Der kalte Hauch der Nacht von Ian Rankin

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2000 unter dem Titel Set in Darkness, deutsche Ausgabe erstmals 2001 bei Manhattan.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 11 der John-Rebus-Serie.

  • London: Orion, 2000 unter dem Titel Set in Darkness. 540 Seiten.
  • München: Manhattan, 2001. Übersetzt von Christian Quatmann. ISBN: 3-442-54521-8. 540 Seiten.
  • München: Goldmann, 2002. Übersetzt von Christian Quatmann. 539 Seiten.

'Der kalte Hauch der Nacht' ist erschienen als Hardcover

In Kürze:

Bei der Besichtigung des künftigen Parlamentgebäudes in Edinburgh wird Detective Inspector John Rebus Zeuge einer grausigen Entdeckung: Hinter einem unbenutzten Kamin kommt eine mummifizierte Leiche zum Vorschein. Diesem Fund folgen schon bald zwei rätselhafte Todesfälle, die offenbar mit der Entdeckung in Queensberry House zu tun haben: Der Sohn einer der einflussreichsten Familien Edinburghs wird erschlagen aufgefunden., und ein erstaunliuch wohlhabender Obdachloser begeht Selbstmord. Bei seinen Ermittlungen kommt Rebus Schritt für Schritt den wohlgehüteten Geheimnissen von Schottlands düsterer Hauptstadt auf die Spur.

Das meint Krimi-Couch.de: »Der blutige Spuk der keltischen Mafia« 70°

Krimi-Rezension von Michael Drewniok

Wieder einmal ist er bei den Vorgesetzten in Ungnade gefallen: John Rebus, Inspektor bei der Kriminalpolizei im schottischen Edinburgh, wurde von der Mordkommission in das »Polizei-Parlaments-Verbindungskomitee« strafversetzt. Nachdem Schottland drei Jahrhunderte von London aus regiert wurde, ist es den den Schotten an der Schwelle zum nächsten Millennium im Zuge der neuen britischen Politik der »Dezentralisierung« gelungen, sich die Selbstverwaltung zu ertrotzen. Das »Neue Parlament« entsteht in Edinburgh, wo sich die eng verfilzte politische und wirtschaftliche Elite der Stadt einen erbitterten Kampf um Macht und Geld liefert.

Pardon wird dabei nicht gegeben. Es beginnt vergleichsweise harmlos, als Bauarbeiter auf dem Parlaments-Gelände in einem zugemauerten Kamin des alten Queensberry- Hauses die mumifizierte Leiche eines Mannes entdecken, die dort wohl schon zwanzig Jahre gelegen hat. Mord Nummer Zwei ereignet sich einen Tag später in der Gegenwart und erregt weitaus größeres Aufsehen: Roderick »Roddy« Grieve gehört nicht nur einem einflussreichen Künstler- und Politikerclan an, sondern bewarb sich auch gerade um ein Mandat im Neuen Parlament, als er des Nachts auf der Baustelle desselben brutal erschlagen wird.

Mit einem Schlag kehrt Rebus an die Ermittlerfront zurück, wie er es sich ersehnt hat. Es ist auch gut so: Im Privatleben zunehmend unglücklich, vereinsamt und inzwischen zum Alkoholiker geworden, dient ihm die Arbeit als Rettungsanker. Aber die Luft bei der Polizei ist dünn für Rebus geworden. Der junge, ehrgeizige Inspektor Derek Linford wird ihm vor die Nase gesetzt, seine Methoden werden in Frage gestellt, seine Untersuchungen von den weiterhin mobbenden Vorgesetzten ignoriert. Wider jede Vernunft beginnt Rebus zudem eine Affäre mit Lorna Grieve, der Schwester des Ermordeten, die selbst durchaus tatverdächtig ist.

Dann erscheint auch noch Rebus´ Erzfeind auf der Bildfläche. Morris Gerald »Big Ger« Cafferty war einst der Unterweltfürst von Edinburgh, ein Kapitalverbrecher schwersten Kalibers, bis Rebus ihn vor einigen Jahren zur Strecke bringen konnte. Cafferty hatte ihm Rache geschworen, und nun ist er wieder da, angeblich wegen einer unheilbaren Krankheit vorzeitig aus der Haft entlassen.

