jean). Die Fälle sind halt nicht mit wüsten Schießereien und Verfolgungsjagden, Gott-sei-Dank!!!

Sowas ist eh total unrealistisch.

Ich freue mich auf die 2 Bücher, die ich nochim Schrank stehen habe.
Luca zu »Ian Rankin: Die Tore der Finsternis« 10.12.2006
Dies ist Mein erster Roman von diesem Autor ,es ist spannend geschrieben und auch Detective Inspector John Rebus wuchs mir schnell ans Herz.Ein sehr gelungener Roman von ian rankin.Ich werde sicherlich noch viele Lesen.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
John Rebus zu »Ian Rankin: Die Tore der Finsternis« 09.12.2006
Ich habe bislang alle 12 Romane von Rebus chronologisch gelesen. Etwas schwächer fand ich eigentlich nur "Der kalte Hauch der Nacht", die restlichen Romane sind exzellent. Klar, wer auf Action steht, der sollte nicht Rebus lesen. Aber die Charaktere sind vorzüglich beschrieben. Ich lese jetzt noch "Resurrection Men" zuende und dann noch die letzten zwei. Mir ist es unverständlich, was man an den Rebus-Romanen kritisieren kann...
Anja S. zu »Ian Rankin: Die Tore der Finsternis« 03.10.2006
Nun ja, bei diesem Buch von Herrn Rankin habe ich entnervt aufgegeben, da es unertraeglich langweilig war. Ich wollte es noch nicht einmal diagonal lesen, was ich bei "Puppenspiel" ja noch getan habe.
Jasmin zu »Ian Rankin: Die Tore der Finsternis« 22.09.2006
Das Buch hat mich nicht umgehauen, aber das hat Rankin bisher bei mir eh noch nicht geschafft. Das Buch ist langatmig und am Ende kommt's mir ziemlich konstruiert vor. Aber ich gebe nicht auf und werde noch mehr von Rankin lesen!
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