Wie immer läuft Rebus zur Hochform auf, wenn er in die Enge getrieben wird. Er nimmt den Kampf gegen Feinde und Gegner auf und ermittelt quasi nebenbei in seinem ganz persönlichen Stil. So hat er schnell herausgefunden, dass sich Cafferty nicht nur bester Gesundheit erfreut und hinter den Kulissen des organisierten Verbrechens wieder kräftig die Fäden zieht, sondern auch eng mit Bryce Callan zusammenarbeitet, dem »Paten von Edinburgh«, der sich vor Jahren ins sonnige Spanien abgesetzt hat, das seine Bürger nicht nach Großbritannien auszuliefern pflegt. Rebus erkennt, dass die Morde an Roderick Grieve und »Skelly«, der Mumie von Queensberry House, trotz der großen zeitlichen Differenz zu einem einzigen Fall gehören, doch er vergisst, dass sich Verbrecher dieses Kalibers nicht mobben sondern morden, wenn sie sich bedroht fühlen …

So gipfelt »Der kalte Hauch der Nacht« in einem genial-bösen Finale, das hier nicht vorweg genommen werden soll, und katapultiert den 11. Band der Rebus-Serie noch in jene Höhen des Kritiker-Olymps, für den Ian Rankin seit vielen Jahren eine Dauerkarte zu besitzen scheint. Doch bis es so weit ist, irritiert der Verfasser mit einer verwickelten und überkomplizierten Geschichte, die nicht über ihre gesamte Distanz fesseln, geschweige denn überzeugen kann und im Mittelteil erstaunliche Längen aufweist. Sehr hoch hat Rankin dieses Mal seine Ziele gesteckt. Polit-Thriller um Macht, Missbrauch und Moral, Panorama der geliebten und gehassten Metropole Edinburgh, Abriss der bewegten schottischen Geschichte, Psychogramm der modernen Großstadt- Polizei und Porträt eines Mannes am Abgrund: Es ist – wenn auch auf gewohnt hohem Niveau – ein wenig zu viel, so dass es durchaus hilfreich, aber lästig ist, sich bei der Lektüre Notizen zu machen, um den Überblick zu behalten.

Der Plot ist originell, aber arg konstruiert. Dazu braucht es einige Zufälle zuviel, den über zwei Jahrzehnte und zahlreiche Figuren zerfasernden Handlungsfaden zu einem festen Final-Knoten zu zurren. Als echter Schwachpunkt erweist sich dabei Rankins Ausflug in die High Society. Der Grieve-Clan, ins Leben gerufen, um wieder einmal Klage darüber zu führen, dass die Reichen und Schönen sich über das Gesetz erheben, entpuppt sich als Schlangennest geld- und machtgieriger, wahlweise boshafter oder geiler oder malerisch degenerierter Pappkameraden, wie sie üblicherweise die Seifenoper-Mini-Serien des US-amerikanischen Fernsehens bevölkern.

Die Riege der Stammdarsteller ist inzwischen gewachsen. John Rebus steht nicht mehr ständig im Mittelpunkt – leider, denn es ist hauptsächlich seine Figur, die den Leser echten Anteil nehmen lässt. Seine Polizei-Kollegen bleiben konturenschwach, obwohl Rankin ihnen viel Aufmerksamkeit widmet. Nun bestimmen sie über weite Passagen die Handlung, in der Rebus nicht selten wie ein Gaststar wirkt. Ob Rankin dies planmäßig über die Jahre so entwickelt hat, ist leider schwer nachvollziehbar: Den Verkaufszahlen eher verpflichtet als der inneren Logik, erschien der elfte Rebus-Band hierzulande als Hardcover im Anschluss an den dritten in der Taschenbuch-Edition. Diese riesige Lücke lässt ein kaum zu überbrückendes Loch in der Chronologie aufklaffen. Zahlreiche Andeutungen im Text verraten, dass Rebus´ Leben vor Der kalte Hauch der Nacht manche entscheidende Wendung genommen hat, deren Unkenntnis nun für Verwirrungen und Brüche sorgt.

Wenn Rebus mehr und mehr in den Hintergrund rückt und quasi von der Großstadt Edinburgh ersetzt wird, mag dies nicht nur damit zusammenhängen, dass Rankins heute geändert sozialkritisch auf den Spuren von Sjöwall und Wahlöö oder Henning Mankell wandelt. Womöglich fällt ihm einfach nichts mehr zu der Figur ein, die ihn berühmt machte. Rankin lässt in Interviews neuerdings durchblicken, dass sich John Rebus allmählich dem bei der schottischen Polizei üblichen Pensionsalter nähert. Dieser elfte Band macht deutlich, dass es dem Ruf dem Rebus-Reihe durchaus förderlich sein könnte, würde der Autor sich an den Zeitplan halten.

Das meinen andere:

»Erstklassig!« (Die Welt)

»Ein unerreicht beständiger Level an Exzellenz in der britischen Krimilandschaft. Mein Ratschlag: Lesen Sie ´Der kalte Hauch der Nacht´!« (The Times)

»Wiedereinmal erreicht Rankin Bereiche, die viele andere britische Krimi-Autoren nichtmals anstreben.« (Sunday Telegraph)

»Eine Reihe, deren Zeit gekommen ist …komplex, menschlich und fesselnd. Eine perfekte Einführung in die Kunst Ian Rankins.« (Manchester Guardian)

Ihre Meinung zu »Ian Rankin: Der kalte Hauch der Nacht«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

Schneeglöckchen zu »Ian Rankin: Der kalte Hauch der Nacht« 19.07.2014
Ich bin gerade auf Seite 205 angekommen und bis jetzt nicht sehr begeistert. Ich finde es zu langatmig. Gleich zu Anfang dauert die Besichtigung des Queensberry House ewig, und ich fragte mich, wozu das so aufwendig dargestellt wird. Spannung ist da auch keine drin. Ist es für den Leser wirklich von Interesse, wer wann welche Genehmigung erteilt hat?
Dann die lange und unspektakuläre Beschreibung dieses Clubs, wo man immer darauf wartet, daß etwas geschieht, woran der Leser erkennen könnte, daß es die Geschichte vorantreibt. Es sei denn, die Begegnung Siobhans mit Linford dort ist so etwas.
Es ist mein erster Ian Rankin. Mag sein, daß ich falsch begonnen habe. Inspector Rebus hat bis jetzt nicht meine Sympathie erlangt.
Desweiteren tritt eine solche Menge an Figuren auf den Plan, daß es schwer fällt, die Übersicht zu behalten.
Am interessantesten ist für mich bis jetzt die Geschichte um Jerry und Nic, wo ich glaube erkennen zu können, was es damit auf sich hat.
Mal sehen, ob ich das Buch zu Ende lesen werde, denn eigentlich mag ich verwobene Geschichten mit viel Drumherum. Dieses ist mir jedoch zu aufwendig und teilweise unübersichtlich.
hades01 zu »Ian Rankin: Der kalte Hauch der Nacht« 06.07.2011
Leider ist mir diesmal das Privatleben von Inspector Rebus zu kurz gekommen. Sonst aber konnte mich das Buch überzeugen. Verschiedene Handlungsstränge die sich am Schluss zu einem zusammenfügen. Sehr komplex und zwischenzeitlich auch etwas verwirrend wegen der vielen Handlungsstränge, aber am Schluss lückenlose Aufklärung (für mich). Kein Buch welches man 5 Tage liegen lassen kann um weiter zu lesen. Trotzdem : empfehlenswert
muprl zu »Ian Rankin: Der kalte Hauch der Nacht« 15.02.2009
Es war mein erster "Rankin" und nach bisher drei weiteren bleibt es bisher für mich immer noch der Beste. Sowohl von der Komplexität der Handlungsstränge her als auch wegen der hier sehr deutlichen Schilderung gesellschaftlicher Probleme, die hier wesentlich einfühlsamer und tiefgründiger geschildert sind, als in den ersten Rebus-Fällen.
Und nicht zuletzt: Mit Inspektor Rebus haut man sich einfach furchtbar gern die Nächte um die Ohren! Mein absoluter Lieblingskomissar.
Cantona zu »Ian Rankin: Der kalte Hauch der Nacht« 05.09.2006
Also ich verstehe die Meinung des KK-Autors hier absolut nicht. Das Buch ist, wie alle anderen von Rankin auch, exzellent. Ich finde es sogar eines der Besten. Es ist sehr persönlich und man erfährt sehr viel über Rebus und die anderen, z.B. über Siobhan. Dieses Mal ist es nicht so fall-lastig, sondern man erfährt auch viel privates.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Nicole zu »Ian Rankin: Der kalte Hauch der Nacht« 13.03.2006
Ich lese momentan "Der kalte Hauch der Nacht", bin aber erst auf Seite 134. Ich habe die vorherigen "John-Rebus-Romane" in chronologischer Reihenfolge gelesen (sofern sie denn bereits in Dtschl. erschienen sind). Das einzige was mich momentan stört, ist dass Rebus vom vorgehenden Roman "Die Sünden der Väter" zu "Der kalte Hauch der Nacht" quasi von jetzt auf gleich wieder zum Alkoholiker geworden ist. In der Chronologie hier auf krimi-couch.de steht zwischen diesen beiden Romanen noch ein weiter, der wohl nicht ins Deutsche übersetzt wurde. Vielleicht würde der ja Aufschluss geben warum John Rebus plötzlich wieder so dem Alk. und den Zigaretten verfallen ist, obwohl er in den vorgehenden 2 Romanen dank Jack Morton von beiden ja fast vollständig weggekommen war. Ok einen Punkt, der in aus der bahn geworfen haben lönnte gibt es in "Die Sünden der Väter" aber generell geht mir der Absturz etwas zu abprupt... Schade eigentlich. Ansonsten "liebe" ich die John-Rebus-Romane. Toll geschrieben, Rebus hat einen gnadenlos trockenen Humor und auch Siobhen Clark gefällt mir so wie sie dargestellt wird. Sie ist eben Rebus "Schülerin" ;o)
K.-G.Beck-Ewe zu »Ian Rankin: Der kalte Hauch der Nacht« 27.08.2004
Rebus ist teilweise wie eine schottische Version eines Raymond Chandler- oder Dashiell Hammett-Helden, des kompromisslose Moralität in einer unmoralischen Welt dem Helden oft mehr Schmerzen zufügt als seiner Umwelt. Gut zum Lesen und auch zum Vorlesen – wenn man die notwendige Puste dafür hat.
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Ihr Kommentar zu Der kalte Hauch der Nacht

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: